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10 (1852)
Entstehung
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mit Hohn und Spott, und eine zweite vom'22. Juni mit dem Versprechenbeantwortete, die Stadt könne er nicht eher übergeben, als bis es durcheine besondere göttliche Offenbarung befohlen würde. Hierauf beschloßman, von weiterer Schonung Abstand zu nehmen, und einen allgemeinenSturm durch das bischöfliche vereinigte Kriegsheer auszuführen, als einzufälliger Umstand, nämlich der Verrath eines Ucberläufers, schon nachzwei Tagen den Fall der Stadt und das Ende des himmlischen Reichesherbeiführte.

Ein gewisser Hans Langenstrat (od. an der langen Sträte)hatte ein Jahr vorher die Fahnen des Bischofs verlassen, und war zu denWiedertäufern übergelaufen; später, als er einsah, daß Münster ohne Ret-tung verloren sei, versuchte er mit acht andern Kriegsgefährten bei Nachtdurch das bischöfliche Heer zu entfliehen; sieben von ihnen sielen aber jenenin die Hände und wurden sofort getödtet; nur Langenstrat und nochEiner entkamen nach Hamm. Von hier aus bot Langenstrat dem Bischofseine Dienste an, und meldete ihm, die Wiedertäufer seien entschlossen, imFalle der äußersten Noth ihre Habe in einige Häuser zu bringen, die Stadtan mehren Stellen zugleich in Brand zu stecken, einen Ausfall zu thun,und in der entstandenen Verwirrung mit den Waffen in der Hand sichdurchzuschlagen. Wollte der Bischof ihn begnadigen, so würde er ein Mittelzeigen, wie die Stadt gerettet und leicht erobert werden könnte; als ge-wesener Wachtmeister der Wiedertäufer sei er mit allen Oertlichkeiten sehrgenau bekannt. Der Bischof »ahm seine Vorschläge an, und stellte400 auserlesene Soldaten unter Anführung des Hauptmanns Wilken-Stedink zu seiner Verfügung. Spät am Abend des St. Johannistages(24. Juni) zog die kleine aber muthige Schaar, begünstigt durch ein hef-tiges Nngewitter unter Donner und Sturm, in aller Stille vor die Kreuz-schanze, wo sie um ll Uhr eintraf. Der dortige schmale wasserarmeGraben wurde eiligst ausgefüllt und überstiegen; der ortskundige Langen-strat zeigte eine Stelle, wo die Pallisaden des Walles leicht aufzureißenwaren; die Soldaten brachen sich hier Bahn, und bald war die Höhe derSchanze über dem äußeren Thore erreicht. Rasch wurden die schlafendenund zurückgezogenen Posten niedergehauen. Die Soldaten drangen weitervor bis zum inneren Thor, tödteten auch hier die cingeschlafenen Wachen,und gingen in größter Stille durch die Kreuzstraße nach dem Ueberwasser-Kirchhofc, von da, immer noch unbemerkt, über die Aabrücke auf denDomplatz, drangen in die Domkirche, bemächtigten sich eines Theiles derdort aufgestellten Geschützte, und ließen eine Wache bei der Kirche zurück.Nun schlugen die Eingedrungenen Lärm; eine Menge Wiedertäufer, ausdem Schlafe aufgeschreckt und einzeln herbeieilend, wurde niedergestoßen;andere, die umsichtiger waren, rannten schnell auf den Markt, besetzten dieMichaeliskapelle und den Zugang zum Domplatz, und wehrten sich auf'sTapferste. Vergebens richteten die Soldaten die Geschütze gegen die Ka-pelle; das feste Gemäuer widerstand den Kugeln, und die Wiedertäufererhielten Zeit, sich auf dem Markte zu sammeln und z» ordnen. Von dortstürzten sie sich nun mit Nebcrmacht auf die Soldaten und drängtendiese in die Gegend der Margarethen-Kapelle (in die Gasse, die jetztzum Land- und Stadtgerichts-Gebäude führt) und der Pferdesticge zusam-men. Hier wären sie vielleicht sämmtlich aufgerieben worden, hätte nichtschnell Wilken-Stevink durch eine der angrenzenden Domherrn-Wohnungeneinen Weg nach der Aegidii-Kirche durchbrechen lassen. Rasch schickte erauf diesem über die Nothenburg die eine Hälkte seiner Mannschaft durcheine kleine von der Nothenburg (hinter dem Lokale des jetzigen Schul-lehrerinnen-Seminars) auf den Domplatz führende Gasse den Feinden inden Rücken, während er niit den anderen muthig widerstand. Die Wieder-täufer, im Rücken angegriffen, wähnten bei dem Dunkel der Nacht, ihreGegner hätten Verstärkung bekommen, und ließen sich nun leichter nachdem Markte zurücktreiben, wohin ihnen die Soldaten auf dem Fuße folg-ten, während sich der Domplatz mit Leichen bedeckte. Unterdessen warendie Thore der Kreuzschanze wieder geschlossen, und auf KnipperdollingsAntrieb war eine Menge Weiber allenthalben auf die Wälle geeilt, schoßauf gutes Glück in die Nacht hinein, beschimpfte und verhöhnte die Bela-gerer, und prahlte mit einem vollständigen Siege über die eingedrungeneSchaar. Durch alles dieses wurde wirklich draußen im Lager der Unter-gang der eingedrungenen Schaar geglaubt, zumal da das verabredete Zei-

