Die Stadt Münster ist der Sitz sehr zahlreicher Behörden undBildungs-Anstalten. Wir Heden die wichtigsten derselben in der nach-folgenden Uebersicht hervor, und erwähnen-
Das Generalkommando und die Intendantur des VII, Armeekorps; das Kommando der l3. Division; den Stab; das l.und 2. Bataillon des >3. Infanterie-Regiments; den Stab,die l. 3, uno 4. Eskadron des 1l. Husaren-Regiments; denStab, die I. reit. Compagnie und die I. 2. und 3. Fuß-Cvmp.der I, Abtheilung der siebente» Artillerie-Brigade; den be-soldeten Stamm des ersten Bataillons des >3. Landwehr-Regime» tS, und des >3. Landwehr-Uhlanen-Regiments;das Kommando der siebenten GenSdarmerie-Brigade; dieEraminations-Commission für Port-d'Epee-Fähnriche, unddie Divisionsschule der >3. Division.
Ferner ist Münster der Sitz des Obcrpräsiviums für die Pro-vinz Westfalen, und des ihm untergeordneten Consistoriums, Pro-Vinzial-Schulcollegiums, und M cdizin al - Collegiu ms, derevangelisch - theologischen und der wissenschaftlichen Prü -fungS-Com Mission, des Provinzial-Archivs, und der Regie-rung für den Regierungsbezirk Münster; auch der Schullehrer-Witt-wen- und Waisen-U n terstützungs-Anstalt; ferner des Provin-zial-S teuer-Direktors für Westfalen, und eiuesHa upt - Steuer-Amts; der Gencral-Com missio» (für Gemeinheits-Theilungen,Rcgiilirung der gutsherrlich-bäuerlichen LehnS-, Bann- und ähnlichen Ver-hältnisse und Ablösungen); der Provinzial-HülfS-Casse, der Pro-Vinzial-Feuer-Societät; der Direktion der Lippe-Schifsahrt-Bau-Verwaltung; des Königl. Bank-Comtoirs; des Ober-Post-Amts und der DepartementS-Post - Inspektion. — VonJustizbehörden befindet sich in Münster ein Oberlandesgericht,und ein Land- und Stadt-Gericht (Nntergericht), nebst mit diesemverbundenem Jnquisitoriat.
Die Geistlichen Behörden sind für die Katholiken: der Bi-schof der Diöcese Münster, nebst Domkapitel, General-Vi-kariatS-Amt sin poniilieslibus und in sp!i'!iu!iiibn-i), Synodal-Era-minations - Commission (für angehende Geistliche), und bischöflichemSeminar. Ein ausreichendes Personal von Pfarrgeistlichen in densieben eigentlichen Pfarrkirchen, ferner geistliche Lehrer in der Gymnasiums-kirche, zwei Rektoren in der ClemcnSkirche und in der Magdalenen-Spitals-Kapelle, ein katholischer Militär-Pfarrer (ebenfalls in der an diekathol. Militär-Gemeinde zum Mitgebrauche überwiesen? Gpmnasiumskirche)und ein Zuchthaus-Seelsorger in der ZuchthauS-Kapelle, versehenden ordentlichen Gottesdienst; — für die Evangelischen der Vice-General-Superintendent der Provinz, der Pfarrer der Ge-meinde, und zwei Militär-Geistliche (I Oberprcdigcr des VII. Ar-meekorps und I Divisions-Prediger).
