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10 (1852)
Entstehung
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doch fast unbedingt sichere Durchgangspunkte und Fahrstraßen zu demHaupthafen vorbereiten, dessen stolze Gebäude hier vor uns liegen.Das wären die Betrachtungen, welche die B ctrachtung der Fi-scherbrücke in uns anregte, und wir können nun wohl weiter gehen.

Doch halt! Wir stehen noch einen Augenblick still und blicken in'sWasser! Es verlockt nickt nur zum Hineinschauen, es zieht nochtiefer an, tiefer, d. h. in seine Tiefen. Die Stelle hat etwasUnheimliches. Hier ist der Ort, den sich häufig Unglückliche erwählen,um ihrem Leben in den Wellen ein Ende zu machen! Namentlich wer-den Frauenleichcn häufig hier gefunden! Vielleicht manche, die imMüßiggang hier dem Vorüberfließcn der Welle zugeschaut, hat damitnach dem Sprüchwort aller Laster Ansang gemacht, und die Verirrunghat geendet, da, wo sie begonnen.

Jetzt fort! Aber wie? Durch jenen Engpaß, der nach demMühlendamm führt? Ist kein anderer Ausweg? Keiner! GebeGott, daß wir nicht mit einem Fuhrwerk, und wäre es nur eine lang-sam hinwandelnde Droschke, wie Homer sie vielleicht genannt Härte, zu-

sammentreffen! Denn Mensch und Wagen vertragen sich nicht in dieserEnge! Hundert Zeitungsartikel haben Klage geführt, hundert Abbil-dungen kläglicher Ereignisse find erschienen, die die Calamitäten der-jenigen darstellen, welche in diesen Thermopplen fast lebendig auf leben-dig vorübcrrollende Räder gestockten wären, mindestens Hut oder Rock-schöße in den Speichen ließen! Selbst im Diorama veranschaulichte unseinst um die Weihnachtszeit ein schreckliches Bild die Gefahren dieserWolfsschlucht doch nichts hat geholfen! Die Pforte blieb so eng,wie sie seit hundert Jahren gewesen; der Hausbesitzer, der diesen Sundbeherrscht, und zwar keinen Sundzoll erhebt, aber ihn durch die Ge-fahren capitalisirt in der Ablösungssumme, die er fordert, handeltmit seinem Durchgangsrecht wie die Sybille mit ihren Büchern, d. h.wird mit jedem Gebot theurer. Und wir, wir sind heut in der näm-lichen Gefahr, wie gestern, wie vor Jahr und Tag, wie unsere Bäterund Großväter! Und unsere Enkel und Urenkel werden, wie es denAnschein hat, wohl auch noch derselben ausgesetzt bleiben!

Die U i c o

Wir stehen hier vor der ältesten Kirche Berlins. Sie ist bereits !im Jahr 1223 erbaut. Vermuthungen sprechen dafür sdoch Beweise findnicht vorhanden), daß sie schon früher gestanden habe; eine an derinnern Mauer des Gebäudes, links von der Orgel befindliche Inschriftenthält nämlich die Zahl 1223 unter der Ueberschrist liminv-u»,», wasallerdings darauf hindeutet, daß das Gebäude schon früher gestandenhabe. Irgend eine nähere Kunde darüber liegt aber nickt vor. ImLauf der Jahrhunderte hat die Kirche mehrere Veränderungen und Um-bauten erfahren. Bei einer großen Fcnersbrunst, welche im Jahr >330die Stadt traf, wurde auch sie, nebst der ebenfalls sehr alten Marien-kirche, von den Flammen zerstört, doch sogleich wieder erbaut. Indeßmuß der Bau nicht sehr dauerhaft ausgeführt gewesen sein, da schon>469 ein durchgreifender Umbau vorgenommen wurde, durck welchenwahrscheinlich das Gebäude im Wesentlichen seine jetzige Gestalt erhal-ten hat. Man kann die Kircke nicht eine schöne nennen, denn dieArchitektur derselben hat, wenn wir andere großartige Bauwerke imAuge behalten, nichts Hervortretendes; allein der ganze Charakter desGebäudes ist ein würdiger. Sie ist aus Backsteinen erbaut und ent-behrt mithin jener feineren architektonischen Gestaltungen und Verzie-rungen, welche der Sandstein, vollends der Marmor, in der gothischenBaukunst zuläßt. Die Länge des Schiffes beträgt 179 Fuß, dessen Breite >73, die Höhe 49. Das Schiff theilt sich wie üblich in drei Längen-rheile, das Haupt- und die beiden Seitenschiffe. Achtzehn sandsteinernegothische Pfeiler tragen das Gewölbe und bezeichnen die Eintheilung.Der Thurm ist dem Bau nickt regelmäßig angefügt; überhaupt scheintder Bau im Lauf der Ausführung oder durch spätere Zusätze einigeAenderungen erfahren zu haben. Es ist nicht anzunehmen, daß dasGebäude gleich im Grundriß so wenig regelmäßig entworfen wordensei, als es jetzt vor uns steht. Offenbar ist die Anlage auf zwei Thürmegemacht, doch nur der eine ausgeführt. Unter seinen Grundmauernerhebt sich eine lange aus hölzernem Gebälk gezimmerte, mit Schieferbedeckte Spitze, vor noch nicht gar langer Zeit die einzige dieser Gat-tung, welche die Thürme Berlins zeigten, und die in ihrer Länge undschmalen Zuschärfung den Anschein außerordentlich großer Höhe giebt.Daher ist im Volk die Meinung verbreitet, dieser Thurm Berlins seider höchste; die Annahme ist jedoch falsch, denn sowohl der Marien-thurm als der Sophienthurm sind bedeutend höher, und einigeandere mögen wohl ziemlich die gleiche Höhe erreichen. Der jetzt nochim Bau begriffene Thurm der neuen Petrikirche wird Alle überragen.

