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10 (1852)
Entstehung
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brannte dann vollständig aus. Abends glich es einem durch ein Flam-menmeer im Innern beleuchteten Colosseum; aus allen Fensterhöhlenleuchtete die düsterrothe Gluth. Noch siebzehn Tage glimmte das Feuerunter der Asche fort. Das Theater hatte so gut als Nichts gerettet,doch von den Gebäuden rings umher, obwohl die Gluth so groß war,daß die Fensterscheiben zersprangen, und die Oelfarbe an den Fensternund Thuren träufelnd herablief, war kein einziges in Brand gerathen,und nur an einzelnen Stellen unerheblicher Schaden geschehen.

Schinkel erhielt den Auftrag den neuen Bau auszuführen. Nochin demselbigen Sommer wurde Hand ans Werk gelegt, vorläufig durchFortschaffung der Trümmer, und Räumung des Platzes. Der Namedes ehrenvollen gründlichen Praktikers, der der rechte Arm Schinkclsfür die Ausführung aller großen Entwürfe seines Hauptes war, Bürde,begegnet uns hier abermals. Ihm, damals noch ein ganz jungerMann, der erst im Begriff war, seine letzte Staats - Prüfung zurückzu-lege», übertrug der Meister, der mit scharfem Blick dessen Fähigkeitenerkannt hatte, die praktische Leitung dieses so umfassenden, schwierigenBaues, und er rechtfertigte die Wahl durch die trefflichste Vollführungdes Auftrages, so daß er, von der Zeit an überall wo es nur irgendmöglich war, von Schinkel zum Vollstrecker seiner Plane gewählt wurde.

Im folgenden Jahre, >818 begann der eigentliche Bau, und dreiJahre später am 2t>. Mai 1821 wurde der neue Kunsttempel durchGöthcs Jphigcnie, dem der greise Dichter, von dem Grafen Brühl,damaligem Intendanten der Schauspiele dazu veranlaßt, einen Prologhinzugefügt hatte, wieder eröffnet. Mit würdigerem dichterischen Glanzhätte es nicht geschehen können. Es wäre eine schwierige, kaum aus-führbare Aufgabe, (wenigstens nicht für den Raum dieses Werkes) denBau genau zu beschreiben, da Schinkel, dem hier gleichfalls zum ersten-male nach den langen Kriegszciten die alles gehemmt hatten, die Ge-legenheit wurde, seine künstlerische Kraft einem umfassenden Werke, wiesie immer zu den seltenen in der Architektur gehören, zu widmen, dieganze Fülle seines dichterisch schaffenden Genies aufbot, um den Kunst-tempel sowohl in der äußerlich schönsten Form herzustellen, als seinInneres auf das reichste zu schmücken. Besonders in letzterer Beziehungbietet der Bau eine Mannichfaltigkeit dar, die, bis in die kleinsten De-tails eindringend, kaum zu erschöpfen ist. Wir beschränken uns alsoauf einige Grundlinien um der Anschauung des Lesers zu Hülfe zukommen. Der Bau steht wie erwähnt zum Theil auf den ein Oblongumbildenden Grundmauern des alten Hauses. Drei Dimensionen desOblongums sind genau beibehalten; bei der vierten aber, der nach demPlatz gerichteten Längenfront, hat Schinkel einen Vorsprung ange- !bracht, der dem Bau eine seiner wesentlichsten Schönheiten verleiht.Ein Peristyl von sechs cannelirten ionischen Säulen getragen, überdenen sich ein Giebelfeld erhebt, tritt in einer Breite von etwa öl) Fuß(das Drittheil des Gebäudes,) um 4» Fuß heraus. Eine breite Frei-treppe von 27 Stufen, bildet hier den prächtigen Aufgang, der jedochim Allgemeinen nicht benutzt wird, sondern nur in den Sommermonatenzum Ausgang dient. Die Backen der Treppe sind für jetzt noch leer,sollten aber »ach Schinkels Plan zum Piedestal für zwei mythischeGruppen dienen, auf der einen Seite Bachus, aus der andernAriadne, auf Panthern reitend. Diese sind noch nicht ausgeführt. *)Es war eine Eigenheit des verstorbenen Königs daß er nie einen !Bau ganz vollständig beenden ließ. Man sagt, daß ein Aberglaubedabei mit im Spiele gewesen sei, demzufolge er seinen Tod finden würde,unmittelbar nach Beendigung eines großen Baues. Ein sich imVolk umtreibendes Gerücht, auf das wir nicht viel geben, das aberdoch wohl seine Begründung haben kann, da Jedermann mehr oderweniger sich kleinen Eigenheiten der Art unterworfen fühlt, die sichnicht begründen lassen, die aber doch in der innersten Natur desMenschen wurzeln. Thatsache ist es, daß am Schauspielhause die ge-dachten Gruppen; am Museum ebenfalls die Frescomalereien die jetztdie Säulenhallen schmücken; an der Schloßbrückc die Gruppen auf den

*) Sie sind seitdem aufgestellt, und wurden am 31. Mai 1851. dem Tage der Enthüllung des ^Friedrichs-Denkmals, gleichfalls enthüllt.

Berlin.

