Wechsel sehr stark, weßhalb auch die hier so häufige» Nachtfröste im Früh-ling oft großen Schaden anstiften. Eine starke und lange Winterkälte ge-hört zu den Seltenheiten; in der Regel beginnt der Frost gegen Weihnachten,und hört mit dem Ende des Januar ank. Gegen Ende Februars erscheinengewöhnlich schon die Schneeglöckchen und ähnliche Blümchen; doch beginntdas eigentliche Frühjahr nicht vor der Mitte des April. Um diese Zeitfangen die Sträuche an zu blühen, und die Nachtigall beginnt ihr reizen-des Lied, nachdem schon in den ersten Tagen des März die Lerche sichfröhlich singend in die Lüfte erhoben hatte. Alsdann treiben auch dieBuchen ihr Laub, und gegen Ende des Monats prangen die Obstbäumein voller Blüthe. Um die Mitte des Mai ist die Eiche schon vollständigbelaubt; in der letzten Hälfte desselben treibt der Roggen Aehren und wirdum Jakobi (25. Juli) reif. Der Waizcn wird gewöhnlich 14 Tage spätergeerndtct. Gersie, Kleinsaat und Lein werden bis zur Mitte des Junigesäet, und gedeihen noch recht gut. An Sommcrgcmüsen jeder Art fehltes nicht; Frühkartoffeln gewinnt man schon in der zweiten Hälfte des Juli;die Spätkartoffeln werden von. Anfange bis zur Mitte des Okiober ge-erndtet. — Eine bedeutende Landplage ist der sogenannte Haarrauch,em übelriechender Dampf, der im Frühling mit Nordwest-Wind immererscheint, allen Menschen unangenehm ist vielen Ucbelkeit und Kopfschmerzenverursacht, und nachtheilig auf die Vegetation einwirkt. Er entsteht durchdas Abbrennen des Haidckrautes im unteren Emsland oder dem sogenann-ten Niederstift, und da der Nordwestwind, der im Frühling gewöhnlich desNachmittags zu wehen beginnt, ihn herbeiführt, so ist immer eine unan-genehme Kälte in seinem Gefolge. Oft verbreitet er sich weiter südwärtsbis Düsseldorf und Köln. Mancher schöne Spaziergang wird im freund-lichen Frühlingsweiter durch ihn verdorben, wenn plötzlich eine brandigeund kalte Luft eintritt, die Blumen und Blüthen-Düfte sich senken, und einwiderliches Blau die grünen Fluren einhüllt. Die ganze Ebene des nord-westlichen Deutschlands und des nordöstlichen Hollands leidet an dieserPlage, sobald der Wind aus der genannten Gegend weht. Man hat schonin öffentlichen Blättern die Bescheerung dieses Dampfes für eine Verletzungdes Völkerrechts erklärt, andererseits aber vorgeschlagen, durch eine Collekieder bedampften Länder den Bewohnern des unteren Emslandcs den Vor-theil, der ihnen durch das Säe» des Buchwaizens in die fruchtbare Aschedes Haidckrautes erwächst, zur Genüge zu ersetzen. — Der Frühling istüberhaupt im Münsteilande keineswegs die schönste Jahreszeit; im Gegen-theil ist der Herbst in der Regel am freundlichsten, und die Hcrbstluft dieklarste, reinste und gesundeste; der Frühling wirb oft durch Regen undunfreundliche Tage, sowie durch den Haarrauch getrübt! Regenwetter istüberhaupt im Münsterlande das gewöhnlichste; daher sind die Bewohneran feuchtes und mildes Klima gewöhnt und empfindlich gegen den kaltenund scharfen Ost- und Nordost-Wind, der immer Brustbeschwerden undähnliche Uebel, besonders im Winter, verursacht.
Der Flächenraum der Stadt Münster beträgt 74l Morgen, derUmfang ungefähr eine halbe Meile. Die Aa theilt dieselbe von Süd-West nach Norden in zwei nicht ganz gleiche Hälften, deren östliche höherliegt, die wenigsten freien Plätze enthält uud mehr bebauet ist, als die west-liche. welche zahlreiche Wiesen und nicht bebaute Plätze enthält, niedrigerliegt, und Sumpfland war, über welches sich die austreicnde Aa zu ver-breiten pflegte. Die Stadt bildet beinahe einen Zirkel, dessen Mittelpunktder Domplatz ist. Zieht man die ringsum an neun Stellen vorspringendenSchanzen mit in den Umfang, so bietet sie die Gestalt eines Sternes, inder Art einer mit allen erforderlichen Werken versehenen Festung. Sämmt-liche Festungswerke sind aber seit dem siebenjährigen Kriege rasirt. Derum das Münsterland so hoch verdiente ehemalige fürstbischöfliche Ministerv. Fürstenberg hielt es mir Recht für unzweckmäßig, daß Münster, bis dahineine stark befestigte Stadt, länger diesen Charakter behaupte. Er ließ dieWälle, welche die Stadt rings umgaben, abtragen, und mit dem Schütteden inneren Stadtgraben, welcher überall bis an die innere Stadtmauerden Wällen zur Seite war, ausfüllen. Ein gleiches Schicksal erfuhren dieSchanzen und die alten Festungsthore, die theils ganz verschwanden, theilsnur ihre halbe Höhe behielten. Die alten Stadtmauern, sowohl die innere,als auch die äußere, welche zwischen dem äußere» Graben und dem Wallsich hinzog, wurden niedergerissen; auch die Citadelle, ein Werk von be-
