zum Genuß einer anmuthigen Ländlichkeit führen. — Endlich haben dieEisenbahnen in den letzten zehn Jahren mehr als Alles Uebrige denVerkehr der Haupstädter mit den schöneren Punkten der Umgegend ver-mittelt und nicht nur der nächsten, sondern auch der entfernteren; undwas sich in kurzer Zeit wohlfeil machen läßt, darf ohne Rücksicht aufdie nämliche Entfernung zur Umgegend der Stadt gerechnet werden.So ist diese denn fetzt in der That ganz anders geworden, als vorsechzig Jahren.
Die neuen Anlagen, die die Stadt umgeben sollen, und einemgroßen Theile nack bereits fertig sind, hängen mit der Schiffbarma-ch ung des sogenannten Land wehrgrabens zusammen, die auch sonsteinen höchst wichtigen Einfluß auf das comerzielle und industrielle LebenBerlins üben wird. Es zog sich nämlich ehemals ein schmaler, fast nurmit stehendem Wasser gefüllter Graben, unter dem Namen des Scha ab-graben bekannter, als unter dem des Lanbwehrgraben von der SeiteBerlins, wo die Spree in die Stadt fließt, etwa >vl>0 Schritt vor derselbenum die südliche Hälfte der Stadt herum, größtentheils dicht an derStadtmauer entlang, durch den Thiergarten bis eine Stunde unterhalbdes Sprceausflusses, oder sogenannten Unterbaums. Diesen Graben zueinem breite», schiffbaren Kanal zu gestalten, war ein längst geheg-ter, aber kostspieliger Gedanke. Er trat endlich vor wenigen Jahrenins Leben. Zugleich sollte aber damit eine Verschönerung derUmgebungen der Stadt im Großen verbunden werden. Dieganze Länge dieses Kanals, welche gegen drei Stunden beträgt, da mandie Ausmündung desselben fast bis Charlottenburg hinausgelegt hat, sollzu Spaziergängen in einer Breire von 2 —300 Schritten umgeschaffcnwerden. Ein Theil dieser Anlagen ist schon vollendet und bietet an dembreiten, blauen Spiegel des bereits von Schiffen belebten Kanals, grünumbüschte Spazicrgänge zum Fahren und für Fußgänger dar. DasGanze wird ein ausgedehnter Boulevard, in der Weise wie Leipzig,Breslau, Frankfurt a. M. und andere Städte davon umgeben sind,nur mit dem Unterschiede, daß das Grün der Gebüsche durch Wassererfrischt und verschönert wird. Hätte die unselige Revolution nicht einer-seits die Geldkräfte des Staates so erschüttert, andererseits auch dieFreude und Lust des Königs an solchen Schöpfungen, namentlich in derHauptstadt, die sich so schmachvoll, treulos und undankbar gegen ihngezeigt hat, verbittert: so würde die Umgestaltung eine noch viel ausge-dehntere geworden sein. Die Stadtmauer sollte in dieser ganzen Längeniedergerissen, das nächste Terrain angekauft, und der Raum durchwegmit geschmackvollen Landhäusern, mitten in der grüne» Umgebung gelegen,umzogen werden. Es wäre dadurch nicht nur der schönste Spaziergang,eine Mischung von Architektur und Park entstanden, wie sie noch nir-gends vorhanden ist, sondern wir hätten auch einige hundert Sommerbe-sitzungen erhalten, die dem unermeßlichen Steinkrater so überaus nöthigsind, und allein für die Gesundheit ein unschätzbarer Gewinn gewordenwären. Die höchst geschmackvollen Plane zu diesem, wie zu den nunmehrin Ausführung gekommenen Anlagen sind sämmtlich von dem in derGartenkunst eben so romantisch und dichterisch schaffenden GartendirectorLenn«, wie Schinkel ein architcctonischer Dichter war. —
Die Vortheile, welche, wie schon oben erwähnt, Berlin durch diechaussirten Landstraßen, und mittelst derselben hervorgerufenenwohlfeilen, schnellen und bequemen Communikationsmittel gewonnen hat,sind außerordentlich. Ein, zwei, drei Stunden Weges mußten sonst müh-sam zu Wagen, kaum schneller als zu Fuß, zurückgelegt werden, um nurdie nächsten angenehm gelegenen Dörfer und Parks zu erreichen. Char-lottcnburg und Potsdam (letzteres erst seit dem Ende des vorigen Jahr-hunderts) waren die einzigen mit der Hauptstadt durch Chaussee ver-bundenen, anliegenden Orte. Alles Uebrige war durch ein tiefes Sand-meer von derselben getrennt. — Unsere märkischen Dörfer aber, wennauch nickt schön gelegen, bilde» an sich meist sehr angenehme Aufent-haltspunktc. Fast alle sind in breiter Straße, oder als sogenannteRingdörfer, wie ein ansehnlicher Marktplatz angelegt, wo sich die Häuserim Kreis oder Oval um die im Mittelpunkte gelegene Kirche ziehen.Dieser weite Raum ist gewöhnlich von den ältesten Linden, Kastanien,oder Rüstern beschattet, unter denen sich ein frischer grüner Rasenteppich
ausdehnt. In vielen dieser, nahe an der Hauptstadt gelegenen Dörfernsind auch die Baulichkeiten behaglich. Zwischen den freundlichen ländli-chen Wohnungen sieht man die geschmackvollsten Villen mit reizendenGartenanlagen, in denen namentlich die Blumenzucht oft bis zur vollen-detsten Höhe gediehen ist. Eine solche Gestalt haben die Dörfer Schöne-berg, Wilmcrsdorf, Tempclbof, Stralau und Trcpt ow (diesenoch überdies am Ufer der Spree reizend gelegen) Lichtenberg, Pan-kow, Schönhauscn (mit einem königlichen Schloß und sehr schönemPark), französisch Buch holz und viele andere, des mit königlicherPracht und ländlichem Reiz gleich ausgestatteten Charlotte nburgs garnicht zu gedenken. — Alle diese Orte, sonst, wie gesagt mühsam erreich-bar (l—3 Stunden von Berlin belegen) sind setzt in rascher, wohlfeiler,bequemer Fahrt von bis l Stunde zu erreichen, gehören also setztzu dessen nächster Umgebung.
