Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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jene Versammlung ausgezeichneter Staatsmänner, die einen so denk-würdigen Wendepunkt der preußischen Geschichte bezeichnete. Im Jahre1648 versammelte sich dort ebenfalls der allgemeine Landtag, der unterden Drohungen der tobenden Volksmassen das traurig berühmte Wahl-gesetz erließ, aus dem noch in demselben Jahre jene erste National-versammlung hervorging, die neben den edelsten Männern, diebereit waren, sich dem Wohl des Staats und des Monarchen zu opfern,leider auch viele Verzagte, die aus Muthlosigkeit alle ihre Ueberzeu-gungen und Pflichten verleugneten, und gleichzeitig eine Auswahl derNichtswllrdigsten der Nation und die Spitze der schamlos Ehr- undStcllcnbcgierigcn enthielt. Die Eröffnungssitzung für diese Ver-sammlung fand ebenfalls in dem weißen Saale statt; ihre späteren indem der Singakademie und dem Schauspielhaus?. Der obereRittersaal war hauptsächlich bei den Huldigungsseierlichkeiten benutztund ist im Jahr lv4» Zeuge der wichtigsten Ereignisse gewesen.

Diese Lokalitäten sind die glänzendsten des Schlosses. Der übrigeTheil wird theils zu fürstliche» Wohnungen (so bewohnt der PrinzWilhelm, Oheim des jetzigen Königs, einen Theil desselben), theilszu solchen für Hofbcamte, Adjudante» u. s. w. benutzt. Ein andererTheil der Räume dient zum Empfang hoher Gäste und wird stets fürsolche offen gehalten. Noch ein anderer enthält die Lokale für die mitdem Schloß und Hof zusammenhängenden Geschäfte, z. B. das Hof-marschallamt. Im untern Geschoß befindet sich auch die General-Staatskasse. Ehemals waren die Berathungszimmer des Staats-rathes gleichfalls im Schloß. Das Archiv befindet sich noch dort;vorläufig auch noch die Kunstkammer, eine Sammlung historischmerkwürdiger oder durch die künstlerische Ausführung werthvoller Gegen-

stände; dieselbe soll jedoch in das neue Museum verlegt werden.Endlich erwähnen wir noch, daß in dem altcrthümlichc» Theile an derWasserseite sich der Sage zufolge die Lokalitäten der alten peinlichenGerichtspflege befinden, von denen viel Schauerliches berichtet wird.So z. B. von einer eisernen Jungfrau, die der Vcrurtheilte küssenmußte, worauf sich die Arme derselben, die inwendig aus scharfenSchwerdtern bestanden, um ihn schlangen und den Körper in Stückeschnitten, die durch eine besondere Vorkehrung in die Spree hinabfielcn,und dergleichen Abentheuerliches mehr. Daß auch ein Geist in die-sem Schlosse seine Wohnstätte hat, die vielgenannte weiße Frau, darfgleichfalls nicht unerwähnt bleiben.

Jedenfalls bietet das Schloß äußerlich und innerlich ungemein vielSehenswerthes, Merkwürdiges, Schönes und Großartiges dar, dasdurch die geschichtlichen Anknüpfungen noch ungemein an Interesse ge-winnt. Ein genaues Eingehen auf diese historischen Beziehungen, vondenen wir eben nur Einiges angedeutet haben, würde Stoff nicht nurzu einem umfassenden, sondern auch dem innern Werth nach überausreichhaltigen Buche liefern; wir müssen uns bei dem hier gegebene»Raum vorläufig mit dem begnügen, was wir davon angedeutet; fürEinzelnes werden sich später Anknüpfungsmomente finden. Dem Frem-den aber sei der aufmerksame Besuch, dem Einheimischen dasgenaue Studium des edlen großartigen Baues dringend empfohlen,in welchem sich Werth, Merkwürdigkeit, Schönheit des äußerlich Dar-gebotenen an sich so innig mit der fesselnden geistigen Kraft verschmel-zen, die durch die geschichtliche Weihe, durch ernste, große, erhebendeund erschütternde Erinnerungen von der ältesten bis zur neuesten Zeit,durch diese Oertlichkeiten geübt wird.

Ansicht des inneren S'chloßhsses.