deutendem Umfange, welches im Westen der Stadt in Gestalt eines vor-springenden Fünfeckes lag, wurde abgetragen, und auf ein Drittheil ihrerHöhe reduzirt. Auf der oberen Fläche des abgetragenen Walles ließ hier-auf Fürstenberg die schönen Promenaden anlegen, welche jetzt die Stadtunmittelbar umgeben, und von jedem Fremden bewundert werden. Einevierfache Reihe hoher Linden und Kastanien, welche selten durch zwischen-liegende Straßen oder freie Plätze unterbrochen wird, und nur an wenigenStelle» sich auf drei Baumreihen reduzirt, bildet zwei Wege für Fußgängerin der Breite von 8 bis lv Fuß, und einen dazwischenliegenden Fnhrwegin der Breite von 13 bis 13 Fuß. Ueberall hat man von denselben eineschöne Ausficht auf die Stadt nach der eine», und auf die Gärten undFelder der Umgegend nach der andern Seite hin, vorzüglich aber ander höheren Südwcst-Seite. Der innere Raum vor der ehemaligen Cita-delle ist in einen freien und großen Platz, den Neuen-Platz, verwandelt,a» dessen westlichem Ende der Minister das schöne Fürstbischöfliche, jetzigeKönigliche Schloß erbauen ließ, hinter welchem an der Stelle der Citadelleder schöne Schloßgarten mit dem davon eingeschlossenen botanischenGarten eine glänzende Zierde der Stadt bildet. Die Schanzen sind jetztmit Bäumen und Strauchwerk bedeckt, zwischen welchen sich angenehmeSpazicrgängc befinden. Der innere ausgefüllte Graben hat den Platz zuschone» Gärten gegeben, zu welchen in der neueren Zeit viele schöne Wohn-häuser gekommen sind. Auch die Gärten der nächsten Umgegend, wo früherunter den Kanonen der Festung ein öder mit Gräben und kleineren Schan-zen durchschnittener Raum war, entstanden unter Fürstenbergs Aufmun-terung und Anleitung, indem er dieses Terrain theilen und wohlfeil ver-kaufen ließ.
Acht Thore bilde» die Ausgänge der Stadt. Sie liegen alle ineiner Reihe mit den Promenaden, und bildeten früher die äußersten Endender Festungswerke, waren daher auch alle mit Thürmen und starkem Mauer-werk versehen. Zwischen ihnen und dem Eingange in die eigentliche Stadtliegt aus demselben Grunde noch ein innerer Raum, da wo früher un-mittelbar bei der Stadt noch ein inneres Thor lag. Das Aegidii-Thor,vor welchem eine chaussirte Landstraße »ach Wesel und Düsseldorf führt,liegt im Südwesten. Wenden wir uns von diesem Thore, links vom Ein-gange, westlich in die Promenade, und bald darauf nordwestlich, so habenwir an der äußeren linken Seite die Aa, welche früher unmittelbar beimAcgivii Thore i» die Stadt trat, aber bei entstandenen Anschwellungenheftig auf den Wall drückte. Der Fürstbischof Christoph Bernhard von Galenleitete sie aus diesem Grunde zugleich auch wohl, um zur Speisung einigerGräben zu dienen, bis an die sogenannte Insel westlich und nordwestlichad. Diese Insel, zu welcher wir jetzt bald gelangen, war früher eine vomgenannten Fürstbischof errichtete Schanze, jetzt ein- schön bewachsene Anlagemit einem Kaffehause, um welche ein Arm der Aa geleitet ist, der aber imSommer fast austrocknet. Hier tritt die Aa, bei dem sogenannten Fuchs-loch unter einem gewölbten Durchgänge die Promenade durchschneidend, inden inneren Raum zwischen den Promenaden und der Stadt, nachdem sievom Aegidii-Thor an einen ovalen Bogen beschriebe» hat. Nachdem siediesen Raum durchflossen, fließt sie in nordöstlicher Richtung durch dreiBögen, die sich in einem Ueberreste der alten inneren Stadtmauer befinden,in die eigentliche Stadt. — Von der Insel unseren Weg durch die Pro-menaden nördlich verfolgend erblicken wir bald zur Linken an der Westseiteder Stadt das Abschnittsthor, welches zwischen einer Seitenschanzeder vormaligen Citadelle und dem diese (oder den Schloßgarten j umgeben-den Graben liegt. Eine unchaussirte Landstraße vor demselben führt aufdie nächsten Felder. — Etwas nordwärts ansbiegend^ verfolgen wir, im-mer in den Promenaden bleibend, unsern Weg in derselben nördlichenRichtung. Wir kommen auf den schönen neuen Platz; zu unserer Linkenprangt das Königl. Schloß. Nachdem wir einen Weg von ungefähr KMSchritten zurückgelegt haben, erblicken wir vor unS, im Nordwesten derStadt das Neue Thor. Bor diesem Thore befindet sich gerade aus innordwestlicher Richtung eine neu angelegte chaussirte Landstraße, die überdie Dörfer Nienbergc, Altenbcrge und das Städtchen Burgsteinfurt nachder holländischen Gränze führt. Von ihr geht eine andere gleichfalls chaus-sirte Straße unweit der Stadt nordwärts ab, die nach Greven an derEmS, und weiterhin »ach Ostfriesland fuhrt. Westlich führt unmittelbar