Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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3l. Okt. >424 erfolgten Tode wurde Graf Heinrich von Mors, Bru-der des Erzbischofs Dietrich von Köln, gewählt, bis 1459. Er stellte einLandes-Privilegium zur Sicherstellung der Stände aus, was sich in ähn-licher Weise von nun an bei iedem Regierungsantritte eines Bischofswiederholte, und gewann die Hoheit über einige mächtige friesische Häupt-linge; als etwas Neues wird eine von ihm ausgeschriebene kandsteuer von12 Pfennigen für jeden über l3 Jahre zählenden Einwohner, und eineandere Regulirung der Kirchspielsschatzung angeführt, die sich ans d. I.1427 als das älteste noch bekannte Schatzungs-Register erhalten hat. limd. I. 1440 wurde er zugleich zum Administrator von Osnabrück erwählt.Einige Eingriffe in die Rechte der Stadt Münster, welche ein förmlichesBündniß westfälischer Städte gegen ihn hervorrief, sowie seine Bethei-ligung an der berühmten Soester Fehde, um 1447, zu Gunsten seinesBruders entfremdeten ihm die Herzen der Unterthanen Nach seinemTode fanden sich drei Bewerber um den erledigten bischöflichen Stuhl,nämlich Walrav v. Mors, sein und Dietrichs von Köln jüngerer Bru-der, Conrad von Diepholz, Domprobst zu Osnabrück, und Erichvon Hoya, Domprobst zu Köln. Der letztere wurde kräftig unterstütztdurch seinen Bruder, den Grafen Johann v. Hoya, der drei Wochen nachHeinrichs Tode in Münster erschien, das niedere Volk jwahrscheinlich diesog. Gemeinte) zu gewinnen wußte, und von diesem als Vormund oderStatthalter des Stifts durchgesetzt wurde. Ein langwieriger und weit-verzweigter Kampf entstand unter den Bürgern der Stadt und den ver-schiedenen Partheicn der Bewerber, in den auch viele fremde Fürstenhineingezogen wurden, und Krieg und Schlachten verwüsteten das Land,bis endlich der Pabst durch Ernennung des Herzogs Johann von Bai-ern, seitherigen Domprobstcn zu Worms, eines Mannes, der durch Klug-heit, Strenge und Milde endlich sich behauptete, dem blutigen Streite einEnde machte. Wahrscheinlich gelangte um diese Zeit die Gemeinde zumGenusse des Vollbürgerrechts, da man einen Kampf der niederen gegendie höhere Bürgerschaft planmäßig durchgeführt findet. Bischof JohannsNegirung fand allgemeine Anerkennung, und nur zum großen Bedauerndes Landes wurde er ihm I. 1466 auf den crzbischöffichen Stuhl zu Mag-deburg abgerufen*). Nach ihm wurde Heinrich aus dem Geschlechte derGrafen von Schwarzburg als Heinrich III. tbis 1496) gewählt; ergewann die Herrschaft Dclmenhorst und das Amt Wildeshausen in Fries-land dem Bisthum. Da er zugleich Erzbischof von Bremen war, so be-hielt er dieses Erzbisthum unter dem Titel eines Administrators noch bei.Viele Fehden hatte er durchzufechte», vertrat aber die Würde und dieRechte des Bisthums auf die ruhmvollste Weise. Ihm folgte Conrad,Graf von Nietberg, (1497 1598), und diesem Herzog Erich vonSachsen-Lauenburg, (bis >522.) Die Negierung dieser beiden Bi-schöfe ist nicht so sehr durch große Fehden, als durch ein herrliches Auf-blühen der Wissenschaften des schon unter Heinrich III. wirksamen Dom-herrn Rudolf von Lange merkwürdig. Das BiSthnm Münster warum diese Zeit ungeachtet der endlosen Kriege in wohlgeordnetem Zustande,und galt für eines der wichtigsten Reichsländer; die Stadt Münster wardie erste Handelsstadt zwischen Weser und Rhein; aber nun zog sich einschweres Gewitter zusammen, dessen Entladung ihre Blüthe und ihrenWohlstand für lange Zeit vernichtete.

Ueber die Verhältnisse der Stadt müsse» wir, besonders in topographi-scher Hinficht, an dieser Stelle Einiges nachtragen. Unter Bischof Ludwig II.war 1311 die St. Johannis-Commende der Maliheser Ritter, dieaus Burgsteinfurt gekommen waren, gegründet worden. Durch zahlreicheSchenkungen stieg bald eine schöne Kirche nebst einem Kloster empor, welcheaber um 1459 beim Ausbruche der Streitigkeiten zwischen Walrav vonMörs und Erich von Hoya niederbrannten, in der neu errichteten Kircheverrichteten später die benachbarten Observanten den Gottesdienst. Um1344 wurde die Zahl der geistlichen Stiftungen der Stadt durch die Non-nenklöster RHeine und Hofringen vermehrt, und im I. 1356 fügteLudwig zu dem (bereits durch Herrmann II. gestifteten) Magdalenen-

*) Das Nähere über diesen merkwürdigen Parthcienkampf, dessen Detail hier aufzunehmender Raum nicht gestattet, findet man u. a. in den obengenannten Werken, nämlich inErhard Gesch. S. 237 249, und in Beschreibung der Stadt Münster,S. 68 - 79.

