Hunderts, wo die Fürsten aus dem Hause Hohenzollern ihre feste Resi-denz in Berlin aufschlugen, sich anders gestaltet haben. Bedeutenderals Potsdam blieb Spandau aber noch in viel späteren Zeiten, wieman aus der Verthcilung gewisser Kosten und Steuern bei Huldigungs-festen und dgl. sieht, wo der auf Spandau fallende Antheil stets vielbedeutender ist, als der auf Potsdam berechnete; oft das Vierfache vondiesem. — Spandau besaß schon in den älteste» Zeiten ein Schloß,welches zwar nicht als stehende Residenz diente, wo jedoch die Mark-grafen der Mark Brandenburg bei ihren wechselnden Wohnsitzen öftersihren Aufenthalt nahmen. — Wie alle Städte in jenen Jahrhunderten,so wurde auch Spandau schon im Jahre I3I8, zu welcher Zeit es auseinem offenen Fischerflecken zur Stadt herangewachsen sein mochte, mitMauern und Wällen versehen. Von da ab wird wenigstens der Ring-mauern und Wälle der Stadt zuweilen gedacht, und die Markgrafenzogen sich in Kriegsfällen öfters auf diesen festen Ort zurück. Span-dau gehörte zu den drei Städten, (Frankfurt a. d. O. und Brietzcnwaren die beiden andern) welche dem falschen Waldemar ihre Thorenicht öffnete, obwohl es nicht wie Treuenbrietzen davon einen solchenehrenden Beinamen gewann. Doch andere Vortheile, nämlich allerleiGerechtsame und Schenkungen an Land, die der getreuen Stadt gemachtwurden. — Der Churfürst Joachim I. verschrieb im Jahre >502(Dienstags nach dem Sonntag Ki»erie<>r<Ii»s) seiner Gemahlin das Schloßund Amt Spandow zum Leibgedinge. Sie wohnte hier als Wittwe bis>555, starb jedoch in Berlin, wohin Joachim II. sie einige Tage vorihrem Ende geführt hatte. Dieser Fürst war es, welcher Spandauzu einem bedeutenden, ja wichtigen Ort für die brandenburgischenLande machte, indem er eine förmliche Festung hicrsclbst anlegte. Chri-stoph Römer hieß der Baumeister (von dem übrigens weitere Nach-richten fehlen), der 1560 den Bau der jetzigen Citadelle begann. DerChurfürst schrieb eine Steuer von 6006» Gulden an die Bewohner derMark dazu aus; doch der Bau ging, weil es stets am Gelde mangelte,langsam von statten. Im Jahr >568 trat ein anderer Baumeister,Franz Chiramella de Gandino ein. Er widmete dem Festungsbau seineThätigkeit bis l578; doch war sie damals noch nicht vollendet. Einanderer Italiener, Antonio, (Antonius in den Chroniken genannt)leistete ihm dabei Hülfe. Vollendet wurde der Bau jedoch erst unterdem Churfürsten Johann Georg, durch den Grafen Rochus Gaurinizu Lpnar, im Jahr 1583. Das italienische Fortificationssystem, be-kanntlich eines der Hauptsysteme, dem sich später erst das niederländischeund noch später das Vaubansche vervollkommnend zugesellte, ist auch dasin der Festung noch heut vorwaltende, zumal in den Profilen. Indessenhaben spätere Veränderungen und Verbesserungen manches anders ge-staltet, und den neuen Systemen und Erfindungen angepaßt, zumal inder besseren Regulirung der Flankenvertheidigung, und der Verminderungder sogenannten todten Winkel im Profil, so daß die Festung in derThat jetzt, obgleich auf so alten Grundlagen, eine sehr solide Konstruk-tion hat, und sowohl durch diese, als auch durch ihre sehr günstige Lage,die wegen der Sümpfe und Wasser die sie umgeben, jede Annäherungsehr erschwert, ungemein vertheidigungsfähig ist. So urtheilte auchNapoleon im Jahre 1866, der darüber äußerte, er würde diesen Ort,der für die Deckung der Hauptstadt von so großer Wichtigkeit, und sovortrefflich gelegen sei, zu einer der Hauptfestungen des Landes machen(ungefähr in der Bedeutung wie Modlin zu Warschau, das Napoleonanlegte), und sich verwunderte, daß ein Feldherr von solchem Scharfblickwie Friedrich der Große, diesem Platz nicht mehr Werth beigelegt habe. —Die Citadelle liegt westlich von der Stadt, ganz abgesondert, — dreiSeiten von breitem Wasser umgeben; die Stadt erhielt erst lti3I ordent-liche Festungswerke, wo der dreißigjährige Krieg das dringende Bedürf-niß dazu heraus stellte. Indessen ist Spandau manches Jahr hindurcheine starke Festung gewesen, ohne eine Belagerung aushalten zu dürfen.In einem Werke über Spandau vom Jahr 1784 konnten noch die Wortestehn: „Die Festung ist noch niemals von feindliche» Kriegsvölkernerobert, oder nur belagert worden, doch wurde sie im 36jährigen Kriegeeine Zeitlang von fremden Truppen besetzt." Selbst der siebenjährigeKrieg, wo die russischen und österreichischen Heere bei Berlin vordrangen,führte für Spandau keine Belagerung herbei. Erst den Kriegsstürmen
