Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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Ausnahme der wenigen schon bezeichneten Grabstätten, nicht mehr zudiesem Gebrauch. Von allen Seiten her führen nur kleine, gebogene,dunkle, alterthllmliche Gassen auf denselben hinaus, so daß man sichhier im Mittelpunkte eines dunklen, fast ärmlichen Straßengewindesbefindet. Dadurch aber entsteht die charakteristische Physiognomie diesesStadttheils, seine Alterthümlichkeit. Man kann sich, wenn man sichaus dem glänzendsten Theil Berlins hieher begiebt, mittelst eines Wegesvon fünf Minuten um fünf Jahrhunderte zurückversetzen. Daher hatgerade dieser Theil der Stadt, und sogar die Kircke selbst, stets einenromantischen Einfluß auf die Poesie, die dramatische und Novellenlite-ratur geübt, welche die Lokalität Berlins in ihren Bereich gezogen hat.Es find mehrere geistvolle und spannende Erzählungen vorhanden (unterandern eine von der einst berühmten Schriftstellerin La MotteFouquö), welche gerade hier ihren Schauplatz wählen. Ebenso wirder in denBerliner Nächten" von L. Schneider (einer interessanten,

viel Historisches, Lokales und Charakteristisches über Berlin enthaltendenSammlung von Skizzen und Erzählungen) benutzt, und auch in einigenvaterländischen Dramen, welche die ältere Geschichte Berlins behandeln,zum Grunde gelegt. Es wird daher dem Fremden, der sich das Bildeiner Stadt in ihren verschiedenen Zeitaltern und Charakteren einzuprä-gen wünscht und nicht blos nach der am meisten hervorspringendenglänzenden Außenseite forscht, immer ein lohnender Weg sein, wenner sich nach dieser Kirche begiebt, ihr alterthümliches Außen und Innenaufmerksam beschaut und zugleich einige Blicke in die nächste Umgebungwirft, die ihm die besten Anhaltpunkte darbietet, sich das Treiben undVerkehren in dieser setzt so glänzenden, modernen Stadt in früherenJahrhunderten vor Augen zu stellen, wo das Leben nicht so freundlichaussah, vielmehr sehr ernste, finstere Züge trug, aber auch auf einenfesteren Grund der Frömmigkeit und Sitte gebaut war.

Die Klosterkirche

Wir haben nur einen kurzen Weg zu machen, um von der Nicolai-kirche zur Klosterkirche, von der ältesten zu einer der ältesten zugelangen. In einigen Werken wird die Klosterkirche geradehin dieälteste Berlins genannt. Das ist jedoch ein Irrthum, der sich sogleichdurch die beigesetzte Jahreszahl der Erbauung, >271, als solcher dar-thut,*) indem das Erbauungssahr der Nicolaikirchc >223 ist. Auchwenn man die Bezeichnung Berlin nur in seiner engeren Bedeutung,unterschieden von der Stadt Cöln gelten läßt, so ist die Angabe un-richtig, denn auck> die Nicolaikirche gehört zu Berlin im engerenSinne.

Bis vor kurzer Zeit hatte sich die Klosterkirche in der ganzenEigenthümlichkeit ihrer alten Bauart erhalten, und bildete somit einesder merkwürdigsten Denkmäler von der Architektur des dreizehnten Jahr-hunderts. Im Jahre 1844 jedoch wurde sie, wiewohl mit Beibehaltungdes Grundtypus, ganz neu, natürlich aber im altcrthümlichen Stile,ausgebaut. Das Gebäude ist nur klein, die Verhältnisse sind aber har-monisch, die einfache Construktion von würdigem Eindruck. Zwei kleineThürme, vormals in Holzconstruktion, faßten die Giebelwand der Kircheein; jetzt sind dieselben in zwei viel größere achteckige Steinthürme imgothischen Stil verwandelt, uud ein dritter Thurm erhebt sich auf derSpitze des Kirchdachs. Dieser gehörte auch schon dem älteren Bau an;er ist nur erneuert.

Die Kircke ist nicht als ein einzelnes Gebäude zu betrachten,sondern gehört zu einem ganzen Complerus von Gebäuden, die früherdas erwähnte Franziskancrkloster bildeten und in welchen sich jetzt dasälteste und berühmteste Gymnasium Berlins,zum grauen Kloster,"das seinen Namen noch von der ursprünglichen Bestimmung des Ge-bäudes ableitet, befindet. Wir werden darauf noch zurückkommen.

