nordischer Porphyr. Wir finden Säulen aus jedem dieser Stoffe. DieHand der ausgezeichnetsten Kunstler und Handwerker in allen Richtungenist bei dem Bau beschäftigt worden. Von den schönsten Malereien anbis zur Tischlerarbeit ist überall das Meisterhafte, das Vollendete an-gebracht. Der Bau, in einem großen Sinne als Ganzes von demschaffenden Meister, Stüler, gedacht, ist eben so sorgsam vollendet inden Details, und die Ausführung überall den ausgezeichnetsten Kräften,über die man gebieten konnte, anvertraut. So wird er aber auch eindauerndes Denkmal des hohen königlichen Kunstsinns, der ihn ins Lebenrief, und für Jahrhunderte ein Stolz und Schmuck der schönen Resi-denz bleiben. Ueberhaupt wird jetzt in derselben so viel des Neuen,Schönen, Prachtvollen geschaffen, daß sie auch in dieser Beziehung denRang einer Weltstadt einnimmt, zuverlässig den einer künstlerischenHauptstadt ersten Ranges behauptet, und eben so gut künftig nur des-halb Tausenden zum Wallfahrtspunkte dienen wird, wie München. Diegroßen Kosten, wenn sie auch noch Millionen erfordern, welche in dieseAnlage verwendet sind, werden sich also auf andern Wegen reichlich er-setze», durch den viel volleren Strom des Fremdenverkehrs, der derHauptstadt sein Gold in den Schooß führt. Nicht zu gedenken, daßauch ohne einen solchen Ersatz die hohen Geldmittel, die an solche Werkegewandt werden, nie verschwendet sind, da sie Tausenden Arbeit undErhaltung gewährten, die ohne solche Unternehmungen zum fruchtlosenMüssiggange, vielleicht zu herbem Mangel verurtheilt waren. Wie rich-tig diese Annahme ist, beweist sich dadurch, daß gerade in dem Jahr destiefsten Unglücks, der tiefsten Schmach, wo man besorgen mußte, daßeine hereinbrechende Barbarei, aus entzündeten Leidenschaften der Massehervorgehend, auf lange Zeit alle höheren Schöpfungen der Künste desFriedens zerstören, wenigstens hemmen würde: daß gerade in diesemJahre alle Kräfte daran gesetzt wurden, die Mittel zur Fortführungdieses LurusbaueS nicht stocken zu lassen, weil sonst Hundertc von recht-lichen Familien, ja von Künstlern, bis dahin in den wohlhabendstenVerhältnissen, geradehin dem Elende Preis gegeben wären. Das Gold,
was die verführende Bösartigkeit der Demokratie den Thronen sort-dauernd vorwirft, ist also gerade der ernährende Quell desArbeiters, statt dessen aussaugender Vampyr zu sein, wie es vernunft-beraubter Fanatismus oder bewußtes, selbstbegehrliches Trachten darzu-stellen versucht!
Wir gehen nun von dem Museum quer durch den Lustgarten überdie Schloßbrück c, den eigentlichen Gegenstand unseres Bildes. Ueberdiesen aber haben wir nur wenige Worte zu sagen, da er sich hierschon dem Auge besser darstellt, als es durch eine Beschreibung möglichwäre. Die Brücke schlägt sich in zwei großen Bogen über den Fluß;sie ist lvOFuß breit, so daß sechs Wagen bequem nebeneinander darüberhinfahren können, und I5i> Fuß lang. Sie hat ein sehr schönes me-tallenes Geländer zwischen großen polirten Granitblöcken, die zu Posta-menten für Gruppen der Bildhauerkunst dienen solle», welche indeß dervorige König, unter dem Schinkel das Werk schuf, nicht ausführen ließ.Jetzt ist jedoch die Vollendung derselben beschlossen, und die Arbeitenschon an die ausgezeichnetsten Künstler vertheilt. —
Eines historischen Momentes, der dieser Stelle eine traurige Be-deutung gegeben hat, müssen wir jedoch noch gedenken. Am Tage, wounsere jetzige verehrte Königin, Elisabeth, als Jung-Vermählte inBerlin einzog sl823 am 29. Novbr.), entstand, durch hier nicht näherzu erörternde, falsche Maaßregeln oder Mißverständnisse, auf einerneben dieser damals noch unvollendete» Brücke errichteten Laufbrücke,Abends bei der Illumination ein furchtbares Gedränge, in dem etlicheund zwanzig Menschen theils erdrückt wurden, theils im Fluß den Todfanden, indem sie hinabgedrängt wurden, oder freiwillig sprangen, weiler den einzigen verzweiflungsvollen Ausweg der Rettung darzubietenschien. Der Verfasser dieser Zeilen war mitten in diesem Gedränge,mußte selbst den Sprung hinab thun, blieb aber durch glückliche Um-stände ganz uuversehrt. Doch die Erinnerung an diesen Augenblick,an die entsetzenvollcn Stimmen hülferufenver Angß der Frauen, wirdihm unvergeßlich bleiben! —
Pas Zeughaus.
