Seite zwei allegorische Bildsäulen von Hlllot, welche die kriegerischenKünste und Wissenschaften, Rechenkunst, Geometrie, Mechanik und Feuer-werkerei darstellen. Außer der Hauptgruppe von Schlllter im Frontispizhat das Gebäude noch zwei andere Gruppen auf jeder Seite der steiner-nen Brüstung der Hauptfront, welche Mars und Bellona darstellen,auf reichen Waffentrophäen ruhend, und von besiegten Sklavenumgeben. —
Diese Grundzüge mögen hinreichen, uns die Außenseite des Ge-bäudes von der Hauptsront zu charakterisiren. Selten wird ein archi-tektonisches Werk zugleich so reiche Skulpturen darbieten, und das Augeauch von dieser Seite her so fesseln, so anziehend beschäftigen.
Inzwischen ist das Innere des Baues vielleicht noch merkwürdiger,eigenthümlicher und imponirender als seine Außenseite. Wir betretenzunächst den Hof, zu welchem der gewöhnliche Eingang von der hinternFront aus führt. Derselbe ist nicht sehr groß, aber doch genügend, undim richtigen Verhältniß zur Architektur. Hier erblicken wir über den 2lFenstern welche ihn umgeben, eben so viele Larven, welche sterbendeKrieger darstellen sollen. Dies sind die berühmten SchlüterschenLarven, vielleicht das Höchste was er in der Skulptur geleistet. JedesAntlitz hat einen eigenthümlichen Ausdruck, und doch jedes den dervollsten Wahrheit des Schmerzes, und obwohl die Züge überall schondurch den hereinbrechenden Tod beherrscht werden, so ist doch selbst indiesem krampfhaften Ausdruck des letzten Kampfes überall ein solchesMaaß beobachtet, daß das Gesetz der Schönheit nirgend durch dasder Wahrheit verletzt wird, sondern neben dem treuen Spiegel der hin-sterbenden körperlichen Natur, sich ein Ausdruck, ein Adel des Geistesbewahrt, welcher den kriegerischen, den heroischen Charakter der Köpfebekundet. Es sind eben so viel sterbende Helden. Selten geben sich dieBeschauer die Mühe, diese reiche Gallerie die sie hier umgiebt, mit derAufmerksamkeit zu betrachten, zu studieren, die sie verdient! —
Glänzender, und für den ersten Eindruck viel mächtiger, ist freilichder Anblick der innern Säle des Zeughauses, in denen sich die eigent-liche Bestimmung desselben, die Aufbewahrung der Waffen erfüllt. DerBau hat eigentlich nur zwei Säle, einen im Erdgeschoß, und einen imoberen Stockwerk, welche rings um das ganze Viereck, ohne Zwischen-mauern laufen, deren Decke aber durch eine große Zahl von Säulengestützt ist. Es ist der obere Saal, den man vorzugsweise zu betrachtenhat. Der untere enthält zwar für den Zweck eben so wichtige Gegen-stände als: Kanonen, Haubitzen, Mörser, Feld-, Festungs- und Wall-geschütze aller Art, ferner Wagen, Maschinen, Eisenmunition u. s. f.;doch für das Auge ist die Waffenaufstellung im zweiten Stockwerk,die aus Gewehren, Säbeln, Schwerdtern, Lanzen, Fahnen, u. s. w. be-steht, bei Weitem anziehender. Diese ungeheuren, blinkenden Waffen-massen sind nämlich hier in der imponirendsten, und zugleich kunst- undgeschmackvollsten Anordnung aufbewahrt. Die Gewehre bilden in un-absehbaren Linien, und mehreren Etagen über einander, lange blinkende,eherne Mauern; eben so, nach Umständen die Einförmigkeit jener unter-brechend, die langen Spieße, Säbel u. s. w. An andern Stellen sind allediese Waffen zu ehernen Thürmen um die Pfeiler geordnet; noch ananderen hat man Gruppen daraus gebildet, welche die langen Mauernals vorspringende oder überragende Verzierungen unterbrechen, und durchFahnen, Helme, Trommeln, und ähnliches Kriegsgeräth eigenthümlicheverzierende Zusätze erhalten. Es befinden sich in diesen Räumen nichtnur solche Waffen, die zum Kriegsgebrauch für die Armee aufbewahrtwerden, sondern auch in großer Anzahl ältere, die durch Formen undGebrauch eigenthümlich, durch Schönheit und Reichthum der Arbeit aus-gezeichnet, oder durch historische Beziehungen denkwürdig sind. Sie sindnach und nach aus den verschiedenen in der Stadt und im Staat ver-einzelten Sendungen, den Rüstkammern u. s. w. hieher gebracht worden.Hat das Auge sich daher an dem Prachtanblick des Ganzen gesättigt,so bleibt ihm noch ein unerschöpfliches Material für die Einzelbetrachtung.
