Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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Die S ch l c> ß l, r ii ck e.

Auf diesem Blatt befindet fich auch das neue Museum, unddieser Bau ist es, den wir näher ins Auge fassen wollen, als dieBrücke, welche dem Bilde Vordergrund und Uebcrschrift leiht, dasuns übrigens noch mehr der interessanten Baulichkeiten Berlins dar-bietet, die wir von hier aus betrachten mögen.

Das neue Museum wird unstreitig (denn noch ist es nicht vollen-det) schon an sich eines der prachtvollsten, erstaunenswürdigsten Bau-werke, welche die neuere Zeit hergestellt hat; der Fülle der Kunstwerkedie es in seinen Räumen auszunehmen bestimmt ist, gar nicht zu ge-denken. Es wird ein Bau der sich dem Reichsten was in Münchenins Leben gerufen ist, der Walhalla, genug allen Schöpfungen diesesJahrhunderts, entschieden an die Seite stellen kann, wenn er auch eine,von den beispielsweise genannten, verschiedene Richtung bezeichnet.

Er ist ins Lebe» gerufen, zunächst durch die Fülle der Kunstwerke,die fich, bei der großen Wärme des Interesses für dieses Feld mensch-licher Bildung und der einsichtvollen Kenntniß die der König FriedrichWilhelm IV- darin befitzt, schon zu einem solchen Grade gesteigert hat,und täglich noch mehr steigert, daß bereits längst die Räume desSchinkelschen Museums nicht mehr ausreichen, zumal wenn man auchdessen nicht vergessen wollte, was die so reich schaffende Kunst der Ge-genwart erzeugt. Deshalb war ein neuer Bau unerläßlich, wenn nichtdie Pflege der ganzen Richtung aufgegeben werden sollte, ein Frevel denwohl Niemand hätte auf sich nehmen wollen. Der König beschloßihn. der Geh. Oberbaurath Stiller, der geistvollste Architekt der Haupt-stadt, entwarf die Pläne, der Baumeister Hoffmann, ein trefflicherPraktiker und Techniker, leitet die Ausführung.

Was dem Bau fehlte, und noch fehlt, vielleicht für immer fehlenwird, ist ein seiner Bedeutung entsprechender Platz. Der Wunsch,welcher vielleicht nicht so starke innere Dringlichkeitsgründe hatte, dasneue Museum in die unmittelbare Nähe des alten zu bringen, hat über-wiegende Macht geübt, und man hat sich, da der Baumeister nun docheben keinen Platz schaffen kann, wo keiner vorhanden ist, mit einerLokalität begnügen müssen, die Vieles zu wünschen übrig läßt, wennman nicht ganz unverhältnißmäßige, kaum erlaubte Opfer bringen will,um auf fast gewaltsame Weise herzustellen, was sich natürlichnicht darbot.

In dieser Beziehung war Schinkels Combination ungleich glücklichergewesen. Inzwischen ist durch große Ankäufe, Wegbrecheu oder Bauten,geschickte Einfügung des Vorhandenen, aber nicht ohne einen Pfahl-grund zu legen, ganz wie beim älteren Museum, doch so viel gewon-nen, daß das Gebäude von einer Seite her vortrefflich zur Anschauungkommt, und auch der Vorplatz der dazu gehört, zu den schönsten derResidenz gezählt werden muß. Nach den andern Seiten werden frei-lich enge Gassen, oder bedeutende Baulichkeiten der freien Ansicht hin-dernd sein, und jedenfalls wird es zu sehr außerhalb des Compleresder übrigen schönsten Bauten Berlins liegen, um mit diesen in rechterGemeinschaft wirken zu können.

Betrachten wir nun den Bau an sich, so steht auch dieser, nachunserer Meinung, in seiner äußeren Construktion dem aus dem schöpfe-rischen Genius entsprungenen Gedanken, der sich in Schinkels Museumverkörperte, nach. Vielleicht ändert die völlige Vollendung des Bauesden Eindruck so, daß wir anderer Ansicht werden.

Das Gebäude bildet ein Oblongum, jedoch mit einigen vorspringen-den Theilen an den Flügeln und in der Mitte; der Mittelbau erhebtsich ansehnlich über die Umgebung. Die Länge der Front beträgt 3Z7Fuß, ist also bedeutend größer als die des Schinkelschen Museums; diegrößte Tiefe des Baues ist 128 Fuß, die Durchschnittshöhe 75 Fuß.Doch steigt der Mittelbau der das Treppenhaus enthält, welches mitbesonderer Sorgfalt zügelner Prachthalle bestimmt ist, bis zur Höhevon 100 Fuß aus. Die Hauptfapade wird an beiden Seiten durch zweimit Kuppeln überwölbte Pavillons begränzt. So gestaltet sich dennocheine sehr imposante Front, wenngleich wir in ihr die freie hellenischeSchönheit, diese reine Ausprägung des Stils, nicht finden, die Schinkel

seinem Bau zu geben gewußt hat. In andern Beziehungen gehörtderselbe aber wie gesagt, zu den merkwürdigsten, Pracht- und ge-schmackvollsten. Das Merkwürdige beziehen wir größtcntheils aufdie technischen Verhältnisse desselben.