Dieses imposante Gebäude, eines der schönsten Berlins, ist nicht, !>wie man häufig im Publikum hört und annimmt, von Schlüter er-baut, sondern nach den Grundriffen von Ncring lKSZ angelegt. Dieserstarb jedoch schon in demselben Jahre, und, wie es zu gehen pflegt, sowurden seine Entwürfe durch seinen Nachfolger abgeändert. Es warde Bodt, der den Bau weiter förderte, und ihn im Jahr 1796 in sei-ner jetzigen Gestalt vollendete. Er bildet nunmehr ein nach allenSeiten freistehendes, regelmäßiges Vi er eck, während es früher im Planwar, es in der Hinteren Front abzurunden, und es mit einer, jetzt weg-gebliebenen hohen Attika zu versehen, auf deren Wandflächen imReliefdie Thaten des großen Kurfürsten abgebildet werden sollten. DieseReliefs würden Schlüter, der schon die Grund-Idee dazu entworfenhatte, zugefallen sein, und wir hätten dann vielleicht ein Kunstwerk derArchitektur und Skulptur zugleich erhalten, in welchem die letztere eineben so wichtiges Feld behauptet haben würde, als die erste. Inzwischenscheint nicht nur Schlüters Rath bet dem Bau benutzt zu sein, da seingroßartiger Sinn für Stil sich entschieden darin ausprägt, sondern erhat auch durch seine künstlerische Thätigkeit zur Ausschmückung desselbenin einer Weise beigetragen, die eigentlich der wahre Träger des Ruhmsdieses Baues geworden ist. Ohne uns auf die Schilderung der viel-fältigen Details einzulassen, die doch in der vorliegenden Zeichnung imkleinen Maaßstabe nicht erkennbar sein würden, und wohl in der un-mittelbaren Anschauung eines Bauwerks anziehend sind, nicht aber inder Beschreibung desselben, wollen wir dem Leser doch eine Uebersichtder Hanptverhältnisse geben. Der Bau bildet, wie gesagt, ein Viereck,dessen Seite 289 Fuß lang ist, dessen Höhe in der Hauptlinie sdie her-vorragenden Spitzen der verzierenden Trophäen sind nicht mitgerechnet)60 Fuß beträgt. Die Hauptfront ist die uns hier zugewendete, welchenach dem Zeughausplatze liegt, gerade dem königlichen Palais gegenüber,in einer Entfernung von etwa lZg Fuß von demselben, so daß der freie
Raum die schönste Anficht des Baues gestattet. Auch die beiden Seiten-fronten sind noch so gelegen, daß sie dem Beschauer vortheilhaft insAuge springen. Der linke Flügel liegt nach dem Lustgarten hinaus;ein Hauptarm der Spree, kanalartig in steinerne Mauern gefaßt, und denauf beiden Seiten Baumgänge schmücken, zieht sich daran hin. DieArchitektur erscheint somit hier von den äußeren Standpunkten aus halbdurch Laub verdeckt, was zur malerischen Erhöhung der Wirkung vielbeiträgt. Das nämliche ist mit dem rechten Flügel der Fall, der nachdem sogenannten Kastanienwäldchen und der neuen Wache hin sich wen-det; nur ist hier kein so vortheilhafter Standpunkt für die Totalansichtzu gewinnen. Ganz verdeckt ist die Hinterfront, indem sich an diesernur eine schmale Gasse hinzieht, welche gar keinen Anblick des Gebäudesgestattet. Es liegen dort andere, zum Zeughause gehörige, unscheinbareBaulichkeiten, die sich dem alten Gießhause, einem massenhaften geschmack-losen Bauwerk anschließen, welches diesen Raum hinter dem Zeughauseeinnimmt. In der Hauptkonstruktion sind die vier Fronten einandergleich, nur ist die vordere an dem Haupteingange mit vier dorischenSäulen geschmückt, welche ein Frontispiz tragen, in dessen Giebelfeld sichein herrliches Basrelief von Schlüter befindet, welches die Minerva,von gefesselten Sklaven umgeben, darstellt. —
Der Bau hat zwei Stockwerke; ein nur sehr sanft gehobenes Zink-dach, welches rings von einer steinernen Brustwehr umgeben ist, so daßes dem Beschauer nicht sichtbar wird, deckt ihn. Mit der Brustwehr auf denZinnen korrespondirend, ist er am Fuß von einer Reihe eherner Pfeiler,welche die Gestalt von Kanonenröhren haben und durch starke Kettenverbunden sind, umzogen. Die unteren, bogenförmigen Fenster sindjedes durch einen darüber angebrachten, mit einem hohen Busch versehe-nen ehernen Helm geschmückt, was dem Ganzen ein sehr kriegerischesAnsehen giebt. Ueber dem Hauptportal befindet sich das Brustbild desErbauers, König Friedrich > ; neben dem Eingangsthor vier, zu jeder