Mt ü n
s t e r.
der großen Ebene, welche zwischen der Lippe und Ems sichhinzieht, ungefähr acht Stunden von der ersteren, zwei Stunden von derletzteren entfernt, am nördlichen Abhang eines Höhenzugs, der die Wasser-scheide zwischen diesen beiden Flüssen bildet, liegt unter dem 52. Breiten-grade und 26. Längengrade die Hauptstadt der Könialich-Preußischen ProvinzWestfalen, Münster, an dem kleinen Flüßchen Aa, ungefähr 256' überderMecrcsfläche. Die Umgegend hat nur wenige und geringe Erhöhungen;einige unbedeutende Hügel nordwestlich bei dem Dörfchen Nienberge, eineStunde von der Stadt, abgerechnet, sieht das Auge nur die drei Stundenweit entlegenen Flötzgcbirge bei den Dörfern Schapdetten, Nottuln undHavirbeck, welche nach Südwesten den Gesichtskreis begränzen, und sichkaum zur Höhe von 566' erheben; nach Norden hin erblickt man dagegenan der Hannöverschen Gränze die viel höheren Gebirgszügc des Osning,die aber wenigstens 4 deutsche Meilen entfernt sind. — Der Boden istvorherrschend sandig, aber an vielen Stellen durch Mergel unterbrochen,und mit fettem Humus bedeckt, auch wohl mit sogenanntem Mittelboden,einer Vermischung von Sand mit Humus. Zuweilen findet sich auch Moor-grund; tiefer unten aber stößt man überall auf Sand. Die Geologenhalten das ganze Münsterland nebst seiner östlichen Fortsetzung bis an dieGebirge der Egge und des Teutoburger Waldes für ehemaligen Meeres-boden. Auffallend ist die ungeheure Menge größerer und kleinerer Kiesel,welche durch das ganze Land zerstreut find, und sich bis zur Ostsee fort-setzen. — Die zahlreichen Haidcn, welche früher Münster umgaben, sindjetzt fast alle getheilt und kultivirt; man erblickt deßwegen, besonders inder nächsten Umgebung, nur gut angebautes Land. Außerdem finden sichviele Büsche und Wälder, die mit dem kultivirten Lande abwechseln. Strauch-werk und Hecken sieht man ebenfalls in Menge, und eine auffallende Erscheinungsind die sog. Wallhecken oder mit Strauchwerk bewachsene» und erböhctenkleinen Erdwälle, welche zur Einfriedigung der Aecker und Weiden dienen,und ihres Gleichen nur in der Bendse in Frankreich haben sollen. Zn derjüngsten Zeit find sie an manchen Stellen von ihren Besitzern weggeschafft,aber doch noch größtenthcils vorbanden. Diese Wallhecken sowohl als auchdie lebenden Hecken um die zahlreichen Gärten, welche die Stadt in einerAusdehnung von einer Viertelstunde nach allen Seiten umgeben, undtheilweise sehr schön, alle aber gut angebaut sind, tragen indessen zur Be-lebung und Zierde der Umgegend bei. Ueberall fällt das Auge auf frucht-bare Aecker und Weiden, hübsche mit Obstbäumen prangende Gärten undfreundliche Gartenhäuser, üppige Hecken und schönes Strauchwerk, Büscheund Wälderz im Frühlinge wiederhallen diese von den lieblichen Tönender Nachtigall und anderer Singvögel; unabsehbare Blumen und Blüthenbieten den reizendsten Anblick, so daß Kultur und Pflege die von der Naturals einförmige Ebene geschaffene Umgegend in ein sehr angenehmes undfreundliches Panorama umgewandelt haben. Die Häuser der Landleutc,welche mit ihren strohbedcckten Dächern einzeln und zerstreut nach allenRichtungen liegen, reichen fast bis an die Thore der Stadt, und erinnernan die altdeutsche Sitte zerstreuter Wohnungen, deren zuerst der Römer Ta-citus gedenkt. — Eigentliche Vorstädte, die östliche Vorstadt St. Mauritzabgerechnet, hat Münster nicht; nur gehäufte Wohnungsgebäude findensich etwa fünf Minuten vor der Stadt auf allen Landstraßen. Die ganzeUmgegend erscheint überhaupt als eine ländliche, weniger als einestädtische.
