hieß dieselbe die G eorgen brücke, wie die jenseit derselben gelegeneVorstadt die Georgenvorstadt genannt wurde, in der noch heuteine Kirche mit einem der ansehnlichsten Sprengel den Namen San etGeorgenkirche führt. Die Königsbrücke, welche über den altenFestungsgraben, der von diesem Theil der Königsgraben heißt,führt, ist von Stein; sie ruht auf vier Bogen und hat eine Länge vonlkg Fuß. Doch wurde sie in der Gestalt, die sie jetzt hat, erst imJahr 1777 hergestellt; bis dahin war sie nur von Holz. — Im Jahrl7M, als sie den Namen Königsbrücke erhielt, befand sich das Thorder Stadt an dieser Stelle und stand auf der westlichen, inneren Seiteder Brücke. Es wurde erst im Jahre 1746 abgerissen. Seitdem aberhat sich die Stadt weit über ihre alten Grenzen ausgedehnt. DieFestungswerke, zu denen der Graben, der noch ganz in den Linien derBastions und Curtinen läuft, gehörte, wurde niedergerissen, die Wälledem Erdboden gleich gemacht und Straßen darauf angelegt. So ent-standen die zunächst jenseit der Brücke gelegenen Straßen, als der Kö-nigsgraben, die Eontrc-Escarpe, die Aleranderstraße u. f. w. Leiderist es damals versäumt worden, statt der Straßen Spaziergängeanzulegen. Die noch nicht so ausgedehnte Stadt bedürfte derselbennicht so nothwendig als jetzt, und so erweiterte sich die Stcinmasscohne eine Unterbrechung durch Grün allmählig ins Unbegrenzte. DieVorstadt wurde mit der Stadt verschmolzen, und jetzt dehnt sich dieselbeum eine volle halbe Stunde jenseit des Grabens aus, so daß die Be-wohner der älteren inneren Stadt nach dieser Seite hin einen sehrweiten Weg bis zum Thor haben und von dem freien Felde ganz ab-gesperrt sind. In dieser Weise ist Berlin nicht nur hier, sondern fastnach allen Richtungen durch sorgloses Gehcnlasscn des Anbaues seiteinem Jahrhundert in der Weise verwahrloset, die schon den jetzigenBewohnern sehr unangenehm fühlbar ist, und den künstigen die Stadt,wenn nicht energische Gegenanstalten getroffen werden, unleidlich, jafast unbewohnbar machen wird. —
Die Königsbrücke ist ein Name, der nicht nur der wirklichenBrücke, sondern auch dem Theil der Straße zukommt, der ihr zunächstliegt und der eigentlich der Gegenstand der Abbildung aus unserer Platteist. Es ist dies der östlichste Theil der Königsstraße, der in einer Längevon 148 Fuß von beiden Seiten mit Colonaden eingefaßt ist, die soge-nannte Steinlauten bilden (wie in Bern), bei Regenwetter einen be-deckten Gang liefern und die zweckmäßigste Stätte zur Anlage vielerLäden darbieten. Diese befinden sich denn auch in den hier sichtbarenColonaden in dichter Reihe; doch ist keiner von besonderer Eleganzdarunter, sondern sie dienen, da der Stadttheil schon zu entfernt undaußerhalb des großen Geschäftsbetriebs liegt, nur einem kleineren Ver-kehr für Bedürfnisse, die nicht im Reich des Glanzes und der Modeliegen. — Ein schöner Baustil ist in diesen Colonaden nicht zu treffen;sie gehören dem Zeitalter Ludwig XIV. an. Auch die Brücke, die inihrer Hauptanlage ganz stattlich construirt ist, aber auf den Geländernallerlei Sandsteingruppen zeigt, die als Stcinmetzarbeiten löblich ge-nannt werden müssen, einen höheren Kunstwerth aber nicht haben.
Anziehendere Gegenstände zeigen sich auf unserm Bilde jenseitsder Brücke, wenngleich hier einigermaßen unscheinbar in den Hinter-grund gedrängt. Die Gebäude, die wir dort erblicken, gehören zumAleranderplatz, einem der größten Plätze Berlins, und an sichsehens- und bemerkenswerth, doch auch durch die hier fichtbaren undandern Baulichkeiten, welche ihn umgeben.
