Reichthum und nach ihnen die höchste Bedeutung im Lande gewannen. Aberzugleich mußten die Bischöfe aus dem Verhältnisse eines Seelcnhirten im-mer mehr in das eines weltlichen Landesherren übergehen, und okt mehrals Krieger im Felde und als Staatsmänner im Kabinette, wie als Geist-liche thätig sein; es konnte nicht ausbleiben, daß sie oft die geistlichenAmtsverrichtungen von ihrer Person ausschlössen, und an Stell, crtreter,z. B. an Suffragan- oder auch an Weihbischöfe, übertrugen, wenn sieauch nicht leicht den Vorsitz in den Synoden rufgaben, während die Dom-herren ebenfalls mehr auf die Verbesserung ihrer Präbenden und denGenuß weltlicher Ehre, als auf ihr geistliches Amt bedacht waren, undsich mit der Zeit aller lästigen Geschäfte durch llebertragung an die niedereGeistlichkeit zu entledigen wußten. In diesem Verhältnisse standen auch inMünster damals Bischof und Domkapitel; von dem früheren Zusammen-leben der Kanoniker bestand außer der gemeinschaftlichen Verwaltung derdomkapitularischen Güter durch den Domprobst keine Spur mehr; da-gegen wurde ein Sitz im Domkapitel bald der Gegenstand, der eifrigstenBestrebungen für alle vornehmen Familien des Landes.— Mit der zuneh-menden Zahl der reichsunmittclbaren Staaten Deutschlands gelang es auchmanche» Städten, die im Allgemeinen von den Kaiser» als Verbündetegegen die zunehmende Macht der Neichsfürsten sehr begünstigt wurden,die Reichsunmittelbarkeit zu erringen, wie dort und unter den westfäli-schen Städten. Ileberhaupt fing das Streben nach Unabhängigkeit sich sehrbald in allen Städten zu regen an, und wir sehen fast überall ein un-ausgesetztes Kämpfen der Bürger gegen die geistlichen und weltlichen Für-sten um Erlangung größerer Rechte. Auch in Münster hatte das städtischeWesen seit Hermanns II. Verleihung rasche Fortschritte gemacht, und derBürgersinn fing an, mächtig empor zn streben. Wohlstand und Machthatten zugenommen, die Stadt schloß init vielen Nachbarstädten Bünd-nisse, u. a. im I. 1246 mit Osnabrück, zur Aufrechthaltnng des limI. 1235 zu Mainz von den Neichsständen geschlossenen) allgemeinenLandfriedens, Beschirmung des Handels und gegenseitigen Schutz gegenFeinde und Verfolger, im I. 1253 zu gleichen Zwecken mir Dortmund,Soest und Lippstadt; und im I. 1257 mit dem münsterschen Domkapitelzu gegenseitigem Beistand in Behauptung ihrer Rechte. Bald konnte siesich schon ihrem Landesherr» selbst in Verträgen und ander» Verhand-lungen zur Seile stellen, und sich allmählich »eben ihm und dem Dom-kapitel zu der dritten Stelle in der Regierung des Münsterlandes erheben.Uebrigens erhielten alle von den Landesherren verliehenen städtischen Privi-legien die kaiserliche Bestätigung, ohne welche sie nicht wirksam waren. —Auch durch neue Bauten »nd Gründung neuer Klöster wurde Münsterum diese Zeit bereichert. Der Bau einer neuen Domkirche, zu welcherBischof Friedrich II. die Materialien bereits gesammelt hatte, wurde vonDieterich III. durch feierliche Legung des Grundsteines am Marie-Mag-dalenen Feste im I. 1225 wieder aufgenommen, und scheint rasch geför-dert zu sein, da schon seine nächsten Nachfolger Ludvlf und Otto II. inder neuen Kirche. begraben wurden. Nach einer alten aber nicht urkund-lich zu erweisenden Sage soll der nördliche Theil des Gebäudes undnamentlich der nördliche Thurm, wo ein größeres Alter wegen der schlech-teren Bauart und unbehauenen Steine unverkennbar ist, schon von Hcrr-man» II. vor Ende des 12. Jahrhunderts errichtet sein. Die förmlicheVollendung erfolgte aber erst im I. >261, wo sie am 30. Sep-tember durch den Bischof Gerhard feierlich eingeweihet wurde. DieKirche mit den Thürmen, bloß den Umgang und die angebaueten Kapel-len nebst dem sog. Paradiese abgerechnet, wurde damals in der jetzigenGestalt aufgeführt; die Thürme schienen aber zu größerer Höhe bestimmtgewesen jedoch unvollendet geblieben zu sein; wenigstens spricht die un-gleiche Hohe dafür; auch wissen wir nicht, daß die Wiedertäufer mehr alsdas Dach heruntergerissen haben. — Bischof Gerhard unternahm eben-falls den Neubau der L a m b erti-K irche, ungefähr um d. I. 1270.Es fehlen aber darüber genaue Nachrichten. Nach einer alten Traditionsollen die Steine in einer eigends dazu gekauften Grnbc des Steever-berges unweit Havirbeck gebrochen, und der Thurm von Tiroler Bau-leuten nach 2<)jähriger Arbeit gebauet, auch bei dieser Gelegenheit derDrubbel am Markte aus ihren Bauhütten entstanden sein. Indessenscheint damals eine kleinere und schmalere Kirche nebst einem niedrigeren
