des Erfurter Ackerbaues find die sogenannten B uff- oder Puffboh-nen (Vicln !?!>>>?> mgjor).
Zur Beförderung der Obst-, Wein-, Gemüse- und Zierpflanzen-Cultur bildete sich am 16. Mai I8Z8 der Gartenbau-Verein.
Im ausgedehntesten Umfange wird die Kunst- und Handelsgärt-nerei betrieben von Friedrich Adolph Haage j„n. Bei ihm findet manalle Sämereien, alle Sorten von Levkopen, Astern, Nelken, Georginen,eine reiche Sammlung von Cactecn und Orchideen, Baumschulen u. a.Seine Firma ist im Jnn- und Auslande bekannt.
Auch an Fabriken hat Erfurt eben keinen Mangel. Die vor-züglichsten find: 1) die mit Garnhandel verbundene von Johann AntonLucius, am Anger. Ihre Fabrikate find alle Arten von wollenen,baumwollenen und halbleinenen Zeugen. 2) Die gleichfalls mit Garn-handel verbundene Fabrik von Silber und Herrmann, am Junker-sanve, welche wollene und halbwollene Bänder liefert. 3) Die Rauch-,Schnupftabaks- und Cigarrenfabrik der Gebrüder Hoffmann undTriebe!, an der Marktstraße. Die Schuhfabrik von Gottschalk,am Anger.
Hinsichtlich der Anstalten für Wissenschaft und Bildung würdedie 1362 eröffnete, bekanntlich auch von Luther besuchte Universitätdie erste Stelle einnehmen, wenn sie noch bestände. Sie wurde aber,nachdem sie seit dem 16. Jahrhundert fort und fort gesunken, 1816 auf-gehoben und nur von ihrer gelehrten Schwester überlebt, der 1754 vomKurfürst Johann Friedrich Carl gegründeten Akademie der Wissenschaften.Zu den höheren Schulen gehören: das 1826 errichtete Königl. Gym-nasium, die >844 auf die Bürgerschule gepfropfte Realschule und dasKönigl. Schullchrer-Seminar nebst der privaten Präparanden-Anstalt.Ferner bestehen hier: eine Taubstummen-Unterrichtsanstalt, eine Kunst-und Bauhandwerkerschule, eine Gewerbeschule, eine Königl. Divisions-schule, eine Königl. Artillerie-Brigadeschule, eine Mädchen-Oberschuleund — an Elementarschulen eine Königl. Garnisvnsschule, eine mitdem Martinsstifte verbundene Armenschule, 5 evangelische und ö katho-lische Parochialschulen, desgleichen eine Privatschule für die Kinder deraltlutherischen Gemeinde.
Vereine für Musik sind der Soller'sche und der Erfurter Gesang-und Musikvcrein, ausschließlich für Gesang der aus 16 Liedertafeln be-stehende Sängerbund, für geselliges Vergnügen: die Kasino-, Ressource-und Harmonie-Gesellschaft, für politische und andere Zwecke: der Treu-bund, der constitutionelle und der Bürgerhülfs-Verein, die Freimaurer-Loge (Karl zu den 3 Adlern), der bereits erwähnte Gartenbau-Vereinnebst dem aus ihm hervorgegangencn Verscbönerungs-Verein.
