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10 (1852)
Entstehung
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nächste Umgebung enthaltend; südlich vom Dom-Kirchspiel das Aegidii-Kirch spiel. Diese genannten vier Kirchspiele gränzen alle westlich andie Aa. Oestlich vom Aegidii-Kirchspiele, südlich vom Lamberti-Kirchspieleliegt das Ludgeri-Kirchspiel, und zwischen dem Nord-Ost-Ende dessel-ben einerseits und dem Süd-Ost-Endc des Lamberti-Kirchspieles anderer-seits das kleine Servatii-Kirchspiel. Beide berühren, so wie dasMartini- und das Lamberti-Kirchspiel, die Ostseite der Stadt. Die Kirch-spiele führen, mit Ausnahme des Dom-Kirchspieles, ihren Namen von denals Schutzpatrone der entsprechenden Pfarr-Kirchen verehrten Heiligen.Von diesen sieben Kirchspielen der Stadt, welche die ersten und ältestenEintheilungen bilden, unterscheiden sich die sogenannten Laischaften,welche jünger als jene, und nicht kirchlichen, sondern bloß politischen Ur-sprungs, und wahrscheinlich erst im späteren Mittelalter entstanden sind.An Zahl sind ih.er sechs. Ihre Namen entsprechen größtentbcils denender Kirchspiele; nur die Benennungen Liebfraucn-Laischaft, (welcheauch das Dom-Kirchspiel enthält), und Jüdefelder-Laischaft, beidefür das Liebfrauen-Kirchspiel, sind abweichend; nach dem Scrvatii-Kirchspieleist keine der Laischaften benannt. Ihr Umfang entspricht aber nicht demder Kirchspiele; sie durchschneiden vielmehr die Gränzen dicker, und diemeisten Laischaften bestehen aus Theilen von wenigstens zwei Kirchspielen.Sie laufen sämmtlich vom Markte, mit Ausnahme der Jüdefelder-Laischaft,nach allen Richtungen aus, und dienen in administrativer Hinficht zurleichteren Uebersicht der städtischen Lokalitäten, ein Umstand, der wahr-scheinlich in früheren Zeiten ihre Entstehung veranlaßt hat. Die Haus-Nummern auf den Straßen sind nach diesen Laischaften eingetheilt, so daßin jeder die Reihe der Zahlen mit Eins beginnt. Der Fremde hat alsoerst die Lasschafien aufzusuchen, bevor er Straße und Nummer des gesuch-ten Hauses finden kann.

Der älteste Theil der Stavt ist der Dom platz. Er liegt im Mittel-punkt derselben, ist ungefähr ölll) Fuß lang und Rty breit, hat die Ge-stalt eines Rechteckes, und ist unstreitig der schönste freie Platz der Stadt.An seiner nördlichen Seite prangt die majestätische Domkirchc; zahlreichePrachtgebäude umgeben ihn. Wir nennen von diesen an der Südseite dasRegie rungsgebände und die Post; an der Westseite das bischöf-liche Palais; an der Nordseitc eine ausgezeichnet schöne Dom Herrn-Kurie; an der Ostseite das Gebäude der Königl. Bank. SämmtlicheWohnungen der Domherren befinden sich hier, oder in unmittelbarerNähe; zu bedauern ist, daß eine der schönsten durch vorliegendenPlatz und vorgezogene Mauer fast ganz verdeckt wird. Das König-lichen Provinzial - Archiv befindet sich neben der Post in einemfrüher vom Erzbischof von Köln^ Clemens August, bewohnten Gebäude,welches früher, so wie alle Gebäude des Domplatzes, Domherrn-Kuriewar. Bier längs den Häusern sich hinziehende Straße», und eine fünftein der Diagonale von Südost nach Nvrdwest, machen den Domplatz fürFuhrwerke jeder Art zugänglich. Vier Straßen erhalten seine Verbindungmit den übrigen Stadttheilen; die eine im Südwesten, die sog. Pferdc-stiege, führt zum Aegidii-Kirchspiel; die zweite im Nordwcsten, der sog.Spie ge lth urm , »ach dem Kirchspiel Ueberwasser; die dritte im Norden,Horsteberg genannt, zum West-Ende des Lamberti-Kirchspiels; die vierteMichaelis-Platz genannt, nach dem Markte. Seine größte Zierdefind aber die herrlichen uns ungewöhnlich hohen Lindenbäume, mit denener in seiner ganze» Ausdehnung, die Räume für die Straßen abgerechnet,bepflanzt ist. Sie find nach der Quineunr geordnet, dienen zahlreichenSingvögeln zum Aufenthalt, und bieten bei der Sommerhitze dem Spa-ziergänger einen erquickenden Schatten mitten in der Stadt.