Thurme errichtet zn sein, deren Chor sich an der Stelle des a» der Süd«ostscite liegenden »nd jetzt nur einen Nebcnchor bildenden Johannischoresbefand, der noch heute der alte Chor heißt. Weil der Thurm bis znzwei Drittheilen seiner Höhe noch Spuren des älteren byzantinischen Bau-stiles und nur der obere Theil einen reinen gothischen Baustil zeigt, inwelchem auch die Kirche errichtet ist; weil ferner erst im 14. Jahrh, dergothische Baustil in Münster allgemein zu werden anfing, und erst im I.1335 (nach Kerssonbroiks nicht unwahrscheinlicher Meldung) der Grundsteinzum neuen Chöre (jetzigen Haupt-Chöre) gelegt wurde, so darf man dieErrichtung oder doch die Vollendung der Kirche in ihrer jetzigen Gestaltwohl nur in das >4. Jahrh, setzen. — Ebenfalls um 1270 kamen die Mino-ritcn aus Coesfeld nach Münster, und bauten sich an der Stelle derjetzigen evangelische» Kirche unweit der Aa, auf den Gränzen des Brock-hofs und des KampvordeshofeS, eine Kirche nebst Kloster. Nach einerwenig verbürgten Nachricht soll hier bereits früher eine Niederlassung vonNonnen bestanden haben, mit denen die Minoriten einen Austausch trafen,und ihnen ihre Besitzungen in Coesfeld, wohin sich die Nonnen jetzt be-gaben, einräumten. Reichliche Schenkungen setzten sie schon im folgendenJahrh, in den Stand, ein größeres Kloster nebst Kirche in seiner jetzigenAusdehnung aufzuführen. — Bischof Ludolf stiftete im I. 1242 bei seinerbischöflichen Curie, die damals noch an der Nordwestseite des DomplatzcSunweit des Spiegelthurms und nördlich von diesem lag, eine eigeneKapelle, für deren Kapellan er 1245 einen Hofraum am Ende seines Baum-gartens (an der lleberwasser-Brücke nordwärts) zur Wohnung bestimmteund mit einem Hause versehen ließ. Unter ihm gewann auch der Ordender Deutschen Ritter, die als „Brüder des Deutschen Hauses"schon seit >238 in Münster waren, eine feste Niederlassung, indem ihnen eingewisser Friedrich von Eresbroik zuerst eine Wiese an der Aa im I. 1245,darauf der Bischof selbst einen daran stoßenden Theil seines Bispinghofesim I. >247 überließ. Nachdem sie dort, beim Einteilte der Aa in dieStadt, eine Kirche nebst Ordenshaus errichtet hatten, nahmen sie bald anBedeutung und Reichthum zn, und konnten um d. I. >444 die jetzt nochstehende Kirche errichten. Diese hatte in ihrem Innern viele Jnsiguien desOrdens, und eine dem sog. Apostclgangc der Domkirche ähnliche Gallertevor dem Chöre. Sie gelangte bald zu einige» Pfarr-Rechten, und imI. 1511 stifteten einige Münstersche Bürger in derselben eine Bruder-schaft zu Ehre» des h. Georg. Sie wurde seitdem die St. Georgs-Commende (plattdeutsch „Jürgerei") genannt. Das noch stehendeOrdenshaus scheint frühestens in, 16. Jahrh, errichtet zu sein. Die bei-den nahe liegenden Aa-Mühlen, sowohl die Wasser - als die Oelmühle,waren früher Eigenthum des Ordens. Kirche und Ordenshaus werde»letzt von der Königl. Garnison-Verwaltung als Proviant-Amt und alsWohnung der betreffenden Beamten benutzt. —
Nach Bischof Gerhards Tode blieb der bischöfliche Stuhl fast dritt-halb Jahre wegen streitiger Wahl unbesetzt, uud die Domkapitulare schei-nen wehrend dieser Sedisvacanz, als interimistische Landesregcntcnaufgetreten zu sein. Erst im I. 1275 entschied sich die Wahl für Eber-hard von Diest (bis >301), der zuerst als Fürst die kaiserlicheBelehnung erhielt; ihr mußte der Titel eines Fürstbischofs für diespäteren Zeiten von selbst nachfolgen. Zahlreiche Streitigkeiten in Folgedes langen Interregnums und der Sedisvacanz, unter den Nachbarn desBisthums mit diesem und unter sich selbst, nahmen einen großen Theilder Regierungszeit Everhards in Anspruch; doch wurden die von seinenVorgängern auf ihn ererbten S.-reithändel mit Friesland im I. 1276durch einen Vergleich beigelegt. Ebenso vermittelte er die Ausgleichungder zwischen dem bischöflichen Stuhle und verschiedenen Städten entstan-denen Mißhclligkeiten, brachte ferner, weil der allgemeine deutsche Land-friede vom I. >235 wenig beachtet wurde, ein engeres Landfriedens-Bündniß zu Stande, welches im I. 12S8 zwischen Cöln, Mark, Münster,Soest und Dortmund geschlossen wurde, ließ eine Menge Synodal-Statutenzur Verbesserung der Kirchenzucht ergehen, und wußte nebst dem Dom-kapitel neue Kirchengüter so wie neue Jurisdiktionen theils in Frieslandtheils in anderen Gegenden, zu erwerben. Auch erhielten manche Städtevon ihm Bestätigung oder Vergrößerung ihrer Rechte; u. a. wurde dasdamalige Dorf Haltern durch ihn, zu besserem Schutz gegen feindliche