Hospital auf dem Spiekerhof noch durch besondere Stiftung das (jetztganz verschwundene) St. Antoni-Hospital nebst Kapelle unmittelbarbeim Mauritz-Thore hinzu. Um d. I. 1364 entstand eine neue bischöf-liche Wohnung auf der Dem-Immunität an der Stelle des jetzigenRegirungSgebäudes, nachdem die Bischöfe ihre erste Wohnung beim Spie-gelthurm schon seit 79 Jahren hatten leer stehen lassen. Die wüste, zumTheil mit Bürgerhäusern gegen einen Zins besetzte Stätte des Bischofs-Hofes wurde nebst dem Wohngebäude an einige Kanoniker des alten Do-mes verkauft. Indessen wohnten die Bischöfe noch von jetzt an gewöhn-lich auf ihren Schlössern außerhalb der Stadt. Die seit ihrer Grün-dung mehrmals durch Brand verheerte Ueberwasserkirche um d. I.1349 in ihrer jetzigen Gestalt vollendet. Im I. 1377 wurde der alteDom, weil die zu große Nähe beider Kirchen gegenseitige Störungen beiAbhaltung des Gottesdienstes verursachte, und das Licht benahm, abge-brochen, der Gottesdienst in die frühere bischöfliche Kapelle verlegt, welcheseitdem den Namen des alten Domes- führte; der leer gewordene Raumzum angränzcnden Vikarien-Kirchhof geschlagen, und der Umgang, ur-sprünglich behufs der Prozessionen bei schlechtem Welter dienend, fernerdie östlich angebauten Kapellen, das Kapitelhaus, vielleicht auch das sog.Paradies, errichtet. Beide Kirchen bestanden, gerade wie bisher seit Er-bauung des neuen Domes, auch jetzt noch fortwährend neben einander.Die Kanoniker des alten Domes nahmen auch Nicht-Adelige unter sichauf, bildeten eine geordnete geistliche Corporation unter einem Dechantennahmen an Sonn- und Festtagen am Gottesdienste in dem neuen Domean der Seite der Kapitularherren Theil, erlangten aber niemals gleicheRechte mit diesen. Der alte Dom hatte kein eigenes Geläute; die Glockender Hauptkirche galten für beide. Um d. I. 1499 entstand das Fra-terhaus auf dem Bispinghofe, und um 1494 das Niessing-Kloster,unweit der Scrvatii-Kirche; über beide wird weiter unten die Rede sei».-Die Dom-Immunität mit den vier Eingängen und der alte» Mauer be-stand als Burg (oder eigentliche »rks) »och immer fort; auch mochte aufdem Bispinghof ein befestigter bischöflicher Landsitz noch vorhanden sein;aber die Gränzen und die Bedeutung der alten drei Höfe waren fast ganzverwischt, seit durch Kauf und Verkauf so wie durch Schenkungen auch dieaußerhalb der Stadt liegenden Theile nicht mehr zusammen blieben, undauch die alte Hofcsverwaltung aufgehört hatte, seit im I. 1324 der Rit-ter Herrmann von Münster, und im I. 1386 Johann von Gode-veld, letzte Lehensträger des Brockhofcs und des Godcvcldeshofes, dieVerwaltung dieser Höfe nebst allen damit zusammenhängenden Rechten demDomkapitel förmlich verkauft, und dieses für den ersteren das alte Goge-richt Bakenf-ld neu eingerichtet hatte. Noch verdient Erwähnung, daßdie unter dem Namen des Schwarzen Todes bekannte furchtbare Pestim I. 1389 auch in Münster wüthete, und gegen 11999 Mensche» weg-raffte bei welcher Veranlassung vom Bischof Heinrich die noch jetzt alljähr-lich gehaltene große Prozession gestiftet wurde, daß ferner im I. 1383 eingroßer Brand von der Servatii-Kirche bis zur Gcorgskommende über499 Häuser in Asche legte, die Scrvatii-Ludgeri- und Acgidiikirche theil-weise verheerte, und wahrscheinlich die Ursache gewesen ist, daß die ersterein einer so verstümmelten Gestalt auf uns gekommen, und die zweite anverschiedenen Stellen in dem damals gewöhnlichen gothischen Stile über-bauet ist.

Nicht lange nachher wurde Münster von den bekannten Unruhen derWiedertäufer (1525 1535) heimgesucht, die den Wohlstand und dieBlüthe der Stadt für längere Zeit zerstörten. Der Geschichtschreiber Herr-mann vom Kerssenbroick beginnt sein bekanntes Werk über diesen merk-würdigen Zeitraum der Münsterschen Geschichte mit einer Herzählung vonWunderzeichcn, mit denen Gott vorher die Stadt als Beweis seines Zor-nes erschreckt habe, »m sie z» crmahnen, noch bei Zeiten auf den rechtenWeg zurückzukehren.Man erblickte in Münster im I. 1517 den 14. JanuarMorgens 9 Uhr drei mit blutigen Schwerinern durchstochenen Sonnen,und den Tag darauf die Sonne auf eine gräßliche Art mit verschiedenenHalbzirkcln von mannichfaltigen Farben umgeben; den 19. Januar und14. März erschienen drei Monden am Himmel. Im I. 1527 den II. Ok-tober Morgens um 4 Uhr erschien in den Wolken ein gebogener Arm, indessen Hand ein zweischneidiges Schwerdt, an dessen zwei Seiten ein dunk«