Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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Eckardstein, welches in einem wahrhast fürstlichen Stil erbaut, undvon einem großen Garten im englischen Geschmack angelegt, umgebenist; die eigenthümlichen Anlagen des Banquier Benekc von Gröditzberg,hauptsächlich im idealistrten ländlichen Stil, mit einer Schweizer-Meierei,und ähnliche mehr zu bemerken.

Sonntags Pflegt Charlottenburg von Tausenden von Berlinern be-sucht zu sein. Eine eigene Gattung von Wagen, die Charlotten-burger genannt, befördert den Verkehr zwischen beiden Städten, zuäußerst billigen Fahrpreisen. Doch gehen seit einigen Jahren auchOmnibus hin und her, die Droschken haben ihren Bereich bis dort-hin ausgedehnt, und zahlreiche Lohnwagen, elegante Privatequipagen,und die Wagen des königlichen Hofes, bedecken die Chaussee fast immer,so daß sie mehr einer verlängerten Straße Berlins selbst, die von Gär-ten umgeben ist, als einer Landstraße gleicht.

Ein Hauptvergnügen für die Bürgerklasse Berlins, und für dieKinder aller Stände, gewähren die großen Karpfenteiche im Schloß-garten zu Charlottenburg. Hier erblickt man uralte Karpfen in un-zählbarer Menge, die auf den Klang einer Glocke, die sich an der überden Teich gewölbten Brücke befindet, sammeln, und die ihnen zu-geworfenen Bissen gierig wegschnappen. Man schätzt das Alter dergrößeren, dieser übrigens nicht genießbaren, colossalen Fische auf überhundert Jahre. Diese Unterhaltung ist natürlich nur für die Kinderund den Sonntagsbesuch berechnet, und der Park bietet den sonstigenBesuchern wohl edlere Genüsse dar.

Charlottenburg gehört, so gut wie die Schlösser zu Potsdam, zuden königlichen Sommersitzen. Der jetzige König wählt das dortige

Schloß nicht nur deshalb häufig zum Aufenthalt, weil es durch die NäheBerlins das geeignetste in Betreff der raschen abzumachenden Geschäfteist, sondern auch aus ganz besonderer Vorliebe. Namentlich bezieht eres gern im ersten Frühjahr, wo er noch halb und halb in Berlin weilt,und im Spätherbst, während er die eigentliche Sommerzeit mehr inSanssouci und Charlottenhof zu Potsdam zubringt. In den letztenJahren (seit >848) war Charlottenburg auch die Winterrefidenz desKönigs, da er der Hauptstadt nahe sein wollte und mußte, und sichdoch nicht entschließen konnte, wieder in Berlin selbst zu wohnen, dasihm durch die unseligen Märztage, und die Momente des unseligen Ver-raths die ihnen folgten, theils so traurige Erinnerungen wecken muß,theils durch die undankbare Haltung vieler seiner Bewohner (zwar nurdie urtheilslose Masse, die sich den Aufstachelungen und Vergiftungender Demagogen ganz hingab, und durch mangelhafte Gesetze noch jetztdiesen allzusehr preisgegeben wird) das Vertrauen des Königs überhauptin einem Grade erschüttert hat, der eine schnelle Rückkehr der altenVerhältnisse gegenseitiger Liebe und Treue unmöglich macht. Wir ehrenes in dem Könige, daß er es vorzieht hier durch die Wahrheit seines Ge-fühls offen darzuthun, wie das Band zwischen Fürst und Volk, soweit unterdem letzteren die Bewohner der Hauptstadt zu verstehen sind, noch nichtwieder fest und innig hergestellt sei: als daß er durch eine Handlungscheinbaren Vertrauens sich und die Bewohner der Stadt über dieWirklichkeit der Beziehungen täuschen, und den Schein eines Zustandesherstellen sollte, welchen der That nach nicht besteht. Möge, mitdiesem Wunsch wollen wir die Betrachtungen über unser Bildchen schlie-ßen, dieser Zustand bald in der Wahrheit wiederkehren!

