Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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derbens nachzustürzen, der doch nicht mehr zu schließen noch zu ver-stopfen ist! Er geht in das gestellte Truggcwebe, und verläßt mit seinenLeuten das Haus, da ihm freier Abzug bewilligt ist. Nun stürzt dieRotte in das Waffenheiligthum der preußischen Ehre ein, und raubt dieWaffen, die zur Vertheidigung des Vaterlandes dienen sollen, eben sowie die welche seit Jahrhunderten ruhmvoll erobert, und als Trophäendort aufgestellt sind. Nicht um sich zu bewaffnen, wie die Parthei derLüge, der Demokratie, es später vorgab, und dem Volk die Ausübungeines lang vorenthaltenen Rechtes dadurch zuerkennen wollte: nicht derVolksbewaffnung halber brachen die Massen ein, sondern des gemeinenRaubs- und Diebstahls halber. Wäre es der Bewaffnung wegen ge-wesen, so hätte man die Infanterie-Gewehre, und diese in Masse genom-men, sie einer dem andern zugereicht dann wäre das Gebäude, wiebei der Bewaffnung der Bürgerwehr, schnell geräumt gewesen. Alleindie Massen, denen sich die Mehrzahl der späteren Steuerverwei-gerer bedienten, um alle Bande der Ordnung und des Gesetzes zulösen, waren von der Art, daß sie nicht einmal auf einen solchen Um-sturzgedanken, wie die allgemeine Bewaffnung, einzugehen fähig waren,sondern nur den der allgemeinen Plünderung fassen konnten. Daherwurden denn auch die geraubten Waffen (denn selbst Fahnen und andereStoffe und Geräthe, wenn nur Gold daran befindlich war oder zu seinschien, wie Stickereien, Borten u. dgl.) sogleich wieder verkauft, undmit dem Eigenthum des Staates, mit den durch Blut und Thaten derVorältern erworbenen Denkzcichen des Sieges, der schnödeste Handel inden Straßen getrieben. Das Unheil war denn geschehen; weder dieSchaar der Handwerkervereine, noch die der bewaffneten Studenten, hatteden hinlänglichen Widerstand geleistet. Mehrere Abtheilungen derBürgerwehr waren zum Theil freiwillig auf eigene Hand, ohne Befehlvom Kommando erhalten zu haben, angerückt, weil sie muthige undehrenhafte Führer hatten, und auch ein Kern von solchen Mannschaftenin ihnen steckte. Allein sie hielte» dennoch nicht Stand, sondern als esauf dem Kampfplatz zur That komme» sollte, zerfielen sie in sich selbst,und ließen ihre Führer im Stich. Denn so traurig war (auch ein Werkder Demokratie) die Bürgerwehr von Anfang an zusammengesetzt, undspäter mehr und mehr in diesem Sinn bearbeitet, daß ein Theil derLeute geradehin es mit den Aufrührern hielt, ein anderer wenigstensum keinen Preis wollte, daß durch das Militair weder die feste Ord-nung und Gesetzlichkeit hergestellt würde, ein dritter endlich in derScheu vor dem Terrorismus der sogenannten Volksparthei, es mit die-ser nicht verderben mochte, und daher sich stellte, als gehöre er zu ihr,während er sie im Innern tief verwünschte. Mindestens wollte er nichtsgegen diese unternehmen, und am wenigsten der AnklageBürgerblutvergossen zu haben" ausgesetzt sein, welche die Demokraten, auch in derKammer, sogleich mit furchtbarem Geschrei erhoben, sobald gegenüber einemaufrührerischen und plündernden Haufen die Waffengewalt zur Rettungder übrigen, friedlichen Bürger und der Ordnung überhaupt, gebrauchtwurde. Das oben erwähnte Beispiel von der Plünderung des Hausesjenes Bürgerwehroffiziers, den man fälschlich anklagte Feuer komman-dirt zu haben, konnte auch abschreckend genug wirken, selbst für tapfereMänner, die, während sie unter Waffen standen, ihre Häuser und sonstigenBefitzthümer in der Stadt, und in diesen Frau und Kinder schutzlos derWuth der Menge preisgegeben wußten, falls diese ihre Rache gegen die-jenigen, welche Ordnung und Gesetz herstellten, auslassen wollte.Genug, die traurige Thatsache war die, daß die Mannschaften, deren

Führer vorwärts kommandirten, und voran schritten, hinter ihnen ab-fielen, sich zerstreuten, oder daß sie, statt anzugreifen, weiße Tücher aufdie Bajonette banden, um sich, nicht als Gegner, sondern als Freundeanzukündigen, die nur Parlamentiren wollten!

