Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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Welch Räuber nahm dieSpitzen, entblößte des Münsters Haupt?Ein Sturmgeist hat mit Blitzen des Münsters Schmuck geraubt;Ein Geist der Wetterflammen fuhr in die Spitzen jach,

Riß sie vom Rumpf zusammen, den deckt ein Schindeldach.

Seit Siebzehn und Siebzehn Hundert vergiß nicht solches Jahr!Steht nun der Dom geplündert und seines Hauptschmucks bar."Sieben Glocken zerschmolzen, doch blieb die große Glocke, nebst vierkleinen (dem Silbergeläute), unversehrt. Während der Blokade 1313wurde der Dom mit zur Festung gezogen und das Innere desselbenvon den Franzosen schrecklich verwüstet.

Der Chor mit seinen alten bunten Glasfenstern und schön antikgeschnitzten Chorstühlcn ist bei weitem der schönste Theil und ein Wun-der der Baukunst. Er ist in edlem germanischen Stpl ganz von Werk-stücken erbaut und im Innern ohne Pfeiler oder sonstigen Einbau.Unter dem Chöre befindet sich die sogenannte Gruft (Ozqim), eineunterirdische Kapelle, die man ehemals am Charfreitage und bei andernTrauerfestlichkeiten gebrauchte.

Im Innern des hohen Doms ist zu bemerken:

1) Der prächtige Hochaltar mit dem Altarblatt, die heiligen drei Kö-nige darstellend, ein Gemälde von Bcck;

2) die Himmelfahrt der Maria, von Hildebrand;

3) die Geburt Christi, von Bcck;

4) die Kreuzigung Christi, von Hildcbrand;

5) eine Madonna, von Lucas Cranach;

6) das Epitaphium des Viccdoms von Allenblumen und dessen Ge-mahlin;

7) der vom Buchbinder Karl Schropp jun. angefertigte und im De-cember 1823 der Domkirche geschenkte kolossale, mit den >6 Zollhohen Statüen der Apostel gezierte Kronleuchter von 18 Fuß Höheund >2 Fuß Umfangsweite. Das ganze Kunstwerk bildet einendurchbrochenen altdeutschen Thurm, der aus 32 zierlichen Pfeilernund Thllrmchen besteht, aus Holz und Pappe gearbeitet, aber miteiner dauerhaften Oclfarbe und Bronze so überzogen ist, daß ereiner alterthümlichcn Mctallarbcit täuschend ähnlich sieht.

Im Schiffe der ihr Hauptportal dem Brühle zukehrenden Kirche:

8) die 8 Pfeilergemälbe (herrliche biblische Vorstellungen), gemalt zuEnde des >5. und Anfang des 16. Jahrhunderts;

9) seiner auffallenden Größe wegen das Bild des heiligen Christoph,an der südlichen Mauer der Kirche;

>0) das Grabmal des durch seine angebliche Doppelheirath bekanntenGrafen von Gleichen, das nach der Zerstörung der Peterskirchehier aufgestellt wurde;

>1) das vollständige Skelett dieses Grafen von Gleichen und die beiden,aber unvollständigen Skelette seiner Gemahlinnen;

12) Die Geburt des Heilandes, ein kunstreiches Gewebe;

13) der Taufftein;

14) die von dem Orgelbauer Hesse aus Dachwig bei Erfurt erbauteOrgel;

15) die von dem Tischlermeister Streubing in Erfurt erbaute Kanzel;

16) das Epitaphium des Probstes Hennig-Göde, von Peter Fischer;über demselben

17) die heilige Elisabeth, Landgräfin von Thüringen, ein Gemälde vonBeck;

18) die 7 Sacramente mit biblischen Beziehungen, in Stein gehauen;>!>) das Epitaphium der Familie von der Weser.

Der Fußboden der Kirche ist mit vielen steinernen und metallenenGrabmälern bedeckt, unter denen sich die der Weihbischöfe Johann vonLasphe, Paul Hochheimer und Wolfgang Westcrmeier auszeichnen.

Außer dem Dom gehören dem katholischen Theil der Erfurter Ein-wohnerschaft noch folgende Kirchen: die Severikirche, Allcrhciligenkir-che, Lorenzkirche, Martinskirche, Neuwert- oder Kreuzkirche, Schottcn-kirche, Wigberti- (vMx» Augustiner-) Kirche in der Regierungsstraße,

Ursulinerklostcr- oder Weißfrauenkirche und mehrere Kapellen, wie z. B.die Heiligebrunnens-Kapelle.