chen nicht gegeben wurde. Diese schlug sich indessen mit solchem Muthe,daß der König Nachts um 2 Uhr um einen kurzen Waffenstillstand undmündliche Verhandlung bitten ließ. Dies wurde zugestanden, die kurzeWaffenruhe aber dazu benutzt, den Fähnrich von Twickel nebst noch dreianderen beim Anbruch der Morgenröthe heimlich auf den Wall zu senden,wo diese ihre Fahne aufpflanzten, und dadurch sowie durch andere Signaledie Ihrigen vom glücklichen Erfolg des Unternehmens in Kenntniß setzten.Hierauf begann das gesammte bischöfliche Heer einen allgemeinen Sturm;Wilken-Stedink brach die Ve>Handlungen ab und erneuerte den Kampf;die Wiedertäufer setzten zwar den Muth der Verzweiflung entgegen, aberendlich drangen die Belagerer von allen Selten in die Stadt, Stedink'sermüdete Schaar erhielt Verstärkung, und die Niederlage der Wiedertäuferwurde allgemein. Nur 200 Mann hielten sich zuletzt noch in einer Ver-schanzung auf dem Markte, ergaben sich aber auch endlich gegen die Be-dingung freien Abzuges, und schon um 6 Uhr Morgens konnte dem Bischof,der sich zu Wolbcck aufhielt, die vollständige Besiegung der Stadt gemel-det werden. Die klebrigen, die nicht in dem Gemetzel geblieben waren,verbargen sich in wüsten Klöstern, Kellern und andern Schlupfwinkeln.Die Soldaten durchsuchten aber jeees Haus und jeden Schlupfwinkel, undtödteten Jeden, welchen sie vorfanden. Eine Anzahl Wiedertäufer hattesich auf das Rathhaus geflüchtet, wurde aber von den eingedrungenenSoldaten aus den Fenstern gestürzt, und von den Lanzenspitzen ihrer drau-ßen versammelten Waffengefährten aufgefangen; einige von ihnen stürztensich in der Verzweiflung selbst hinaus. Vier anrere wehrten sich oben aufdem Lambcrti-Thurme wie Rasende; endlich wurden drei durch die Sol-daten erschossen, der vierte von der Höhe hinunter auf das Pflaster gestürzt.Viele Weiber wurden ebenfalls hingerichtet, andere vertrieben. Erst nachlangem Suchen fand man den König Johann von Leyden; er hattesich auf das Aegidii-Thor geflüchtet, und fiel durch Verrath eines Knabenin die Hände der Soldaten, die ihn trotz seiner Warnung, sie solltendenGesalbten des Herrn, den König Zions" nicht anzutasten wagen,ohne Weiteres festnahmen. Sein treuer Anhänger, Bernhard K rech-tin g, früherer Pastor in Gildehaus, wurde aus dem Aegidii-Kloster her-vorgezogen. Erst nach drei Tagen wurde auch Knipperdolling gesun-de», der sich auf der Neubrückenstraße in einem Hause versteckt hatte. NurRothmann wurde nicht gefunden; nach einigen soll er ini Kampfgewühlgefallen, nach anderen entkommen sein; wenigstens wurde er zwei Jahrespäter noch in Nieversachsen aufgesucht; wahrscheinlich hat er sei/i Lebenirgendwo in stiller Verborgenheit beschlossen. Nachdem das Morden fastacht Tage gedauert hatte, hielt der Bischof seinen Einzug in die verödeteStadt, und die vertriebenen Bürger kehrten allmählich zurück. Nachund nach wurde nun über die Schuldigsten der gefangenen und nicht inden ersten blutigen Tagen umgekommenen Empörer die Todesstrafe aus-gesprochen und an ihnen vollzogen. Joh. v. Leyden aber, Knipper-do kling und Krechting wurden einer besonders auffallenden Bestrafungvorbehalten. Nachdem sie in einem besonders für sie angestellten pein-lichen Verhöre ihr Treiben nach ihrer Ansicht dargestellt hatten, wurden siein abgesonderte Gefängnisse geführt, und zwei hessische Prediger. A. Kor-vinus und I. Kymeus, zu ihnen geschickt, um sie zur Neue und zumWiderruf ihrer Grundsätze zu bewegen. Merkwürdiger Weise gab Johannv. Leyden am meisten nach, und zeigte wenigstens einige Empfänglichkeitfür Belehrung und Neue; weniger aber Krechling; ganz verhärtet bliebKnipperdolling. Am Tage vor der Hinrichtung, am l2. Januar 1536,zeigte Johann von Leyden vor dem bischöflichen Hofprediger, I. von Sy-lt urg, sogar die vollkommenste Reue, und widerrief vor dem Priester,der die ganze Nacht hindurch bei ihm blieb, alle seine Irrthümer, bis auf diebeiden von der Wieoertause und der Menschennatur Christi. Knipperdollingund Krechting aber wollten keine Priester bei sich haben, sondern sagten,es sei genug, daß der himmlische Vater bei ihnen sei. Am 22. JanuarMorgens in aller Frühe wurden die Thore geschlossen und die Gefangenenauf den Markt geführt, wo vor dem sogenannten Sentenzbogen, unweit desRathhauses, das Blutgerüst errichtet war. Der Bischof saß in einem gegen-über liegenden Hause, und eine ungeheure Menge Volks war versammelt.Joh. von Leyden hatte kaum das Blutgerüst betreten, als er auf die Knieefiel, und zu beten anfing; dasselbe tdaten seine beiden Schicksalsgefährten.