Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

zwei colossale Thurme von eroberten Waffen aufgerichtet, die, so leuch-tete» die Gewehrläufe, wie aus polirtem Metall gegossen schienen, undvon deren Zinnen Siegesfahnen herabwehtcn.

Durch diese Sieges- und Triumphstraße hielt Friedrich WilhelmIII., nach der Errettung seines Landes und Volkes vom Druck der

Fremdherrschast, seinen festlichen Einzug! Abends schwamm die Stadtin einem Feuermeer! Das sind Tage der erhebenden Erinnerung!Schließe» wir mit einer solchen, und wenden den Blick abwärts,damit wir nicht sehen, wie später auch manches Unheil durch diesePforte» gezogen ist, und die ruhmvolle Schwelle entweiht hat!

Was königliche S'chloß zu Echarlottenlmrg.

Eine kleine Stunde von Berlin liegt das freundliche StädtchenCharlottenburg, eigentlich nur durch den Thiergarten von Berlingetrennt, hinter welchem unmittelbar die Charlottenburger Feldmark be-ginnt, auf der sich seit einer Reihe von Jahren der Anbau von Wohn-häusern und zierlichen Villen längs der Chausse so vermehrt hat, daßes nicht mehr lange dauern wird, bis der ganze Raum zwischen demBerliner Thiergarten und der jetzigen Stadt Charlottenburg davon aus-gefüllt sein wird. Alsdann werden beide Städte nur noch durch denPark getrennt sein, der gewissermaßen i» ihrem beiderseitigen Schooßliegt. Charlottenburg besteht aus zwei Orten, wie Berlin;aus dem Dorfe Lützow (auch Lützen, und in älterer Form Lietzen ge-nannt) und der eigentlichen Stadt Charlottenburg. Lützow ist derältere Ort. Es ist ein an dem oberen Theil der Spree gelegenes Dorf,wie schon der Name zeigt, entschieden wendischen Ursprungs. Einesehr alte Kirche (erst in der jüngsten Zeit am 3». August 1850, reno-virt), die auch ihren Ursprung wendischer Zeit zu danken zu habenscheint, giebt Zeugniß für das Alter des Ortes. Eben so die nicht sel-ten aufgefundenen in alten Urnen von festem Thon bestehenden Spurenvon wendischen Grabstätten. Die angenehme Lage des Dorfes an derSpree, die schöne Waldung rings um, die sich vor anderthalb Jahr-hunderten noch viel näher an den Ort heranzog, veranlaßten die Ge-mahlin Königs Friedrich I., im Jahre IV9i sich in der Nähe desselbenein Schloß erbauen und einen Park anlegen zu lassen. Es geschah diesan einer etwas abwärts vom Dorfe gelegenen Uferstelle der Spree, wovorhandene Laubwaldung die Anlage des Parks wesentlich begünstigte.Es wurde dabei der berühmte französische Gartenkünstler Le Nütre zuRathe gezogen, welcher die Grundzeichnungen dazu entwarf, die andereGartenverständige ausführten. Zu dem Schloß, vormals nur auf einenländlichen Aufenthalt berechnet, entwarf Schlüter den Plan, in einerdiesem Zweck entsprechenden Größe und Gestalt. Es war dasjenigeGebäude, welches jetzt die Mitte des Schlosses mit drei großen Mittel-fenstern und vier Seitcnfenstern rechts und links derselben einnimmt,ohne den Thurm, der, so wie die Verlängerung des Mittelbaues, unddas Hinzufüge» der beiden Seitenflügel, von dem mehrgenannten Bau-meister und Nachfolger Schlüters, Eosander von Göthe herrührt.Auf den ersten Blick ergiebt sich hier wieder, in wie reinem, edlen Ge-schmack das Schlüterscke Gebäude gehalten ist, welches, wenn mansich den Thurm mit der Kuppel, die den kleinen Unterbau zu sehr drückt,hinwegdenkt, Einfachheit, Glanz und Würde in sich vereint, und dieharmonischsten Verhältnisse zeigt. Die später hinzugefügten Theile undSeitenflügel sind höchstens anständige Bauten zu nennen, aber ohne alleSchönheit. Der Thurm, im Verhältniß zum Schloß viel zu groß, ge-währt inzwischen in der Wirklichkeit doch einen imposanten Anblick. Ererscheint dort mehr in seinen Beziehungen zu der Gesammtheit desSchlosses, zu dem außer den hier abgebildeten Baulichkeiten noch mancheandere große Gebäude, die Friedrich der zweite aufführen ließ (durchseinen berühmte» Baumeister von Knobelsdorf), gehören. Nochmehr ziert der Thurm den Ort, und den Garten; denn seine schöne,kupfergedeckte grüne Kuppel mit reiche» Goldverzierungen, bildet nichtnur den glückliche» Augenpunkt für viele Parthieen des Schloßgartensund für die Straßen von Charlottenburg, sondern der ganze Ort wird