dieses Jahrhunderts war es vorbehalten, der Festung diesen Kranz derJungfräulichkeit vom Haupt zu reißen, und zwar, ein eigensinniges Ge-schick, es sollte durch die eigenen rechtmäßigen Besitzer geschehen.Preußen belagerten und erstürmten die preußische Festung! Wer hätteihr das bei ihrer Anlage voraussagen wollen! — Aehnlich wie dieFestungen Magdeburg, Küstrin, Stettin u. s. w. war Spandau im Jahr>806 den Franzosen übergeben worden, ohne eine Belagerung auszu-halten. In dem allgemeinen haltlosen Zusammensturz jener traurigenZeit stürzte es mit, wie sicher es auch auf eigenem Grund und Bodenhätte stehn, und wenn nichts, doch die Ehre retten können. Gleichandern preußischen Festungen blieb es auch nach dem Frieden von Tilsitverpfändet, und war von französischer Garnison besetzt, als der Kriegdes Jahres >813 ausbrach. Die französischen Truppen gaben da dasBeispiel dessen, was die heimathlichen sieben Jahre früher hätten thunkönnen und sollen, wenn sie von entschlossenen Führern geleitet wordenwären. Obgleich die Heere des Kaisers das ganze Land geräumt hat-ten, räumte die Garnison von Spandau ihren Posten nicht. DieFestung mußte regelmäßig belagert werden. Und jetzt zeigte sich's, wiestark sie war! Denn obgleich sie nur eine schwalbe Garnison hatte,der die Einwohner durchaus feindlich waren, obgleich den Belagerernalle nur mögliche Vortheile zu Gute kamen, durch die genaueste Kennt-niß der Festung und des Terrains umher, dadurch daß die Belagerungin einem befreundeten Lande geführt wurde, welches dem Belagerungs-corps jedweden Vorschub an Verpflegung gewährte, und obgleich derbegeisterte Aufschwung des ganzen Volkes natürlich auch seine mächtigenSchwingen dem Muth und der Ausdauer des Belagerungscorps unter-breitete, so dauerte es doch zwei volle Monate, bevor die Festung fiel.Denn am 24. Februar hatte das Hauptheer der Franzosen Berlin ver-lassen, und erst am 2g. April siel Spandau, das von jenem Tage anmit seiner kleinen Garnison völlig isolirt war. — So lange hatte alsodie Festung die Kräfte eines ansehnlichen Belagerungscorps beschäftigt,das mithin nicht zum Hauptheere stoßen konnte. Da das nämliche inWittenberg und andern Festungen der Fall war, so läßt sich denken, wieviel stärker am 2. Mai, dem Tage von Groß-Görschen und Lütze», daspreußische Heer gewesen sein müßte, wenn es alle seine Belagerungscorpszur Verstärkung hätte heranziehen können! Die Schlacht wäre vielleichtgewonnen worden, und die Freihcitssonne für Deutschland ein Jahrfrüher in Paris aufgestiegen! — Und wie, vollends, hätte im Jahre>866, wenn das große, gewaltige Magdeburg, wenn Spandau, Küstrin,Stettin, u. s. w. ihre Pflicht so gethan hätten, wie das kleine Colberg!Preußen hätte die Möglichkeit gehabt seine Kräfte zu sammeln, die Ver-stärkungen Nußlands heranzuziehen, die wankenden EntschließungenOesterreichs durch mannhaften Widerstand für sich zu gewinne»! Lassenwir diese Betrachtungen, die sich auf schmachvolle Wunden des Vater-landes richten, da wir den Blick auf so viel ehrenvolle Narben rich-ten können, die es in späteren Kämpfen davongetragen. Die BelagerungSpandaus im Jahr 1813 gehört auch dazu! Sie war nicht leicht, denndie Kriegs-, Ruhm- und Ehrgewohnten Franzosen vertheidigten sich hart-näckig. Der Muth unserer jungen Truppen wurde hier geprüft, machteseine Vorstudien, übte sich in Kriegsstrapazen und Gefahren ein. Ber-lin machte die Belagerung gewissermaßen freiwillig mit. Tag undNacht strömten Tausende von Berlinern hinaus, um von den rings umdie Festung, nicht ganz außer Schlußbereich gelegenen Höhen, das un-gewohnte Kriegsschauspiel mit anzuschauen, oder den Truppen durchZuführung von Lebensmitteln, Branntwein, Taback, durch befreundetenZuspruch, und je nach dem es fiel, auch durch lauten Jubelruf bei ein-zelnen Vorfällen, glücklichen Schüssen, wackern Gefechten beim Ausfall,u. s. w. den Muth zu erhöhen. Das Volk bildete gewissermaßen dieReserve des Belagerungs-Heeres. Jede Operation, jede Anlage einer neuenBatterie, jedes Demontiren eines feindlichen Geschützes, wurde mit die-sem Antheil begleitet, der natürlich den Muth und die Lust der Soldaten,durch Anregung des Ehrgeizes steigerte. In diesem Sinne hatten dieBewohner Berlins Vieles mit zum raschere» Fortgang der Belagerungbeigetragen. Es erhöht nicht nur den Muth, sondern auch die Kräftedes Kriegers, wenn er sieht, daß seine That gleich lebendigen Antheilfindet, und er dabei die Zuversicht hat, daß es ihm an der besten Pflege,