erholen kann, von der künstlerischen Lurustafel an der uns das Vollen-dete schwelgen läßt. —
Zuvörderst nehmen wir den Treppcnraum in Anspruch. Er ist derimponircndste des ganzen Baues, und auch gleich in der Anlage dazubestimmt; daher befindet er fich in dem erhöhten Mittelbau, und reichtbis an das Dach des Gebäudes. Die Treppenstufen find von polirtemschlefischem Marmor gearbeitet, und steigen zwischen reich mit Werkender Skulvtur und Malerei verzierten Wänden auf. Ein geschmackvolleseisernes, vergoldetes Geländer läuft daran hinauf. In den Backen derTreppenabsätze befinden sich breite Friese mit Bas-Reliefs. Die Seitcn-wände der Trcppenhalle find in sechs gleiche Räume getheilt, welchedurch sechs große Bilder von Kaulbach, die er auch selbst ausführt,geschmückt werden. Es find: die Hunnenschlacht, die Kreuzzüge,die Reformation, der Thurmbau zu Babel, die ZerstörungJerusalems, und die Blüthe Griechenlands. Die Decke desRaums ist dachförmig, doch sehr sanft ansteigend, wie das Dreieck einesstachen Giebelfeldes; das Gebälk, kunstreich gefügt, prangt von denschönsten Malereien und reichen, schweren Vergoldungen. — AllegorischeBildsäulen schmücken die verschiedenen Absätze der Treppen, und andereTheile der Räumlichkeit, die überdies durch Säulen, Gesimse, undandere, die Einförmigkeit unterbrechende Verzierungen finnvoll getheiltist, so daß das Ganze dem Auge einen überraschende» Anblick harmoni-scher Schönheit, und schimmernder Pracht darbietet. — Das in dreiGeschosse zerfallende Gebäude beherbergt im unteren Raum die ägypti-schen Sammlungen, im mittleren die Bildwerke der Griechen, Römerund des Mittelalters, und im oberen die verschiedenartigen Cabinette,als die Kunstkammer (bis jüngst noch auf dem Schloß), die Münzen, dieKupferstichsammlung ». s. w. — Jeder dieser Räume ist in Ueberein-stimmung mit seiner Verwendung eingerichtet. Die unteren, für dasägyptische Museum bestimmten Säle find ganz in diesem Stil angelegt.Säulen, Inschriften (in Hieroglyphen), Malereien, Alles ist ägyptisch.Hier ist noch der Aegyptische Hof zu bemerken. Das Museum hatnämlich, wie das Schinkelsche, zwei kleine viereckige Hofräume, nur umden Sälen auch von andern Seiten als der Außenseite Licht zu ver-schaffen. Diese find hier mit Glas überdeckt, so daß fie wiederum zweibesondere Hallen bilden, welche durch alle Stockwerke des Baues reichen.Eine derselben ist der obengenannte ägyptische H o f, die andere heißt dergriechische, und ist noch unvollendet. Jeder dieser Höfe ist ganz demInnern eines Tempels der entsprechenden Völker gleich gestaltet. Indem schon vollendeten ägyptischen Hofe sehen wir eine völlig getreue,nur in den Maaßen verkleinerte Nachahmung des Tempels von Kar-nak. Riesige Säulen, von ungeheurer Stärke zum Verhältniß der Länge,mit ägyptischer Knaufvcrzierung, den Schaft ganz mit bunten hiero-glyphischen Bildern bemalt, ziehen fich rings um die Wände, und tra-gen die obere Abtheilung des Tempels. Zwei ungeheure fitzende, gra-nitne Götterbilder (Isis und Osiris) bewahren den Eingang; zweicolossale Widder von Granit, find zu den Füßen derselben einandergegenüber gelagert. Viele andere ägyptische Kunstwerke erfüllen dasInnere. In den Feldern zwischen den Säulen befinden fich die schönstenWandmalereien, theils ägyptische Landschaften, als Ansichten der be-rühmten Tempel, Pyramiden, der Insel Phile, u. s. w., theils Ornamentein ägyptischem Stil. Hieroglyphenschrift erblickt man überall; besondersaber in den Friesen, rings an den Tempelwänden. Hier hat auch Pro-fessor Lepsius eine Inschrift in modernen Hieroglyphen, von ihmselbst verfaßt, angebracht, welche den König als den Erbauer desTempels, in der Weise wie dies bei ägyptischen Denkmälern üblich ist,nennt. Auch die Vorhallen zu diesem Hose find ganz den Tempelhallenvon Karnak ähnlich, von schweren Säulen getragen, düster, mit ent-sprechenden Gemälden verschönert. — Von diesem Raum aus tretenwir in die zur Aufbewahrung der Sammlungen bestimmten Gegenstände.Wir wollen die zahlreichen einzelnen Säle nicht besonders? beschreiben;genug, daß fie alle von höchster Pracht, von ausgesuchtester Schönheitfind, doch sämmtlich im ägyptischen Stil, nachs;verschiedenen Zeitaltern,bis dahin, wo er fich mit dem römischen perschmilzt. Auch hier-findalle Felder an den Wänden mit Gemälden bedeckt, bei denen die Handunserer ausgezeichnetsten Künstler beschäftigt ist.
