Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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Was königliche Opernhaus

und die St. Hedwigskirche.

Das Opernhaus wie wir es auf dem hier vorliegende» Blätt-chcn vor uns sehen, ist die eben so erhabene als prachtvolle SchöpfungFriedrich des Großen, mit derer die ersten Jahre seiner Regierung,1740 bis 42, charakterisch genug stempelte. Denn obgleich das gegen-wärtige Opernhaus erst seit dem 7. Decbr. 1844 wieder aus der Ascheerstanden ist, in die ein furchtbarer Brand es in der Nacht vom 18.zum Ist. August >843 binnen wenigen Stunden verwandelte: so ist esdoch, bis auf wenige ganz unerhebliche Abänderungen im Aeußern, zudenen große Vortheile der Bequemlichkeit im Innern drängten, ganzso wieder aufgebaut, wie der große König es durch seinen Bau-meister Knobelsdorf ausführen ließ. Es war dies der ausdrücklicheWille des jetzt regierenden Königs, Friedrich Wilhelm IV, damitdie geschichtliche Bedeutsamkeit des Gebäudes so viel als möglich bewahrtwerde. Eben deshalb hat es auch die Inschrift auf der Vorderfrontbehalten, welche das alte Gebäude trug: b>W«lei'i<-»s kex Xgullluiblusis. Nur auf der Rückseite ist zur Bezeichnung der Ursach des Neu-baus eine ganz der Inschrift auf dem Schauspielhause ähnliche ange-bracht: lliwllericu5 tlliilelmu« IV. IReuli um, ineencliu eousumlum,rosiilui, Kvcccxxxxiv.

Alles was wir über die Acußcrlichkcit des Baues zu sagen haben,betrifft daher das alte und neue Gebäude gleichzeitig; allein das Innereist gänzlich umgestaltet, und zwar auf eine so prachtvolle Weise, daßdieses Theater jetzt außer allem Zweifel das schönste der Welt ist,und nicht Paris, nicht London, nicht Petersburg ein dem-selben an Glanz, Schönheit und Behaglichkeit nur nahekommendesauszuweisen haben!

Zuvörderst einige Blicke auf die Geschichte dieses Kunsttempels.Es ist eine traurige Verwandtschaft, die fast alle Geschichten bedeutenderBühnen miteinander haben, daß sie sicb an eine Zerstörung durch Brandanknüpfen lassen! Berlins beide königliche Theater sind solche, derAsche entstiegen? Phvnir - Werke. Inzwischen liegt der Quell des ge-schichtlichen Stroms, den wir für das Opernhaus zu verfolgen haben,etwas weiter rückwärts. Friedrich der Große gründete das Haus,und mit ihm den Tempeldienst, dem es bestimmt war. Alles was Ber-lin unter seinem Vater, ja auch unter seinen früheren Vorfahren ankünstlerischen Versuchen dieser Gattung gesehen hat, ist nicht des Namenswerth, gegen die Schöpfung die Friedrich II. ins Leben rief. Die bar-barischen Ansichten seines Vaters über Kunst und Theater, bekämpfte ervom ersten Tage seiner Regierung an durch die That. Er erbaute denMusen den prachtvollsten Tempel, den sie bis dahin in Deutschland be-saßen, und gründete die glänzendste italienische Oper, die die Zeit dar-bot. Am 7. Decbr. des Jahres 1742 wurde das Haus mit der Dar-stellung der Oper Cleopatra von Graun, eröffnet. Im Jahr 1842ward die hundertjährige Erinnerungsfcier dieses Ereignisses auf dernämlichen Bühne begangen, und auch ein Akt aus jener Oper wiederdargestellt, und dann, von zehn zu zehn Jahren vorschreitcnv, durchDichtungen eingeleitet, theatralische Scenen und musikalische Werke desJahrhunderts, wie sich die Musik allmählig, bis auf die neuesten Zeitenentwickelt hat. Wer hätte bei dieser ersten Säkularfeier für das Haus,geahnet, daß schon wenige Monden darauf seine Zerstörung eintretenwerde? Auf die Geschichte der Bühne zurück. Friedrich der Großeerhielt sie im höchsten Glanz und pflegte sie mit ächt königlicher Frei-gebigkeit. Die ersten Talente der Welt hatte er in seinem Dienst, sodie berühmteste Sängerin des Jahrhunderts, die Mara, geboreneSchmähling, welche das deutsche Talent dem italienischen gegenübersiegreich vertrat. Damals war das Innere des Opernhauses ganzanders eingerichtet als später. Der König nahm mit seinen Adjutanten,und der Hofumgebung einen erhöhte» Sitz i» Parterre ein, nahe demOrchester. Diese innere Einrichtung ist, bei der Einweihung des neuen,jetzigen Opernhauses, am 7. Decbr. 1844, bildlich wieder auf derBühne dargestellt worden, so daß man an diesem Abende das Bildder ältesten und der neuesten Zeit gleichzeitig vor sich hatte. Frie-

