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Beschreibung.
die uralte, der Sage zufolge nach einem Müller Erpesoder Erff benannte, vielthürmige Hauptstadt Thüringens, ist auch dieHauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks im Preußischen Herzog-thume Sachsen und eine wichtige, mit dem Militär über 39,999 Ein-wohner *) zählende Grenzfestung an dem zwischen Gotha und Weimarhervortretenden Westende des Osttheils des Preußischen Staates.
Es liegt an der vom Thüringer Walde und zwar vom Fuße desSchneekopfs herfließcnden Gera, welche im Südwesten zwischen demSteigerwalde und der Cpriarburg das Weichbild der Stadt erreicht undin diese mit drei Armen unter der Benennung 1) des Bcrgstroms,zwischen dem Brühler Thor und dem Petersberge, 2) der wildenGera, unter den Schutzthürmen, 3) des Karthäuserstroms, beider Karthäuscrmühle, eintritt. Unfern dieser Mühle theilt sich der Kar-thäuserstrom in die Hirschlache und den Walkstrom. Der letzterevereinigt sich aber wieder mit der wilden Gera, die bei dem Roßwehreeinen neuen Arm, den Breit ström, bildet. Dieser vereinigt sich beider grünen Schildchensmühle mit dem Bergstrom und in seinem weite-ren Laufe auch mit der Hirschlache so wie mit der um die innere Stadteinen weiten Bogen ziehenden wilden Gera, worauf er auf der Nord-seite unter dem sogenannten Blockhause, zwischen dem Andreas- undJohanncsthore, die Stadt verläßt, nachdem er vorher einen beim Jo-hannesthore ausmündenden, nach Mittelhausen gehenden Seitenarm, dieschmale Gera, gebildet hat.
Der im Willröder Forst entspringende Schwcmmbach, welchervon Melchcndorf her bei der Wüstung Daberstadt in das ErfurterWeichbild eintritt, berührt nur die Außenseite der Stadt. Ein ähn-licher kleiner, zu Zeiten stark anwachsender Bach kommt vom westlichgelegenen Dorfe Schmiera durch das Bornthal herab nach dem Berg-strom. Innerhalb der Wälle werden von den Armen der Gera 27 Müh-len getrieben.
Das den Charakter eines ehemaligen Seebeckens tragende Gerathalwird südwärts vom Steiger, östlich von Ausläufern des Steigers, denbeiden Herrenbergen und von Vorhöhen des nach Weimar zu bis zurMeereshöhe von 1525 Fuß ansteigenden Ettersberges (Konsreus), dem Irr-, Ringel-, Galgen- und Stollberge, im Norden vomRothenberge und im Westen von einem Höhenzuge begrenzt, der mitder Cpriarburg anfängt und sich gegen Alach hinzieht. Erfurts See-
Im Jahr 1844 hatte Erfurt 26.129 Einw. ohne Militär-, 1817 nur 14.846. Nach demAdrcßhuche auf das Jahr 1859 gehören zur Stadt 3952 Grundstücke (Gärten und
höhe beträgt, nach Barometermcssungcn von Fils und von Hoff,bei dem Pförtchcn 635 Fuß, die der Cpriarburg 804 Fuß, die des Pe-tcrsberges 743 Fuß. Der höchste Punkt des Steigers liegt, bei Egstedt,1977 Fuß über dem Meere.
Sechs Thore und ein Pförtchcn für Fußgänger vermitteln die Zu-gänglichkeit Erfurts, ein siebentes Thor, das Augustthor dicht bei demBahnhof, ist nicht mehr gangbar und wird zur Aufbewahrung vonFortifications-Baugeräthschaften benutzt. Die beiden Nvrdthore sind:das Johannes- und Andreas-, die beiden Ostthore: das Krämpser- undSchmidtstädter-, im Süden: das Löber-, im Westen: das Brühlcrthor.Zwischen den beiden letztgenannten befindet sich das Pförtchen, welchesan den Kurmainzischcn Statthalter Dalberg erinnert. Die seit 1847dem öffentlichen Verkehr übergebene Thüringer Eisenbahn schneidet vonWeimar her das Schmidtstädterfeld und links vom Schmidtstädterthorden Wallring der Stadt, den sie bei der Karthause zwischen dem Löber-thor und dem Pförtchcn abermals durchbricht und durch das Löberfeldnach und an dem Fuße des Steigers in der Richtung auf Gotha zuhinläuft.
Der Flächeninhalt der Stadt beträgt, den >9 Preußische Mor-gen oder ltzs/z Erfurter Acker großen Fricdrich-Wilhelms-Platz mit sei-nen Anlagen mitgerechnet, 885 Preuß. Morgen und ll4 (ZRuthen.
Eingetheilt wurde die Stadt vor Alters in 4 Viertel: l) das.loannis-, 2) Viti-, 3) Kaeiae-, 4) ^näreae-Viertel, welchen sich 28Pfarrgemeinden einordneten. Im Jahre 1319 machte man einen Ver-such, die Stadt in 2 Abtheilungen, jede mit 9 Bezirken, zu bringen,fand jedoch diese Eintheilung späterhin unzweckmäßig und schritt deshalbim Jahr 1825 zu einer neuen, die noch gegenwärtig besteht. Nach die-ser wird die Stadt in folgende >4 Bezirke getheilt: l) der Löber-Bez., 2) der Schmidtstädter-Bez., 3) der Krämpfer-Bez., 4) der Jo-Hannes-Bez., 5) der Nicolaus-Bez., 6) der Schotten-Bez., 7) der Kaus-manns-Bez., 8) der Barfüßer-Bez., 9) der Neuwerks-Bez., 19) derBrühler-Bez., ll) der Dom-Bcz., 12) der Rathhaus-Bez., 13) derMichaelis-Bez., 14) der Andreas-Bezirk.
Wie alle alten Städte, so leidet auch Erfurt an großer Unregel-mäßigkeit in Bezug auf die Richtung der Straßen und die Bauart derHäuser. Es hat Ueberfluß an vielfach gebogenen und winkligen Gassenund Mangel an geraden, breiten Straßen. Zu den vorzüglichsten unterden letztern gehören: 1) der Anger (vor Alters Waid-Anger, lliast-i-rium, genannt als Marktplatz für den Waidhandel), freilich mehr einPlatz, als eine Straße, in seiner Längen-Ausdehnung durch die Kauf-manns- und Wigberti-Kirche begrenzt und mit den ansehnlichsten Ge-