An der Ostseite des Domplatzes liegt der Markt. Er hatdie Gestalt einer Straße, die sich von Süden nach Norden hinzieht.Den schönsten Anblick bietet er von der Südseite. Die gothische Bauartder Häuser, die sich überhaupt in der Mitte der Stadt am häufigsten fin-det, mit ihren hochemporstrebenden Gipfeln und Spitzsäulen, die Arkaden,auf denen die Fronten ruhen, und welche vom frühen Morgen bis zumspäte» Abend durch hin und hergehende Menschen, durch Käufer und Ver-käufer belebt so wie durch Kaufläden jeder Art geziert sind - (sie werdengewöhnlichder Bogen" genannt), endlich im Hintergrunde die imschönsten gothischen Stile erbauete Lamberti - Kirche geben ein so schönes

Bild von einer Straße mittelalterlicher Bauart, wie man es nur in we-nigen älteren Städten findet. Am schönsten nimmt sich der Markt AbendSbeim Mondscheine aus. Weil auf dieseü fast alle Straßen der Stadt zu-sammenlausen, so nimmt der Fremde, der sich in der Kürze mit der Lageder wichtigsten Straßen und Gebäude bekannt machen will, am bestenseinen Standpunkt vor dem prachtvollen gothischen Rath Hause, welchesin der Mitte der Ostseite des Marktes, unmittelbar neben der Hanptwacheprangt. Vor sich hat man hier nach Westen gewendet, den Eingang zumDomplatz über den eben erwähnten Michaelis-Platz. Die diagonale Straßeführt über denselben nordwestlich zum Spiegelthurm, und von diesem,während das Terrain sich senkt, vermittelst einer hölzernen Brücke über dieAa auf dem Kirchhof der Liebfrauen- oder Uebcrwasser-Kirche. Bor sichhat man einen geräumigen freie» Platz, der in den letzten Jahren durchdas Abbrechen alter Wohnhäuser an Raum und Licht gewonnen hat. Diesermit der an der nördlichen Seite liegenden Kirche nebst dem an diese stos-senden bischöflichen Seminar bleibt rechts liegen; man *geht gerade ausüber den mit einer Baumrcihe gezierten Kirchhof, und kommt an den Ein-gang der Lieb-Frauen-Straße. Diese führt gerades Weges in west-licher Richtung auf den Neuen Platz, und eröffnet die Aussicht auf dasSchloß mit dem hinter demselben liegenden Schloßgartcn. VierPyramiden auf hohen Fußgestellen, geschmackvoll aus Stein gearbeitet undüber hohen Piedestalen errichtet, begränzen die schön gepflasterte mit Trot-toirs versehene L. Fr. Straße, die gerade in weiterer Fortsetznng über denN. Platz zum Haupteingange des Schlosses führt. Von den Pyramidenrechtshin auslaufend führt eine Straße längs schlanken Pappeln zum NeuenThore; eine andere zur Linken, ebenfalls längs einer Reihe von Pappeln andas schöne Wohnhaus des Grafen von Galen, und weiter, wenn mansich rechts wendet, durch die sich hierher verlängernden Promenaden zumAbschnittsthore hin. Gerade aus verfolgt führt diese Seiten-Straße insüdlicher Richtung nach der Neuen-Straße, an deren südliches undäußerstes Ende eine andere Straße, der Bispinghof, auSläufl, auf wel-chen man, links oder östlich gewendet, gelangt. Auf der Mitte dicker Straßehat man zur Rechten das schöne und große Wohnhaus oder den Hof(in Münster die gewöhnliche Benennung der größeren mit einem Hofraumeumzogenen Gebäude) des Freiherrn von Kerkering-Borg. Hierausführt eine steinerne Brücke über die Aa in den östlichen Stadttheil zurück.Die auf dem Geländer errichtete Bildsäule des Joh. v Nepomuck hat ge-ringen Kunstwerth. Auf dieser Brücke sollen einst einige Studenten ihrenProfessor ermordet haben; ein Kreuz in der Wand eines naheliegendenHauses scheint diese Begebenheit anzudeuten. Hat man die Brücke hintersich, so führt ungefähr hundert Schritte weiter eine enge Straße, die Je-suitenstraße, zum ehemaligen Jesuitenkloster, wo sich jetzt die Gebäudefür das Gymnasium und die Akademie, die Lokale der zu beiden ge-hörenden wissenschaftlichen Sammlungen und Anstalten, die Wohnungenfür einen Theil des Lehrerpersonals, wie auch die Gymnasiumskirche,frühere Jesuitenkirche, befinden; zur Rechten hat man die große neuerbanteInfanterie-Kaserne, und vor sich die Johannis-Straße. Diesewird östlich begränzt durch ein Gebäude, in welchem ein gesellschaftlicherKlub, genanntder Löwenklub" früher seinen Sitz hatte. Zwei unterdem Dache angebrachte ausgehauene Löwen in natürlicher Größe, welcheeinen Ball in den Pfoten halten, mögen dem Klub den Namen gegeben haben.Wendet man sich hier links, so gelangt man in die Pferdcstiege, aus dieser aufden Domplatz und weiterhin auf den Markt. Nordwärts vom Rathhause, dieLamdertikirche zur Rechten lassend, kommt man zum sog. Drnbbel oderDrübbelken, einem enge ineinander gebauetcn Häuflein Häuser, welcheauf dem Durchschneidungspunkte zweier Straßen hier errichtet sind, vonunregelmäßigem oder häßlichemAeußern find, und die umliegenden schönenStraßen nur entstellen. Dasselbe soll aus einer Menge hölzerner Bau-hütten entstanden sein, welche im dreizehnten Jahrhundert von den, denLamberti-Thurm bauende» Tyroler Bauleute» errichtet wurden. Der oftzur Sprache gebrachte Wuusch, diese häßliche Häusergruppe gegen Ent-schädigung der Bewohner durch Abbruch wegzuschaffen, ist bis jetzt nochunerfüllt geblieben. Zwei Straßen, eine sehr schmale links für Fußgänger,eine andere breitere, rechts, für Fuhrwerke, führen in nordwestlicher Krüm-mung um den Drubbel herum auf den Noggenmarkt, dessen Name