Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Martini-Kirchspiel ganz von dem Mauritz-Kirchspiel, zu dessen Parochiebisher alle Bewohner des Kampvordeshofes gehört hatten, und trennteebenso den der Burg am nächsten liegenden und am meisten bewohntenTheil des Lamberti-Kirchspiels von dessen übrigen Theilen, aber ohneden Pfarrverband aufzulösen, und schuf auf diese Art ein Lamberti-Stadt-kirchspiel und ei» gleichnamiges Landkirchspiel. In dem Neberwasser-Kirch-spiel, wo schon lange eine feste Einfriedigung die Bewohner des Bisping-hofes und die nächsten Umwohner des Stiftes von den übrigen Hofes-bewohnern getrennt haben mochte, ließ er ebenfalls eine städtische Pfarreneben der gleichnamigen ländlichen bestehen. Endlich umgab er das Ganzemit einer neuen und festen Mauer nebst einem Graben undfesten Thoren, und wir erblicken so die Stadt Münster ge-nau in demselben Umfange, den sie noch heute hat. Die St.Mauritz-Kirche wurde mit den sie umgebenden Wohngebäuden durch Herr-manns Mauer und Graben für immer eine Vorstadt, und lag nun aufdem Lande, während die sechs städtischen Kirchspiele bisher, vom Dom-platze aus gerechnet, auf dem Lande, jetzt aber in der Stavt lagen.Der Pfarrbczirk von Lamberti- und Ueberwasser umfaßte fernerhin bisauf den heutigen Tag, nicht bloß den rn die Stadt gezogenen Theil desBrock- und Godevelveshofes, sondern auch den ganzen früheren Umfangderselben als Landkirchspiel; die übrigen vier Kirchspiele hingegen hattenund behielten ihren Pfarrbczirk nur in der Stadt, Der äußere Umfangund die wesentliche Gestalt der Stadt ist in 650 Jahren seit Herrmann II,nicht verändert worden, Der Umfang der alten drei Höfe, auf denendie Stadt M, erbauet wurde, ist übrigens in dem heutigen Umfange derKirchspiele St. Mauritz, Lamberti und Ucbcrwasscr noch im Wesentlichenzu erkennen, wenn man nur kleine Veränderungen abrechnet. So ist z.B.das erstere durch die Erhebung der auf seinem Grunde entstandene» Filial-kirche Gimbte zu einer vollständigen Pfarrkirche, so wie früher schondurch Abtrennung des städtischen Martini-Kirchspiels verkleinert, dagegenin der neuesten Zeit durch Zuziehung einiger Baucrschaflen jenseit desWerfe-Flüßchens wieder vergrößert worden; die Bauerschaft Kampers-bcck erinnert noch jetzt bei ihm an den alten Kampvordeshof. Das zweiteist ganz unverändert geblieben, und hat bloß für die vrei Pfarren, derAegidii-, Ludgeri- und der Servariikirche, so wie des städtischen Lamberti-Kirchspiels den betreffenden Raum abgebe» müssen; noch befindet sich inseinem Umfange die uralte Bauerschaft Metten best. Das dritte ist eben-falls unverändert geblieben, und behauptet sein Pfarrrecht noch über dieaus seinem Grunde entstandene Filialkirche des Dörfchens Kindcrhaus;noch sind in seinem Umfange die uralten Bauerschaften Givcnbeck «inälteren Urkunden:Givo»bicki"j, Uppenberg i Uppc then Bergha"),Sandrup (Snuontharpa") und Sprakel (Sparakolon"). Der Namedieses Hofes möchte übrigens eher von einem in früherer Zeit hier ge-standenen Altar oder Heiligthum des WodanGuodan", daher Wodans-scld), des bekannien Gottes der heidnischen Sachsen, als von den Judenabzuleiten sein, wenn diese auch im Mittclalter in M. und vornehmlichim Ueberwasser-Kirchspiel, wie u, a, zahlreiche Ausgrabungen mit hebräi-schen Inschriften versehener Grabsteine zeigen, in bedeutender Zahl ge-wohnt haben mögen.