Volksfeste sind: die Spittel- und die Peterkirmse, das Vogel-schießen, der Königs-Geburtstag und der grüne Montag (Montag nachJacobi), ursprünglich ein Fest für die hammerfllhrenden Handwerker,deren einige (vorzüglich die Schuhmacher) ihre Werkstätten mit grünenBüschen ausputzen, die ihnen hierzu, nach altem Herkommen, aus demSteigerforst geliefert werden. Nachmittags beleben sich die schattigen,vom Schicßhaus bis zum Steigerhause und über dieses hinaus bis andie Hochheimcr Ecke reichenden Steigergänge mit auf- und abwogendenMcnschenmassen; alle Büsche werden lebendig, Grasplätze zu Lustge-lagen und Schauplätzen der ungeheuersten Heiterkeit von Gruppen, diesich um Bierfässer schaaren und nicht eher an den meist etwas stürmi-schen Rückzug denken, bis sie dieselben bis auf den Grund geleert ha-ben. Ein Fest für Kinder ist der Martins-Ab end (II). November),welche unter zahlreichem Gefolge von Erwachsenen mit brennenden, inKürbissen und bemalten Papierlaternen befestigten Lichtern, sogenanntenMartinslichtern, singend die Straßen durchziehen.
Jedenfalls sind unter den Vergnügungsörtern in Erfurts Um-gebungen die Partien und Anlagen am Steiger (das Schützenhaus, diebeiden Felsenkeller, die halbmondförmig terraffirte, eine schöne Fernsicht
bis nach dem Harz hin bietende Fricdrich-Wilhelms-Höhe*), das Steiger-Haus und die Silberhütte) die anziehendsten und darum auch besuchtesten.Zahlreich besucht werden auch zwei entferntere Punkte: I) das vor eini-gen Jahren an der Arnstädter Chaussee beim Ausgange aus dem Stei-gerwalde erbaute, mit einem Tanncnwäldchen bekränzte, wildromantischeWaldschlößchen und 2) das sich an einem lieblichen Grund jenseit desSteigers hinziehende, ungefähr eine Stunde entfernte gothaische DorfRoda. Der Steiger und seine Lustpartien liegen für Erfurt im Süden.Vcrgnügungsörtcr im Norden sind Jlversgehofen und Gispersleben, miteinem vom Amtmann Kästner angelegten Park, im Südosten Dittel-städt, im Westen Hochheim und die jetzt mit Hülfe der Eisenbahn in derkürzesten Zeit zu erreichenden Dörfer Stedten und Molsdorf nebst derHerrnhuter-Colonic Neu-Dictendorf.
Alt-Erfurt bei Nacht.
Der Mond lugt durch die Wolken,
Der Wächter die Runde mackt.
Ich steh' auf der DomcavatcFern schauend in die Nacht.
Ein silberweißer SchleierUmflort der Stadt Gesicht,
Und graue Thürm' und HäuserVerklärt das Mondenlicht.
Verklärt auch graue Weiden,
Die Fleischbänk' und den Plan,
Auf dem die Alt-ErfurterSalzkram und Zollhaus sah'n.
Durchfurcht erscheint der DomplatzVon Gassen eng und lang;
Durch's Hirschbrühl vom KarthauseSchallt düstrer Mönchsgesang.
Noch cw'ge Lampen haltenSanct Martin und Sanct Veit,
Des letzter» ThurmeszierdenTrägt eine Brücke»*) heut.
Es schreiten aus dem RathhausGestalten schauerlich,
Sie setzen auf die BänkeBeim alten Roland sich.
Alt Roland schwenkt die Fahne,
Die Rickter murmeln draufUnd ziehen still zu RatheDes Schicksals künft'gen Lauf.
Da schlägt die MünsterglockeEin „Eins!" mit dumpfem Hall;
Weg sind die bärt'gen AltenUnd die Erscheinung all'. —
Wilhelm Schütz.
„Erwache, Münsterglocke, heb' an dein großes Lied,Und wecke todte Zeiten auf altem Stadtgebiet!
Erwache Münsterglocke, mit deiner Klänge Strom,
Weck' alte Herrlichkeiten! erwecke deinen Dom!" —
Welcker's Thüringer Lieder.
") Auf der Friedrich WilhelmS-HöheHat die Auesicht höchsten Preis;
's ist, als ob man Wunder sehe,
Vor sich einen Zaubcrkreis.
**) Die Brücke über dem Bergstrom zwischen dem Brühlerthore und der Eyriaxburg.