kloster wurde ein Raub der Flammen. Am Tage vorher war von derBesatzung selbst bei einem Ausfall das Dorf Jlversgehofen zerstörtund bereits am 29. October vom Petersberg aus das südöstlich gelegene,freundliche, von Pappeln umkränzte Daberstadt (seitdem eine Wüstung)in Brand geschossen worden. Zur Vergrößerung des Elends in der vonaußen und innen bedrängten und geängstigten Stadt trug noch dasNervenfieber bei, welches während der Blokade unter der Einwohner-schaft wüthete. —
Als merkwürdige Ereignisse der jüngsten Zeit find schließlich anzu-führen: die förmliche Aufhebung der Universität am 12. Nov. 1810,die Einrichtung neuer, gegenwärtig anmuthigen Gärten gleichendenFried Höfe in den Zwingern oder sogenannten Gräben zwischen derinnern Stadt und den Borstädten im Jahre 1819, die am 0. Juni 1339erfolgte Auswanderung von 20 altlutherischen Separatisten-Familien,
zusammen 90 Köpfe, nach Amerika, die Bildung einer deutsch-katho-lischen Gemeinde (Pfarrer v>. Bergmann) im December 1845, dererste Einzug unseres verehrten, auf einer Reise nach dem Rheine be-griffenen Königspaars am 25. Juli >845, die Verbindung des Innernder Stadt mit der 1847 fertig gewordenen Thüringischen Eisenbahnund endlich der unselige Aufstand oder Putsch am 24.November >848,welcher diesem an Unruhen und politischen Bewegungen überreichenJahre nach der Ansicht der einen Partei eine Märtprerkrone, nach derAnficht der andern dagegen die Narrenkappe „des zweiten tollenJahres" aufgesetzt hat. Zu diesem wilddemokratischen zweiten tollenJahre paßte, wie die Faust aus's Auge, der nachfolgende Belagerungs-zustand. Der im Frühjahr 1850 hier eröffnete, von den zur Uniongehörenden Staaten beschickte Reichstag hatte kurze Dauer und einschnelles Ende. Werden die goldbcfiederten Zugvögel jemals wiederkehren?