Steigen wir jetzt zwei Stockwerke höher, und besichtigen dieoberen, den verschiedenen Sammlungen gewidmeten Gemächer. DasMittelstockwerk, als das prachtvollste und schönste, wollen wir bis zu-letzt lassen. Die Einrichtung in dem oberen ist überall eine künstlerischgeschmackvolle, doch mehr eine gemüthlich ansprechende als prächtige. —Wandgemälde, Marmorgetäfcl, schöne Arbeit in den Decken, kostbareThüren (einzelne zum Preise von >8M Thlr.) u. s. w. Auch gewährenalle diese Zimmer eine herrliche Ausficht über den reichsten, schönstenStadttheil, und selbst über die Stadt hinaus. — Was die Sammlungenselbst anlangt, so sind fie größtentheils noch nicht aufgestellt, auch kön-nen darüber nur die Kataloge genauere Auskunft geben.
Im Mittelgeschoß werden wir von dem Reichthum und derSchönheit der Architektur, Skulptur und Malerei in wahrhaftes Stau-nen gesetzt- Wir treten zuerst in einen langen Saal, mit leichtgewölb-ter eassettirter Decke. Rings an den oberen Feldern der Wände sehenwir griechische Landscbaften; an der schmalen Wand, dem Einganggegenüber, das Giebelfeld des Tempels von Aegina mit seinen Bild-werken; um alle Wände laufend einen breiten Fries mit der Nach-bildung der äginetischen Reliefs.
Dieser Saal ist ausschließlich der Aufbewahrung rein griechischerKunstwerke geweiht. — Der nächst anstoßende heißt der Apollosaal;hier steht die Bildsäule des Apoll von Belvedere in einer Nische, ineiner andern die Gruppe des Laokoon. Wiederum ganz abweichendeAusschmückung. Jede Decke überhaupt ist anders cassettirt, gewölbt,oder vergoldet. In jedem Saal finden wir andere Säulen, von einerandern Gattung Marmor. — Der dritte Saal nimmt einen der beidenEckpavillonS des Gebäudes ein; er wird die südliche Kuppel genannt.Es ist ein wunderschöner Raum, hoch überwölbt, der sein Licht vonoben empfängt. Die Wände sind in grünem gesprenkeltem Marmorgehalten. Herrliche Caffetten, mit vergoldeten Theilungen, und da-zwischen die anmuthvollsten Deckengemälde, schmücken den Plafond. —Wir treten in den römischen Saal, ein großes Oblongum; dieGrundfärbung ist pompejanisches Roth. Die Decke ist leicht, zeltartigin Abtheilungen gewölbt. Dieser Saal hat vorzugsweise den Charakterder Pracht. — Der nächste Raum dagegen den der anmuthvollstenBehaglichkeit. Es ist eine kleine Vorhalle, die an den Treppenraumstößt. Wir erblicken weinlaubumrankte Nischen; die Decke wird vonschlanken Porphyrsäulen getragen. Der Raum soll zur Aufbewahrungvon antiken Thier-Abbildungen dienen. Der anstoßende Saal heißt derpompejanische, weil er nur pompejanische Kunstwerke enthalten wird.Er ist von Marmorsäulen getragen; die Wände mit dunkelgrünem, ge-sprenkeltem Marmor bedeckt. Ein Theil der Säulen ist in pompejani-scher Weise mit Malereien verziert. — Durch eine halbdunkele säulen-gestützte, überwölbte Halle gelangen wir in den zweiten Pavillon, dienördliche Kuppel, wo zwei riesige Steinbilder römischer Kaiser stehen.Von hier aus treten wir in eine Räumlichkeit, die wir mit zu denschönsten des ganzen Museums zählen. Es ist als ob sie eine heitereSchöpfung des hellenischen Genius selbst sei. Wir befinden uns nämlichin der Verbindungsgallerie welche das Schinkel'sche und dasneue Museum verknüpft. Sie schwebt auf gewölbten Bogen über derStraße, und besteht in beiden Seitenwänden fast nur aus Glastafeln.So gewinnt fie eine ungemeine Helle, und man hat rechts und linksden Blick auf schöne Architcktureombinationen der Stadt. Die zierlich-sten, schlankesten Säulen von blendend weißem, carrarischem Marmor,doch mit einem dunkeln Geäder durchfiochten, welches fich wie moos-artige Ranken um den Schaft zu schlingen scheint, tragen eine überausanmuthig geschwungene in lichtblaue Cassette» getheilte Decke. Dreidunkle Erzbildsäulen, im wunderbarsten Gegensatz zu dem Glanz undLicht ringsum, stehen schweigend in dieser heitern Halle, ohne jedoch indem Ernst ihrer Haltung jenen Zauber der Anmuth zu verlieren, deralle hellenischen Kunstwerke umduftet. —
Den Beschluß macht ein Saal für mittelalterliche Kunstwerke. —Das wären die Haupträume des wunderschönen Gebäudes.Das schönste Material aller Länder hat dazu steuern müssen; carrari-scher, florcntinischer, spanischer Marmor (aus den Pyrenäen) ist dazueben so verwendet, als vaterländischer (schlesischer und böhmischer) und