vor dem Thore eine nicht chaussirte Straße über das Dorf Norel zur StadtCoesfeld, »nd weiterhin an den Rhein, Nordöstlich umbiegend nehmenwir unsern Weg längs der nördlichen Seite der Stadt in östlicher Richtung,lassen die sog.Krcuzschanze, die als Uebcrrest der früheren Festungsschanzesogleich zu erkennen und mit mannichfaltigem Buschwerk geziert ist, zurLinken, den gegenüber liegenden sogenannten Buddcnthurm, früherenStadtmauerthurm, zur Rechten liegen, bemerken uns weiterhin den Ueber-rest des inneren Stadtgrabens zur Rechten, und erreichen bald das Ncu-brückenthor, im Norden der Stadt. Hier finden wir eine doppelteBrücke, eine rechts über die wieder hervorkommende Aa, die andere linksüber den äußeren Stadtgraben. Zwei nicht chaussirte Landstraßen führenüber die letztere ans die vor dem Neuthore befindliche Grevener Chaussee,und weiterhin nordwestlich die eine längs des hier befindlichen Kanaleszur holländischen Gränze. Dieser von dem Fürstbischof Clemens Augustim Z. 1724 begonnene Kanal hatte die Bestimmung, mit der Rechne, unddurch diesen Fluß mit dem Zupdersee in Holland verbunden zu werden.Hindernde Umstände verursachten aber, daß er nur auf eine Länge vonfünf Meilen vollendet wurde, und daher geringen Nutzen brachte. Er istin der neueren Zeit von der Preußischen Negierung so gut als völlig auf-gegeben. — Unsern Weg noch >50 Schritte weiter verfolgend führen diePromenaden uns über eine Brücke, unter welcher die Aa aus der Stadtstießt. Sie fällt dann eine Viertelstunde zur Linken für eine kurze Streckein den Kanal, speiset diesen, und verläßt ihn dann bald wieder, um sichder Ems zuzuwenden. — Unmittelbar zur Rechte» haben wir den soge-nannten Zwinger, einen runden niedrigen Thurm, der mit dem angrän-zenden Zuchthause in Verbindung steht, und mir ihm gleiche Bestimmunghat. Zur Rechten merken wir uns weiter einen zweiten Ueberrest des in-neren Stadtgrabens, zur Linken jenseit des äußeren Grabens das kolossaleneue Zuchthaus, und erreichen darauf das Hörster-Thor, von wel-chem eine nicht chaussirte Straße zu den naheliegenden Acckern und Gärten,und auf den sogenannten Schifffahrter-Damm führt, eine gleichfalls nichtchaussirte Straße, die von jener geschnitten wird und in nördlicher Richtungzur Ems führt. Das Hörsterthor liegt im Nordosten der Stadt, und hatseinen Namen von einem früher draußen auf einer Anhöhe liegenden Bauern-hause, Horst oder Horsting, welches Hofhörige Besitzung der Stadt war. —Unser Spaziergang gewinnt allmählich eine südliche Richtung, und wir er-reichen das an der inneren Seite mit sehr freundlichen Anlagen geschmückteSt. Mauritz-Thor, welches im Osten der Stadt liegt. Einebreite mit schönen Gärten zu beiden Seiten »nd zur Linken mit einer Alleegeschmückte chaussirte Landstraße führt zu der Vorstadt St. Mauritz, undweiterhin zu dem Städtchen Telgte, von wo sie getheilt in nördlicherRichtung nach Osnabrück und Bremen, in nordöstlicher über Warcndorfnach Bielefeld, Mmden, Paderborn und Kassel abgeht. — Die große freieFläche zwischen Thor und Stadt hinter uns lassend betreten wir abermalsdie Promenaden, und erreichen bald nach einer Krümmung des Weges,die uns eine südwestliche Richtung nehmen läßt, das Servatii-Thor.im Südosten der Stadt. Eine unchaussirte Landstraße vor demselben führtzum Stäotchen Wolbeck, und weiterhin zum Dorfe Everswinkel und derStadt Warcndorf. Kaum hundert Schritte vor diesem Thore liegt derBahnhof der Münster-Hammer-Eisenbahn, dessen Gebäude wir,unseren Weg in südwestlicher Richtung weiter verfolgend, eine Zeit langzur Linken behalten. Zu unserer Rechten erblicken wir eine schöne Reiheneugebauter Häuser, deren vordere von uns abgewandte Seite an derStelle der früheren j inneren) Stadtmauer liegt; freundliche Gärten, denehemaligen inneren Graben hier, so wie rings um die ganze Stadt, aus-füllend, trennen uns von ihnen. — Bald haben wir das im Süden derStadt liegende Ludgeri-Thor erreicht. Von diesem gehen drei Land-straßen aus; eine nicht chaussirte südöstlich nach der Loddenhaide, dem fürdie Manoeuvres der hiesigen Garnison bestimmten Platze t eine andere gleich-falls nicht chaussirte etwas südlicher eben dahin, doch nur als Fußweg; einedritte, die südlichste und vortrefflich chaussirte, nach dem Städtchen Dren-steinsurt, und weiterhin nach Hamm und der Grafschaft Mark. Die Eisen-bahn durchschneidet den erstgenannten Weg, und bleibt dann, ohne denzweiten zu berühren, immer östlich in einiger Entfernung von dem zuletztgenannten, bis sie auch diesen unweit Drensteinfurt durchschneidet. Am
Ludgeritbore erhebt sich ein Hügel, Neberrest der früher hier befindlichenBastion, der mit Bäumen und geschmackvollen Anlagen geziert ist, und aufdie umliegende Gegend eine weite, angenehme und theilweise sehr schöneAussicht bietet. — Wir schlagen hieraus eine westliche Richtung ein, underreichen bald eine Stelle, wo die Promenaden einen nach Südwesten ge-krümmte» Bogen bilren, dessen Sehne durch eine schmälere Verbindungs-Allec dargestellt wird. Unmittelbar nachher erreichen wir wieder dasAegidii-Thor, wo wir unseren Spaziergang durch die Promenaden an-finge».
