Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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stcrschcn Agende zur Belehrung und Vorschrift für die Pfarrer, so wieviele strenge Verordnungen gegen Rvhheit und anstößiges Betragen derWeltgeistlichen wider Ordcnsleuic, noch mehr als alles dieses aber die imI. 1588 erfolgte Einführung des Jesuiten-Ordens und die Ucbergabedes früheren Dom-Gymnasiums an diese halfen ihm zur fast völligen Er-reichung seines Zweckes. Es wird hier an der Stelle sein, über dieGeschichte der Bildungs-Anstalten der Stadt Münster, weil diesevon seht an für lange Zeit unter die Leitung der Jesuiten kommen, dasWesentliche mitzutheilen. Die ersten Anfänge der Bildung enlstanden inMünster mit der Einführung des Christenthums; zugleich mit der Grün-dung des BisthumS stiftete der h. Ludger in dem von ihm gegründetenDomklostcr eine Domschulc und nahm am Unterricht selbst Theil. Alleinnicht jeder Bischof »ahm am Lehramte unmittelbar Theil, sondern die mei-sten, und so ist es auch in Münster geschehen, überließen es einemihrer Geistlichen, der als Schulhalter (Scholastikus, woher später diedomkapitularische Dignität eines Scholasters) die Aufsicht über die Schu-len erhielt. Aus manchen Gründen können wir vermuthen, daß die Dom-schule zu Münster bald nicht bloß eine Bildungs-Anstalt für die Geistlichen,sondern für alle jungen Leute, die eine höhere Bildung erstrebten, alsoeine eigentliche gelehrte Schule wurde. Gelehrt wurden in derselben, außerden allgemeinsten unv nothwendigsten Religionsbcgriffcn, nach der Weiseder damaligen Zeit die sog. sieben freien Künste, Grammatik, Rhe-torik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie. DieBlüthezeit dieser älteren Schule fällt in die erste Hälfte des elften Jahrh.;sie genoß des besten Rufes, und selbst aus entfernten Ländern fanden sichSchiller ein, sie zu besuchen. Das älteste Lokal soll an der Stelle der Köer-dinckschen, letzt Fr. Regcnsbergschcn, Buchhandlung und Buchdruckern inunmittelbarer Nähe des ältesten Domes gestanden haben, welches Gebäudenoch jetzt dem Domkapitel gehört, und in welchem noch jetzt die aus dieserSchule ursprünglich hervorgcgangencn Domsänger (sog. Camcrälc) woh-nen. Um die Mitte des elften Jahrhunderts beginnt der Verfall derSchule; die Unruhen zur Zeit Kaiser Heinrich IV., das Niederbrennen desLokals bei der Belagerung durch den Herzog Lothar von Sachse», dieVerweltlichung des Domkapitels seit dem Aufhören der gemeinschaftlichenDomherrn-Wohnung, endlich der Uebcrgang der Scholasterstellc in eineeinträgliche Pfründe, und das Ueberlasscn des Lehramtes an kärglich be-soldete Rektoren bewirkten diese nachtheilige Veränderung. Sehr alt schenitdie Theilung der Schule in zwei Abtheilungen gewesen zu sein, von denendie untere bloß Grammatik, Arithmetik und Musik (das sog. Trivium)zu Lehrgegenständcn hatte, und als Vorbereitung für die obere diente;ans jener hat sich die noch bestehende und noch immer dem Domkaptteluntergeordnete Paulinische Trivialschule entwickelt. Jedenfalls jün-geren Ursprungs ist die ebenfalls noch bestehende Lamberti - Trivial-schule; die Kirchspielsschulen entstanden mit der Gründung dergleichnamigen Kirchspiele und Pfarren, und hingen rücksichtlich der Leitungund des Unterhalts vom Domkapitel ab. Der Zustand des Verfalles derSchule währte den größten Theil des Miltelalters hindurch, mit Ausnahmedes aus ihr hervorgcgangcnen Kirchengesanges, der sich im besten Rufeerhielt; erst im fünfzehnten Jahrhundert begann für sie ein neues Leben,welches, theilweise wenigstens, aus zwei anderen ungefähr gleichzeitigenund sehr vortrefflichen Instituten sich entwickelte. Nachdem nämlich diein der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts erscheinende Errichtung derUniversitäten in Deutschland einen eigenen Gelehrten-Stand neben derGeistlichkeit theils geschaffen, theils in Schutz genommen, aber für dieVolksbildung uud für die Volksschulen fast nichts geleistet hatte, trat inden Niederlanden, bald nachher auch in Westfalen eine Gesellschaft vonGeistlichen auf, die in Gütergemeinschaft uud in einem Hause, aber ohnebesonderes Ordensgelübdc, lebten, die gewöhnliche Kleidung der Welt-geistlichen trugen, und sich gemeinschaftlich lebende Brüder lt'r-nres<Ie eumimiul vilg), ihren erwählten Vorsteher aber den Vater (patoi)nannten, daher auch nicht als Mönche, sondern als rcgulirte Chorherren(csnanici leAuInres) betrachtet und im gemeinen Leben nach weiterer Aus-bildung ihres Institutes Fraterherren genannt wurden. Ihr Zweckwar Unterweisung und Erziehung der Jugend, Abschreiben nützlicher Bücher

