Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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ren Lustgarten vergrößerte und verschönerte, während, wenn man dasGebäude auf dessen Territorium errichtet hätte, dieses natürlich um ein.Bedeutendes hätte beschränkt werde» müssen. Die Schwierigkeit bestandhauptsächlich darin, den Grund und Boden fähig zu machen, einen socolossalen Bau zu tragen. Denn die Ufer und der Boden der Spreebestanden dort aus tiefem Moorgrunde, der sich später durch Ehrenbergs,ans Fabelhafte grenzende mikroscopische Untersuchungen und Entdeckun-gen als ein Agglomerat von vielen tausend Billionen Infusorien (kleineSchaalthierchen) erwies. Indeß Schinkels Genius schreckte nicht vordieser Aufgabe zurück. Der Strom wurde abgedämmt, zugeschüttet undein Psahlrost von etlichen tausend Stämmen tief in den Boden getrie-ben (bisweilen mehrere aufeinander), bis der schlammige Grund dievollständigste Festigkeit gewonnen. Auf dieser Grundlage nordischerFichtenwälder erhob sich dann der hellenische Säulenbau.

Das Museum bildet ein reines Oblongum, von 27g Fuß Längeund 179 Fuß Breite oder Tiefe. Es hat in seinem Innern nur zweikleine, eng eingeschlossene Höfe. Das ganze obere Stockwerk besteht auseiner Kette von rings um das Gebäude laufenden Säulen, deren jedewieder durch hölzerne Querwände zwischen den Fenstern in einzelneAbtheilungen geschieden ist, welche jedoch nicht die ganze Höhe und Tiefeder Säle haben, um dadurch den nöthigen Raum für die aufzuhängen-den Gemälde zu gewinnen. Dem entsprechend sind das untere Stock-werk und Erdgeschoß eingerichtet, jedoch ohne jene Querwände. Diebeiden schmalen und die Hinterfront des Museums find durchaus ein-fach, ohne alle architektonische Verzierung gehalten. Sie bieten dahernichts Merkwürdiges dar, find fast leer zu nennen. Dagegen ist dieHauptfront von der vollendetsten Schönheit. Sie ist geschmückt durcheine die ganze Breite des Baues einnehmende, von achtzehn Säulengetragene Halle, zu welcher eine Freitreppe in der Breite eines Drit-theils der Front führt. Die Rückwände dieser Halle find mit zweigroßen Freskogemälden bedeckt, zu welchen Schinkel die wunderschönenCartons geliefert hat, die zugleich eine tief dichertische Bedeutung haben.Sie bedürfen zwar eines genau eingehenden Commentars, um jeden Ein-zelgedankcn des Malers zu verstehen, doch die Wesentliche stellt sich schondurch sich selbst verständlich, und was die Grundbedingung ist, überall inwunderbarer Schönheit der Figuren und Gruppen dar. Der Grundgedankederselben, ist die Entwicklung des bewußten menschlichen Geistes und Lebensaus den Urzuständen der Natur her. Wir müssen indeß bekennen, daß dieCartons, die wir oftmals gesehen, uns hoffen ließen, die Ausführung»I ki-esc» werde eine noch viel großartigere Wirkung hervorbringen.Hat Schinkel den Rechnungssehlcr gemacht, oder sind seine wunder-vollen Gedanken nur nicht auf die rechte Art ins Leben geführt wor-den?Wir wollenes unentschieden lassen, dürfen jedoch die Bemerkungnicht unterdrücken, daß einzelne Parthieen, zumal desjenigen Gemäldes,welches dem Beschauer zur Rechten befindlich ist (das später ausgeführte)keinen günstigen Eindruck machen. Wir sehen z. B. wo wir himmlischeverklärte Gestalten des Olpmp erwarten mußten, sehr irdische, fastschroffe Nacktheiten, so daß der derbe Berliner Witz hier sofort seineAnknüpfungspunkte gefunden hat. Als Ganzes aber macht das Bilddennoch den ergreifendsten Eindruck, und eben so als Theil des Gebäudes.Wenn in den Morgenstunden die Sonne gerade in die Halle leuchtet, ^ist der Effekt, den diese Farbenpracht hinter dcr edlen Vergitterung durchdie Säulen, und durch deren auf das Gemählde fallende Schatte» er-zeugt, eine wahrhaft wundervolle. Uns ist kein Gebäude der Weltbekannt, das eine ähnliche Wirkung darböte. Eben so ist der Anblickfür den innerhalb der Halle befindlichen, die schöne durch Cassetten ge-rheilte Decke, die edle Säulenpracht, und vor demselben der durch Grünund würdige Architektur so wunderschöne Platz von unbeschreiblichemZauber. Es umweht uns der erhabenste hellenische Geist in diesenRäumen.

