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10 (1852)
Entstehung
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Wirklichkeit in Einklang zu bringen. Die Aufgabe ist aber durch aller-lei sinnreiche Mittel meisterhaft gelöst, und auch einer später eintreten-den, geringen Senkung des Gebäudes die Anfangs Besorgnisse weckte,genügend entgegen gearbeitet worden. So steht denn der Bau jeden-falls als ein würdiger, zugleich merkwürdiger, da, wenn wir ihm auchseine Stelle nicht unter den schönsten der Hauptstadt anweisen können.

Allein eine traurige Erinnerung knüpft sich daran. Der Meisterhatte sich hier seine Gruft, sein Sterbehaus gebaut! In der von ihmselbst für sich eingerichteten, ohne Prunk, aber mit dem edelsten Geschmackausgestatteten Wohnung verschied er!

Wie so oft, gab ihm erst sein Tod das wahre Zeugniß seinesWerthes. Doch auch gleich in dem Augenblick des Verlustes, wurde dieGröße desselben erkannt. Davon gab seine Bestattung Kunde. ImLauf dieses ganzen Jahrhunderts hat Berlin nur sehr wenige ähn-liche Leichenbegängnisse gesehen. Schleiermacher, Hegel, Ganz,Dieffenbach das waren die Männer denen ungefähr eine gleicheTheilnahme bei ihrer Bestattung wurde wie Schinkel. Von allen warfreilich Schleier macher der, dessen Sarge die zahlreichste Menge, demsie aus allen Ständen, von den höchsten bis zum niedrigsten folgte.An Schinkels Leichenzuge nahmen ausschließlicher die gebildeten undhöhere» Stände Antheil; doch diese auch fast in ihrer Gesammtheit.Und auch die welche nicht den höheren Schichten der Gesellschaft, dennoch

aber den ehrenwerthesten Sphären der Einsicht und Thätigkeit angehörten,waren vertreten, namentlich alle die vielfachen Gewerkt, die mit derBaukunst in näheren und entfernteren Beziehungen stehn, mit denenallen Schinkel so vielfach verkehrt hatte. So bildete sich ein wahrhaftköniglicher Leichenzug, bei welchem viele Tausende zu Fuß dem Sargefolgten, und die unübersehbare Reihe der Wagen durch die königlichenStaatswagcn eröffnet wurde, welche von Seiten des Königs selbst,wie von der Königin und den Prinzen und Prinzessinnen gesanvt waren.Schinkel war ein Fürst der Geister, und ihm gebührte, wie den obengenannten, ein fürstliches Begräbniß. Keinem Staatsmann nochGroßen ist im Laufe dieses Jahrhunderts in unserer Residenz eine solcheBestattung geworden; die Stimme des Volks hat hier eine würdigeSprache geführt, und dem Dahingegangenen Ehren zuerkannt, auf die derbloße äußerliche Rang kein Anrecht giebt. Nur eine größere Be-gräbnißfeier ist in dieser Zeitfrist begangen worden, die des verewigtenKönigs. Allein ihn begleitete auck die Liebe »nd Ehrfurcht eines gan-zen Volkes, das sich selbst in der Hauptstadt von fast einer halbe»Million Bewohnern, nur zum kleineren Theil vertreten sah.

Wir vermögen das Gebäude, von dem wir hier sprechen, nichtohne Bewegung und ernstwehmütige Erinnerung an den Tag, an dasgroßartig erschütternde Schauspiel zu betrachten, das den Erbauer ausder letzten Wohnung für das Leben die er sick darin gründete,zu der letzten irdischen überhaupt führte!

Die n i v e r s i t ä t.

Wir haben hier eins der wichtigsten, doch keins der schöneren, Bau- ^werke Berlins vor uns. Es stammt aus der Zeit Friedrichs des Großen,und war bei seiner Anlage an nichts weniger als an dessen jetzige Be-stimmung gedacht worden. Die älteren Bewohner Berlins kennen esnoch unter dem Namen: Prinz Heinrichs Palais; und in derThat dies war die erste Bestimmung des Gebäudes. Der König Frie-drich der Große ließ es in den Jahren >754 bis l7K4 durch den Archi-tekten Boumann, dessen Geschmack sich nicht über das Zeitalter Lud-wigs des vierzehnten erhoben hatte, erbauen; ein Stil, der nur, wo ersich mit der äußersten Pracht verbindet, einigermaßen imponirend wird.Daß man so lange an dem Palais gebaut hat, war wohl die Schulddes siebenjährigen Krieges, der gerade in die Bauzeit fällt, und dieMittel so absorbirte, daß für Lurusbauten nicht viel erübrigt wer-den konnte.

