serseite bezeichnen; denn sie bietet sich Demjenigen dar, der sich zuWasser mit dem Lauf der Spree der Stadt nähert. Dieser Fluß istnämlich beim Einmünden in Berlin von ansehnlicher Breite, so daß ereinen weiten Wasserspiegel gewährt, über den sich die Thürme Berlinserheben, und in den Wellen abspiegeln. Wer sich von dem Fischerdorfeund Vergnügungsorte Stralau, auf einem Nachen der Stadt nähert,der hat diesen Anblick derselben, welchen wir landschaftlich, wohl denschönsten nennen müssen, zumal Abends, gegen Sonnenuntergang, weilalsdann, indem der Strom ziemlich von Osten nach Weste» fließt, dieThürme und Gebäude sich gegen den goldenen Hintergrund des Abend-himmels absetzen, und zugleich aus dem klaren Wcllenspiegel des sehrruhigen Stroms zurückglänzen, so daß das Schauspiel oft ein wahrhaftimposantes genannt werden kann.
Doch kehren wir auf unsern, hier gewählten Standpunkt zurück.Obgleich auch von diesem die Stadt, ganz in der Fläche gelegen, undvon geringer Höhe aus betrachtet, sich gewissermaßen nur in einerDurch schnittslinie, wenig vertieft, darstellen kann, und dadurch ge-gen andere Städte, die eine Anhöhe amphitheatralisch hinansteigen, oderin einem tieferen Thal in mannichfachen Windungen sich hinstrecken, sehrverliert: so wird doch, zumal unter günstiger Beleuchtung, der Ueber-blick dieser Masse von stolzen Gebäuden und Thürmen, die sich amRande der grünenden Felder und Gärten, oder zwischen der Umbüschungdurch höhere Bäume erheben, ein imposanter sein. Wir stehen mit demRücken an das Denkmal gelehnt, das nach einer geistvollen ZeichnungSchinkels eine gothische Spitzsäule mit Bogenwölbungen und Vertie-fungen, in Erz gegossen, bildet, die zur Erinnerung an die Freiheits-kriege der Jahre >8>3 — 15 errichtet wurde. Die Sonne geht, wennman die Stadt von hier überschaut, nicht hinter Berlin unter, sondernseitwärts der Stadt, so daß sie sie gegen Abend mit allen ihrenStrahlen vergoldet, und somit die Kuppeln und Dächer der Paläste undKirchen in leuchtendem Glanz schimmern läßt. Eine Menge stattlicherGebäude, — Kirchen und Thürme weniger — haben ihre Front nach die-ser Seite der Stadt gerichtet, und bilden gewissermaßen die erste Linieder langen Paradeanfftellung architektonischer Schöpfungen. Besonderslebhaft tritt hier die industrielle Regsamkeit Berlins heraus, die sich ineiner unzählbaren Menge von Dampfschornsteinen und rauchenden Hoch-öfen bekundet, welche ebenfalls gerade nach dieser Seite angelgt sind.Denn einmal liegt zunächst vor uns die große Gasbereit ungs an-statt der englischen Compagnie, früher die einzige Berlins, da sie erstseit wenigen Jahren mit der durch die Stadt selbst eingerichteten Stra-ßen- und Häuserbcleuchtung durch Gas in Concurrenz getreten ist; dannbefinden sich auf dieser Seite zwei große Eisenbahnhöse (der An-haltische und Potsdamer) so nahe, daß wir, außer den stattlichenGebäuden die sie schmücken, auch die dampfenden, oder im Dunkelndurch weitleuchtcnde Flammenkrater, und den Schornsteinen sprühendentsteigende Funkcngarben sich bemerkbar machenden Coaksöfen er-blicken; endlich läuft ziemlich parallel mit der nächsten Horizontlinie dieSpree, die an ihren Ufern zahlreiche industrielle Etablissements zählt,welche sich demgemäß in einer langen Front vor uns hinzichn, und durchdie Reihe der Dampfschornstcine bezeichnet werden. Freilich sind diesel-ben zu klein gegen das Eesammtbild der vor uns ausgebreiteten Fläche,um in der kleinen Darstellung, die der Leser vor Augen hat, ein bezeich-nendes Moment zu bilden; allein in der Wirklichkeit, wo das Auge dieEinzelnheiten der Landschaft in hinreichender Größe auffassen kann, er-hält dieselbe gerade durch diese Gegenstände einen wesentlichen Charak-terzug.
