ler, a» dessen Spitze aber ein etwas größerer und hellerer Srern sichtbarwar, und an beiden Seiten sah man blutige Schwerster mit dazwischenbefindlichen Menschenköpfen. — Ebenso kündigte Gott durch Kometen dasbevorstehende Unglück an. Einer, der im I. 1533 erschien, hatte seinenSchweif und zwar in der Gestalt eines langen SchwerdteS, vorzüglichgegen die Stadt Münster gekehrt. Auch erschien zuweilen eine Menge Fackelnin der Luft, oder auch plötzlich entstehende Flammen, und Blitze zu un-gewohnter Zeit, welche zur Nachtzeit über der Staot sich zu kreuzen, undendlich entweder herunter zu fallen, oder die Spitzen der Thürme zu be-rühren schienen. Die Bauern auf den benachbarten Dörfern sahen oftzur Nachtzeit die Stadt in Flammen stehen, und wenn sie erschrocken her-beieilten, war das Feuer verschwunden. Die Nachtwächter erblickten oftfeurige Wolken über der Stadt. Ferner wurden unter Menschen und Viehabscheuliche Mißgeburten zur Well gebracht; auch ahmten die Hühner denHähnen nach, und fingen an zu krähen, und die Hähne machten umge-kehrt den Ton der Hühner nach. Endlich erblickte man in der Höhe einenMann, der eine goldene mit Edelsteinen besetzte Krone aus dem Hauptetrug, und in der rechten Hand ein Schwerst, in der linken eine Ruthehielt. Ebenso wurde eine andere Gestalt gesehen, welche beide Hände,die voll Blut waren, zusammendrückte, und das Blut tropfenweise herab-fallen ließ. — Die Schlösser an den Thoren sprangen von selbst auf, underschreckten die Wächter; man hörte oft ei» Geschrei von Soldaten, Ge-räusch von Waffen, Gefecht von Reitern und Fußgängern, Wiehern vonPferden, Weinen von Kindern, Heulen von Weiber», Trauertöne vonHunden und Nachteulen, Klageschrei in den Gräbern und auf den Kirch-höfen, Lärm von Kanone» und Schlachttrompcten."
Die Wiedertäufer-Unruhen in Münster standen im Zusammenhange mitden großen Bewegungen im Kirchen- und Staatslcben, welche im Anfangedes 16. Jahrh, den größten Theil Europa'S erschütterte». Unzufricden-he.t mit den bestehenden Verhältnissen riefen in der einen Rücksicht diegroße Kirchenspaltung unter Luther nebst allen ihren so wichtigen Folgen,in der anderen Rücksicht den Bauernkrieg unter Thomas Münzer in'sLeben. Der letztere ist theils als ein AuSbruch der Eibitterung der ge-drückten niederen Stände gegen den Adel, gegen die Fürsten, gegen diebegüterte Geistlichkeit und die ihrem Zwecke nicht mehr entsprechendenOrden, überhaupt gegen alle Privilegirte und durch Geburt oder StellungBevorzugte, theils auch als ein AuSbruch der Rohheit und Gemeinheitarbeitsscheuer und entsittlichter Leute der niederen Stände gegen Gebildeteund Besitzende anzusehen; es lagen ihm, um ei» Wort der heutigen ZeitauSzusprcchen, sog. kommunistische Tendenzen wenigstens theilweisezu Grunde. Schon durch das ganze Mittclalter hatten neben einzelnenreligiösen Gährungen auch politische Bewegungen dieser Art sich bemerk-bar gemacht; jetzt brachen sie in Deutschland, hervorgerufen durch die neuentstandene Kirchenspaltung, plötzlich an vielen Stellen hervor, nament-lich in Schwaben und Thüringen, verbreiteten sich von da u. a auch nachden Niederlanden, fanden vorzüglich unter dem Landvolke viele Anhänger,schlössen sich an die kirchliche Bewegung an, wählten gleich dieser, weiljede Bewegung einen Namen haben will, die Worte: „Religionsfrei-heit, wahres Evangelium, gereinigtes Wort Gottes" u. f.w. zum Losungsworte, überschritten bald in ihrem tollen Begehren jedesMaß, und hatten Verwüstung, Brand und Mord in ihre», Gefolge. Vor-züglich gegen die Geistlichkeit als die besitzende Klasse, waren damals dieAngriffe des niederen Volkes gerichtet, und unter dem allgemeinen Deck-mantel der Religion ging man vorzüglich ihren Gütern, oft nicht ohneGrund, oft aber auch aus schnödem Neide und Habsucht, zu Leibe. Eskann daher nicht befremden, daß eine Bewegung, die so plötzlich ausbrach,und der unlauteren Elemente nur zu viele mit sich führte, so traurig en-dete, wie der Bauernkrieg — sso nannte man die damalige Volksbewegung)mit seiner gänzlichen Unterdrückung und der Hinrichtung Thomas Münzersim I. 1525. Dessenungeachtet blieb aber in den Städten noch mancherRest dieser Bestrebungen zurück. Dieß war namentlich in Münster der Fall.Auch hier schloß sich die politische Gährung an die auch dorthin verbrei-teten Neligions-Neuerungen an. ging weiter von Stufe zu Stufe, schienaber keinen festen Fuß zu fassen, und bei den kirchlichen Veränderungenstehen bleiben zu wollen, sobald die Unterdrückung des Bauernkrieges be-
kannt geworden war. Allein die Schwäche der damaligen Obrigkeit, dasstarre Verhalten des Bischofs und der Geistlichkeit, die auch in religiösenDingen immer zu spät sich nachgiebig gegen die Volksstimme zeigte», undendlich die Raserei der Wiedertäufer, welche Sekte damals gleich vielenanderen älteren Sekten wieder aufgetaucht und nach Munster zufällig ver-breitet war, unterhielten nicht nur die anarchischen Zustände in Munsterlänger als in anderen deutschen Städten, sondern trieben sie bis zumUebermassc der entsetzlichsten Gränel zum Erstaunen der ganzen Welt hinauf.