Münster.
Die schönste Aussicht auf die Stadt hat man unstreitig von der Süd-und Südwest-Seite. Hier, wo der genannte Höhenzug sich zu senken beginnt,am besten bei der sogenannten Sägemühle, die unter den zahlreichen Wind-mühlen an der höchsten Stelle liegt, nehme man seinen Standpunkt.Aus einer lieblichen Umgebung schöner und hoher Linden, welche dieHäuser der Stadt fast ganz verdecken, sieht man die majestätischenThürme hervorragen. Links an der Westseite prangt der gothischeThurm der Liebfrauen- oder Ueberwasser Kirche; in der Mitte erheben sichdie beiden Thürme des Domes, und der hohe mit Kuppel und Galleriegezierte Thurm der Lamberti-Kirche; weiter östlich die prächtige Kuppel aufdem Thurme der vormaligen Dominikaner-Kirche, und der runde, obenoffene gothische Thurm der Ludgeri-Kirche; die Zinnen des KöniglichenSchlosses einerseits, »ud der Thurm der Pfarrkirche in der Vorstadt St.Mauritz anderseits schließen im Westen und Osten die schöne Reihe derThürme, zwischen denen noch zahlreiche kleinere Thürme emporragen, undso wie die Zinnen des gothischen Nathhauses von hier aus sichtbar sind,Zwei belebte Landstraßen, die eine zur Linken, die andere zur Rechten,führen zu dem Aegidii- und dem Ludgeri-Thore. Der Boden senkt sichallmählich bis zur Stadt, besoüders nach Nordwesten hin, zu dem vonfruchtbaren Wiesen umgebenen Aa-Flüßchen, welches am Aegidii-Thore indie Stadt fließt, diese an der Nordscite wieder verläßt, und sich nach einemweiteren Laufe von einigen Stunden Weges in die Ems ergießt. ImWinter tritt sie gewöhnlich über ihre Ufer, überschwemmt die nächstenUmgebungen, und bietet beim Froste eine sehr schöne Eisfläche dar, die zuwinterlichen Belustigungen sehr geeignet ist. Jenseits der Aa zeigen sichFelder und Büsche; im Nordwestcn der Thurm des Dörfchens Nienberge.Ebenfalls links, doch weiter westlich, zeigen sich weit ausgedehnte Wiesenund Aecker, weiterhin der Thurm des überaus freundlich liegenden Dörf-chens Ropel, und im äußersten Westen die oben erwähnten Flötzgcbirge,die mit Bäumen jeder Art bewachsen sind, verschiedene Namen führen,aber gewöhnlich mit dem allgemeinen Namen der Baumberge bezeichnetwerden. Zur Rechten, an der Ostseite, ist die Aussicht noch ausgedehnter.Ueber die zahllosen Gärten der nächsten Umgebung, die man in ihrerbunten Abwechselung theils gerade vor sich theils zur Linken hat sieht manauf eine weite Ebene, die im Osten durch das Gebüsch des adlichen GutesLütgenbeck, weiter südöstlich durch entfernte Wälder mit den daraus her-vorragenden Thurmspitzen des Städtchens Wolbeck und des Dorfes Albersloh,endlich im äußersten Nordoste» durch die Gebirge des Osning beschränktwird. Hinter sich an der Südseite erblickt man die üppigen Aecker desansteigende» Höhenzuges, so wie die Fortsetzung der beiden Landstraßen.—An allen übrigen Seiten ist das Terrain um die Stadt niedriger, und dieAussicht auf dieselbe weniger anziehend. Ueberall aber hat die Stadtwegen der vielen Gärten und des häufigen Buschwerkes eine freundlicheUmgebung, und überall bietet die emporragende Reihe majestätischer Thürmeeinen großartigen Anblick. Als ehemalige bischöfliche Residenz, als katho-lische Stadt, und als solche, die im Mittelalter entstanden ist, bietet sichMünster beim ersten Anblicke dar.
Das Klima ist ein feuchtes zu nennen, da die Süd- und Süd-West-winde vorherrschend find. Selten ist die Luft ganz klar, häufiger neblichtund trübe, auch sehr schnell dem Witterungswechsel unterworfen, da dasLand sich nach der Nordsee abdacht. Auf den lockeren Boden wirkt dieser
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