Hcrrmanns Befestigung war nach ausdrücklichen Zeugnissen nur Mauerund Grabein als solche können wir nur die später als innere Mauerund innerer Graben vorkommenden Befestigungen nehmen: den Wall,die daran gränzende äußere Mauer und den äußeren Graben haben wirvon jenen hinwegzudcnken. Dieser innere Graben ist, wie oben schonbemerkt worden, an zwei Stellen, am Buddenthurm und am Zuchthause,in einigen Ucberrestcn noch erhalten; an den meisten anderen Stellen ister ausgefüllt und theils durch Gärten, theils durch hineingebaute Häuserersetzt. Unmittelbar angränzend läuft fast um die ganze Stadt eine Straße,die nach der Grabcnseite geöffnet ist, insofern nicht die neu angebautenHäuser eine Schließung bewirkt haben. Diese Straße führt noch jetzt,außer verschiedenen Benennungen für einzelne Theile, die allgemeine:AmGraben," und auf ihrer Schwelle zog sich längs des jetzt ausgefülltenGrabens Herrmanns die mit Thürmen und Thoren versehene Stadtmauerhin, von denen sich schwerlich jetzt noch Zieste möchten nachweisen lassen.Als älteste schon vor Herrmanns Zeiien errichtete Stadtthore, die in den

zuerst bevölkerten Stadttheilen nothwendig waren und deren Errichtungspäter nicht mehr angegeben wird, lassen fich das Schüttethor, rasBiskopings-, das Kreuz- und das Tecklenburger-Thor anneh-men. Das Schüttethor lag am Eintritte der Aa in die Stadt, unweitder Georgs-Commendc, etwa 5l> Schritte nordwärts vom Aegidii-Thore,und hat seinen Namen von den hier schon früh angebrachten Schleusen(niederdeutschSchütten") wovon die in der Nähe befindliche und längsdes früheren (inneren) Stadtgrabens sich hinziehende Straße noch die ver-guweutschte BenennungSchützcnstraße" führt. Das Biskopingsthorstand diesscit der Insel in der Nähe des jetzigen Fuchslochcs, und führtevom Bispinghof über den Flächenraum der damals noch ganz ebenen Inselauf die der Aa zunächst liegende» Theile des Godevelveshofes, besondersauf einen, noch jetzt hinter der Insel fich anschließenden Feldwege zu demColonate Scntrup, einem Eigenthum des Domkapitels. Vielleicht mochtedieses Thor auch zur Verbindung mit der sog.Thükesburg" dienen,welche im 15. Jahrh, bereits genannt, zu den Wiedertäufer-Zeiten aberals ein erhöheter, zirkelförmiger und mit Weiden besetzter grüner Platz,und als alte und allgemeine Richtstätte der Stadt ausdrücklich erwähntwird, und die ganze auswärtige Fläche zwischen der Insel und dem Ab-schnitts-Thore, auch zugleich den östlichen Theil des Schloßgartens ein-nahm. Daß diese Thükesburg in den frühesten Zeiten, ehe sie zum städti-sche» Richtplatz den Raum hergab, ein festes zum Schutze des bischöflichenLandsttzes bestimmtes Werk gewesen, läßt sich freilich nur als Vermuthungaufstellen. Das Kreuzthor stand an der Stelle der späteren sogenanntenMünzkaserne, gereckt durch die auswärts in der Nähe liegende Kreuz-schanze, jetziges Laborarorium der Artillerie. Seine Bestimmung konntewahrscheinlich nur die Erhaltung der Communikarion mit der uraltenSchanze sein. Beide haben ihren Namen von einem silbernen wunrer-thätigen Crucifir, welcher von Bischof Friedrich II. der Domkirche geschenktund später im neue» Dome vor dem hohe» Chöre auf dem sogenanntenApostelgange, wo »och zctzt ein altes aber hölzernes Crucifir zu sehen ist,aufgerichtet war. Jährlich am h. Pfingstfestc wurde dieses berühmte Kreuzin alle Häuser der Bürger getragen, unter Begleitung zweier Sänger;der eine Nachbar nahm es dem anderen ab, um die gegenseitige Mitthei-lung ihrer Trübsale und ven Wunsch auszudrücken, diese Trübsal gemein-schaftlich in brüderlicher Einigkeit zu theilen. Hierauf wurde das Kreuzbis zuni nächsten Freitage vor dem Geburtsfeste des h. Johannes bei Seitegestellt, dann aber während der Nacht den Metzgern übergeben, welchedasselbe, nachdem sie vorher in der Ueberwasscrkirche rein Gottesdienstebeigewohnt, gegen drei Uhr Morgens unter Gesängen an das Kreuzthortrugen, und dort unter Beihülfe der Küster auf einen Wagen legten, vonwelchem es weiterhin auf verschiedene Bauernwägen gelegt wurde, die ineiner gewissen Entfernung von einander standen. In dieser Weise wurdees nun in Begleitung einer zahlreiche» Volksmenge und eines Geistlichenumhergefahreii. und an dasselbe Thor zurückgebracht. Hierauf wurde esmit Wein vom Staube gereinigt, dann den Metzger» wieder zugestellt,und von diesen unter disharmonische» und unverständlichen Gesängen indie Kirche getragen, wo es die Geistlichen i» Empfang nahmen n»d wie-der an seine» Ort stellten. DaS Tecklenburger-Thor stand zwischendem Buddenthurm und dem Ncubruckenthor an derjenigen Stelle, wo jetztan dem hier noch erhaltenen inneren Graben einige Häuser stehe». Eshatte seinen Namen von den Burg-Grafen von Tecklenburg, die einelange Zeit Schutzvögte der Münstcrschen Kirche waren, und bei Tage undbei Nacht freies Aus- und Eingangsrecht in die Stadt hatten, welchesRecht sie auch nach Abtretung der Kirchenvogtei noch behielten, bis imlZ. Jabrh der Stadt-Magistrat ihnen dieses Recht abkaufte, ras Thorsperren und an reffe» Stelle das Neubrückenthor errichten ließ. Derfeste über rein Tccklenburger-Thore erbauete Thurm blieb aber stehen,und diente später zur Aufbewahrung des Pulvers; alsPulverthurm" lebteer noch lauge im Munde des Publikums, und wurde vor ungefähr 25Jahren abgebrochen. Ein zugemauertes, aber deutlich zu unterscheidendesThor in demselben erinnerte an die frühere Bestimmung. Eine besondereStraße führte von diesem Thore über eine besondere Aa-Brücke in dieStadt; von ihr solle» hinter den Häusern der Bergstraße, die an demerwähnten Neben Arm der Aa kurz vor seiner Vereinigung mit dem