Treten wir näher in das Innere. Wenn wir die Treppe zu demzweiten Stockwerk hinangestiegen find, führt uns die Pforte sogleich, in

einen der anmuthvollsten Räume, welche die Architektur nur schaffenkonnte. Es ist die Rotunde des Museums, ein kreisrunder Raum,von elliptischer Kuppel überwölbt, die ihr Licht aus der Höhe, durch eineGlasbedeckung empfängt, welche sich im Dach selbst befindet. EinenTempel von reinerer Schönheit und vollendeterer Einfachheit der For-men kann man sich nicht denken. Er ist das Juwel unter allen Hellem-scken Meisterstücken Schinkels. Die Höhe der Rotunde ist durch eineGallerte getheilt. Rings an den Wänden stehen die edelsten antikenBildwerke. Die Halle ist überreich an den schönsten, anmuthvollstenVerzierungen durch Arabesken und Medaillons, die alle von Schinkelseigener Hand gezeichnet find. Das Füllhorn seiner Phantasie ist aufdiesem Gebiet unerschöpflich. Aus dem unteren Theil der Halle tre-ten wir in die Säle des unteren Stockwerks des Museums, welche dieantiken Skulpturen, Abgüsse, u. s. w. enthalten. Ein eigener Kataloggiebt darüber die ausführlichsten Nachrichten, und ist ein unentbehrlicherBegleiter. Wir können uns also hier jede Andeutung darüber ersparen. Das obere Stockwerk, in welches man von der Gallerie der Rotundetritt, enthält die Gemäldesammlung. Sie ist gebildet aus den vor-züglichsten Kunstwerken die sich einzeln in den königlichen Schlössern undSammlungen, namentlich in Sanssouci, zerstreut befanden; ferner ausdem Ankauf mehrerer großen berühmten Sammlungen, als die desCardinal Giustiniani (aus Rom), die eines sehr reiche» EngländersSolly, welche überaus werthvolle Bilder enthielt; endlich durch denAnkauf einzelner Kunstwerke, der »och immer mit reichen Mitteln fort-gesetzt wird. Die Sammlung ist freilich nicht so reich wie die Dresdner,Pariser, Antwerpener, Florentiner, und viele andere, an Kunstwerkenerste» Ranges. Jene haben den Vorzug des Alters; daher konnten z.B.Werke wie die firtinische Madonna, da ein solches Besitzthum als ein un-veräußerliches, der Nation gehöriges, betrachtet werden muß, nicht mehrin diese neue Sammlung übergehn. Doch ist auch sie durch Meisterwerkeallerersten Ranges geziert (wir wollen nur an die berühmte Jo desCorreggio erinnern) doch ihr größerer Werth besteht in einer soreichen historischen Vollständigkett, i» einer Vertretung allerSchulen, und in der zweckmäßigsten Anordnung in dieser Be-ziehung, wie diese in keinem andern europäischen Museum zu treffen find.

In den Räumen des Erdgeschosses sind die Sammlungen der Gem-men, Vasen, Münzen, und dgl. befindlich.

So besitzen wir denn in dem Museum einen Schatz, der einenzwiefachen Werth für die Hauptstadt hat, durch den äußeren Schmuck,den es als Bauwerk gewährt, wie durch das was diese edlen Räumein ihrem Innern bewahren. Es ist ein Bildungsinstitut nicht für dieKünstler allein, sondern auch für die Bewohner und Besucher der Resi-denz. Darin erfüllt es den eigentlichsten Zweck eines mit so außer-ordentlichen Kosten hergestellten Instituts; und deshalb ist auch mitRecht, wir dürfen sagen, nach Verpflichtung, der Zugang so leichtgemacht, daß er gar keinen Formalitäten unterworfen ist, sondern dasBetreten zu den festgesetzten Tagen und Stunden Jedem gestattet wird,der nur nicht durch sein unstatthaftes Aeußere den Anstand verletzt. Eswird dabei aber keinesweges die Form einer gewissen Eleganz undWohlhabenheit verlangt; sondern jeder Bürger, jeder Handwerker, Sol-dat, Dienstbote, also bis zu den Individuen der geringsten Ständehinab, hat Zutritt. So wird das Museum ein ächtes National-Eigenthum, im edelsten Sinn des Wortes. Und wahren Dank habenwir dem Fürstengeschlecht zu sagen, welches den Thron Preußens seitJahrhunderten inne hat, und das seine bevorzugte Stellung in Rück-ficht auf äußern Reichthum so verwandte, wie es hier geschehen ist, wodie Nation durch jeden Regenten in ein reiches Erbe eingesetzt wordenist. Und der jetzt herrschende König Friedrich Wilhelm >> . ist in dieserBeziehung der freigebigste Fürst gegen sein Volk, und gründet sich Denk-male, die ihm, bei allen Würdigen und Edlen, Dank für ferne Jahr-hunderte erwerben werden. Zu näheren Betrachtungen darüber führtuns das folgende Bild:

Berlin.

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