Den berühmten Bruder des Königs, Prinz Heinrich, dessenFeldherrntalent Friedrich der Große so hoch schätzte, daß er einstmalsim Kreise seiner Generale von ihm sagte:Meine Herren, wir habenAlle gefehlt, aber wer nie gefehlthat, das ist mein Bruder," PrinzHeinrich bewohnte in der That das Schloß bis zu seinem Ende, ab-wechselnd mit seinem Sommeraufenthalt zu Rheinsberg; und nachihm residirtc auch seine Wittwe dort, in den alten geräumigen Rococo-sälen und hohen Zimmern mit Gobelinstapeten, Dammastgardinen, undschweren plumpen Vergoldungen. Damals dehnte sich ein großer durchMauern umschlossener Garten mit herrlichen Bäumen hinter dem Schloßaus, der auf der einen Seite von dem breiten, mit steinernen Mauerneingefaßten, sogenannten Kupfergraben begrenzt wurde, welchen manspäterhin (nach dem Kriege von l8l5) verschüttete.

Das Palais hat merkwürdige Tage erlebt; denn der Hof des Prin-zen Heinrich war reich an allen jenen französischen Zuständen der geist-reichen Geselligkeit, der scherzenden und ernsten Intrigue, der Galanterieund der Sinnlichkeit. Wenn treue Memoiren der Zeitgenossen darübervorhanden wären, würden wir aus ihnen manchen Stoff zu Romanenschöpfen können. - Eine Zeit lang, nach dem Tode des Prinzen undder Prinzessin, stand das Schloß (so gut wie das jetzige des PrinzenAlbrecht, ehemals das Palais der Prinzessin Amalie, Friedrichs des

Großen Schwester) unbenutzt und leer. Nur ein Castellan und einigeHausbediente bewohnten es. Dies machte eine Anekdote möglich dieman davon erzählt. Ein Bauer, der zu Markt hereingekommen war,stand einstmals verwundert vor demselben und betrachtete es. EinSoldat (unter den Soldaten fand man damals noch die verschmitzte-sten Betrüger), der sich auf dem Vorplatz umhertrieb, nahm ihn wahr,und fragte ihn:Weshalb er das Haus so betrachte, ob er es kaufenwolle?" Der Bauer lachte über den Antrag. Allein der Soldat redeteihm zu, erzählte ihm das große Haus stehe leer, es gehe zu Grundeweil sich Niemand dessen annehmen wolle, (die Fenster zeigten wirklichhie und da zerbrochene Scheiben) in der Kriegszeit wolle Niemand einso großes Gebäude besitzen, auch fehle es in der Stadt an baaremGelde, aber wer nur etwas darauf zahlen könne, müsse ein vortrefflichesGeschäft damit machen. Der Bauer wird lüstern, der Soldat giebtsich für den Castellan aus, und erbietet sich, ihm das Gebäude zu zeigen.Er führt ihn durch Korridors und einige unbewohnte Zimmer, undgiebt vor, die verschlossenen Räume enthielten noch Sachen von Werth,die einzeln verkauft werden sollten, daher habe er nicht die Schlüsseldazu; allein dem wirklich als Käufer Auftretenden, würden auch dieseRäume vom Intendanten geöffnet und gezeigt werden. Das könne abererst andern Tages geschehe». Genug der Bauer wird überredet alsKäufer aufzutreten, und zahlt dem verschmitzten Soldaten, damit ihm,während er nach Haus fahre und Geld herbeischaffe, keine Käufer zu-vorkommen, eine kleine Summe als Aufgeld. Daß er andern Tagesden angebliche» Castellan nicht wieder fand, brauchen wir nicht zuerzählen.

In diesen Zeitraum siel der würdige Gedanke, wie überhauptPreußen sich vom Geist aus wieder stärken sollte, so auch die Hauptstadt,durch eine Universität geistig zu beleben. Wir haben in der all-gemeinen Schilderung der Hauptstadt, über die Stiftung derselben, überdie geistigen Elemente die sich dabei entwickeln, über die glänzendenNamen die der Anstalt vom Tage ihrer Gründung an. Ruf und Ruhmverliehen, gesprochen, und übergehen dies hier, uns nur an die Aeußerlich-keit des Gebäudes haltend. Gewiß war es ein edler Gebrauch, den mandamals von den leer stehenden fürstlichen Schlössern machte, daß man sie