Fichtenholz getäfelt, das eine goldglänzcndc Politur hat, nimmt denEintretenden auf. Eben so helle Korridors. Leichte, durchbrocheneWendeltreppen mit goldenen Geländern, führen zu Parterre und Logen.Die Korridors bilden zugleich die Foyers, für die Logen noch in aus-springenden Räumen mit kleinen Salons versehen, die mit orientalischemLurus meublirt sind. Der Zuschauerraum selbst ist von imposanterPracht. Alle Formen sind in edelm Renaissance Stil gehalten. ReicheVergoldungen wechseln mit geschmackvoller Malerei. Das 34 Fuß tiefeProscenium enthält ein großes Deckengemälde von Schoppe, den Ein-zug Apolls in den Olymp darstellend, in welchem der im reinstenUltramarin ausgeführte tiefblaue Himmel eine wundervolle Farben-wirkung für das Haus macht. Dieses Bild ist in einen Goldrahmengefaßt, in welchem wiederum >1 kleinere Medaillons befindlich sind,deren jedes das Bildniß eines als Operncomponist ausgezeichneten deut-schen Musikers enthält. Der Zuschauerraum ist oval; er enthält dreiLogenränge und das Amphitheater. Besonders reich sind die Prosce-niumslogen gehalten, in dunkelcarmoifin Drapperieen mit Gold. Diekönigliche Loge, der Bühne gegenüber, bildet eine tempelartige Halle,von acht korinthischen Säulen getragen. Im ganzen Hause ist jederSitz ein gepolsteter mit dunkelrothem Plüsch bezogener Fautcuil. Esfaßt gegen I9W Plätze, von deren jedem man vortrefflich sieht. DerKronleuchter ist von vergoldeter Stcinpappe, prachtvoll gearbeitet. DieBühne selbst ist sehr breit und tief, und mit den sinnreichsten Einrich-tungen für Beleuchtung und Verwandlungen versehen. Alle in derMaschinerie gemachten neueren Erfindungen sind dabei angebracht. DieMusik klingt vortrefflich in dem Gebäude, man hört überall klar. —Aus der königlichen Loge tritt man unmittelbar in den Conzertsaal,welcher den ganzen Vorderraum des Hauses einnimmt, eine Länge von199, eine Breite von 5V, und eine Höhe von 4g Fuß hat. Er ist inblendendem Weiß l polirtem Stuckmarmor) gehalten, welches durch über-aus reiche, schwere Vergoldungen gehoben wird. Acht Spiegel, jederaus einem Stück, das Glas 9 Fuß hoch und 4'/, Fuß breit, bedecken diePfeiler, und verdoppeln durch die Wiederspiegelung Glanz und Größedes Raums. Ueber diesen Spiegeln läuft eine Gallerte, von zwei undzwanzig wunderschönen Karyatiden, jede in anderer Form, getragen,rings um den ganzen Saal. Sie ist aus Zink gegossen und vergoldet.Von der Decke, die in rautenförmige vergoldete Cassetten getheilt ist,hängen drei große und acht kleinere Kronleuchter herab. Zu bedauernist bei diesem überaus schönen, reichen, und doch einfachen Saale nur,daß er keine königliche Loge, keinen eigentlichen Raum für den Hof ent-hält, was sowohl für diesen, als für das Publikum manches Unbequememit sich bringt. Doch war es bei der Lokalität unmöglich einen der-gleichen anzubringen. —
Dies die Haupträume des Baues, der überdies durch Gemälde,Bildsäulen, Basreliefs u. s. w. von unsern ersten Künstlern, mannich-faltig geschmückt wird. —
An Nebenräumen sind noch die Conditoreien, die Ankleidezimmer,und einige andere zur Verwaltung nöthige Localitäten, als Dienst-wohnungen u. s. w., die sämmtlich Eleganz mit Bequemlichkeit ver-
einigen, zu nennen. Gegen Feuersgefahr find die sichersten Vorkehrun-gen getroffen. Das Dach hat große Wasserreservoirs; so daß inwenigen Minuten die ganze Scene »nter Wasser gesetzt werden kann.Ein metallner Vorhang kann in einem Augenblick die Bühne von demZuschanerraum trennen.