So schwoll denn die Woge der Unruhe und des Aufruhrs immerhöher, und Alles schien in allgemeiner Rathlosigkcit dem Unheil Preisgegeben. Jetzt erst, da die Kunde zu den Truppen gedrungen war, daßdie Besatzung kapitulirt und das Zeughaus verlassen habe, daß diesesvon den Aufrührern erfüllt sei, daß die Waffen geraubt, die Fahnenherabgerissen, daß Alles zerstört und verheert werde, jetzt erst glaubteman sich berechtigt einige Kompagnien abzusenden, um das wichtigsteDepot für das ganze Heer zu retten. Nun aber zeigte sich's auch, wiejammervoll neben der Nichtswürdigkeit zugleich die Schaaren waren,welche die Plünderung verübten. Denn vor zwei Kompagnien flüchtetedas ganze Volk" (nach dem Begriff der Demokraten), das Zeughauswar im Umsehen wie gefegt; einige wackere Mannschaften der Bürger-wehr schloffen sich zwar den Truppen an, allein sie hatten keine schwerereArbeit, als mit Kolbenstößen, ja mit Ohrfeigen das Gesindel (auch vieleBuben von 1415 Jahren fand man darunter, die ersten Barrikaden-bauer Berlins) hinauszujagen, welches wie Spreu vor dem Windedavon stob, viele so in Angst daß sie aus den Fenstern sprangen.

Der materielle Schade war so beträchtlich nicht. Es warennur einige tausend Gewehre genommen, und eine Anzahl Ehrenwaffenund andere, werth volle Gegenstände abhanden gekommen; doch dieMehrzahl erhielt man wieder, indem sie theils freiwillig zurück geliefert,theils überall wo man deren fand, in Beschlag genommen wurden.Meiftcntheils schon in dritter Hand, da die Plünderer sie sofort fürwenige Groschen verkauften, weshalb einige praktische und ehrenhafteMänner auch Alles zusammenkauften, dessen sie habhaft werden konnten,um es für den Staat zu retten. Der Verlust also war, wie gesagt,gering. Aber es war ein Tag der Schmach, wie die Geschichte desVaterlandes kaum einen zweiten aufzuweisen hat. Eine Entweihung derEhre durch Selbstbefleckung, eine Niederlage die die eigenen Söhne desVaterlandes demselben bereiteten, ein Tag viel schmachvoller als dervon Jena, und nur durch Zufall durch die vollendete Niederträchtigkeitder Frevler, und weil später noch zur rechten aber äußersten Zeit dieErmannung der Besseren erfolgte, minder verderblich in seinen Folgen.Gewiß aber thun wir wohl, uns beim Anblick des Zeughauses, bei sei-ner edlen Pracht, bei dem stolzen Waffenschmuck den es trägt, bei demZeugniß, welches es von den Tagen des Glanzes und Ruhmes unseresVaterlandes giebt, auch dieses Tages der höchsten Entwürdigung immerlebendig zu erinnern, damit er nie, nie wiederkehre. Das sei dieernste aber unabweisbare Betrachtung mit der wir von dem edlen Bauscheiden, das sei die Erinnerung die Jedem der ihn betritt mit erwache,bei den Gefühlen des Stolzes und der Freude, mit denen er sich hiererfüllt. Denn wie Vieles auch mit der Hülle der Vergessenheit bedecktwerden darf. Einiges muß ewig im Gedächtniß bleiben, muß ewig mitheißer Schamröthe auf der Stirn brennen, damit es nimmer, nim-mer wiederkehre! - Eine Jungfrau muß des Augenblicks, wo sie ihreEhre einbüßt, ewig gedenken, weil ihr ganzes Leben eine fortdauerndeSühne desselben sein soll; so Preußen des Tages wo seine Ehre amtiefsten stand, weil es die Pflicht hat, sie fort und fort wieder her-zustellen!

S p a n d a u.

Spandau, welches wir hier von der Südseite vor uns sehen, isteine der ältesten Städte der Mark Brandenburg. So wenig wie vonBerlin läßt sich eine genaue Zeit der Gründung bestimmen, doch darfman annehmen, daß es ziemlich gleichzeitig mit demselben geboren und

! gewachsen sei. Also etwa um die Mitte des 12. Jahrhunderts. ImJahr 1197 wird die Stadt schon in einer Urkunde genannt. In denfrühesten Zeiten war Spandau nicht unbeträchtliche Zeit hindurch muth-maßlich größer als Berlin, doch durfte dies von Anfang des 15. Jahr-