bäuden besetzt, von denen außer dem Hotel zum Kaiser und dem Ursu- 'llincrkloster, die Commandantur (Wohnung des ersten Commandanten), !!die Post, der Packhof, das Haus des Commerzicnraths Lucius und die )Gottschalksche Schuhfabrik ncnncnswerth sein dürften; 2) die Johan-nesstraße, 2) die Futterstraße, 4) die Marktstraße, 5) die Neuestraße, jK) die Neuweckstraße, 7) die Schmidtstädtcrstraße und 8—10) die durchdie Einwirkung des Bahnhofs verschönerte Bahnhof- (früher Spiel-berg)-, August- und Löberstraße.
In politischer Hinsicht ist vor Kurzem die Augustin er straße durchdie in ihr befindliche, mit dem Martinsstifte und dem evangelischenWaisenhause (worin die Lutherszelle) zusammenstoßende und behufsder Aufnahme des deutschen Volks- und Staatenhauses in ein Par- ^lamentshaus umgeschaffene Augustinerkirche bedeutungsvoll ge-worden.
Unter den öffentlichen Plätzen ist der größte und ansehnlichste derFriedrich-Wilhelms-Platz am Fuße des Dom- und Pctersberges.Derselbe dient zum Markt- und Exerzierplatz; ein zweiter größererExerzierplatz befindet sich vor dem Johannesthore. Die erhabenste Zierdedes Fricdrich-Wilhelms-Platzes bilden auf der Westseite der Dom, wel-cher eine großartige Cavate zum Unterbau hat, und die nebenan ste-hende Scveri-Kirche. Zu beiden führt eine herrliche Stiege von breitenStufen (Graden). Eingefaßt ist dieser Platz mit schattigen Baumgängenund nach seiner Nordseite zu mit parkartigen Anlagen verbunden. Ganzim Vordergrunde erhebt sich die sogenannte Ehrensäule, ein Obelisk,welcher dem Kurfürsten Friedrich Carl Joseph zu ehrendem Andenkenvon den dankbaren Erfurtern errichtet wurde. Ganz außerordentlich istübrigens die Umwandlung, die mit den Umgebungen des Friedrich-Wil-Helms-Platzcs in neuer Zeit vorgegangen ist. Verschwunden sind dieHäuser, die sich sonst unter die Domcavate duckten und an den Dom-stufen in schräger Reihe bis auf den Platz herabreichten; verschwundenist das Wasser, das quer über den Platz stoß; verschwunden die kleinenSalzhäuscr (ffe wurden bereits im Bauernaufruhr zerstört); verschwun-den das Zollhaus (>596 abgerissen); verschwunden in Folge des Bran-des während der preußische» Blokade im Jahr 1813 ganze Gassen, wiedas Fallloch und die Fingerlingsgasse, mit 121 Häusern, — und trotzallein dem kein Verlust, sondern im Gegentheil ein großer Gewinn fürden Platz an Ausdehnung und Schönheit.
Bei der Severikirche soll im 12. Jahrhundert ein befestigtes Schloßdes Erzbischofs von Mainz gestanden haben, es ist jedoch weder überdie Zeit seiner Erbauung, noch über die seiner Zerstörung etwas Ge-wisses zu ermitteln. Das in geschichtlicher Hinficht merkwürdigste Hausin den Umgebungen des Friedrich-Wilhelms-Platzes ist das Gasthauszur hohen Lilie, welches Gustav Adolph und dessen Gemahlin, denv>. Martin Luther, den Landgraf Philipp von Hessen und den KurfürstMoritz von Sachsen beherbergt hat. Wie bereits erwähnt, dient derFricdrich-Wilhelms-Platz auch zum Marktplatz. Es werden auf ihm, jaußer den, auch den übrigen Plätzen gemeinschaftlichen, Mittwochs undSonnabends Statt findenden Wochenmärkten, auch die drei achttägigenJahrmärkte (der Pfingst-, Bartholomäus- und Martini-Markt), so wiedie vier eintägigen Roß- und Vichmärkte gehalten.
Außer dem giebt es noch vier Plätze, nämlich: den Roßmarkt, denFischmarkt mit der räthsclhaftcn Rolandsäule und dem Westtheile desRathhauses, den Wcnigenmarkt (ll»>»m,>»>>»>»), dessen für die Waarender Tuchmacher bestimmter Gewand-Gadem bereits >587 zusammen- ^stürzte und seitdem nicht wieder aufgebaut wurde, und den Hospitalplatzoder Spittelrasen.
Gehen wir zur Betrachtung einzelner Gebäude, zunächst der Kir-chen über, so verdient kein Bauwerk unser Augenmerk in höheremGrade als Erfurts höchste und ehrwürdigste Sehenswürdigkeit, dasheilige Oberhaupt Thüringens, der Dom.