Postamenten der Pfeiler u. s. f., bei Lebzeiten Friedrich Wilhelms III.nicht Vollender wurden. Kehren wir zu unserm Bau zurück. DieserVorsprung giebt demselben das leichte, freie, die lange Linie der Frontso geschickt unterbrechende Ansehn; er verleiht dem todten, beiläufig 245Fuß langen und >15 Fuß tiefen Oblongum, gewissermaßen das orga-nische Leben. Den sechs Säulen die das Frontispiz tragen ent-sprechend, ist die ganze übrige Front des Hauses gehalten. Es hatnämlich nicht Fenster, wie diese gewöhnlich sind, sondern die Mauer istwie mit durchbrochener Arbeit behandelt, und als ein Ganzes zu be-trachten; so daß die Fenstcrpfeiler eine Art von Säulcnfront construiren.Dem entspricht auch die umlaufende, durchbrochene Front in dem er-höhten das Ganze, quer durchsetzenden Mittelbau, der über die Seiten-flügel ansehnlich emporsteigt. In diesem befindet sich das eigentlicheTheater. Es ist nicht sehr groß (es faßt 1500 Personen), hat aberdurchaus reine, edle Verhältnisse, ganz im schönsten hellenischen Stil,die freilich bei der heutigen Gewohnheit des üppigen Renaissance-Stils in ihrer Einfachheit etwas leer und kalt erscheinen, gegen diesesybaritische Verwöhnung durch weicke Fülle des Lurus. Das Prosce-nium wird durch ein Plafondgemälde von W. Schad»w und Zim-mermann (einem zu früh durch unvorsichtiges Baden auf einer Reisein Tprol verstorbenen, genialen Künstler, der ein vertrauter Jugend-genosse von Cornelius war,) geschmückt, welches den Zug des Bachusund der Ariadne darstellt. Durch die Malerei sind diese beiden mythi-schen Gestalten also auch im Hause verewigt. Der Plafond des Hausesselbst, in Form eines übergespannten Zeltes gehalten, theilt sich fächerartigin neun gleiche Abtheilungen, deren jede eine der neun Musen, von Wachgemalt, zeigt. Antike Köpfe an den Seitenmauern des Prosceniums,einfache Vergoldungen, und eiserne vergoldete Säule», welche die Bogentragen, vollenden die innere Ausschmückung des Theaters. Wie einfachdas Schauspielhaus ist, um so prachtvoller sind die übrigen Lokalitätendes Gebäudes, nämlich die Räume für Conzerte und Bälle. Der süd-liche Seitenflügel des Hauses ist in seinem oberen Stockwerk ganzdurch den Ball- und Conzertsaal eingenommen (er war von An-fang an für beide Zwecke bestimmt), mit einer Länge von 7V, einerBreite von 44 und einer Höhe von 43 Fuß. Hier entwickelte Schinkelsein ganzes Talent glänzender und geistvoller Vcrzicrungskunst. DieGrundfärbung des Saales ist weiß, doch mit vielen Malereien undVergoldungen. Rings um denselben läuft auf dem Boden eine erhöhteEstrade, und correspondirend mit derselben auf etwas über der Hälfteder Höhe eine Gallerie. Ein Theil dieser letzteren ist durch carmoisineDraperieen mit Goldfranzen, für die königliche Familie abgeschieden. Dieschmalen Seiten des Saales sind durch weiße, mit Stückmarmor be-kleidete Säulen verziert, die von der Gallerie bis an die Decke laufen.Auf der langen Seite links vom Eingange, befinden sich die Fenster,rechts führen zwei schöne Treppen durch geöffnete Hallen aufwärts zuder Gallerie. Zwei große Oelgemälde schmücken die Wände an diesenTreppen, das eine von Dähling, Orpheus, als antikes, das andereCaecilia von Kolbe, als christliches Sinnbild der Musik. DieDecke ist in Cafsetten getheilt, deren jede ein kleines Plafqndgcmäldc,in der Gattung einer farbigen Vignette, enthält. Ringsum, in Nischenzwischen den Fenstern und Säulen, befinden sich die Büsten berühmterdeutscher verstorbener Componisten, als: Sebastian Bach, Händel,Gluck, Haydn, Mozart, Beethoven, Maria Weber, Winter,Hiller, Dittersdorf, u. m. a.

Fast noch schöner als der Saal selbst, sind die an denselben stoßen-den Nebensäle und Gallerieen. Hier hat sich namentlich die unerschöpf-liche Erfindungsgabe Schinkels als Zeichner verewigt, in einer Fülle vonArabesken und in diese eingewebte Bilder und Gestalten, allegorischenDarstellungen, u. s. w. in deren Betrachtung man stundenlang zubringenkann, und sich nicht satt sehen wird. So sind z. B. auf den Wändeneiner Gallerie die vier Jahreszeiten in den anmuthvollsten Gestalten,wie wir sie nur auf antiken Vasen und Gemmen finden, dargestellt.Amoretten die Trauben keltern, andere die Früchte lesen, u. s. w.Außer den nächsten Vorsälen und Vorräumen des Saales, die zurGarderobe, Conditorei u. s. w. dienen, ist noch ein anderes, nur bei

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