Ende des Alten Fischmarkts in östlicher Richtung sich hinzieht, nordwärtsoder links zuerst die Kirchherrngasse, hierauf eine schmale Gasse zurVerbindung mit der Mau ritz-Straße von sich schickt, an ihrem Nord-Ost-Ende Telgter Straße heißt, endlich sich mit der (nördlicher gele-genen und mit ihr theilweise parallel lausenden) Manritzstraße vereinigt,und zum Mauritzthor fuhrt. — Auf der Salzstraße, wenn man sie vomWesten nach Osten durchgeht, prangt zur Linken an der Nordseite dieschöne vormalige Dominikaner-Kirche, mit der hinten anstoßendenKönigl. Steucrdirektion, Generalcommission und einigen Loka-litäten der Intendantur, alle im vormaligen Dom in ika nerkloster.Gegenüber zur Rechten hat man den Hof des Freiherr» von Twickelzu Havirbeck. Weiterhin fiihrt diese Straße zum prachtvollen Pa-lais des Grafen Erbdroste zu Vischering; es liegt zurRechtenander Siidseite der sich weiter bis zumScrvatii-Thore verlängerndenSalzstraße,und ist unstreitig das schönste Privathaus der ganzen Stadt, überhaupt dasschönste Wvhngcbäude mit Ausnahme des Schlosses. Eine kurze Seiten-straße fuhrt von der links beginnenden Telgterstraße in südlicher Richtung überdie Salzstraße, indem sie diese durchschneidet, diesseit des Erbdrosten-Hofesund längs desselben zum Ost-Ende der oben gedachte» Clemens-Straße.Nachdem man, von der Salzstraße rechtshin sich abwendend, hier ange-kommen ist, hat man schräg vor sich die Clemens- oder Barm herzi-gcn-Kirche. Zur Linken führt östlich eine enge Gasse zu der Servatii-Kirche und dem sie umgebenden Kirchhof. Gerade aus läuft die auf dieLudgcristraße ausmündende Lörstraß.e. Zur Rechten gewendet kommtman auf die Clemenssträße, an deren südlicher Seite zur Linken die Kla-rissengasse lgewöhnl. „ Klarissenstiege" genannt), abführt, zurRechten, dieser Gasse gegenüber, ei» großes Gebäude von freundlichemAeußern mit davor befindlichem Garten, von der Straße durch ein eisernesGeländer getrennt, zu sehen ist. In dieses Gebäude hat der Löwenklub,der dasselbe vor einigen Jahren ankaufte, seinen Sitz verlegt. Die Kla-rissengasse führt zu dem früheren Klarisscnklostcr, welches jetzt alsHospital, Armenhaus und zu ähnlichen Zwecken gebraucht wird, und wei-terhin zur eben genannten Lörstraße. Hat man die Clemensstraße bis zuihrem West-Ende zurückgelegt, so befindet man sich wieder am Süd-Endedes Marktes *).
Die Zahl der Wohnhäuser der Stadt beträgt ungefähr ZWO.Von dm übrigen Gebäuden ewähnen wir l4 Kirchen und zum Got-tesdienste bestimmte Gebäude; 137 Gebäude zu Staats- oderCoin munalz wecken, nämlich: 2t) Schulen, 15 Kranken-, Wai-sen- und Pflege-Anstalten, 14 Lokale der Landeskollegien,Justiz-, Polizei-, Steuer- u. s. w. Behörden; 33 Militär-Gebäude;55 zu andern Zwecken der geistl. und weltl. Civil- und Com-munal-Vehörden und Anstalten benutzte Gebäude; endlich44 Fabriken, Mühlen (2 Korn (Wasser-) Mühlen, I Korn (Wind-),t Korn- (Dampf-), l Oel (Wasser-), l Oel (Dampf-) Mühlen, und Ma-gazine: 233 Ställe, Scheunen und Schoppen. Unter den Fabrikenu.s.w. erwähnen wir: 5Buchdr uckereien; 5 lithographischcAnstal-ten; 3 Wagcnfädriken; > Lederfabrik; l Wollen-undBanmwol-lenzeugfabrik, l Tapetenfabrik und Drahtweberei; mehrcFär-bereien, Bier- u. Essig-Brauereien, Branntweinbrennereien,Liqucnr-, Tabaks-, Hut-, Seifen-, und Talglichtcr-Fabriken.
Die Zahl der Bewohner beträgt ungefähr, ohne den Militärbestand,21000 Seelen. Dem Religionsbekenntnisse nach gehören von ihnen un-gefähr lSbitX) der Römisch-Katholischen, 2000 der Evangelischen,200 der Jüdischen Confession an. Die bedeutende Zunahme der Bevöl-kerung ergibt sich daraus, daß im Jahre 1818 dieZahl der Bewohner ohne
*) Sollten manche der qenciqten Leser die hier gegebene Darstellung der topographischen Ver-hältnisse der Stadt zu ausgedehnt finden, so sei für diese bemerkt, daß der Verfasser haupt-sächlich für Fremde schrieb, und zunächst nur diesen ein klares Bild der Stadt von Innenund von Außen. so wie eine übersichtliche Darstellung der Geschichte und aller Sehenswür-digkeiten der Stadt zu geben suchte. Aus diesem Grunde war Klarheit, Deutlichkeit undVollständigkeit, besonders bei den bis hierher behandelten Gegenständen, das erste Gesetz.Manche Wiederholungen sind dabei unvermeidlich. Sehr freuen würde es übrigens denVerfasser, wenn auch den einheimischen Leser das Durchlesen dieser wenigen Bogen nicht er-müdete.