Zur Rechten, jenseits der Brücke, in der Richtung der verlänger-ten Colonaden sehen wir ein Gebäude mit einem Frontispiz (nicht das,was im Bilde die Mitte einnimmt und dem Beschauer die Fapadezuwendet, und nur ein Privathaus ist), das geeignet ist, unsere Auf-merksamkeit näher zu beschäftigen. Weniger durch seine Aeußcrlichkeit,wiewohl auch diese nicht verabsäumt ist, als durch seinen innerenAusbau und die Bestimmung, der dasselbe gewidmet ist. Es istdas Königstädter Theater. Diese Bühne wurde im Jahre 1823gegründet, oder vielmehr eröffnet. Am 3. August des genannten Jahres,dem Geburtstage des damals regierenden Königs Friedrich Wilhelm lllfand die erste Vorstellung statt. Die kurze Geschichte der Entstehung
dieses Theaters ist folgende. Ein Particulier jüdischer Religion, Cerf,der weder in der kaufmännischen Welt hervorragte, noch ästhetischeBildung besaß, ja dessen Mangel an Bildung und Kenntnissen über-haupt so stadtkundig war, daß die zahlreichsten Anekdoten darüber um-liefen und noch jetzt erzählt werden, hatte jedoch so viel gesunden Ver-stand und praktischen Sinn, daß er zuerst mit Schärfe den Gedankenins Auge faßte, wie, bei der zunehmenden Lust am Theater, es einBedürfniß für die ausgedehnte Stadt sei, deren Theater ganz an demeinen Ende derselben lagen, auch in einem andern sehr bewohntenTheile mit einem solchen versehen zu sein. Nach dem Borbilde Wiensschien es ganz angemessen, einer solchen Bühne den Charakter einesVoltstheaters zu geben, es hauptsächlich auf das Lustspiel, aufgesunden Volks witz, auf lebendige Schilderungen des Volkslebens zubegründen. In diesem Sinne hatte sich der erst im Jahr >843 verstor-bene Commissionsrath Cerf (ein Titel, der ihm erst später zu Theilwurde) um eine Concession zu einem neuen Theaterbau beworben unddieselbe im Jahr 1822 unterm >3. Mai bereits erhalten.
Wie es möglich gewesen, daß gerade diesem Manne, der zurFührung eines geistigen Instituts vielleicht als der wenigst geeignete inder ganzen Stadt erschien, eine solche Ausgabe anvertraut wurde, wiees ihm überhaupt gelungen war, diese außerordentliche Begünstigungzu erlangen, da dieselbe nur in pecuniärer Hinsicht, aller andern Vor-theile und Annehmlichkeiten nicht zu gedenken, als eines der glänzend-sten Geschenke angesehen werden mußte, die nur jemals hochverdientenund befähigten Personen Seitens des Staats zu Theil geworden sind,so daß selbst die Dotationen für die Feldherrn, die in dem großen Rct-tungskampfe Preußens sich am meisten ausgezeichnet hatten, kaum sohoch anzuschlagen wären: wie dies möglich gewesen, davon wollen wirhier nicht sprechen, und die vielfach darüber im Publikum verbreitetenGerüchte und Muthmaßungen, für die sich ein sicheres Fundament dochnicht aufbringen ließe, bei Seite lassen. Genug, die Concession warertheilt, und darin hatte man sich dabei entschieden nicht geirrt, daß siein die Hand eines gewandten Mannes gelegt war, der äußerlichspeculativcn Sinn genug hatte, Vortheil daraus zu ziehen, und sichspäter auch, trotz der ihm gänzlich mangelnden Vorbildung und Kennt-nisse, sich vielleicht geschickter in der Führung des Ganzen, in den ge-schäftlichen Anordnungen, in den auf die Neigung und Liebhabereiendes Publikums ausgehenden Spekulationen zeigte, als irgend ein An-derer. Nur insofern ein Kunstinstitut zur Förderung der Kunstund diese zur Erhöhung und Veredlung der Bildung über-haupt dienen soll, war er freilich nicht derjenige, den man dazu hättewählen sollen. Allein wer stellt wohl jetzt solche pedantischen, nur indem Hirn der Professoren und Künstler spukenden Forderungen an einenThcaterdirektor? Es kam zunächst und kommt noch immer hauptsächlichdarauf an, die Menge zu locken, zu reizen, zu unterhalten, ihrem ver-wöhnten Geschmack zu huldigen, oder ihren verwöhnten Gaumen immer neuzu kitzeln. Und in dieser Beziehung hat sich die getroffene Wahl als einesehr glückliche gezeigt und das schau- und vcrgnügungslustigc Berlin istdem Besitzer des königstädtiscben Theaters vielfachen Dank schuldig ge-worden. Wenn das Institut überhaupt nicht ans höheren Standpunktenbetrachtet wurde und verwaltet werden sollte, so war der eingeschlageneWeg offenbar der beste, wie sich dies auch sogleich im Anfang zeigte.
Der Besitzer der Concession nämlich, der wohl einsah, daß ihmein Recht verliehen war, um das ihn Viele beneiden würden und daser schwerlich durch eigene Ausübung so vortheilhaft für sich geltendmachen könnte, als durch Uebertragung, ging sofort auf eine solche ein.Ein Aktienverein stellte sich her, ein Comite trat an die Spitze, undHerr Cerf überließ schon zwei Monate nach Empfang seiner Concessiondieselbe durch einen gerichtlich abgeschlossenen, für ihn große, sichereVortheile und Annehmlichkeiten gewährenden Vertrag, an diese neu ge-bildete Gesellschaft, in der sich, mit mehr oder weniger lebhafter Theil-nahme, die ersten Banquiers von Berlin und mehrere andere wohlha-bende Theaterliebhaber bethciligt hatten. — Das Comittee ging nunmit dem größten Eifer an den neuen Beruf. Einer der geistvollstenund gewandtesten Advokaten in der Stadt, der Justizrath Kunowski,