Allein die Mark hat (wie das Gedicht Göthe's, der sie noch zurtrostlosesten Zeit, und wohl nur an den ungünstigsten Punkten gesehen,sie auch in Verruf gebracht habe) dennoch auch schöne Gegenden, wirk-lich schöne, die, wir sind oft Zeuge davon gewesen, auf den Fremden,der die halbe Welt durchstreift war, den überraschendsten Eindruck her-vorgebracht haben. Diese schönen Gegenden beschränken sich zwarimmer aus einzelne Punkte, allein sie stehn doch in einem etwas reich-haltigeren Verhältniß zum Ganzen des Terrains, als die Oasen derWüste, mit denen man sie gewöhnlich vergleicht. Die ganze Mark (wieauch Pommern, Meklcnburg) ist nämlich mit kleineren und größerenSeen durchsetzt, die mit ihren Ufern diese erfrischenden Punkte bilden.So sind Spree und Havel gewissermaßen als der Silberfaden zu be-trachten, der eine Kette blauer Seen, von grünen Waldhügeln um-schlossen, aufreiht; andere Seen liegen ganz einzeln ohne Verbindungmit Flüssen, meist in tiefen, waldumkränzten Becken. Durch diese beidenGattungen, die Strom- und Einzelseen nun, gewinnt Berlin eine nichtgeringe Zahl wirklich schöner Punkte in seiner Umgegend. So bildetdie Spree zunächst bei Stralau (oder Rummclsburg) einen breiten See-spiegel; dann zwei Meilen weiter oberhalb, hinter Köpnick den Müg-gelssee, der anderthalb Stunden lang, eine Stunde breit ist, und dessensüdliches Ufer durch die schon im Eingang erwähnten, waldigen Höhender Müggelsberge, deren Gipfel sich über den Seespiegel erhebt, ver-schönert wird. Von der Spitze derselben entdeckt man im Umkreise nocheine Menge anderer Seen, welche eine große, waldbewachsene Insel,deren höchster Punkt eben die Müggelsberge sind, mit ihren blauenblitzenden Gürteln umschließen. Zwei Stunde» weiter spreeauswärtsliegt das Dorf und die Schleuse Erkner, wo sich ebenfalls mehrereprachtvolle Seen, rings von reichen Waldhügeln umgeben, ausbreiten.Dieser, vier Meilen von Berlin belegene^Punkt war ehemals nur mit-telst einer beschwerlichen, den ganzen Tag dauernden Fahrt durch dentiefsten Sand zu erreichen. Jetzt bildet er eine Eisenbahnstation,zu der man in Stunden gelangt, und wohin in den Sommer-nachmittagen ungemein wohlfeile Ertrafahrten gemacht werden, so daßer einen sehr besuchten Lustvrt bildet. Desgleichen seine waldfrische, an-muthige Umgegend, das schöne Dorf Woltersdorf, ganz in Walb-höhcn am Wasser gelegen, die Kranichberge, von denen man dasLand viele Meilen weit überschaut, und das merkwürdige Dorf Rü-der s vor f, wo sich ausgedehnte Kalksteinbrüche besinden, welche einemalerische Lage mit höchst sehenswerthen Bergwerksanlagen verbinde».Alles dies, sonst eine starke Tagreise von Berlin, gehört jetzt zu dessennächster Umgebung; denn nicht die örtliche Ferne, sondern die Zeit-ferne und die Mittel, die örtliche zu überwinden, geben hier denAusschlag.
Nach der andern Seite der Stadt, dem Havclgebiet zu (jeneSeen gehören alle dem der Spree an) hat die Umgegend Berlins eben-falls mehrere ähnliche Punkte. Wir^ nennen zunächst Pichelsdorf(bei Spandau) an der Havel, wo die steilen Waldberge verbunden mitden breiten Strömungen des Flusses und den waldigen Inseln in dem-selben außerordentlich schöne, landschaftliche Gemälde darbieten. DannTegel mit einem schönen Park und Schloß, das noch durch zwei be-rühmte Namen Bedeutung erhält. Hier nämlich sind die beiden Brüder Wil-