Das Gebäude enthält in allen Stockwerken feuersichere Decken, ausleichten Wölbungen und eisernem Balkenwerk hergestellt. Die Kunst-werke welche diese Räume aufnehmen sollen, vor der zufälligen Zer-störung durch eine Feuersbrunst zu sichern, war eine Hauptpflicht, diemittelst dieser Anordnungen erfüllt wird. Merkwürdig ist es dabei, daßzu den Gewölben (deren auch solche von gewöhnlicher Construktionvorkommen) der aus Milliarden Infusorien bestehende Grund,dessen wir schon oben gedacht, verwendet worden ist, indem man Steinedaraus brannte, die zwar leicht, aber von außerordentlicher Festigkeitsind. Diese Infusorien sind nämlich sämmtlich Schaalthicre, und somitdürfte die auf diese Art erzeugte Masse einer Art Austernkalk gleichen.Viele Gewölbe sind aber auch aus hohlen Töpfen, (Wölb-Töpfe, wieim Braunschweiger Schloß) konstruirt. Das Dach ist mit Zink gedeckt.Die Heizung wird theils mit erwärmter Luft, theils mit Wasserdämvfenbewirkt. Von den Deckenkonstruktionen aus Eisen haben wir schongesprochen; das Eisen dazu wurde mittelst einer hydraulischen Pressegeprüft. Auf Vorzüglichkeit des Materials ist überhaupt mit besondererSorgfalt gehalten worden. So hat man nur die größcsten und bestenKalksteine aus den Rüdersdorfer Brüchen verwendet. Das Sou-terrain ist von Rathenauer Mauersteinen, den besten die unsereganze Gegend erzeugt, aufgemauert, und alle Mauern bis unter dasDach mit dergleichen Steinen vollendet. Von Sandsteine» nahm mandie aus den Postelwitzer Brüchen, bei Schandau in der sächsischenSchweiz, ebenfalls die besten der ganzen Gegend. Und weil der Sand-stein um so vorzüglicher und dauerhafter ist, je größer der Block, so sindnur Blöcke von außerordentlicher Größe verwendet worden, dergestalt,daß man die Säulen, Architrave u. s. w. alle möglichst aus einemStück hergestellt hat. Das Ganze ruht auf Sandsteinsäulen, die spä-ter mit Stuckmarmor verkleidet werden sollen. Genug auf allesTechnische des Baues, auf alles Praktische in der Ausführung ist diehöchste Sorgfalt verwendet worden; bis auf den Kalkmörtel herab, dervon der gewöhnlichen Methode abweichend, durch eine Maschine be-reitet wurde, und dem Mauerwerk muthmaßlich eine Festigkeit geben wird,welche derjenigen gleich ist, die uns an den Trümmern alter Burgen undKirchen in Erstaunen setzt, wo der Mörtel oft härter ist, als der Stein.

Einer solchen soliden Grundlage bedürfte es, um demjenigen, wasdem Bau an Schmuck und Schönheit angehört, eine Dauer zu sicher»,welche seine außerordentlichen Kosten und dem Glänze, auf den es beidemselben abgesehen ist, entspricht.

Das Aeußere des Baues sagten wir, ist nicht so schön, als dasdes Schinkelschen Museums. Allein das Innere ist dafür reicher,prachtvoller, als irgend ein Bau jenes Meisters; es entwickelt eine Fülleder Formen, Vergoldungen, Malereien, Ausschmückungen aller Art, diesich den Prachtkonstruktionen in München nicht nur an die Seite stellt,sondern sie großentheils noch überbietet. Schinkels Sinn strebte nurnach dem eigentlich Schönen, auf die Reinheit der Formen hin; dieAnwendung der Pracht lag ihm ferner. Wir finden sie nur selten inseinen Bauten und da auch nicht immer glücklich verwendet. Dennoch,bekennen wir, daß bei solchen Gebäuden auch der Glanz etwas ist,und wenn er sich mit dem Adel des Geschmacks vereinigt, die höchsten,staunenswerthen Wirkungen erzeugen kann.

Dies ist eben in dem Museum der Fall. Schon jetzt, wo dasWerk noch lange nicht vollendet ist (Julius 1851), wird man durchdie Schönheit, Würde, Eleganz und Pracht der Räume wahrhaft über-wältigt, und seit über zwei Jahren besuchen täglich Hunderte vonFremden und Einheimischen den Bau, um ihn in seinem Werden zubetrachten. In der That möchte, ist er erst vollendet, die Ueberfülle derEindrücke kaum so viel Genuß gewähren, als die jetzige Anschauung,wo man noch Vieles im Keime sieht, und sich in unvollendeten Räumen