Druckschrift 
10 (1852)
Entstehung
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Preußen, und daran schließt sich, von beiden Seiten der Baumreihen, >die Doppellinie der schönsten Privatgebäude und Paläste, bis zumBrandenburger Thor hin, das, in der Entfernung von l500 >Schritten, den Prospekt auf die imposanteste Weise beschließt.

Dieser Theil Berlins, der freilich den Kern fast alles Schönenund Prächtigen, das die Stadt in architektonischer Hinsicht auszuweisenhat, in sich begreift, darf sich ohne Scheu jeder großartigen, städtischenAnsicht in Europa zur Seite stellen. Andre Städte glänzen oder impo-niren durch Anderes. Diese reine Schönheit der Formen, (fast lauterantike Modelle haben den Bauten zu Grunde gelegen, oder wenigstenssind sie in diesem Style ausgeführt) verbunden mit der Anmuth derUmgebungen, jenen freien, grünen Plätzen, hat aber keine europäischeSradt in solcher Fülle auf solchem Raum zusammengedrängt, auszuweisen.

Wir schließen hiermit die Skizze, die wir von der äußeren Gestaltder Hauptstadt gegeben.

Gehen wir nunmehr zu den, allerdings nicht im besten Ruf stehen-den Umgebungen über. Hatte die böse Schilderung derselben vorfünfzig Jahren und länger vielleicht, vollkommen Recht, so ist dies jetztdoch schon bedeutend anders geworden, und wird in wenigen Jahrennoch ganz anders sein. Freilich kann eine ganz in der Ebene belcgcneStadt, mit geringen, unbedeutenden Hügeln außerhalb derselben, aufmeist sandigem Boden, keine schöne Gegend für sich, am wenigsten einemalerische Landschaft darbieten. Allein sie bietet (wie scherzweisevon der Aussicht vom Kreuzberge gesagt worden ist), den Raum dazudar, d. h. ernsthafterweise, die Möglichkeit durch Anlageneinen äußerst angenehmen Aufenthalt zu schaffen. Das ist früher zusehr versäumt worden. Die Stadt hatte auf der einen Seite von demBrandenburger Thor nichts, als den sehr vernachlässigten Thiergartenmit tiefsandigen Wegen. Dennoch war dieser Wald so frisch und grünund es erschien so eigenthümlich, daß eine Reihe von Landhäusern sichfast eine Stunde lang unmittelbar an dem freien Walde hinzieht, daß(eine Anecdote, die wir verbürgen können) die Gemahlin eines neapoli-tanischen Gesandten einmal auf die Frage, wie ihr Berlin gefalle, ge-antwortet hatt ,,'l t es ÜU'N : lu^is ee «jili m'eninnmlc', ceUnd damit »leinte sie, die allerdings bei keiner Stadt vorkommende Er-scheinung, daß eine Reihe von Villen mitten in anmuihiger Waldes-frische liege. Der Prater z. B. gewährt dies nicht. Neapel selbst, diewundervolle Hcimath der Befragten, bietet in dieser Beziehung allerdingsauch nichts Aehnlichcs dar, wie denn überhaupt die herrlichen Laubwäl-der in unseren nördlichen Gegenden, dem Südländer von unbeschreib-licher Schönheit erscheinen; und auch wir haben gewiß Ursache, sieüberaus zu schätzen. Bildete nun dieser Wald in seinem damaligensehr vernachlässigten Zustande (die Anecdote ist ein halbesJahrhundert alt) schon einen so angenehmen Ausenthalt, so ist dies jetztnoch weit mehr der Fall, wo er, seit etwa l215 Jahren, durch dieHand eines der größten Gartenkünstler, des Gartendirectors Lenno,in den schönsten Garten und Park verwandelt worden ist, ohne ihm da,wo es angemessen war, den Character der frei gewachsenen Wal-dung zu rauben. Die Kunst hat große Sumpfstreckcn, die er enthielt,trocken gelegt, tiefe Sandwcge in wohlgebahnte Pfade und Straßenumgestaltet, das verkümmerte Moos, wilde Gras und Gestrüpp, welchesden Boden bedeckte, in den schönsten Rasenteppich verwandelt, die leerenRäume zwischen dem hochstämmigen Oberholz durch buschreiches Unter-holz ersetzt, u. s. w. Dennoch ist der Character des freien wildenWaldes, in den Strecken, wo er vorherrscht und eine schöne Eigenthüm-lichkeit darbot, beibehalten worden. Daß solche Veränderungen nurVerschönerungen sind, wird Niemand bestreiten.