Unter den Bildungs-Anstalten nehmen die höheren Lehr-An-stalten und Schulen den ersten Rang ein. Wir erwähnen: die
theologische und philosophische Akademie (mit dem jns promo-veiiäi für beide), nebst dem mit ihr verbimvenen philolgisch-pädago-gische II Seminar, der Königl. Paulinischeu Bibliothek, demmathematisch-physikalische n Kabinet, dem naturhistorischenMuseum, dem botanischen Garten und dem chemischen Labo-ratorium; das klinische Institut; das (sehr stark besuchte» Gym-nasium; die Pro» in zial-Gcw erb schule nebst mit ihr verbundenenSonntagsschule für Handwerker; das katholische Schullehrcrin-nen-Seminar nebst höherer Töchterschule; die Taubstummen-Anstalt; zwei kathol. Trivialschulen soderlat. Rektoratschulen, welchedie Serta und Quinta eines Gymnasiums ersetzen eine evangelischeähnlicher Art; eine Vereinsschulc sdie zugleich zur Ausbildung israeli-tischer Schulamts-Aspiranten zu Elementarlehrern und armer jüdischerKnaben zu Handwerken und Künstlern bestimmt ist, in welcher aber derUnterricht ohne Rücksicht auf die Confessionen ertheilt wird); eine (Pri-vat-') Töchterschule; sieben katholische Elementar-Schulen,unter ihnen eine, die Dom-Elementar-Schule) bloß für Knaben,die Fr ei schule bloß für Mädchen, die übrigen für Knaben und Mädchen;eine evangelische Elementarschule. (Sämmtliche Schul-Anstalten,mit Ausnahme der Frcischule, sind allen Confessionen immer geöffnet).Zum Privatunterrichte in allen Zweigen des Wissens und der Fertig-keiten bietet sich zu jeder Zeit die beste Gelegenheit. — Von den wis-senschaftlichen und a »deren Vereinen bemerken wir für gewerb-liche Zwecke den Hauptverein für die landwirthschaftlichenKreis-Bereine des Reg. Bez. Münster; den Verein zur Verbes-serung der Pferdezucht im Reg. Bez. Münster; für wissen-schaftliche und Kunst-Zwecke; den Verein für vaterländischeGeschichte und AltcrthumSkunde (dessen eine Abteilung in Mün-ster, die andere in Paderborn ist), nebst dem dazu gehörenden Museumvaterländischer Alterthümer; den Verein für allgemeineGeschichtsforschung (der sich alle drei Wochen zur wissenschaftlichenDiscussion oder zur Anhörung von Vortrügen versammelt), nebst einermehr als I2EV Bände enthaltenden Bibliothek historischer Werke; denKunstverein für Westfalen, nebst einer höheren Provinzial-Zeichnen-Schule; die ärztliche Gesellschaft (welche sich monatlich zur gegen-seitigen Disiussion versammelt). Zur Besserung der entlassenenSträflinge besteht in Münster eine Tochter-Gesellschaft derRheinisch-Wcstphälischen Gefängniß-Gesellschaft zu Düssel-dorf. — Von Zeitungen und Zeitschriften erscheinen, außer einemIntelligenz-Blatt (nur für öffentl. Anzeigen) und dem Amtsblattder Königl. Regierung noch I politische Zeitung, der Westfälische Mer-kur, täglich, nebst einem wöchentlichen Unterhaltuiigsblatt; ferner dielandwirthschaftliche Zeitung für den Reg. Bez. Münster, dasSonntagsblatt für katholische Christen, und die Zeitschrift desVereins für vaterländische Geschichte uudAlterthumskiinde.Die literärische Unterhaltung wird durch zwei Leihbibliotheken und einigeLesevereine fortwährend befördert.
Aebersichtliche Parjie 1 lnng der
Erst die Zeit Karls des Großen verbreitet einiges Licht über die älte-sten Zeiten. Eine alte aus der Tradition aufgenommene Nachricht meldetFolgendes:
„Als im Jahre 508 der Longobardenkönig Alboin nach Italien zog,um dort Wohnsitze zu suchen, waren unter den Tapfern, die ihm folgten,auch 2<M0 Sachsen. Sie halfen den Langobarden das Land erobern,verlangten aber dennoch nicht, so schön es auch war. dort zu bleiben, weildie Langobarden ihnen nicht vergönnen wollten, nach ihren vaterländischenaltsasstschen Gesetzen sich dort einzurichten. Sie zogen deßwegen mit Er-laubniß der fränkischen Könige durch Gallien nach ihrer Heimath zurück.Hier fanden sie ihre Wohnsitze von Sueven eingenommen, welche fränkischeKönige dorthin versetzt hatten, und rüsteten sich, sie mit Gewalt zu ver-treiben. Vergebens boten diese ihnen ein Drittheil, hierauf die Hälfte,
V c s ch i ch t e der Stadt Münster.
endlich zwei Drittheile, der eroberten Ländereien an; die Sachsenverlangten das Ganze, lieferten eine Schlacht, wurden aber besiegt. NurOOstO blieben übrig. Diese verschworen sich, nicht Bart- und Haupthaarzu ordnen, bevor sie Rache genommen. Sie wagten einen neuen Kampf;aber auch dieser ging für sie verloren. So mußten sie denn auf ihr allesEigenthum verzichten. Sie zogen nun weiter fort immer in westlicherRichtung, bis sie an die Aa, im jetzigen Münstcrlande, kamen, an derenlinken Ufer sie, ungefähr in der Mitte zwischen Quelle und Mündung eineStadt bauten, und diese, zum Anvenken ihrer Thaten bei dem italienischenMailand, lniedersächsisch „Miland") Milingard nannten. Hieraus ent-stand die spätere Stadt „Münster." Diese Nachricht wird von den Schrift-stellern, die sie mittheilen, nur als alte und unverbürgte Sage angegeben,und kann vor der historischen Kritik die Probe nicht bestehen. Sogar der