drich Wilhelm U. übernahm die Verpflichtungen, die sein Oheim sichin Beziehung zu der Kunst aufgelegt hatte, auf das vollständigste, ausNeigung. Die Oper behielt unter ihm den Glanz, den dieselbe unterFriedrich II. gehabt. (S. den Aufsatz über Berlin im Allgemeinen).Der Zutritt zur Oper war damals »nentgeldlich; es wurden indeßnur während der Carnevalszeit Darstellungen für das Publikum ge-geben. Mit den erschütternden Katastrophen, die Preußen im Anfangdes Jahrhunderts trafen, ging die italienische Oper als solche ein;sie wurde zum Theil mit dem deutschen Schauspiel, dem sogenanntenNationalthcater, unter Jffland, verschmolzen. Nachdem der Krieg be-endet, der Friede erkämpft war, blühte die Oper, doch als deutscheKunstpflanze, in vollster Farbenpracht wieder auf, und erhielt sich i»diesem Zustande bis auf den heutigen Tag.

Die Nackt vom >8. zum 19. August >843 erzeugte allerdings eineaugenblickliche Unterbrechung desselben, denn das Haus wurde binnenwenigen Stunden eben so rettungslos zerstört, wie 26 Jahre früher dasSchauspielhaus. Der Brand selbst war noch großartiger, da er Abcnosnach 9 Uhr ausbrach, ebenfalls wahrscheinlich durch Arbeiten auf demBoden nah' unter dem Dach veranlaßt. Die Flammen schlugen zusolcher Höhe in den Nachrhimmel auf, daß man sie auf viele Stundenin der Runde von Berlin wahrnahm, und auch von dort her Hülfe ge-sandt wurde, weil man anfangs glaubte die ganze Stadt müsse inFlammen stehn. Der leuchtende Wiederschcin ist in einem fünfzehnMeilen entfernten Orte gesehen worden. Tausende von Mensche»leisteten Hülfe, und die Beamten des Theaters selbst, die zugegen waren,benahmen sich mit dem unerschrockensten Eifer. Der Prinz vonPreußen der gegenüber wohnt, war einer der ersten auf dem Platzund leitete die Hülfsanstaltcn. Richt genug ist dafür zu danken, daßdie Bibliothek, die Nachbarin des Opernhauses, gerettet werdenkonnte! Ein Menschenleben ist zum Glück bei diesem Brande nicht zubeklagen gewesen.

Wenige Tage nach dem Brande war es schon entschieden, daß derAufbau statt finden solle, und zwar in der Weise, wie er wirklich erfolgtist, mit Beibehaltung der äußeren Gestalt des Hauses (kleine unver-meidliche Abänderungen nicht gerechnet), doch mit völlig freier Handfür den Baumeister, das Innere nach Bedürfniß der Zeit, im glänzend-sten Stile, und mit der möglichsten Behaglichkeit zu gestalten. DemOberbaurath Langhans wurde diese Aufgabe zu Theil, und er löstesie als Meister.

Das Haus dient dreien Zwecken. Einmal der Oper, und ent-hält für diese das Theater und den Zuhörerraum; dann dem Conzerl,für welches es einen noch größeren und prachtvolleren Conzertsaal be-sitzt als das Schauspielhaus; drittens bildet es den großartigsten Raumfür Prachtfeste, welcher dadurch hergestellt wird, daß die Bühne, derZuschauerraum (dessen Boden sich ins Niveau mit dem des Theatersschrauben läßt) und derConzertsaal, nebstallen anstoßenden kleinerenLokalitäten zu einem großen, glanzvollen Ganzen vereinigt werden.Diese sämmtlichen Einrichtungen fanden schon im alten Opernhausestatt, und war dies daher oftmals der Schauplatz der glänzendsten Feste.Zumal im Jahr 1840, bei der Huldigungsfeier für den jetzigen König,wo die ständische Ritterschaft nicht nur dieses Lokal, sondern noch einentemporär erbauten ungeheuren Saal im Renaissance Stil zu einemüberaus prachtvolle» Fest benutzte, zu welchem 500g Personen geladen,und die Säle noch durch außerordentliche Decorirung in wahre Zauber-paläste verwandelt waren. Jetzt würde sich diese Lokalität noch un-gleich glänzender darstellen, ist aber noch nicht in ihrer Gesammtheitbenutzt worden.

Werfen wir nun auf die einzelnen Räumlichkeiten einige Blicke;eine genaue Schilderung derselben würde den Raum dieser Blätterweit übersteigen. Zuerst denn das Theater mit allem Zubehör. Einelampenhelle Vorhalle (das ganze Haus ist durch Gas beleuchtet) mitGlasthüren geschlossen, im Winter erwärmt, Thüren und Pfeiler mit