und Bereitung der dazu nöthigen Materialien, besonders des Pergaments.Arbeit sollte ihnen den Lebensunterhalt bringen, und das Almosensammelnnicht ausgeübt werden; ihr Lebe» sollte ein stilles und häusliches, ihreSitten musterhaft sein. Gegenstände ihres Studiums waren, außer derBibel und den Kirchenvätern, vorzüglich die Schriften der Griechen undRömer. Die erste Niederlassung dieser vortrefflichen Gesellschaft geschahin Münster im Jahre 1409, wo Heinrich von AhauS, ein geborncrMünstercr und Vikarius der Domkirchc, »ach dem Muster des im Jahre1391 bei Nordhorn gestifteten Fraterherren-Conventes Frenswegen aufdem Bispinghofe (westwärts von der jetzt so benannten Straße, und zwarauf dem sogenannten Hohncnkamp am Süd-Ende des krummen Timpens)mit einer Anzahl Geistlicher sich zu einem abgeschlossenen klostcrähnlichenLeben im obigen Sinne nieverließ, und das ihm zugehörige HauszumSpringbrunnen" (»<1 lauten, salienteni) nebst einigen Rente» der neuenStiftung vermachte. Bald wurden die Bischöfe diesem nützlichen Institutegeneigt, und schon im Jahre 1422 erfolgte durch Otto IV. die bischöfliche,im Jahre 1431 die päpstliche Bestätigung des Conventcs derBruder desSpringbrunnens," wie die münsterschen Fraterherren von ihrer ersten Woh-nung genannt zu werden pflegten. Diese wurde aber bald eine schönereund bessere, da derselbe Bischof Otto IV. ihnen seinen Obst- und Baum-gartcn, d. h. einen Theil seines Burggartens auf dem Bispinghofe (süd-westlich von der jetzt so benannten Straße und an der Stelle des jetzigenvon Galenschen Gartens) schenkte, und die Erlaubniß, hier ein Haus undeine Kapelle mit Vorbehalt des Parochialrechtes der Neberwaffer-Kirchezu errichten, nebst mehrfachen Priviligicn, ertheilte, während die Brüderihre frühere Wohnung auf dem Hohncnkamp dem städtische» Magistrat zurErrichtung eines Armenhauses überließe». Bald erregte die neue Gesell-schaft ungeachtet ihres segenreiche» Wirkens den Neid der Klostergeistlichen,und da sie in der damalizen Zeit die Stelle der Buchhändler und Buch-binder, auch nach Erfindung der Buchdruckerkunst, vertraten, so mußtensie bald bedeutendes Geld verdienen, und viele» Anfechtungen der sichspäter entwickelnden Gewerbe der eigentlichen Buchhändler und Buchbinderausgesetzt sei». Auch läßt sich nicht verkennen, daß der Plan der erstenGründer viel zu idealisch aufgefaßt war, und es kann daher nicht befrem-den, wenn späterhin die Anstalt von ihrer ursprünglichen Reinheit hcrab-sank, und eine bloß industrielle Corporation, so wie ein Versorgungs-Jnstitut für Einzelne wurde. Zu bemerken ist noch, daß laut altem Vor-behalte sämmtliche münstersche Bischöfe bis in die spätesten Zeiten nacheiner vollendeten Reise oder einer Entfernung aus der Stadt ihr freiesAbsteigequartier im Hause der Fraterherren hatten. Das Institut dergemeinschaftlich lebenden Brüder hatte indessen schon früh bei dem weib-lichen Geschlechte Beifall und Nachahmung gefunden, und es bildeten sichauf dieselbe Grundverfassung ähnliche Gesellschaften gemeinschaftlichlebender Schwestern. Eme solche entstand uin das Jahr 1494 auchin Münster. In dem Hause eines Bürgers, Namens Johann Nyzo,singen einige fromme Frauen an, »ach klosterähnlicher Regel ein gemein-sames Leben zu führen, von welche,» daS Institut den Namen des Nie-ßing-Klosters erhielt, und für immer behielt. Nach einige» Jahrenließen die Schwestern eineWerge Moder" (würdige Mutter oder Vor-steherin) aus dem zu Schüttorf in der Grafschaft Beutheini schon seit län-gerer Zect bestehenden Institute kommen, welcher bald auch die dortigenSchwestern folgten. Sie verlegten hierauf ihre Wohnung in ein neuesGebäude am Scroatii-Kirchhole, welchem sie den Namen Marienthalgaben. Sie errichteten in demselben mit bischöflicher Erlaubniß eine Ka-pelle, mußten aber Anfangs noch die Servatii-Kirche besuchen, und erhiel-ten erst >452 die Erlaubniß, täglich eigenen Gottesdienst zu halten. AmEnde des fünfzehnten Jahrhunderts erbauten sie das (noch heute stehendeaber in die Lokale des königlichen Traindepots verwandelte) Kloster nebstder Kirche. Die Schwestern »ahmen Adelige und Nichtadelige unter sichauf, und verpflichteten sich, unter der Aufsicht ihrer Oberin oder Mutterfür die Erziehung der weiblichen Jugend zu sorgen, und sich ihren Unter-halt durch weibliche Handarbeiten zu verdienen. Die Oberaufsicht überdas Fratcrhaus und das Haus Nießing in Münster führte der Prior desHauses Frenswegen. Beide Institute haben aber nie die Aufsicht über