Der Gensdarmen-

Eines der schönsten Denkmale, welches Schinkels unsterblicher Ge- 'nius sich gesetzt, ist: das königliche Schauspielhaus. Der heiternKunst geweiht, erhebt es sich in leichten hellenischen Formen, einemgriechischen Tempel ähnlich, zwischen den beiden christlichen Tem-peln, deren stolze Thürme auf jeder Seite desselben, mehr prächtig alskünstlerisch, hervorragen. Der Name des Platzes, Gensdarm en-markt, ohne allen Zusammenhang mit den hier sichtbaren Gebäuden,rührt von Baulichkeiten her, die längst verschwunden sind. Es warenan diesem größten Platz Berlins, (der durch die drei Hauptgebäude dieihn schmücken, das Schauspielhaus und die beiden Gensdarmenthürme,in drei ziemlich gleiche Theile getheilt wird, welche schon jeder für sicheinen geräumigen Platz bilden,) in älteren Zeiten die Ställe derGensdarmen gelegen, und nahmen fast die ganze eine Seite des-selben ein. Mit den Gensdarmen aber darf man nicht den Begriff,welcher in der neuere» Zeit der häufigere geworden ist, verbinden, daßer eine Art bewaffneter Polizei bezeichne, sondern damals führte dasglänzendste preußische Kavallerie-Regiment (ungefähr den jetzigen Gardedu Corps entsprechend), dessen Offiziere durch Reichthum, Kühnheit undUebermuth bekannt waren, diesen Namen.

Auf der nämlichen Stelle wo wir jetzt das von Schinkel erbauteSchauspielhaus erblicken, stand vom Jahre l8l><) bis zum Jahre l3>7ein anderes, von Langhans (dem Vater) gebautes, dessen Grund-mauern zum Theil noch für den jetzigen Bau benutzt worden sind. Einnicht schönes Gebäude, mit plumpem, rundem Ziegeldach, aber doch miteiner stattlichen Front nach dem Gensdarmenmarkt, und im Inner» sehrgemächlich eingerichtet, namentlich noch durch einen freundlichen Conzert-saal in elliptischer Form (der freilich die seltsamsten akustischen Anoma-lien darbot) geschmückt. Am 29. Juli des Jahres >8l7 verzehrte inden hellen Mittagsstunden ein Brand das alte Gebäude. Er warmuthmaßlich im Dach ausgekommen, (durch Arbeiter die dort Kohlen-

Markt zu Derlin.

feuer zum Löthen gebraucht hatten) und ergriff in wenigen Minuten denganzen Dachraum, mit seinem leicht zündenden Brennstoff von Deko-rationsmatcrial, und dem dürren Sparrwerk. An Rettung war nichtzu denken; die in einer Probe von Schillers Räubern eben beschäftigtenKünstler, hatten kaum Zeit sich selbst zu retten; ein fremder als Gastanwesender Schauspieler, der die Verbindung der Gänge und Thürennicht so genau kannte, verirrte sich und kam um! Eine schwarze un-durchdringliche Rauchwolke die sich über dem Dach lagerte, und balddie anstoßenden Straßen am hellsten, sonnigsten Mittage mit nächtlichemDunkel bedeckte, gab den Bewohnern das erste Allarmsignal. Obgleichvon allen Seiten Hunderte und Tausende zur Hülfe herbeiströmte», dieFeuerspritzen des ganzen Viertels, von Menschen die sich davor spann-ten, in wenigen Minuten auf dem Platz waren, so mußte doch jederGedanke an Rettung des Gebäudes selbst sofort aufgegeben werden.Schon nach wenigen Minuten brach, der Eruption eines Vulkans ähn-lich, eine ungeheure rothe Flamme von allen Seiten gleichzeitig durchdas Dach, und spaltete die Rauchmasse durch furchtbare, gen Himmelleckende Feuerzungen. Die ganze Thätigkeit der Helfenden hatte sichauf die Rettung der umliegenden Gebäude zu beschränken, war aber auchdabei vollständig beschäftigt. Denn dem ganzen Umkreis, vielleicht einemgroßen Theil der Stadt, drohte die äußerste Gefahr, da seit Wochendie größte Dürre herrschte, mithin die Entzündbarkeit aller Stoffe, zu-mal der trocknen Dachsparren, auf das höchste Maaß gestiegen war.Zum Glück schwieg der Wind gänzlich, und als er sich durch die Gluthselbst hervorgerufen, erhob, trieb er die Flammen nach der Seite desfreien Platzes, nicht nach der entgegengesetzten, wo nur cine Straßevon geringer Breite (die Charlottenstraße) an den Gebäuden hinläuft.Als nach etwa zwei Stunden der hohe Dachstuhl einstürzte, sank dieFlamme unter furchtbarem Geprassel wie in ihr eigenes Grab, zwischendie vier Hauptmauern in das Innere des Gebäudes hinab. Dieses