der insbesondere mit allen Waffen des Witzes erfolgreich focht, mußte umdiese Zeit sehr gefährlich werden. Mit giftigen Spottredcn verfolgte eru. a. den Bischof, welchen er von dessen Liebhaberei für Drechslerarbeitenden Spindeldreher („Spillendreier") zu nennen pflegte. DieserUmstand, so wie die verdeckte Mitwirkung Knippcrdollings bei einem Sturmauf das Paradies des Domes und den dort das geistliche Gerichr abhal-tenden Offizial durch einen gewissen Anton Kruse, der zwar verhaftet,aber durch den Pöbel befreit und im Triumphe umhergeführt wurde, bewogden Bischof, kurze Zeit nachher den auf einer Geschäftsreise nach Bremenbegriffenen Knipperdolling verhaften und nach Bechte in's Gefängniß bringenzu lassen, wo er ihn trotz großer Aufregung in Münster und vielfacherReclamattonen bis zum ll. Sept. 1529 gefangen hielt. Das Jahr 1527ist in der Münsterschen Geschichte auch durch ein großes Unglück merkwürdig,da am 7. September ein Jeuer, welches durch Nachläßigkeit der Dachdeckerbeim Bleigießen für die Reparatur der Bleirinnen ans dem Dache desParadieses entstanden war, einen großen Theil der unter diesem Dache überder Halle aufgestellten Dom-Bibliothek verzehrte, wodurch allein an Ma-nuskripten über die ältere Landesgeschichte ein unschätzbarer Verlust herbei-geführt wurde. — Münster blieb nun bis zum I. 1529 ruhig, in welchemeine unzeitige Strenge des Bischofs gegen das an den Unruhen kleinererStädte betheiligte Wildeshauscn die Stimmung des Volkes gegen ihn auf-regte, welche aber durch die in diesem Jahre auch über Westfalen sich ver-breitende unter dem Namen des Englischen Schweißes bekannte furcht-bare Epidemie noch zurückgehalten wurde. Aber im Jahr 15Zl brachen dieUnruhen mit voller Gewalt wieder los, als neben dem wieder zurückge-kehrten Knipperdolling ein anderer wichtiger Mann, Bernhard Noth-mann, sich an die Spitze der Bewegung stellte. Dieser hatte als Kapellannnd Prediger in der Stiftskirche zu St. Mauritz schon vor zwei Jahrenlutherische Grundsätze vorgetragen, wurde dann durch die Stiftsherren unterdem Vorwande, sich für die Wissenschaften weiter ausbilden zu sollen, nachKöln auf die dortige Universität geschickt, ging aber statt dessen nach Wit-tenberg, machte Bekanntschaft mit Luther und Melanchthon, kehrte im Jahr1539 nach M. zurück, übernahm sein Prcdigtamt an der Mauritz-Kirchewieder und verhielt sich in der ersten Zeit ziemlich ruhig. Aber schon imfolgenden Jahre trat er mit desto größerer Heftigkeit hervor und begannmit einem persönlichen Angriffe auf den Franziskancr-Guardian und Dom-prediger, Johann von Dcventer, den er am Lumbertustage 1531 ineinem mit rohen Schmähungen angefüllten Briefe zu einer Disputationüber die Lehre vom Feafener aufforderte, welche der Guardian an demselbenTage in einer Predigt vorgetragen hatte. Ans der Disputation wurdenichts, wohl aber wurde Rothmann nicht lange nachher durch ein bischöf-liches und kaiserliches Mandat seines Amtes entsetzt und aus dem Landeverwiesen. Er ging aber nicht, sondern blieb ruhig in M. bei den ihmergebenen Bürgern. Bisher hatte bei allen Bewegungen in M. die Religionnoch lief im Hintergründe gestanden; jetzt aber ging man ernstlich auf eineUmgestaltung des Kirchenwesens loS, aber hauptsächlich nur mit roher Ge-walt. Am 23. Februar 1532 zog Rotbmann mit einer großen Schaar seinerAnhänger unter KnipperdollingS Anführung auf den Lamberti-Kirchhof undda ihn, der Eintritt in die Kirche versagt wurde, hielt er auf einer vonseinen Anhängern schnell errichteten hölzernen Kanzel draußen eine so be-geisternde Rede an das zahireich versammelte Volk, daß dieses sofort diePfarrkirchen der Stadt mit Gewalt erbrach und Heiligenbilder, kirchlicheGeräthe u. s. w. schonungslos zerstörte. Dieser Frevel blieb ungeahndet,weil der Bischof und Landesfürst, dem Weisheit und Charakterstärke nichtim erforderlichen Maße eigen gewesen sein mögen, Lust und Muth zur fer-neren Regierung verlor und am Palmsonntage den 24. März 1532 seineWürde, unter dem Vorbehalt einer lebenslänglichen Rente, zu Werne indie Hände des dorthin berufenen Domkapitels niederlegte. Dieses wähltebereits am 27. März zu Lüdinghansen, wo es wegen der Unruhen in M.noch verweilte, den Bischof von Paderborn und Osnabrück, Herzog Erichvon Braunschweig, zum Bischof von Münster, mit der Bewilligung, auchjene beiden Bisthttmcr dabei zu behalten. Dieser neue Bischof Erich II.eröffnete seine Wirksamkeit durch einen strengen Befehl an die Stadt M.,Rothmann zu entfernen und den katholischen Gottesdienst überall wiederherzustellen, starb aber noch vor der Ausführung seiner Befehle, ja ehe er
