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Der Sage nach war Erfurt in der Urzeit ein Fischerdorf (Schilde-roda?). Bonifa cius, mit dessen Erscheinung im Gcrathale Erfurtseigentliche Geschichte beginnt, nennt in einem Schreiben an den PapstZacharias Erphesford einen von heidnischen Ackerleuten bewohnten Ort,einen Icmu», gin lull Pn» olim urbs p!,^»n»r»n> rusücoiuin. Von demThüringischen Apostel wurde hier 74l die Marien- oder Domkirche miteinem Mönchs- und einem Nonnenkloster gegründet und ein Bisthum er-richtet, welches mit dem Märtprertode des Bischofs Adelar im Jahr755 wieder einging. Die christliche Religion bestand aber fort unterSchutz und Pflege Seitens des Erzbisthums Mainz. Karl der Großeerhob 805 Erfurt zur Stapelstadt und setzte hier zur Aufrechthaltungder öffentlichen Sicherheit einen Aufseher, Namens Madalgaudus,ein. Ludwig der Deutsche versammelte 857 hier die Großen des Reichs,Heinrich >. 932 die Väter der Kirche. Letzterer ließ es auch befestigen.Der Reichthum der Bürger wuchs, aber auch die Habsucht des Erzbis-thums Mainz, das durch Erfurts geistliche Obere den Zehnten von demErtrage des Feldbaues und der Viehzucht erpreßte, eine Quelle- viel-facher Streitigkeiten.
1059 ward das Peterkloster gegründet. Ein rühmliches und christ-liches Werk war es, daß Erzbischof Ad albert ll20 seine Leibeignen zufreien Leuten machte und ihre Grundstücke zu freien Erbgütern erhob.
Ein Glanzpunkt in Erfurts Geschichte war der hier ll76 gehalteneReichstag Kaisers Friedrich i., auf welchem Heinrich der Löwe in dieAcht erklärt wurde.
Die Versammlung, welche l l85 Heinrich VI. zur Entscheidung derStreitigkeiten zwischen dem Erzbischof Conrad und dem LandgrafenLudwig von Thüringen in Erfurt hielt, endigte mit Unheil und Schre-cken, nämlich mit dem Einbruch des Versammlungssaales. Graf Fried-rich von Abenberg, Graf Heinrich von Schwarzburg, Graf Gosmarvon Ziegcnhapn, Ludwig, Graf von Wartberg u. a. m. fielen sich inder darunter befindlichen Schwindgrube z» todt. »Der Römische KönigHenricus und der Erzbischoff saßen in einem Fenster und erhielten sichin demselben so lange, bip man sie mit angelegten Leitern salvirte.Der Landgraf Ludovicus fiel auch mit herab, er nahm aber keinenSchaden." —
Von den wohlthätigsten Wirkungen war für Erfurt der längereAufenthalt bes bürgerfreundlichen Kaisers Rudolph von Habsburg,der daselbst 1290 einen glanzvollen Reichstag hielt und, von den Er-furtern unterstützt, eine Menge Raubburgen zerstörte.
Schwierig war die Erhaltung der Ordnung bei dem Ucbcrmutheder Patrizier und dem Kraftgefühl der Gemeinen und den offenen Feh-den beider Parteien; schwieriger noch unter solchen Umstände» die Ab-wehr der von aussen anstürmenden Feindseligkeiten. Die eigentlichenLandesherren der Stadt waren die deutschen Kaiser, aber die Erzbi-schöfe von Mainz nahmen größtenthcils die landesherrlichen Reckte inAnspruch, was sich Erfurt gefallen ließ, da es dabei in sofern gewann,als ihm frühere Freiheiten bestätigt, neue hinzugegeben und eine gere-gelte städtische Verfassung hergestellt wurde. Häufig befehdeten sich aberdie Erzbischöfe und die Landgrafen von Thüringen wegen ihrer Ansprü-che auf Erfurt. Als Landgraf Friedrich I. IZI0 gegen die Stadtrückte, sah sich der Rath genöthigt, zur Verhütung eines Aufstandcs derdurch den Uebcrmuth der Patrizier erbitterten Bürgerschaft die Wahlvon »Vierherren" oder vier Vertretern im Rathe zu bewilligen.t343 erkauften die Erfurter die aus >5 Dörfern bestehende GrafschaftViselbach, 1346 die Schlösser Tonndorf und Mllhlberg, 434^ bis 50das >3 Dörfer umfassende Amt Kapellendorf, lauter Anzeichen von demhochgestiegenen Wohlstande der Stadt. Mit den Besitzungen wucks auchdie Macht.