Was mag der Dom wohl sinnen, wenn spricht die Riesenglocke?Er sinnt, was längst von hinnen, und schüttelt Haupt und Locke,Gedenkt mit leisem Beben der alten Herrlichkeit,
Der alten Art zu leben, der guten alten Zeit,
Gedenkt der eignen Jugend, geschwunden wie ein Traum,
Der alten Kraft und Jugend, noch grün am Lebensbaum,Des Handels alter Blüthe, des Mönchs — schlicht und gering.Dem — Frieden im Gemüthe, Nculicht im Geist aufging,
Der alten hohen Schule, mit Meistern hochgelehrt.
Des alten Rudolphs von Habsburg, der hier als Gast verkehrtUnd auf dem Reich es tage *), zu dem er hieher kam.
Vernahm der Bürger Klage und sechszig Burgen nahm;(— Die Burgen ließ er schleifen, Waidsamen aus sie streu'n.Die Räuber ließ er greifen und ihre Schuld bereu'». —)
Gedenkt der großen Brände"""), an's furchtbar tolleJahr"""*),An Wechselregimente, an manche Kriegsgefahr,
An manche Hauptblokade, an manches Freudenfest,
Steht fest auf der Cavate, so lang es Gott zuläßt.
Steht auf dem Felsengrunde der alten Lieb' und Treu',
Steht alt noch diese Stunde, wo ringsum Alles neu.
Schon Bvnifacius baute (743) auf dem jetzigen Domberge eine,wenn auch kleine Kirche, die aber im 12. Jahrhundert cingerisscn wurde.Ein neuer großartigerer Bau im byzantinischen Styl begann 1153, er-reichte aber noch lange nicht die Größe des jetzigen Doms. An demnördlichen Kreuzesarm der Kirche wurde etwas später eine Vorhalle,das »och jetzt vorhandene Dreieck, angebaut. Von den beiden Portalenderselben ist nur das vordere, nach den Stufen zu gerichtete, nochgangbar und mit den Bildsäulen der Apostel geschmückt. Am hinternPortal erscheinen die klugen und thörichten Jungfrauen des Gleichnisses(Matth. 25). An der Ecke zwischen beide» Portalen befindet sich ineinem vergitterten Kapellchen ein Bild der heiligen Anna. — Zu Endedes 12. Jahrhunderts wurve der dreifache Thurm aufgeführt, und 125ldie erste, über 300 Centncr schwere große Glocke (Susanna) gegossen.Im folgenden Jahrhundert wurde die Kirche abermals erweitert und1343 mit dem Bau des hohen Chors begonnen. Wegen dessen noth-wendiger Richtung nach Osten wurde die Cavate als kunstliche Fort-setzung des dahin nicht weit genug reichenden Berges angebaut unddurch ihre hohen Gewölbe der Chor zum Theil mitgetragen. Die Ca-vate kostete 142,886, der Chor 168,000 Gulden, ungeheure Summen,aber wohl größtentheils durch freiwillige Gaben zusammengebracht.Ein Cavaten-Pfeiler an den Domstufcn trägt die darauf hindeutendeInschrift:
lu (Nn'isti lauge, l'ellx Illueiii^i.1, I>>!UIÜI!,
Luzus luche» livuis, wn!is gaugere pMeonis ssjErst ein Jahrhundert später kam der seit 1456 wieder in Angriffgenommene Bau der eigentlichen Kirche, aber in einem ganz andernStyl und viel schlechterem Geschmack, als der Chor, zu Stande. Kaumvollendet, gerieth der Dom 1472 durch ftwn großen Brand in Gefahr.Von der Gluth der in die Kirche und den Thurm chineinschlagendenFlammen schmolzen die Glocken, auch die große, die erst >497 einevom Meister Erhart von Kempen gegossene und vom Weihbischof Jo-hann von Lasphe »l-o-i-, gloiios» getaufte Nachfolgerin erhielt. Dieseist eine Dame von Gewicht, 275 Centner schwer, die >> Centner wie-gende eherne Zunge ungerechnet. Im Bauernkriege (1525) erlitt derDom mehrfache Beraubung und Beschädigung. Zur Zeit der Reforma-tion und des dreißigjährigen Krieges wurde er den Evangelischen ein-geräumt, aber den Katholiken jedesmal bald wieder zurückgegeben. Am13. September 1717 schlug der Blitz in das Gebälk des mittlerenThurmes und zerstörte durch ein mehrere Stunden heimlich fortbrenncn-des und erst Abends 9 Uhr zum Durchbruch kommendes Feuer die dreiseitdem nicht wieder hergestellten Thurmspitzen.
») Im Znhr ISA.
»»1 I47Z und <7M,
***) tbktt. Bekanntlich hat Bechstein das ,,tolle Jahr" zum Gegenstande ei..es Romans ge<macht.
ch) In dem Lobe des Herrn, du glückliches Thüringen, jauchze Gönner hast du so groß, bloßdir geschenkct von ihm.