noch die kaiserliche und päbstliche Bestätigung erhalten hatte, am 14. Mai1532, nicht volle sieben Wochen nach seiner Wahl. Das noch zu Lüdiug-hausen versammelte Domkapitel wählte hierauf bereits am 1. Juni de»Grafen Franz von Waldeck, der schon znm Administrator des Bis-thnms Minden erwählt war und nachher auch das Bisthum Osnabrückerhielt. In M. war man unterdessen rasch vorwärts geschritten, hatte denvortrefflichen Pfarrer der Lamberti-Kirche, Timann Ca inen er, früherenRektor der Domschule seit des edlen v. Lange Tode, aus seinem Amteverdrängt und Rotbmann durch den täglich nachgiebiger werdende» Stadt-rath einsetzen lassen. Ein strenges Schreiben des Bischofs befahl jetzt dessenEntsetzung, so wie die Wiederkehr zur alten Ordnung. Der zwischen Bi-schof und Volk schwankende vielfach bedrängte Stadtrath zögerte mit Aus-führung des Befehles. Nach mehrfachen Verhandlungen mit der Bürger-schaft, welche die bisherige katholische Lehre mit allen davon abhängendenGebräuchen abgeschafft und alle Kirchen mit lutherischen Predigern versehe»habe» wollte, sandle er am 25. Juli ein weitläufiges Schreibe» a» denBischof, worin er sich gegen die Anschuldigungen des Aufruhrs u. f. w.vertheidigte und meldete, daß Rothmaun der Geistlichk.it sein Glaubens-bekenntniß vorgelegt und Widerlegung verlangt habe, die aber nicht erfolgtsei. — Unterdessen hatte sich die Stadt M. auch um den Beistand und dieVermittelung des Landgrafen Philipp von Hessen, des Hauptes des Schnial-kaldischeu Bundes, beworben und ecue am 39. Juli ausgefertigte sehrfreundliche Antwort von ihm erhalten, worin er seine ganze Theilnahmezusagte, aber zugleich warnte, sich unter dem Vorwande des Evangeliumszum Aufruhr und Ungehorsam gegen die Obrigkeit nicht hinreißen zu lassen,und zügellosen Rotten nicht etwa in die Hände zu falle». — Am 6. Augustbefahl hierauf der Stadtrath, durch neue Bewegungen der Bürgerschaft inSchrecken gesetzt, daß sämmtliche katholische Pfarrer und Kapelläne derStadt sich des Predigeus, so wie der Abhaltung ihres Gottesdienstes be-geben und ihre Stellen den evangelischen Predigern, die theils aus M.selbst, theils aus der Fremde herbeigezogen waren, einräumen sollten. Alsdie Geistlichen zögerten, legte das Volk selbst Hand an's Werk, erbrach am19. August die Kirchen, traf in tumultuarischer Weise die nöthigen Anord-nungen und führte die neuen Prediger ein. Unter ihnen war Rothmannals Pfarrer der Lamberti-Kirche bestätigt. Eine in den nächsten Tagen imFraterhause gehaltene Disputation zwischen den Häuptern der katholischenund der evangelischen Partei blieb erfolglos, besonders da die letztere immereine Widerlegung aus der Bibel verlangten. Am 15. August überreichtenun Rothmann, der gelehrte Johann Glandorp und andere neueLehrerdem Sladtrathe ein Vcrzeichniß kirchlicher Mißbräuche im lutherischen Sinneein und verlangten deren Abstellung. Ihre Forderungen betrafen haupt-sächlich die Feier des h. Abendmahls unter beiderlei Gestalt, Abschaffungder Prozessionen mit dem Sakramente, so wie der Privat- und Seelen-messen, Einführung der deutschen Sprache beim Gottesdienste u- dgl. m.Der Stadtrath fragte bei der katholischen Geistlichkeit an, ob sie diese For-derungen als ungegrüudet aus der h. Schrift beweisen könne, und verbotihr datin, als sie eine ausweichende Antwort gab, die fernere Verwaltungihrer kirchlichen Lehrämter. Hierauf verließen die meisten von ihnen dieStadt; bloß ein Theil der Stifts- und Klostergeistlichkcit blieb zurück. Diesebeschwerte sich wiederholt beim Bischöfe; der Schriftenwechsel zwischen die-sem nnd dem Stadtrathe dauerte fort; allein dieser Schriftenwcchsel, sowie eme am 17. September zu Billerbeck mit der Ritterschaft und eine am23. und 39. September zwischen Abgeordneten der Ritterschaft, des Stadt-rathes und einigen bischöflichen Räthen zu Wolbeck veranstaltete Zusam-menkunft blieb wegen UnVereinbarung der Forderungen erfolglos. DieStadt wünschte Aufnahme in den Schmalkaldischcn Bund uuv bewog zudiesem Zwecke den Stadtsyudikus zu Bremen, 4>r. Johann vanderWpk,einen berühmten Rechtsgelehrteu und gebornen Münsterer, sich dem Diensteseiner Vaterstadt zu widmen, neue Verhandlungen mit dem Landgrafen vonHessen anzuknüpfen und überhaupt diese Angelegenheit zu leiten. I>>. v. d.Wpk kam; be. or aber noch die Sache zum Ziele gebracht war, traten uner-wartete Ereignisse ein. Der erzürnte Bischof hatte nämlich den Weg derStrenge versucht, am 8. Oktober eine Heerde Ochsen, welche MünsterschenBürgern gehörte und nach Köln zum Markte geführt wurde, mit Beschlagbelegt, bald nachher der Stadt die Zufuhr abgeschnitten und auch einzelne