Das Innere der Stadt bietet fast an allen Stellen einen freundli-chen Anblick. Die Straßen sind breit, gut gepflastert »nd gefegt, aber seltenganz gerade, vielmehr im alten Baustile angelegt, und etwas gekrümmt.Nur wenige enge und finstere Gassen finden sich, und diese nur an abge-legenen Stellen. Die Häuser sind an allen Hauptstraßen von genügenderHöhe; die Bauart ist nur theilweise eine moderne, und erinnert bei denmeisten Häusern an das rorige, bei manchen an das siebenzchnte, auch wohlan das sechszchnte Jahrhundert. Ueber das sechszehnte Jahrhundert hinausmöchie wohl keines der vorhandenen Privat-Gebäude, wenigstens nicht inseiner gegenwärtigen Gestalt, reichen. Fast sämmtliche Häuser sind in einemregelmäßigen Style gebaut, und nur selten trifft man einen überhängendenVorbau; auch tritt selten die Fronte des einen Hauses vor der des andernhervor; das bunte Gewirre verzerrter und häßlicher Formen, welches z.B.an Kölns Häusern den Fremden so unangenehm überrascht, sieht man inMünster nicht. Einen eigenthümlichen Reiz verleiht den Straßen noch derUmstand, daß die meisten derselben an der einen oder der anderen, oderan beiden Seiten die Aussicht auf eine der schönen Kirchen der Stadt, oderwenigstens auf einen über die Häuser emporragenden Kirchthnrm eröffnen.Die zahlreichen Gärten > on verschiedener Größe, die sich hinter vielen Häu-sern befinden, erhöhen die Annehmlichkeit vieler Wohnungen. — Nicht nurdie Breite der Straßen, sondern auch die öffentlichen Plätze von bedeu-tender Ausdehnung, die sich größtentheils in der Nähe der Kirchen befin-den, bewirken eine reine und gesunde Luft. — In der neuesten Zeit sind aufden meisten Straßen Troitoirs angelegt. — Der Flächeninhalt derStadt beträgt 0,°^ Q. M., oder 741 Morgen, und zwar 53 M. Wiesen,>94 M. Gärten (einschl. des 38 M. großen Schloßgartens), 38 M. un-bebauter Stellen, 235 M. Gebäudeflächen und Hvfränme, l7l M. Wegeund Gewässer. Die meisten unbebauten Stellen find in dem westlichen undkleineren Theile der Stadt, wo außer dem geräumigen Schloß- oderNeuen-Platze sich am linken Aa-Nser mehre Wiesen hinziehen. Die Aasondert diesen am niedrigsten liegenden Stadttheil von dem östlichen größe-ren und höher liegenden Theile ab; er bildet nur einen Pfarrbezirk, dender Liebfrauenkirche, und wird auch, wegen seiner durch die Aa abgetrenn-ten Lage, das Kirchspiel jenseits des Wassers, oder das Ueberwasser-Kirchspiel, und daher die dortige Pfarrkirche gewöhnlich die Ueber-wasser-Kirche genannt. An dem Platze vor dieser Kirche sondert dieAa eine» Arm nördlich ab, während das Hauptbett des Flusses eine nord-östliche Richtung behält. Noch innerhalb der Stadt vereinigt sich jenerwieder mit diesem, und bildet somit eine Insel, welche noch zum Ueber-wasser-Kirchspiel gehört, weil nur das Hauptbett die Gränze desselben bil-dete, und der genannte Arm auf dem Kirchspielsgebiete zur Trockenlegungdes häufigen Ueberschwemmungen ausgesetzten Bodens dienen sollte. Einstarker Andrang des Wassers muß hier in früheren Jahrhunderten eineneue Auffüllung des schon früh bcbaueten Terrains der Insel veranlaßthaben; wenigstens lassen Spuren von Straßen und Wohnhäusern unterden jetzt dort befindlichen Straßen und Gebäuden dieses vermuthen. —Der östliche Stadttheil ist in sechs Psarrbezirke getheilt, die an Größe ein-ander ungleich, jeder aber bedeutend kleiner, als das Ueberwasser-Kirchspielist. Am nördlichsten liegt das Martini-Kirchspiel, welches an seinemnordwestlichen Ende ebenfalls in früheren Zeiten aufgefüllten Grund ent-hält, wovon ein unter den jetzigen Straßen quer sich hinziehender Rest eineralten Straße, besonders in der Nähe der hier aus der Stadt tretenden Aa,Zeugniß gibt. Südlich von diesem liegt das Lamberti-Kirchspiel,welches bis an das östliche Ende der Stadt reicht. Südlich vom westlichenEnde des Lamberti-Kirchspiels und nördlich sowohl als östlich von ihmumschlossen, liegt das Dom-Kirchspiel, bloß den Domplaß und die