Militär kaum 15000 betrug. — (Bei Aufzählung der Gebäude und derBevölkerung haben wir übrigens nur die eigentliche Stadt innerhalb derWälle ohne die auswärts angebauten Häuser und die Vorstadt St. Mauritz,berücksichtigt. Bei Angabe der statistischen Verhältnisse folgen wir dem beiF. Negensberg in Münster erschienenen Adreßbuch der Provinz West-falen, 184k, insofern sich in demselben die für unsern Zweck nöthigen No-tizen finden). — Das älteste Stadtsiegel besteht aus einem rothenBalken im goldenen und silbernen Felde mit einem über demselben ange-brachten Bilde des heil. Paulus, des Schutzpatrones der Stadt. VieleJahrhunderte hindurch war dieses Stadtsiegel im Gebrauche, bis unter derfranzösischen und Anfangs auch unter der preußischen Verwaltung derAdlerin das Wappen eingeführt wurde, der aber nachher wieder dem PaulusPlatz machte. — In Rücksicht der städtischen Verwaltung hat Mün-ster als Jmmediatüadt l Oberbürgermeister, der dem von den Stadt-verordneten gewählten und im Ganzen aus 5 Mitgliedern bestehendenMagistrat angehört; l Stadtsekretär, mit l Registrator und lKanzlistcn; I Kämmerei-Rendanten; i Polizei-Inspektor,1Polizei-Conimissär;IPolizei-Sekretär;alsIlnterbediente:lBau-Aufseher; l Rathhauswärter; 4Stadt-Diener; 4 Po-lizei-Sergeanten; 1 Theater-Meister; l Thurm Wächter; 5Nachtwächter; 4 Holz- und Steinkohlen-Messer; l Holz-Kohlen- und Kalk-Messer. Dem Magistrate untergeordnet sind dieArmen-Commission; die (städtische) Schul - Commission; dieServis-Co in Mission; die Bau-Commission; die Sparkassen-Anstalt; die Leihhaus-Anstalt; das Aich-Amt. — Die jährli-chen Bedürfnisse der Stadt betrugen vor 10 Jahren nur 22000Rthlr.,für die Verwaltungs- und Baukosten, die Feuergeräthlchaftcn, die Straßen-beleuchtung und Reinhaltung, den öffentlichen Unterricht, sonstige gelegent-liche Zwecke, und besonders für die Zinszahlung des Ueberrcstes der städti-schen Schuld, welche in den letzte» zwei Jahrhunderten eine bedeutendeHöhe erreicht hatte, in den letzten Jahrzehnten aber auf verschiedene Weiseauf 65000 Rthlr. heruntergebracht ist, die größtentheils milden Stiftungengehören, nicht gekündigt werden können, und in firirter jährlicher Rentezum Vollen verzinset werden. In der jüngsten Zeit find aber die Bedürf-nisse der städtischen Verwaltung zugleich mit ihrer erhöheten Wirksamkeitbedeutend gestiegen. Da die Stadt nur 2000 Rthlr. jährlich aus eigenemVermögen bezieht, ^o muß alles klebrige durch Beiträge außerordentlicherArt, z. B. durch den Commnnal-Beischlag zur Schlacht- und Mahlsteuergedeckt werden. Da indessen die Schlacht- und Mahlsteuer kürzlich (seitdem l. Juni 1843) aufgehoben ist, so wird dieser Beischlag auf die anihre Stelle tretende Classensteiler übertragen werden müssen. — Die Ge-werbe sind sehr zahlreich vertreten, doch nur auf Consumtion und einenwenig bedeutenden Zwischenhandel berechnet. Der Wohlstand der Stadt,— und für wohlhabend kaun sie noch immer gelten, — beruht überhauptfast nur auf dem Ackerbau, einem sehr zahlreichenBeamtenstandeund alten Ersparnissen. Der Handel ist fast nur Consumtionshandel.Derunvollcndetgebliebene Mar-Clemens-Kanal hätte vielleicht, wäreer seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß bis an die Vecht geführt undmit Holland in Verbindung gekommen, ein regeres Leben in den Handelgebracht, nutzt aber in seiner gegenwärtigen Gestalt gar nichts. WelcheVortheile die seit dem 25. Mai 1848 eröffnete Münster - HammerEisenbahn bringen werde, steht noch zu erwarten; an eine Weiterführungdieser Bahn bis an die Eins nach dem Städtchen Rheine scheint man vorder Hand nicht zu denken. — Die drei Jahrmärkte, welche im Frühling,Sommer und Herbst gehalten, und gewöhnlich „der Send" genanntwerden, (eine Zusammenziehung des lat. Wortes »zmocku«, weil früher beiGelegenheit der Bisthums-Synoden gewöhnlich Käufer und Verkäufer sicheinfanden) haben nur geringe Bedeutung. — Mit milden Stiftungen,Wo hl thätigkeits-Anstalten und Armen-Fonds ist die Stadt sehrreichlich versehen. Dessen ungeachtet nimmt hier, wie leider fast überalldie Zahl der Dürftigen jährlich zu. Allgemein erschallt die Klage, daßArbeitsscheu und das Vertrauen auf Unterstützungen ans jenen Anstaltenzum Theile diesen llebelstand in's Leben riefen; auf jeden Fall wäre einöffentliches Arbeitshaus für die Dürftigen eine eben so nützliche als noth-wendige Anstalt.