zwei Jahre, am 22. November, dem Stiftungstage des Gymnasii, wirdunter der Benennung des „Wohlthäterfcstes" eine Erinnerungs-seicr an ihn begangen. — Die ausgezeichnetsten Direktoren der Anstaltin den letzten fünf bis sechs Decennien sind: Gedicke, Bellermannder Vater, Köpke, Ribbek, und gegenwärtig Bellermann derSohn; lauter in der Pädagogik wie in der Gelehrsamkeit rühmlichstbekannte Namen.
Die Zeichnung stellt uns indessen noch ein anderes bemerkenswerthesGebäude, wenn auch etwas im Hintergründe belegen, vor Augen. Esist das Lagerhaus, ebenfalls ein Complerus von größeren unv klei-neren Baulichkeiten, die einen geräumigen Hof umschließen, dessen eineSeite an die vor uns liegende Klosterstraße, dessen andere an ihre Pa-rallelstraße, die neue Friedrichsstraße, stößt. Dieses Gebäude ge-hört zwar keineswegs zu den schönere» Berlins, allein es ist historischeins der merkwürdigeren. Es war die alte kurfürstliche Residenz vorder Erbauung des Schlosses und wurde „das hohe Haus" genannt.Wenigstens stehen die jetzigen Gebäude auf dem Territorium, welchesdiese Burg einnahm; ob der Grund und Boden früher gleichfalls zudem des Klosters gehört hat, darüber ist nichts Bestimmtes bekannt,doch sprechen mehrere Umstände dafür. Allein bevor das Kloster ein-ging, war das hohe Haus schon fürstliche Residenz, und Friedrich l,von Hohenzollern, der Ahnherr des jetzt regierenden Hauses, nahmin demselben >4! 5 die Erbhuldigung der Stände an. — Wahrscheinlichhat das Gebäude seitdem wesentliche Umgestaltungen erfahren, denn vonso alterthümlichem Bau trägt es keine Spuren, wiewohl es immerhineines der ältere» Bauwerke Berlins sein mag. Seinen jetzigen Namenempfing es davon, daß in demselben vom Jahre 17 Uj an ein großesDepot von Wolle aufgelagert wurde. Späterhin wurde das Gebäudezu einer großen Tuchfabrik benutzt, in der die blauen Tuche für diepreußische Armee verfertigt wurden. Nachdem diese Fabrik seit demAnfang dieses Jahrhunderts eingegangen, erhielten die Räume sehr ver-schiedenartige Bestimmungen. Ein Theil derselben wurde zu amtlichenLokalen verwendet, und manche Behörden hatten und haben ihre Bu-reaus darin. Die wichtigste derselben war der Revisivns- und Cas-sationshof für die Rheinprovinzcn. — Diese Bestimmungen, so be-deutsam sie sind, ziehen indeß hier weniger unsern Blick darauf; wohlaber der Umstand, daß das Gebäude wegen seiner hohen gewölbtenRäume eine Anzahl von Atteliers unserer berühmtesten Künstler ent-hält. Die Bildhauer Rauch und Tieck haben hier ihre Arbeitsstätten,und der erstere wohnt auch in dem Gebäude. Wechselnd haben auchverschiedene unserer berühmtesten Maler, als Wach, Begas und An-dere hier ihre Atteliers gehabt. Namentlich aber hat Rauch hier seineschönsten Kunstwerke vollendet und diese Oertlichkeit hat den größtenTheil der Erzeugnisse seines ganzen künstlerischen Lebens entstehen sehen.Selbst das letzte seiner Werke, (nach fast eilfjähriger Arbeit daranam ZI. Mai l85> unter außerordentlicher Feierlichkeit aufgestellt) dieReiterbildsäule Friedrich des Großen, hat er hier gearbeitet,wiewohl nicht in dem gewöhnlichen Attelier, weil es nicht hochgenug dazu war, sondern in einem eigends dazu eingerichteten, bisder Guß eine andere Lokalität für die Vollendung forderte. So birgtdas unscheinbare Haus neben seiner geschichtlichen Merkwürdigkeit auchdie edelsten Sehenswürdigkeiten, indem hier in diesem und den anderngenannten Atteliers, wenn auch nicht die Kunstwerke selbst, doch die
Die Königsbrücke und ein
Es stellt uns diese Zeichnung wenn auch nicht einen der schönsten,doch einen sehr stattlichen Theil Berlins dar, und jedenfalls einen, derdurch seinen Verkehr den belebtesten beizuzählen ist. Die Königs-brücke bildet das östliche Ende der Königsstraße, welche den vor-zugsweise kaufmännischen Stadttheil Berlins als Hauptstraße in
zahlreichen Studien dazu, und insbesondere die Modelle der Bildhauer-arbeiten vorhanden find, und bei der Liberalität der Künstler, die hierarbeiten unv schaffen, von jedem Gebildeten in Anschauung genommenwerden können. Selten wird daher ein Fremder es versäumen, diesesHaus zu besuchen, und auch der Einheimische von entwickelterem Be-wußtsein wird oft in diesen Räumen weilen.
