«»staltete man eine Messung, die Folgendes ergab. Die Helmstange,worauf der Knopf stand, war 19 Fuß lang, von der Stange bis aufdas Mauerwerk (der Thurm scheint also von Holz gewesen) 44Klaf-ter, von dort bis zur Erde gleichfalls 44 Klafter. Dies ergäbe 88Klafter 19 Fuß, oder 547 Fuß, was den Straßburger Münster um fast5V Fuß überträfe. Die Messung muß mithin unrichtig gewesen seinoder die Maaße waren in jener Zeit nicht so groß angenommen alsjetzt. Der Thurm hatte nachher noch seltsame Schicksale. Der ChurfürstJoachim lt., der die Festung anlegen ließ, glaubte, der Thurm könnewegen seiner außerordentlichen Höhe, derselben Nachtheil bringen, undbefahl 15K5 — ihn cinzuschießen. Mit diesem seltsamen Mittel gingman in der That vorwärts, und nur das flehentliche Bitten des Magi-strats und der Einwohnerschaft wandte dieses Schicksal ab, nachdemjedoch schon ein erheblicher Scharen geschehen war. - Der Thurm scheintübrigens vom Schicksal zu Schicksalen aller Art ausersehen gewesen zusein. Oder eigentlich war es der Blitz der ihn zur Zielscheibe wählte.Im Jahr l57ti schlug er ein, und der Thurm brannte bis auf dasMauerwerk herab; 1K7Z abermals; ebenso lli87 und 1691. Er branntezwar nicht jedesmal dabei völlig ab, erlitt aber doch heftige Schäden.Das 1^. Jahrhundert war ihm »och feindseliger als das >9.; denn 1723,I7Z7 und 1738, traf ihn abermals der Blitz. Und bei dem Einschlagenim Jahr 1723 wurden sogar drei junge Leute, die unter dem Thurmstanden, getöbtet. Da der Blitz endlich einzusehen schien, daß er demGebäude doch nichts Erhebliches anthun könne, verschwor er sich mitdem Feuer, und 1749 am 24. Juni sin den ersten Wochen der RegierungFriedrichs des Großen) zerstörte eine Feuersbrunst den Thurm, die zu-vor acht Häuser der Stadt verzehrt hatte. Damals litt noch die Kircheerheblichen Schaden, namentlich die Orgel, die erst fl Jahre vorher ganzneu hergestellt war. —
Im Innern enthält das Gebäude verschiedene nicht unbeachtungs-werthe Gemälde und Grabdenkmale. Das Bildniß eines 1766 ver-storbenen Kirchen-Inspektors, Lamprecht, von Bernhard Rohdc dürftedas vorzüglichste darunter sein. Von den Grabmälern ist das des 1641verstorbenen berühmten Grafen von Schwarzenberg, der in derbrandenburgischen Geschichte eine so hervortretende Rolle gespielt, dasmerkwürdigste. Eine messingne Tafel, welche den Todestag 4. März(wahrscheinlich alten Stils) unv die Titel des Grafen angiebt, bezeich-net seine Ruhestätte.
Im Jahr 1339 wurde auch in Spandau die Reformation eingeführt,und die Kirche aus einer katholischen zur lutherischen. Wahrscheinlichhat Melanchthon persönlich sehr viel dazu beigetragen, indem aus denChroniken hervorgeht, daß er sich >535, wo bereits die Anregungen zurReformation sehr lebhaft waren, mehrere Wochen in der Fastenzeit zuSpandau aufgehalten hat; auch nachher blieb er in freundlichen Ver-hältnissen zu dieser Stadt, die ihm oftmals Geschenke von Fischen,Krebsen und Spandover Bier (welches ehemals sehr berühmt war)machte. —
In der neueren Zeit hat die Geschichte der Kirche nichts von Interesseaufzuweisen. Die Architektur ist ebenfalls nicht von besonderer Schön-heit, doch unter denen aus Backsteinen erbauten Kirchen ist sie eins derDenkmäler mittelalterlicher Baukunst, die mit Aufmerksamkeit betrachtetzu werden verdienen. — Von dem Thurm hat man eine sehr schöneAussicht über die weiten Stromzügc und Seeflächen und ausgedehntenWiesen und Waldungen in der Nähe der Stadt. Auch ist die Ueber-sicht der Lage der Festungswerke von diesem Punkte aus vonInteresse. —
Wie Da