Die Thürme Berlins, etwa zwanzig, wobei schon unbedeutendemitzählen, sind von hier aus fast sämmtlich sichtbar, mit Ausnahme der-jenigen, die etwa einander decken, oder die durch ihre größere Entfer-nung in dem grauen Gemisch der Häusermassen und Dächer verlorengehen. Die bedeutendsten sind, für dieses Bild, zunächst die beidenGensd'armenthürme, ganz gleich in Höhe und Bauart, und auchdiesem Stadttheil die nächsten, mit Ausnahme der Jerusalemkirche(ehemals ein abgestumpfter, flacher Thurm, der in den letzten Jahrenjedoch ein hohes Spitzdach erhalten hat) und etwa der böhmischen
und Dreifaltigkeitskirchc, die jedoch an sich unbedeutend sind. —Zwischen den Gensd'armenthürmen erhebt sich das Dach des neuenSchauspielhauses, das auch wirklich mitten zwischen beiden liegt.Unfern davon sehen wir auch das des neuen Opernhauses, in ge-ringem Winkel ansteigend, nach Art der antiken Bedachungen, und gleichdaneben die runde Kuppel der, dem römischen Pantheon nachgebildetenkatholischen Kirche. Ganz in deren nächsten Nachbarschaft erhebensich die kleinen, zackigen, gothischen Thürme der Werderschen Kirche,nach Schinkels Zeichnung umgebaut, und aus einer unförmlichenMasse mit plumper Bedachung in diese zierliche Form gebracht. — Etwasweiter im Hintergründe stellt sich die Domkirche dar, jetzt noch in derGestalt, die sie seit länger als hundert Jahren gehabt; allein bald wirdstatt ihrer ein durchaus anderer, prächtiger Bau in die Lüste steige», andessen weitumfassenden Fundamenten schon seit Jahren gebaut wird, undder Berlin durch eine im Basiliken-Stpl ausgeführte Kirche, mit impo-santen Thürmen, Säulcngängen u. s. w. schmücken soll.—In der Rach-barschaft der Domkirche zeigt sich das Schloß, dem erst in der jüngstenZeit, durch den prachtvollen Ausbau der Schloßkapelle ein, den colossa-len Verhältnissen des Gebäudes, entsprechender Thurm mir vergoldeterKuppelwölbung hinzugefügt ist; früher hatte es nur einen ganz unbe-deutenden kaum bemerkbaren, der zur Bedeckung eines auf dem Dach-plateau angelegten Wasser-Reservoirs dient.
Bon entfernteren Thürmen Berlins die sich auf unserm Bilde zei-gen, nennen wir nur noch die bedeutenderen: den der Nikolaikirche(die älteste der Stadt) welcher sich in langer, schmaler Spitze (klsebe)zu ansehnlicher Höhe erhebt; den der Parochialkirche, der zunächstdahinter aufsteigt, und durch ein schönes Glockenspiel merkwürdig ist;den Sophienthurm, der in einem der entfernteren Stadtthcile gele-gen, sich von hier aus in dämmernder Bläue darstellt, obgleich er hin-sichtlich der Höhe nächst dem Marienthnrm, dem letzten, den wirhier nennen wollen, der bedeutendste ist. Dieser ist in der That der höch-ste, und, wenn nicht der schönste, doch einer der schöneren ThürmeBerlins. Er zeichnet sich durch eine schlanke, leicht emporstrebende Form,in drei Hauptabsätzen, die jede durch Gallerieen bezeichnet sind, vorzugs-weise aber durch eine schöne, von gothischen Bogen gebildete Halle inder oberen, dritten Abtheilung aus, aus welcher man, da der Thurmim Centrum der Stadt liegt, die vollständigste und weiteste Uebersichtderselben hat. Außerdem ist er der bezeichnendste Punkt in der Land-schaft, bei jeder Gesanimtansicht der Stadt; derjenige, an welchem manauch aus weitester Ferne gewöhnlich die Lage derselben am Horizontzuerst erkennt.
Dies wären die Hauptpunkte des Bildes, unter welchen sich unsBerlin von dem hier gewählten Standpunkte aus darstellt; sie liegenfast alle schon im Horizont, wenige im Mittel- oder Vorgrunde. Derletztere wird durch die Abhänge der Anhöhe auf der wir stehn gebildet,und gewährt durch Gärten und Landhäuser, so wie durch das eleganteVergnügungsetablissemcnt „Tivoli" einen sehr anmuthigen, mannich-faltigen Anblick. Vor etwa zwanzig Jahren wäre dies nicht davon zusagen gewesen. Denn damals bildete die Anhöhe, auf der jetzt dasschöne Monument glänzt, nur eine öde Sandanhäufung, ohne den min-desten Anbau. Nur daß einige spärliche Saatfelder im Frühjahr amAbHange grünten, oder einige Kartoffeln angebaut waren. Der Flug-sand arbeitete sich von hier aus weit auf die umliegenden Felder. Sehrwohlthätig für Berlin war es daher, daß zwei spekulative Brüder, Ge-rikc mit Namen, den öden Berg, der n»r auf dem Punkte, wo dasDenkmal stand, einige Gartenanlagen zeigte, ankauften, und das nochheut bestehende Vergnügungsetablissement Tivoli, nebst einer russischenRutschbahn gründeten, während sie zugleich die Abhänge rings um mitBäumen und Gebüschen bepflanzten, und ländliche Häuser zu Sommer-wohnungen erbauten. Anfangs war das Unternehmen durch eine unge-mein zudrängende Theilnahme des Publikums, die durch die mannich-fachste Art von Festen unterhalten wurde, sehr begünstigt, später jedochverloren die Begründer, die ihre Anlagen und Projekt nach einem zugroßen Maaßstabe gemacht hatten, bedauernswerther Weise das Ihrigedabei. Indessen der unfruchtbare öde Berg, diese sandige, und Sand