Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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dem Bau nachtheilig, da derselbe unter der schwachen, unheilbringendenRegierung des Kurfürsten Georg Wilhelm sehr verfiel und der großeKurfürst während der Dauer seiner Regierung (von 1040l0vv) da-her mit der Wiederherstellung des Verfallenen hinlänglich beschäftigtwar. Seine heutige Gestalt erhielt es im Wesentlichen erst unter derRegierung des Kurfürsten Friedrich ill, als König Friedrich I. Eswurde, was es jetzt ist, nun erst ein königliches Schloß. Alles wasman an wahrlich unschätzbaren architektonischen Verdiensten in dem Bau,wie er gegenwärtig vor uns steht, anerkennen muß, gebührt dem alsArchitekt und Bildhauer, wie als Beherrscher aller in sein Fach einschlagen-den Wissenschaften gleich großen Schlüter. Er faßte die einzelnenTheile des Schlosses durch ergänzende Vcrbinvungsgcbäude zu einemGanzen zusammen, dem er, wenn auch nicht einen völlig gleichmäßi-gen, doch im Charakter so übereinstimmenden Stil zu geben wußte, daßdie einheitliche Wirkung des Baues als Ganzes dadurch vollständigerreicht wird. Dies große Werk ward ihm mit Undank gelohnt; dennwie so leicht das Ohr der Großen sich den Einflüsterungen der Ver-läumdung öffnet, dem Gift der Schmeicheleien hingicbt, so geschah esauch damals, und ein Nebenbuhler von nicht ganz geringfügigem Ver-dienst, Eosander von Göthe (Schade, daß dieser große Name auchmit einer solchen Persönlichkeit verbunden werden muß!), verdrängteden hohen Meister. Weniger aus Mangel an Einsicht als aus Ucber-fluß an Eigensinn verdarb E. v. Göthe die großartigen Anlagen undPlane seines Vorgängers fast muthwillig. Er störte namentlich dieganze, sonst entschieden herrlichste Front des Schlosses nach dem Lust-garten, indem er bei dem erst noch im Plane vorhandenen westlichenFlügel ohne haltbare Gründe sechs Fuß vorsprang und so die Einheit derFront gänzlich vernichtete. Der Fehler ist so grob, daß man in derThat nicht begreift, wie irgend ein Auge darüber so verblendet seinkonnte, daß die Ausführung zugelassen wurde. Indeß der Bau wurdenach diesem Grundsatz ausgeführt und das Schloß erhielt dadurch diejetzige Gestalt. Das große Viereck desselben ist an der östlichen Seitevon der Spree, an der südlichen von dem großen geräumigen Schloß-platz, an der westlichen von der sogenannten Schloß fr eiheit feinemPlatz von geringer Dimension, dessen Erweiterung durch das Weg-brechen der Häuser, die daselbst am Ufer eines zweiten Spreearmsstehn, noch zu hoffen ist), und endlich an der Südseite vom Lustgar-ten begrenzt. (Die vier Fronten halten nicht genau die Weltgegendeninne, aber doch ungefähr.) Die Sprecfront, die älteste, hat 27 l FußLänge und 3V Fenster in der Linie; die Schloßplatzfront, die größeste,mit zweien, prächtigen Säulenportalc», 400 Fuß (33 Fenster, in größeremAbstände von einander als auf der Westseite), die Schloß freiheit-front 270 Fuß ( Fenster Front) mit dem großartigsten, nach demTriumphbogen des Septimius Severus erbauten Portal, und endlichdie Lustgartenfront 430 Fuß (30 Fenster Front), ebenfalls mitzweien, denen am Schloßplatz entsprechenden Portalen. Man sieht also,daß der Bau ein ziemlich regelmäßiges Oblongum bildet, dessen schmaleSeiten 27> und 270, die langen 430 und 400 Fuß betragen, ein Unter-schied, der dem Auge bei der Größe des Baues ganz unbemerkbarbleibt. Die Höhe beträgt lvl Fuß, der Stockwerke sind vier.

Seit dem Jahre l7I0 nun hatte das Schloß die hier beschriebeneGestalt, und es wurde nichts irgend Erhebliches daran verändert oderhinzugesetzt. Doch ganz in neuerer Zeit hat es eine großartige, auchseine äußere Gestalt wesentlich verändernde Verschönerung erhalten.Schon zur Zeit Schlüters nämlich war es im Plan gewesen, das-selbe mit einem Thurm zu verschen. Diese Absicht ist zu verschiedenenZeiten immer wieder angeregt worden. Auch der berühmte, vor weni-gen Jahren erst verstorbene Geheime Oberbanrath Schinkel hatte sichauf Wunsch des Königs vielfach mit Entwürfen dazu beschäftigt, diezugleich die Anlage einer eigenen Schloßkapelle umfassen sollten, an deres bis dahin mangelte, obwohl einer der Säle in solcher Art benutztwurde. Jetzt endlich ist man zur Ausführung eines dieser Entwürfe,der noch durch Geh. Oberbaurath Stüler umgearbeitet worden und ganzals dessen Arbeit betrachtet werden kann, geschritten. Der Bau war imJahr l847 schon zum Theil begonnen, wenigstens alle Vorbereitungen