dadurch der Umgegend aus eine würdevolle Weise bezeichnet. Die Char-lottenburger Schloßkuppel ragt meilenweit über die die Stadt umgeben-den Wälder empor, und deutet ihre Lage auch von entfernten Stand-punkten an, die sich sonst, da die Kirchen des Ortes und des DorfesLützow nur unbedeutend sind, kaum bemerkbar machen würde. Wirsprechen von den durch Friedrich den Großen dem Schloß hinzugcfügrcuGebäuden. Sie bestehen in einer langen Fapade, bis zur Schloßdrückc,die das neue Schloß benannt wird, und in einem ungeheuren Orau-gerienhause, welches mehrmals zu großen Festen benutzt worden ist, undbei seiner außerordentlichen Geräumigkeit auch das imposanteste Lokalzu solchem Zwecke darbietet. Die Länge beträgt über 600 Schritt, dieBreite gegen 5060 Fuß. Am Ende desselben befindet sich auch eineigenes, sehr freundliches und bequem eingerichtetes Theater, wo imSommer öfters Vorstellungen gegeben werden, die sowohl von den Ein-wohnern Charlottcnburgs, als von den Tausenden von Berlinern, diean heitern Tagen hinausströmcn, besucht sind.

Der Garten ist einer der schönsten unter den königlichen; in Be-ziehung auf die Ausdehnung, den großen Stil der Anlagen, entschiedennoch die Potsdamer übertreffend, allein, obwohl angenehm am Userder Spree gelegen, durch die Natur doch bei weitem nicht so begün-stigt, als die dortigen Gärten. An herrlichen Bäumen, Boulin-greens, Bosketts, tiefdunklen Schattenparthieen, in der Fülle der Treib-hauskulturen und der Orangerie, nimmt er jedoch unseres Erachtens dieerste Stelle ein. Außerdem ist er noch durch manche Baulichkcit ge-schmückt. So befindet sich in der einen Ecke desselben hart an derSpree, ein nach Schinkels Zeichnung ungemein geschmackvoll aus-geführtes Bogelhäuschen; und am entgegengesetzten Ende des Parkseine andere kleine Villa, auf einer Insel gelegen. Ferner in demtiefsten Dunkel der Gebüsche das Mausoleum für die Königin Luiseunv den König Friedrich Wilhelm zu dem eine düstre Allee von Schwarz-tannen führt. Wir verweisen was diesen, die schönsten Kunstwerke insich schließenden, und an sich im edelsten Geschmack ausgeführtenBau, anlangt, auf den demselben eigends gewidmeten Aufsatz in die-sem Werk.

Der Charlottenburger Garten hatte anfangs als solcher nicht dieseAusdehnung. Doch muß er in näherer Verbindung mit dem umgeben-den Wald gestanden haben, und so, gleich den französischen Gärte» ge-wissermaßen in diesen übergegangen sein. Das Schloß veranlaßtewohl zunächst die Anlage einiger wirthschaftlichen Gebäude, und an dieseschloffen sich Privatbauten an. So entstand das jetzt so überaus freund-liche Städtchen, welches eigentlich nur ein großer Garten mit Land-häusern ist. Erst vom Jahre >705 nahm das Schloß den Namen Char-lottenburg, vonZdcm der Königin Charlotte, an; früher hieß es nackdem Orte auf dessen Feldmarke» es erbaut war, Lützenburg. So riefden« diese Garten- und Schloßanlage eine ganze Stadt ins Leben, diejetzt sowohl für sich recht ansehnlich ist, da sie gegen 10000 Einwohnerhat, als auch einen der besuchtesten Vergnügungsorte für Berlin bildet.Wohlhabende und reiche Berliner haben dort auch vielfach Sommer-wohnungen zur Miethe, oder mittelst eigener schöner Anbauten undAnlagen. Daher die große Zahl eleganter unv geschmackvoller Villendie man am Ort erblickt. Es find darunter: das Schloß des Baron