Ist Berlin nur von der einen Seite, vor dem einen Thor in derThat so reich bedacht, als irgend eine große Stadt, so sieht es dagegenund sah es zumal, vor den andern Thoren wenig erfreulich aus. Amgünstigsten ist die Gestaltung des Bodens einer schönen Umgebung geradeauf der entgegengesetzten Seite der Stadt, wo die Spree in dieselbeeinfließt. Der Strom ist dort breit, klar, spiegelt an schönen Tagen

das reinste Blau des Himmels zurück; zugleich verbindet er sich miteinem ansehnlichen See, der als eine Seitenbucht desselben erscheint. Die>! Ufer bestehen aus Wiesengrund, Feldern und Waldung. Die letztere^ war noch vor zehn Jahren gerade hier ungemein schön; es war nichtder dürre märkische Fichtenwald, sondern meist schönes Laubholz, rasuns Grün und Schatten bot. Besonders mischten sich die Erlen, Birkenund Buchen, und gewährten den Lustwandelnden kühle Fußpfade. Leider,und unbegreisticherweise, haben die eigenen Väter der Stadt, nämlichdas Magistratscollegium, diesen herrlichen Wald vernichtet! Weil, ihrerMeinung nach, zu viele Holzfrevcl darin verübt wurden, es zu kostbaroder gar unmöglich sei, ihn dagegen zu schützen, wurde er nieder-! gehauen! Nickt die feindlichen Heere der Oestreicher, der Russen, derj Franzosen hätten, als sie Berlin besetzten, einen Akt größerer Zerstörung,dessen Folgen in die Jahrhunderte hineinreichen, verüben können! Jetztsieht man freilich längst ein, wie verkehrt dieser ->b w-uo gefaßte Be-schluß war, und wie ganz und gar nicht sich die Hoffnung erfüllt hat,durch Anbau dieser Strecken eine schönere Umgebung der Hauptstadtzu schaffen!

Vor den andern Thoren Berlins aus denen die Wege in das trockeneBlachfeld führen, das ohne Wasser sich auf wenig fruchtbarem Bodenausdehnt, ist die Umgebung der Stadt freilch sehr ungünstig. UnsereVorältern hatten uns hier an mehreren Punkten alte, herrliche Linden-Alleen hinterlassen, zwischen denen sich der Weg, allerdings im tiefenSande, hinzog. Diese sind jetzt in Chausseen verwandelt, und weiteStrecken vor der Stadt hinaus mit freundlichen, zuni Theil sogar sehrgeschmackvollen Landhäusern angebaut, allein man hat den Fehler began-gen, sie zu eng an einander zu rücken, nicht breite Quergürtel zu Busch-und Gartenanlagen offen zu lassen. So schließt sich, durch den immerwachsenden Anbau die Häuserreihe immer dichter, das Grün, die Gärtenverschwinden mehr und mehr, und bald werden diese Wege nur eineVerlängerung der städtischen Straßen sein, wo nur die Bäume derAlleen, und die kümmerlichen, durch den Chauffcestaub in tiefes Graugefärbten Gärtchen vor den Thüren, andeuten, daß hier ehemals einsommerlicher Aufenthalt zu suchen war. Große Strecken, vor den Tho-ren der belebteren Stadtgegenden z. B. vor dem Potsdamer, Ora-nienburger, Schönhauser, haben schon diesen Character ange-nommen, und man fährt oder geht dort nur in einer, eine Viertelmeileund weiter vor das Thor hinaus verlängerten Stadtstraße. So er-streckt sich, wenn man sich so ausdrücken darf, die tödtende Versteinerungder Stadt immer weiter vor dieselbe hinaus, dringt mit ihrer erstarren-den Gewalt tiefer in die ländliche Umgebung ein, und der Bewohnerder inneren Stadt wird dadurch mit jedem Jahre weiter von Feld undBusch von Wiesen und Saat, von der frischen Luft der Landschaft, dieauch in nicht schöner Gegend immer tausendmal erquickender ist, alsdie erstickende staubgeschwängerte der Städte, abgeschnitten.

Diese Schilderung der Umgebungen Berlins scheint dem zu wider-sprechen, was wir im Eingang sagten, daß zwar vor 5V Jahren vollerGrund zu jener üblen Berühmtheit vorhanden gewesen, daß indeß schonjetzt die Gestalt der Dinge sich sehr verändert habe, und in wenigenJahren eine ganz andere sein werde. Dem ist aber dennoch in der Thatso. Einmal hat, wie schon geschildert, der Thiergarten eine ganz andereGestalt gewonnen. Zweitens sind große Anlagen im Werke, die,wäre das Jahr l8l3 nicht eingetreten, schon in ausgedehnter Weise fer-tig sein würden, welche wenigstens der einen Hälfte der Stadt eineüberaus freundliche landschaftliche Umgllrtnng verschaffen werden.

Drittens hat sich durch den Bau schöner Landhäuser vor fastallen Thoren, durch die Errichtung vieler großen öffentlichen Garten-Etablissements und durch die Chaussirung sämmtlicher Wege (vor50 Jahren versank der Fuß überall im tiefsten Sand), auch vor denThoren trotz des gerügten Zuviel im Anbau, Alles ungleich freundlichergestaltet, als in früheren Zeiten.

Die Chausseen, die von der Hauptstadt aus nach allen Richtun-gen führen, haben auch die Verbindung mit den in der Nähe gelegenenangenehmen Punkten sehr erleichtert, und dadurch unzählige wohlfeileFuhrwerke in's Leben gerufen, die an schönen Tagen Tausende ins Freie