Im Jahre 1374 wurde Erfurt, das der Pabst deshalb, weil es fürden Erzbischof Adolph, Grafen von Nassau, Partei nahm und den auf-
gestellten Gegenbischof nicht anerkannte, in den Bann gethan und vondem Bruder des letzteren, dem Landgraf Friedrich dem Strengen undKaiser Karl IV (1347 — 78) 16 Wochen lang vergeblich belagert.Den Abzug scheint die Stadt theils durch ihre» tapfern Widerstand,theils durch eine Abfindungssumme bewirkt zu haben.
1392 erhielt es eine neue Universität. Ihr erster Rektor war Jo-hann Müller oder Müllncr von Arnstadt.
Durch Anschluß an den Bund der Hanse hob sich der Handel underlangte zu Anfang des >5. Jahrhunderts den Gipfel der Blüthe.
Mit dem Handel stieg auch der Luxus.
Die Beschaffenheit und der Umfang des letztern ist sowohl aus ein-zelnen der damaligen Erlasse des Stadtraths, als aus dem Gegenstandund Erfolg der Strafreden durchreisender Prediger ersichtlich. So ver-ordnete der Stadtrath in den Statuten von 1420, daß bei Hochzeitennur 32 Schüsseln zulässig und den Frauen als Klcioungszicrath nur 4Mark Silber und 8 Loth Perlen gestattet sein sollten, untersagte aberdurchaus das Tragen güldener und silberner Tücher, sowie sammetnerund seidner Kleider. Von größerer Gewalt indessen auf die Gemütherwar das strafende Wort durchziehender Bußprediger, wie des JohannesCapistrano, eines gewesenen Barfüßermönchs (genannt der andäch-tige Vater), der 1454 von 4 Laienbrüdern begleitet in Erfurt eine Men-ge Würfel und Brettspiele in Beschlag nahm, den Damen sogar dielangen Zöpfe wegprerigte und im heiligen Eifer den gesammtcn Plun-der beim Zollhause auf einem Gerüste verbrannte. Seine Predigtenwaren zwar latcinisck, wurden aber von einem dabei stehenden Mönchin's Deutsche übersetzt.
Ein furchtbares Unglück brach über die sicheren Einwohner hereinam 19. Juni >472, wo ein Brand (der erste große), den ein ausdem Kloster Pforta bei Naumburg entlaufener Mönch, Namens DietrichBurckard oder Berckcr, nebst acht eben so ruchlosen Gesellen, an mehre-ren Stellen angelegt hatte, beinahe die halbe Stadt einäscherte. Derabgebrannten Hofstätten zählte man 2024, ungerechnet die Scheuern undheiligen Gebäude, zu denen auch, nach Gudenus, beide Stiftskirchengehörten, deren Chöre nur erhalten wurden. Geschah auch Vieles zurAufhülfe von dieser entsetzlichen Niederlage, wurden die Abgebranntendurch fremde Spenden und durch Unterstützungen Seitens des Ratheszum Bauen ermuthigt, die Stadt l473 auch mit einem kaiserlichen Meß-privilcgium beschenkt und zur Sicherheit der Bürgerschaft die Cp-riarburg in eine Festung umgeschaffcn, seine vorherige Größe konnteErfurt nie wieder erlangen, zumal da diesem Brandunglück eine Reiheanderer Unfälle folgte.
Da in gehört zunächst der Eintritt der Anarchie mit allen ihrenGräueln in dem Jahre l5l0, dem sogenannten »tollen Jahre".
Die durch schlechte Verwaltung und Aufhäufung von Schulden,vorzüglich aber durch die Verpfändung des Amtes Äapellendorf (1508)an Kursachsen gegen den Rath erbitterte Bürgerschaft verlangte mitUngestüm Rechnungsablage. Der Rath weigerte sich. Die Bürgerführten durch Abgeordnete Beschwerde zu Mainz. Von Mainz abge-schickte Sckiedsmänner wurden durch die sächsischen Fürsten, die sich inihren Rechten verletzt glaubten, unterwegs angehalten. Viele Raths-herren und Vornehme flüchteten in das benachbarte Sachsen. Da ließsich die Bürgerschaft nicht länger in Schranken halten, wählte einenneuen Rath, bildete eine demokratische Stadtverwaltung und zog inRotten umher, um über ihre stolzen Gegner und Unterdrücker herzufallen.Das edelste Opfer der Volkswuth wurde der Obervierherr HeinrichKellner, der am 28. Juni 1510 sein Leben am Galgen beschloß. ImSeptember desselben Jahres entstand eine blutige Schlägerei zwischenden Studenten und Stadtsoldaten, welche mit einer Niederlage der ersterenund mit einer Plünderung und Brand endigte. Kein Wunder, daß beider Häufung der Skandale und der fortdauernden Empörung im