ist dasjenige von Schinkels Werken, welches uns am wenigsten zusagt,obgleich es sich in der Zeichnung eben so imposant als zierlich darstellt.Allein in der Wirklichkeit will uns dieser großartige Würfel aus rothenBacksteinen ausgeführt, welche nicht übertüncht sind, und, wie man sichauch eines andern überreden möchte, doch nur das Ansehn von rohenMauern haben, nicht ganz zusagen. Die Grundform des Baues ist einreines Quadrat, 189 Fuß lang; alle vier Fronten sind, mit einigen Ab-weichungen, die durch die Eingänge im unteren Geschoß veranlaßt wer-den, gleich in der Konstruktion. Acht breite Fenster, die ebenfalls etwasGedrücktes haben, befinden sich in jeder Front. Die Verzierungen desBaues sind gleichfalls von Backsteinen ausgeführt, jedoch von andersgefärbten, weiß glasirten, die in feinen Linien die großen Flächen derMauern eintheilen. Dadurch gewinnt der Bau allerdings etwas Leichtesund Zierliches, was jedoch erst in die Augen springt, wenn man ihmnäher tritt. — Können wir nicht die unbedingten Lobrcdner seinerSchönheit sein, diejenige Eigenschaft welche sonst fast in allen Schinkel-schen Erfindungen den ersten Platz einnimmt, so dürfen wir mit destovollerer Anerkennung von der Zweckmäßigkeit desselben sprechen.Gleich in der Wahl des Platzes zeigte sich wieder das Genie Schinkels,Räume zu disponiren; denn wie beim Museum tilgte er häßliche wider-wärtige Räumlichkeiten und Bauten aus der Stadt, um schöne herzu-stellen. Er hätte Berlin durch diesen Bau wesentlich verschönert, selbstwenn das Gebäude gar nicht ausgeführt worden wäre, nur durch das-jenige, was er fortschaffte. Es lag hier nämlich der sogenannte altePackhof; eine enge Straße zog sich an der Seite desselben hin, in dersich meist unscheinbare Häuser befanden, die jedoch, wenn der Packhofwegfiel, die schönste Lage gewannen. Einer der bestgelegensten Quais derSpree (von denen unsere Stadt überhaupt viel zu wenig Vortheil inBeziehung auf architektonische Schönheit zieht) war auf diese Weise
u s ch u t e
weniger gebraucht als gemißbraucht, und gerade in dem sonst großartig-sten Stadttheil. Außerdem befand sich auf der Nordseite des jetzigenGebäudes eine der frequentesten Passagen Berlins, die, über die Schleusen-brücke, welche durch eine äußerst enge schmutzige Gasse behindert war.Alle diese Uebel vertilgte Schinkels Plan mit einem Strich. Er ge-währte der Brücke (wenigstens auf einer Seite) eine breite, freie Passage,indem er hier eine schöne Straße schuf; er verwandelte jene zweite, demPackhof seitwärts gelegene Gasse in einen freien Platz, und schaffte soden dort befindlichen Häusern die herrlichste Lage. Der Platz selbstwurde mit Grün bekleidet, und durch den Neubau gehoben. Diesererfüllte zu gleicher Zeit viele nützliche Zwecke. Er gewährte dem sotrefflichen Institut der Bauakademie ein geräumiges allen Bedürfnissendesselben entsprechendes Lokal. Das untere Stockwerk erschuf eine großeAnzahl schöner Kaufläden, welche, da hier der Mittelpunkt des BerlinerHandels-Verkchrs befindlich ist, eine äußerst günstige Lage haben undsehr hohe Miethen tragen. — Das obere Geschoß endlich gewährte demErbauer selbst und einigen anderen Beamten des Instituts ihrem Verhält-niß entsprechende Wohnungen. —
Bringt man, was durch alle diese Einrichtungen einestheils an Aus-gaben die der Staat sonst baar zu decken hatte, erspart wurden, unddas, was durch die Vermiethung der Kaufgewölbe baar eingeht, inAnschlag, so dürfte wenigstens ein großer Theil der Kosten dieses aller-dings nicht wohlfeilen Baues gedeckt werden. Der Grund und Bodenharte auch hier seine Schwierigkeiten; zugleich war Schinkels Plan mehrauf die Benutzung des Raums, und auf die, nach seiner einmal gefaßtenAnsicht, Schönheit der Ausführung, als aus die einmal nicht abzuweisen-den Forderungen der Solidität berechnet. Nirgend kam ihm daher derpraktische Sinn seines technischen Verbündeten, Bürde, mehr zu Hülfeals hier, wo es galt die Phantasie Schinkels mit der unerbittlichen