dazu getroffen. Im Jahre 1848 wurde er, nur um den zahlreichenunbeschäftigten Arbeitern Thätigkeit zu geben, fortgesetzt unter Leitungdes Schloßbaurath Schadow. Der Thurm hat seine Stellung überdem großen Portal an der Front nach der Schloßfreiheit erhal-ten, und erhebt sich, jetzt äußerlich vollendet, in voller Pracht, voneiner außerordentlich schönen Kuppel überwölbt, bis zu einer Höhe von225 Fuß vom Erdboden, über demselben. Unter der Kuppel befindet sich,durch eine zweckmäßige Benutzung der schon vorhandenen innern Räume,die Schloßkapelle in Form eines Achtecks, mit vier größeren und vierschmaleren Seiten. Der Bau derselben ist gegenwärtig noch nicht ganzvollendet, wird aber binnen Jahresfrist fertig werden. Er wird mitdem höchsten Lurus und im edelsten Geschmack ausgeführt. Marmor,Gold, Skulpturarbeiten, herrliche Malereien werden das Innere derKapelle eben so reich als mannigfaltig schmücken. Erst mit diesem Baukann der des Schlosses äußerlich als vollendet betrachtet werden, so daßalso von der ersten Anlage (1442) bis zu dieser letzten, welche demWerk die Krone aufsetzt, über vier Jahrhunderte verstrichen sind.

Dies wäre die skizzirtc Schilderung des Baues, wie er sich äußer-lich darstellt. Das Innere desselben ist indeß eben so bedeutsain, undin vielen Beziehungen noch ungleich merkwürdiger und sehenswerther,als das Aeußere. Das Schloß ist, wie sich schon aus seinen Maaßennach den Frontlängen und der Höhe ergiebt, äußerst weitläuftig. Esenthält nach den neuesten Eintheilungen über 000 Zimmer, Säle undKabinets, deren größter Theil überaus reich und glänzend eingerichtetist. Von diesen Räumen find folgende die bemerkenswcrthesten. Zuerstdie Wohnzimmer des Königs, die, seinem Hang zum Alterthüm-lichen entsprechend, den ältesten Flügel des Gebäudes nach der Wasser-seite größtentheils einnehmen und sich von dort nach der Front amSchloßplatz herumziehen. Doch hat der König seit dem Jahre l«48,wo er in diesen Gemächer» so überaus schmerzliche Erfahrungen ge-macht, die nur die trübsten Erinnerungen wecken können, diese Wohnungnicht dauernd bezogen, sich überhaupt nicht in Berlin aufgehalten, son-dern in Potsdam oder Charlottenburg, und einer desfalls jüngst anihn ergangenen Deputation des Magistrats auch erklärt, er könne nichteher dauernd in die Residenz zurückkehren, bis sich die Gesinnung ihrerBewohner vollständig bewährt habe, was bisher nur von einem Theilderselben geschehen sei.*) Nächst der Wohnung des Königs find diegroßen Prachtlokale zu öffentlichen Feierlichkeiten und glän-zenden Hoffesten zu bemerken. Diese nehmen hauptsächlich das zweiTreppen hoch belegene Geschoß ein und dehnen sich hier fast rings umdas ganze Schloß. Im März des Jahres 1843 gab der König in die-sem Raum das glänzendste und ausgedehnteste Fest, welches jemals imSchloß stattgefunden hatte, wo sich prachtvolle Maskcnaufzüge mit derDarstellung lebender Bilder, Musik und Schauspiel verbanden, undwozu ein großer Theil der Stadtbewohner, etwa 0000 Personen imGanzen, eingeladen waren. Das Festlokal umfaßte den strahlenden, inmassivem Gold und Silber dekorirten Rittersaal, die Bildergal-lerie, den weißen Saal, den Garde du Corpssaal, denSchweizersaal und viele andere saalartige Räume und Prunkge-mächer, so daß diese 0000 Personen sich mit aller Gemächlichkeit in den-selben bewegten und eben so leicht an vielen Tafeln und zahlreichenBüffets speisen konnten.

Unter den genannten Sälen ist der weiße Saal der merkwür-digste und schönste, an den sich zugleich viele geschichtliche Erinnerungenvon Wichtigkeit knüpfen. Wir erwähnen hier nur beiläufig, daß indemselben nach dem Kriege von >800 das von Rhigini componirteTedeum für die glückliche Rückkehr des Königs und der Königin ge-sungen wurde, eine schmerzlich erhebende Feierlichkeit. In neuesterZeit überaus prachtvoll umgebaut und dekorirt in weißen marmorreichenGoldarabcsken und mit vielen Malereien und Drapperien, wurde erzur Sitzung des vereinigten Landtags von 1347 besonders eingerichtet;

»t Vielleicht daß die soeben geschehenen, äußerst günstig im eonserdativen Sinne ausgefallenenWahlen zum Gcmcinderath der Stadt snr ein Symptom dieser Sinnesdewährung gelten,und der König in Felge derselben seinen Wohnsth wieder in Berlin autschlägt.