Das Schloß enthält zwei große und zwei sehr viel kleinere Höfeinnerhalb seines Vierecks. Die letzteren sind geschlossen und dem Pu-blikum nicht zugänglich. Die ersteren find mittelst der großen, nach demSchloßplatz, der Schloßfreiheit und dem Lustgarten führenden Portaledem freien Durchgange, und unter gewissen Beschränkungen auch derDurchfahrt des Publikums offen; vor dem Jahre i648 so unbedingt,daß sie als ein Theil der öffentlichen Straße betrachtet werden durften-Der König, bis dahin (trotz des Mordversuchs, den der BürgermeisterTschcck auf ihn machte) voll des rückhaltlosesten Vertrauens gegen seinganzes Volk, ließ seine Wohnstätte unbewachter, als jeder Privatmann.Erst im Jahre 1848 wurden die Portale mit eisernen Gittern ver-sehen. Diese Einrichtung wurde von den Volksführern dahin benutzt,daß ein förmlicher Sturm auf die Schloßgitter veranlaßt ward, wobeinur die Treue einer kleinen Schaar Bllrgerwehr weitere freche Ein-brüche in die Schloßräumc verhinderte. Indeß war es für den Augen-blick unmöglich, die Schloßthorgitter, so dringend nothwendig sie waren,in Anwendung zu bringen, und erst später, als im November 1848 dieStadt in Belagerungszustand erklärt wurde, geschah dies. Anfangs wur-den sie geschlossen gehalten; nur mittelst Einlaßkarte» konnte man hinein-gelangen, und die großen Schloßhöfe, die sonst der freien Straße angehörthatten, passiren. Später wurde dieser strenge Befehl aufgehoben; den Fuß-gängern sind jetzt die Durchgänge wieder vom frühen Morgen bis zumspäten Abend offen, und somit hindert uns denn nichts, in den innernSchloßhof zu treten, der hier vor uns abgebildet ist. Es geschiehtdurch das Portal (Nr. 5 benannt) vom Lustgarten aus, so daß dashier abgebildete, uns gegenüberliegende Portal, durch jwelches der vier-spännige Wagen eben gefahren zu sein scheint, vom Schloßplatz her(Nr. l zunächst der langen oder Kurfürstenbrücke) nach dem Hofe führt.Dieser Schloßhof heißt der innere, zum Unterschiede von dem nebenihm von dem Beschauer des Bildes zur rechten Seite belegenen zweiten,welcher der äußere genannt wird, weil dieser nicht nur die ganzeBreite des Gebäudes, vom Lustgarte» bis zum Schloßplatz, einnimmt.

i sondern zugleich an diejenige Seite des Viertels stößt, welches nach derSchloßfreiheit hinausliegt und somit durch dessen großes Portal(Nr. 3 der Triumphbogen des Sevcrus) auch noch von der dritten! Seite unmittelbar mit der öffentlichen Straße zusammenhängt. Derhier gezeichnete innere Hof stößt jedoch mit den beiden großen Gebäu-den, die ihn zur rechten und linken Seite begleiten, uicht unmittelbaran die Straße, sondern hinter dem Gebäude rechts (das alte, vomKurfürst Johann Georg aufgeführte Quergebäude) liegt der oben-gcnannte äußere Schloßhof, zu dem ein immer offenes Durchgangs-thor führt, und hinter dem mit der Säulenfront verzierten Bau, linksdem Beschauer, sind die beiden kleineren, dem Publikum nicht zugäng-lichen Höfe, befindlich. So ist denn allerdings der hier abgebildeteSchloßhof von beiden Seiten durch andere Höfe eingeschlossen und mußin so fern der innere genannt werden, obwohl seine beiden Hauptpor-tale ihn gerade so mit der öffentlichen Straße in unmittelbare Verbin-dung setzen, wie den neben ihm gelegenen äußeren Hof, und es nichtnöthig ist, diesen zu passiren, um zu dem hier gezeichneten zu gelangen.

Die beiden Flügel des Schlosses, welche wir hier in der Front undlinks vor uns sehen, enthalten die Wohnung des jetzigen Königs undder Königin. Der Hauptausgang zur Königin befindet sich in dem Por-tal, durch welches der Wagen fährt, dem Beschauer zur linken Seite.Ein zweiter Aufgang, der zu den unmittelbaren Wohnzimmern des Kö-nigs führt, ist in der Mitte der vorspringenden Säulenfront zur Linken.Hier befindet sich in der geräumigen sehr schönen Trexpenhalle eineDoppcltreppe, die auf der rechte» Seite in Stufen und rechtwinkeligenWendungen, auf der andern in einer gemauerten schrägen Ebene inSchncckenwindungen aufwärts führt und daher die Wendeltreppegenannt wird. Sie ist dem Berliner Gamin das Merkwürdigste desSchlosses, und keine größere Lust giebt es (oder gab es) für ihn, alsdiese Treppe hinanzuklimmen bis zu ihrem äußersten Ende, wo sie nachdem Schweizersaal führt, und sie dann vollen Laufes wieder hinabzu-eilen. Wir sagen gab; denn in früheren Zeiten, wo das Schloß Harm-