Größere Restaurationen hat die Kircke mehrfach erfahren; die letztenl8l7 und lS4<Z, wo sie, nachdem sie wegen eines neuen Orgelbaues

! n i k i r ch e.

über ein Jahr geschlossen gewesen, mit der Einweihung dieses schönen,von dem Orgelbauer Buchholz verfertigten Werkes neu eröffnet wurde.

Das Innere der Kirche ist durch mehrere schöne Gemälde geschmückt,d e von Rode, einem Maler, der im vorigen Jahrhundert großen Rufbatte und den Kirchen Berlins viele Gemälde geliefert hat, herrühren.Sie stellen die Verklärung Christi, als Hauptbild in der Mitte,die Herausführung desselben zum Tode, und seine Unter-redung mit den Pharisäern über den Zinsgroschen alsSeitcnstücke dar. Hinter dem Altar befinden sich noch 2l merkwür-dige Gemälde auf Holz aus dem iti. Jahrhundert. Sehenswerth ist diemit kunstreichem Scknitzwerk verzierte hölzerne Kanzel und einige Grab-denkmale von Stein. Mehrere derselben sind außerhalb der Kirche an-gebracht; darunter auch etliche der berühmtesten Prediger, die alsPröbste der Kirche angehört haben; wir nennen darunter nur Spenerund Spalding, zwei Namen, die in der theologischen Welt mit denhöchsten Ruhm erlangt haben.

Die Nicolaikircke ist reckt eigentlich die städtische Hauptkirchc.Alle kirchlichen Feierlichkeiten dep städtischen Behörden finden in diesemGotteshause statt.

Obwohl in neuerer Zeit bei vielen Gelegenheiten dergleichen an-geordnet worden, so wollen wir hier doch nur der einen größcsten ausdem Jahr >839 gedenken. Es war dies die dritte Säkularfeier der Ein-führung der Reformation in die Mark Brandenburg, die am 17. No-vember des gedachten Jahres begangen wurde. An diesem Tage bega-ben sich die gestimmten Mitglieder der Stadtverordneten und des Ma-gistrats (die beiden städtischen Collegien) im feierlichen Zuge zu Fuß,alle sckwarz gekleidet in Schuhen und seidenen Strümpfen und trotz derrauhen Jahreszeit ohne Mäntel, vom Cöllnischen Rathhanse aus in dieNicolaikircke, wo in Gegenwart des Königs nnd der Königin und allerPrinzen eine große gottesdienfiliche Feier zur Bezeichnung des wichtigengeschichtlichen Ereignisses stattfand.

Die Nicolaikircke hat also eine sehr hervortretende historische Be-deutung für Berlin. Dock auch in rein architektonischer Hinsicht bildetsie einen interessanten Punkt, weniger, wie schon gesagt, durch dieSchönheit des Baus, als durch dessen Alterthümlichkeit und Würde,und den Einklang, in welchem dieselbe mit der ganzen Umgebung steht.Daß die älteste Kirche mit im ältesten Theile der Stadt liegen muß,versteht sich von selbst. Nur ein kleiner freier Platz umgiebt dieselbe,kaum genügend, bei nur einigermaßen gefüllter Kirche die Wagen auf-zunehmen. Der Platz heißt der Nicolaikirchhof und ist in früherenJahrhunderten auch als Kirchhof benutzt worden, dient jetzt aber, mit