Die Eröffnung dieses glänzenden Tempels der lyrischen Muse ge-schah am 7. Decbr. 1844. Der König hatte diesen Tag erwählt, weiles auch der Eröffnungstag des Gebäudes nnter Friedrich dem Großengewesen war. Es wurde zu dieser Feier eine eigends dafür vonL. Rellstab gedichtete, von Meyerbeer componirte Oper „das Feld-lager in Schlesien," gegeben. Der Stoff, der preußischen Geschichteentlehnt, war für die Veranlassung ausgesucht und bearbeitet. AmSchluß der Oper wurde vermittelst einer leichten Verknüpfung mit demInhalt des Gedichts, die Zukunft Preußens in Bildern dargestellt, welcheruhmvolle Ereignisse der preußischen Geschichte versinnlichtcn; jedes Bildwar durch passende Rede eingeleitet, und durch Musik begleitet. DerSchluß gab eine nur für den Moment passende Ucberraschung. Er stelltedas Opernhaus in vollen Flammen dar. Doch Plötzlich mittelst An-wendung der sogenannten Dissulvm^ vwws, erbleichte die Flamme, undaus Rauchwolken und Asche erhob sich der neue Bau in seiner ganzenPracht. Zugleich strahlte der Himmel rosig, und die beschützendenGötter, Musen und Genien der Kunst, erschienen in dem duftigen Aether,und schwebten segnend über dem neuen, ihnen geweihten Tempel.
Mögen diese behütenden Götter dem Institut günstig sein undbleiben! — Sie waren es wenigstens in der nächsten Zeit, denn wenigeTage nach der Eröffnung begann Jenny Lind hier die Laufbahn ihressich bald mit glänzenden Flügeln weit über das Weltmeer schwingendenRuhm's. Am 15. Decbr. 1844 war es, wo sie als Norma auf dieserneueröffneten Bühne auftrat. Bon dem Augenblick an trat ihr strahlen-der Stern klar am europäischen Horizont hervor, während er bis dahinvergeblich Jahre lang hinter den Nebelgewölkcn des fernen Nordensgeschimmert hatte. Sie war eigentlich bestimmt gewesen, am Tage derEröffnung des Hauses die ganz für sie gedichtete und geschriebeneHauptrolle „Vielka" zu übernehmen. Doch die billige Rücksicht aufdie heimische Sängerin, der man einen solchen Ehrentag nicht raubenwollte, hinderte es, daß Jenny Lind gleich am ersten Tage das künst-lerische Institut durch ihre unübertroffene, unerreichte Kunst geweihthätte, und so der schützende Genius desselben von der Geburt an, ge-worden wäre. Wenigstens hat sie aber doch dessen erste Tage geweiht,und das möge ihm zur günstigen Vorbedeutung für fernste Zeiten die-nen. — Es ist ein hoher Ruhm für die Anstalt, ja für den Bau selbst,und bleibt ein historisches Moment für Beide, die künstlerische Wiegeeines solchen, die Welt mit Enthusiasmus erfüllenden Talents gewesenzu sein! Andererseits konnte die Sängerin keinen reicher geschmückten,würdigeren Tempel für die Erstlinge ihres Welt-Ruhms finden! —
So möge denn das heilbedeutende Gestirn, das die Anfänge derKünstlerin, und die der Anstalt begrüßte, Beiden fort und fort das Ge-leit geben! —
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Das Schinkelsche Museum wollen wir es nennen; denn denNamen des neuen Museums, welcher demselben eine Zeit lang wohldurch den Gebrauch beigelegt war, kann es nicht mehr bewahren, dabereits ein neueres, das unmittelbar hinter demselben emporgestiegen,und von dem wir bei Anlaß eines anderen Blattes sprechen werden,denselben in Anspruch genommen hat. Neben dem Schauspielhauseist dieser Bau der schönste und reinste, den Schinkels Genius ins Lebengerufen hat. Sein schaffender Genius bekundete sich dabei von derWahl des Platzes an, bis zur letzten Einzelnheit der Ausführung. DasMuseum steht nämlich auf einem Boden, der ehemals durch den Strom
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der Spree eingenommen war. Der Lustgarten, dessen nördliche Be-grenzung es bildet, war vormals hier durch einen Arm der Spree um-faßt, an dessen Ufern sich der sogenannte neue Packhvf befand. Als dieAnlage eines Museums in Berlin für Gemälde und Sculpturwerkezur Sprache kam, und vielfache Meinungen über die zweckmäßigste Stellelaut wurden: arbeitete Schinkel einen Plan aus, aus dem es seineheutige Stellung auf dem Wasserspiegel der Spree erhielt, währenddiese selbst, durch Erweiterung und Ausschälung einiger Gräben, undsonstigen Anlagen, ein für die Schifffahrt viel günstigeres Gebiet bekam,und zugleich für Berlin ein ganz neuer Raum gewonnen wurde, der