Der Eindruck dieses Waffcn-Zauberpallastes, so kann man ihn wohlnennen, wird getragen und erhöht durch die mächtigen architektonischenRäume. Den Kernpunkt des Ganzen aber bildet die im Mittelpunkt,dem Hauptportal, belegene Halle, wo wir, richtig geführt, uns in über-raschender Plötzlichkeit vor dem kolossalen ehernen Standbilde Blüchers
(ein Abguß der Rauchschcn Bildsäule) befinden, die hier, gleichsam ineiner hohen Waffen-Tempelhalle hin gestellt ist. — Einen glücklicherenPlatz für einen gefeierten Volkshelden, als hier, inmitten aller Waf-fen, die den geschichtlichen Kriegsruhm seines Landes theils als erobertverkünden, theils ihn, für das Heer bestimmt, in tapferer Führung der-selben aufrecht erhalten sollen, dürste man kaum auffinden können. —
So böte denn uns das Zeughaus von außen wie von innen dielohnendsten Gegenstände der Beschauung dar. —
Kein Punkt der Hauptstadt ist aber geeigneter, eine geschichtlicheBetrachtung daran zu knüpfen, gebietet es, möchten wir fast sagen, sounablässig als dieser. Leider wird uns dabei neben manchen stolzenErinnerungen, auch eine der tiefsten Trauer und Erschütterung ergreifen,der sich eine edle Schaam über das Geschehene gesellen muß. Es istdie an den frevel- und schmachvolle» Zeughaussturm des unseligenJahres 1848!
Wir haben beim Anblick des Zeughauses der zahlreichen Trophäenzu gedenken, mit denen unsere tapfern Feldherrn und Könige, unsertapferes kriegerisches Volk sie bezeichnet. Den Stamm seiner Schätzebildete das alte, heilige Erbe ruhmgekrönter Väter, bis zu dem großenKurfürsten hin. Auch die nächstfolgenden Regierungen erwarben ihmmanches Ehrenzeichen, doch vor allen füllte der große Friedrich es mitglänzenden Trophäen. Gehen wir über das hin, was es an kriegerischemGlanz darbietet, und gedenken wir hier einer ganz abweichenden Be-stimmung, der es in jüngster Zeit geweiht wurde, und dadurch nebender kriegerischen Verherrlichung auch eine der glänzendsten des Frie-dens erhielt.
Im Jahre 1844 nämlich, wo die große GeWerbeausstellung i» Ber-lin statt fand, eigentlich die erste die es nach einem kleinen, fünfzehnJahre früher gemachten Versuche, gesehen, und die auch die Industrienicht nur des ganzen Staats, sondern vieler Theile Deutschlands undEuropas vertrat: fand man nach langer Berathung und Wahl keineGattung der vielfältigen großen Räume der Hauptstadt geeigneter zudiesem Zweck, als gerade die des Zeughauses. Und so wurde, einehöchst eigenthümliche, aber doch natürliche Kombination, die Waffen-Halle ausgesucht, um die Erzeugnisse des friedlichen Fleißes auf-zunehmen; es wurde der Friede mit allen seinen Segnungen gewisser-maßen unter den Schutz dieser Ehrfurcht gebietenden bewaffneten Machtgestellt, den Grundsatz symbolisch ausdrückend:
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Das Zeughaus wurde aber dabei doch seines kriegerischen Schmucksnicht beraubt, sondern nur im untern Geschoß durch Entfernung derunrüstigen Wagen, Lafetten, Geschütze, Raum für die großen Pro-duktionen der Industrie, wie Maschienen, u. f. w. (Lvcomotiven z. B.)geschaffen, die dort am geeignetsten standen, auch zum Theil in einoberes Geschoß gar nicht zu bringen waren. In diesem aber bliebendie Waffen; ihre funkelnden Reihen wurden mit zur Erhöhung desprachtvollen Glanzes des Ganzen verwendet, und so sinnreich, daß da-durch die wunderbarste Wirkung erzeugt wurde. Zwar waren sie theil-weis verdeckt und verschleiert durch Teppiche oder leuchtend farbigeStoffe in Seide, Baumwolle, Wolle, oder durch Geräthe des Lurusaller Art; allein an geeigneter Stelle blinkte immer wieder die eherneMauer hindurch, oder erhob sich, wie eine stolze Eiche im niedern Walde,eine strahlende Waffentrophäe und schien zu sagen: „Wir werden gegenjeden Angriff schützen, was uns der Fleiß des Friedens anvertraut."Und mitten unter diesen Schätzen des reichsten Lurus stand der alteFeldherr, das eherne Schwert in der Faust, schaute funkelnden, freudigenBlicks umher, und schien stolz zu sagen: »Diesen Reichthum habe ichEuch erobert! Ich bürge Euch, daß ihn Euch Niemand nehmen soll!"
Und dennoch kam der Tag!
Es war der l4. Juni des Jahres 1848, jenes verhängnißvollenJahres des Unheils, wo unter der verzerrten Larve der Freiheit in halbEuropa brennende Herrsch- und Ehrbcgier, Zügellosigkeit, Anarchie, dieDrachenhäupter erhoben, und Gesetz und Gesittung gleich bedrohten, —es war der 14. Juni jenes verderbenvollen Jahres, welches diesem stolzenBau, diesen reichen Trophäen preußischer von den edelsten Vätern über-kommenen Ehren, die tiefste Schmach bereitete. Die neun Monate, vom