Was uns die Zeichnung vor Augen stellt, wäre durch diese Andeu-tungen so ziemlich erschöpft. Doch die nächste Nähe enthält noch somanches merkwürdige Gebäude, das, wenn es gleich nicht in die Reiheder Abbildungen hat aufgenommen werden können, die sich natürlichnur auf einen engeren Kreis, und vorzüglich auf das künstlerisch Her-vortretende beschränken müssen, dennoch gerechten Anspruch darauf hat,in einem Werke, welches sich in der Weise der Hauptstadt widmet, wiedas unsrigc, seine Stelle zu finden.
Wenige hundert Schritte von der alte» Klosterkirche erhebt sich, imneueren Baustil, die Parochialkirche, welche mit zu den ausgezeich-netsten Berlins gehört und die einzige ist, die ei» Glockenspiel be-sitzt. Diese im Mittelalter so gewöhnliche Zierde der hohen Thürme,worauf uusere Väter so große Kosten, so emsigen Kunstfleiß verwandten,verschwindet in der jetzigen Zeit leider mehr und mehr. Von der An-lage eines Glockenspiels ist nicht mehr die Rede, und die älteren Werkegehen nachgerade ein, weil sie schadhaft werden, oder es an Leutenfehlt, die sie zu behandeln verstehen. Das Glockenspiel der Parochial-kirche wird sorgfältig gepflegt, und sein schönes Geläut ist eine würdigekirchliche Zier Berlins, tönt in stillen Nächten weit über die ganzeStadt hinweg. Es spielt acht mal in der Stunde, indem es auch diehalben Viertelstunde» andeutet. Bei dem vollen Stundenschlage spieltdas Glockenspiel einen ganzen Choral mit allen Wiederholungen;beim halben Stundenschlage ebenfalls einen ganzen Choral, doch geradedurch; bei den Vierteln einen Abschnitt von einer oder zwei Zeilen desVerses, und bei dem sogenannten Vorschlag vor ein Viertel, einHalb (7Vz Minuten) u. s. w. wenigstens einige Takte. Wenig Glocken-spiele sind auf so zahlreiche, fast ununterbrochene Leistungen eingerichtet.— Was nun die Kirche selbst und den Thurm anlangt, so nehmen siesich zwar ganz stattlich aus, haben jedoch keinen besonderen architekto-nischen Werth. Es ist der Stil des 17. Jahrhunderts darin, indem derBau in den Jahren von 1695 bis 1715 ausgeführt wurde. Der Bau-plan war von Nehring, erfuhr jedoch mehrere Abänderungen.
Wenn wir uns vor der Klosterkirche auf unserem Bilde gerade um-wenden nach der gegenüberstehenden Seite der Straße, so fällt unserAuge wieder auf ein sehr merkwürdiges Gebäude. Es ist das Ge-werbe-Institut, ein ansehnlicher Bau, in dem, außer den Lokalenfür den Unterricht der Zöglinge dieser Anstalt, die sich als eine so er-sprießliche für unsere Industrie bewährt hat, auw die überaus reicheund lehrreiche Sammlung der Modelle sich befindet, die aus allenRichtungen der Technik hier aufgestellt sind.
So hat die Klosterkirche, für sich ein nur bescheidener, wenn-gleich würdiger Bau, doch in nächster Nähe noch so anziehende wichtigeUmgebungen, daß sich an den Besuch derselbe» für die Meisten gewißauch eine nähere Kenntnißnahme von diesen nachbarschaftliche» Merk-würdigkeiten knüpfen wird. Es dünkte uns daher angemessen, ihrerhier wenigstens in flüchtigen Umrissen zu gedenken.
Theil des Alcranderplahes.
seiner ganzen Länge durchschneidet. Den Namen erhielt die Königs-drücke gleichzeitig mit der Königs st ra ß e vor jetzt l5l> Jahren, nämlichim Jahre I7UI, wo König Friedrich I. nach seiner Krönung in Königs-berg, die bekanntlich erst die Königskrone in das preußische Haus ge-führt hat, über diese Brücke seinen Einzug in Berlin hielt. Damals