Die Abbildung der Klosterkirche läßt schon vermuthen, daß sie nichtfrei für sich gestanden hat. Wir sehe» sie hinter einer durch Colonadenunterbrochenen, einen Kreuzgang bildenden Mauer, gewissermaßen indas Innere eines Hofes, zurückgezogen. Dieser Hof war ein Theil desalten Klosterhofes, und vor dem Neubau durch eine ganz einsackeMauer in der Flucht der Straße, von dieser geschieden. Ursprünglichhatte zu dem Kloster ein sehr großes Terrain gehört, fast das ganzeViertel, welches jetzt zwischen der Klostcrstraße, Königsstraße, der Pa-rochialkircke (die auch noch auf altem Klostergebiet zu stehen scheint)

*) Es läßt sich svgar vermuthen, daß 4271 der Bau noch nicht einmal begonnen hat. DerPlatz ward dem Kloster dergrauen Brüd er. " die zu dem Franziskaner - Orden ge-hören, im Zahr 1271 durch die beiden Markgrafen Otto den Langen und Otto denFrommen geschenkt Der Kirchenbau hat muthmaßlich erst 1291 begonnen; ist wenigstensdamals erst recht lebhaft in Gang gekommen.

und Klosterstraße.

und dem damaligen Stadtgraben lag. Bis an diesen erstreckten sich dieGärten des Franziskanerklosters. Alle Gebäude dieses Viertels sind,großentheils viel später, auf nach und nach abgetretenem Klostcrterrainaufgeführt worden. Jetzt gehört die Kirche zu den kleineren Berlinsund bildet ein Filial der Nikolaikirche; der Gottesdienst in derselbenwird von Geistlichen der letzteren abgehalten. In den Zeiten, wo sieden Franziskanern gehörte, hatte sie allerdings eine viel bedeutendereStellung. Sie war auch die Begräbnißstätte unserer märkischen Fürsten.Unter andern befindet sich die Grabstätte des Markgrafen Ludwig derRömer und seiner Gemahlin Hierselbst. Seit der Aufhebung des Klo-sters (1574) unter dem Kurfürsten Johann Georg hat die Kirckeaber an ihrer geistigen Bedeutsamkeit verloren, und trat allmählig indas Verhältniß, in welchem sie sich bis zur jüngsten Zeit befindet.

Die Gebäude, welche wir, dem Beschauer links, neben der Kircheerblicken, gehörten dem alten Kloster an, sind wenigstens solche, diedurch Auffuhrung auf der Stelle, wo alte Bäulickkeiten des Klostersstanden, oder durch den Neubau derselben hergestellt sind. In diesenbefindet sich jetzt das vorgenannte Gymnasium, eine der berühmtestenBildungsanstalten nicht nur Berlins, sondern auch des preußischenStaats. Es wird das Gymnasium zum grauen Kloster, oderschlechtwegdas Kloster" genannt; dock führt es auch den amtlichenNamen des berlinischen Gymnasiums. Seine Entstehung beginntmit dem Aufhören des Klosters, in welchem man die Mönche aus-stcrben ließ, und bereits >574 in einem Theil der Klostergebäude, wäh-rend ein anderer in Privathände überging, eine Landesschule errich-tete. Aus ihr entwickelte sich die heut noch bestehende Anstalt. DasInstitut ist nicht allein seit einer langen Reihe von Jahren durch dieausgezeichnetsten Direktoren verwaltet und mit den vorzüglichsten Leh-rern versehen gewesen, sondern auch sehr reich dotirt, so daß es dietrefflichsten wissenschaftlichen Hülfsmittel besitzt und fleißigen Schülernansehnliche Stipendien gewähren kann. Der Wohlthäter des Gymna-siums in dieser Hinsicht war ein Berliner Bürger, SigismundStreit, der, ein reicher Kaufmann, seine Bildung dem Institutedankend, demselben schon bei Lebzeiten ansehnliche Geschenke zu-wandte, z. B. im Jahre I75Z eine Summe von 13999 Thalern, undspäter I7K9 ein Kapital von 59,999 Thalern, doch mit der Bedingung,daß von demselben bis zum Jahre 1793 Zins auf Zins zurückgelegtwerde, wo es dann die Summe von >25,991» Thlr. erreicht haben würde.Erst dann sollte es zum Vortheil des Gymnasiums verwendet werden.Streit starb in Padua, hatte aber größtentheils in Venedig gelebt,und ist auch dort begraben. Schöne Ansichten dieser Stadt, Canaletti's,die er dem Gymnasium geschenkt, schmücken noch heut den großen Hör-saal desselben; ebenso das Bildniß des Wohlthäters, und alle