Am 6. November 1522 wurde zu M. an die Stelle des verstorbenenBischofs Erich der Graf Friedrich von Wied unter dem Namen Fried-rich III. zum Landesfürsten erwählt. Kurz nach seinem Regierungsantrittezeigte sich in M. die erste Theilnahme a» Luthers Lehre, theils durch dessenallgemein verbreitete Schriften, theils durch reisende Kaufleute hervorgerufen.Schon im Jahr >524 hatten vier Kapellane «an den Kirche» Lambcrti,Martuu, Lndgen und Ucberwasscr) die neuen Grundsätze auf den Kanzelnempfohlen, wurden aber schnell durch verschiedene Mittel zum Schweigengebracht. Der sich damals in M. aufhaltende g.flchrie Schulmann AdolphKlärend ach, der im folgenden Jahr M. verließ und später zu Köln seinLeben auf dem Scheiterhaufen endigte, trug als eifriger Anhänger Lutherszur Verbreitung seiner Grundsätze in M. vieles bei. Unterdessen bewirkteder fast über ganz Deutschland ausgebreitete Bauernkrieg auch in M. eineähnliche Gährung. Als am 22. Mai 1525, wo die Nachricht von Mün-zers Schicksal vermuthlich »och nicht bekannt geworden war, ein zusammen-gerottetcr VolkShaufc das Kloster Nießing zu stürmen und zu plündernversucht hatte, der Anschlag aber mißlungen war und der Stadtrath amfolgenden Tage die Thäter zur Verantwortung ziehen wollte, lief eineMenge Volks auf dem Markt Zusammen, forderte die Freilassung der Ver-hafteten, klagte laut gegen die Steuerfreiheit der Geistliche» und forderte,daß den Nonnen im Kloster Nießing das Spinnen und Weben, den Fra-terherre» das Pergamentbereiten und Büchereiubiuden untersagt werdensollte. Der erschreckte Rath gab nach und ernannte Abgeordnete, welche inbeiden Klöstern die Arbeitsgeräthe, Briefschaften und Rechnungen mit Be-schlag belegen und weitere Maßnahu en einleiten sollten. Hierauf trat daskühner gewordene Volk am 26. Mai aufs Neue zusammen und überreichtedem Rath ein langes schriftliches Vcrzeichniß von Beschwerden und For-derungen, um die Erledigung derselben zuerst durch das Domkapitel unddann durch die Landstände zu bewirken. Sie betrafen fast alle die Be-schränkung des Reichthumes und der Macht der Geistlichkeit und die Hebungdes Volkes, besonders der gewerbtreibenden Klasse, und enthielten manchesVernünftige und Billige, aber auch viel Neberspanntes und linsinniges. DerRath legte sie willig dem Domkapitel vor. Dieses gab eine ausweichendeAntwort; das Volk droht; das Domkapitel berichtet die Sache an den sichzu Billerbeck aufhaltenden Bischof und jetzt entspann sich ein weitschweifigerBriefwechsel zwischen dem Bischof, dem Domkapitel und dem Stadtrathezu M., dessen Bürger hierauf eine Verbindung mit andern Städte» desLandes zu gleiche» Zwecken schlössen und allmählich sogar den Stadtrathin ihr Interesse zu ziehen wußten. Die Umstände wurden so drohend, daßdas ganze Domkapitel die Stavt verließ; allein durch die Abgeordneten desals Vermittler auftretenden Kurfürsten Herrmann von Köln, Bruder desBischofs, kam am 27. März 1526 ein vorläufiger Vergleich zu Stande, dender Bischof von AHaus aus genehmigte. Ihm folgte bald ein förmlicherVergleich auf einem zu Dülman am 25. Mai 1526 gehaltenen Tage. DasDomkapitel kehrte zurück und bewilligte einige von den gemachten Forde-rungen; die noch unerledigten Striitpunkte, so wie alle künftigen Irrungensollten dem Rechtswege zur Entscheidung überwiesen werden. So kehrtedie Ruhe auffallend schnell wieder zurück, wobei das unglückliche Ende desBaueritkrieges wahrscheinlich nicht ohne Einfluß gewesen war; leider solltesie nicht von langer Dauer sein. Schon im Jahr 1527 brachen neue Un-ruhe» aus, fett ein durch Verschwendung und schlechten Lebenswandel her-untergekommener Münsterscher Bürger, Bernhard Knipperdolling,der Catilina Münsters, an die Spitze aller dortigen Wühler trat. Einsolcher Mann, der nur sich, nur die Erneuerung seines Wohlstandes (erhatte früher ein vortheilhaftes Tuchgcschäft geführt) und die Befriedigungseines Ehrgeizes suchte, der die Schlechtigkeit seines Innern durch ein ein-nehmendes Aeußcres, große Talente und feine Bildung zu verdecken wußte,