Evangelische Kirchen find: die Andreaskirche, die Michaeliskirche,die Thomaskirche, die wegen Baufälligkeit nicht mehr gebrauchte Reg-lerkirche, die Kaufmannskirche, die Hospitalkirchc, die 1856 zur Aufnah-me des deutschen Volks- und Staatcnhauses eingerichtete Augustiner-kirche, die Barfüßer- und Predigerkirche.

Ueber die drei letzteren einige Bemerkungen:

1. Die Augustiner-Kirche oder die Kirche des ehemaligen Au-gustiner-Eremitenklosters. Dieser Orden erhielt im I. 1266 vom Erz-bischof Werner von Mainz die Erlaubniß zu einer Niederlassung in Er-furt, worauf die Mönche 1277 einen Hof zu St. Gotthardt kauften undzum Kloster einrichteten. In dem Theile, den gegenwärtig das Wai-senhaus einnimmt, befindet sich noch die Zelle, die Luther als Mönchvom Jahr 1565 bis 1508 bewohnte. Die Reformation fand in diesemKloster frühzeitig Eingang. Die ersten evangelischen Predigten hielt inder Klosterkirche Antonius Musa, nachheriger Superintendent zu Mer-seburg; ihr erster evangelischer Psarrherr war aber Nicolaus Fabri.Nach dem Abgange der Mönche wurden die Klostergebäude eingezogenund darin >561 das evangelische Raths-Gpmnasium und 1669 dasevangelische Waisenhaus angelegt, desgleichen dem evangelischen Mini-sterium darin ein Gcschäftslocal eingeräumt und das Ganze sprichwört-lichdas evangelische Zion" benannt. An die Stelle des Gymnasiumskam 1821 das Martinsstift nebst der städtischen Frei- und Erwerb-, jetzi-gen Armenschule. Durch die Huld des Königs ist das Martinsstift durcheinen prachtvollen Neubau in einen Palast verwandelt worden, welcherden NamenLutherspforte" führt.

2. Die Barfüßer-Kirche. Ursprünglich gehörte dieselbe zu demFranziskaner- oder Barfüßer-Kloster, das 1232 gegründet wurde. Siehat im Chöre einen schönen Hochaltar mit vortrefflichen altdeutschen Ge-mälden. Reich ist dieselbe an Grabsteinen, nicht nur vieler Mitgliederalter Ersurtischer Familien, als der von der Sachsen, Zigeler, Hartungivon Saalfeld, von der Marthen u. a. m., sondern auch des Thüringi-schen Adels, z. B. von Mila. An der nördlichen Mauer des Choresbefindet sich das Denkmal des Grafen Albert von Beichlingen, Wcihbi-schofs zu Erfurt. Ganz unkenntlich geworden ist das älteste Monument,der Grabstein des Erzbischofs Gerhard I. von Mainz. Bemerkenswerthist auch der Grabstein Aegidius Mechlers, des ersten evangelischen Pre-digers an dieser Kirche. Am 8. Januar 1838 stürzte der mittlere Theilder Kirche ein, ward aber seitdem schöner hergestellt.

3. Die Prediger-Kirche, ursprünglich zu dem durch den Gra-fen Jlger von Hohenstei» in der ersten Hälfte des >3. Jahrhundertsgegründeten Dominikaner- over Prediger-Kloster gehörig, behauptet anSchönheit nächst dem Dom den ersten Rang, und übertrifft diesen sogari» Hinsicht auf Planmäßigkeit und Harmonie aller Theile. Sie ist, wiedie Barfüßer-Kirche, im reinsten und edelsten deutschen Style erbaut.Im Innern befinden sich Grabsteine von Erfurter Patrizier-Familien,als: Kerlinger, Lange, Brun, Nosenzweig u. a. Von bewunderungs-würdiger Schönheit ist im Chöre das Denkmal des Ritters Theovorichvon Lichtenhayn, vom Jahre 1266; nicht weit davon befindet sich dasDenkmal des Grasen Günther von Schwarzburg, der als Mönch imDominikaner-Kloster lebte, vom Jahr 1345.

Unter den weltlichen Gebäuden zeichnen sich aus:

l. Das Rathhaus, das aus zwei Haupttheilen besteht. Derältere, wovon vor einigen Jahren ein Theil wegen Baufälligkeit abge-tragen worden, ist ein dem Fischmarkte und der Marktstraßc zugekehr-tes, sehr altes, nach und nach ausgebautes, daher auch sehr regellosesund unbequemes, aber geschichtlich merkwürdiges Gebäude. Der An-fang seiner Erbauung fällt wahrscheinlich in die Mitte des 13. Jahr-hunderts. Der neuere Theil des Rathhauses, nach der Rathhausgassezu, ist von dem Statthalter von Boyncburg angebaut worden und dientdem königlichen Krcisgerichte, so wie der Ueberrest des alten Gebäudes