ZK e r l l n.
E l n l e
Merlin, diese Haupt- und Residenzstadt des gesammten Preußischen !Staates, die zweite Stadt Deutschlands, welche in dem nun beginnen-den Theil des vorliegenden artistischen Werkes in einer Reihenfolge vonin Stahl gestochenen Ansichten seiner vorzüglichsten Bauwerke, seiner eigen-thümlichsten Stadttheilc und der interessanten Punkte der die Stadt ein-schließenden Umgegend umfassen wird, werden wir mit einem diesenDarstellungen entsprechenden Tert begleiten, dessen Grundanfgabe diesein soll, eben so ein geistiges Bild der merkwürdigen Hauptstadt, so-wohl in deren äußeren Erscheinungen, als in ihrem Leben und Verkehrzu liefern, wie jene Werke des Grabstichels uns eins für die Auffassungdurch den Sinn des Auges darbieten. Je nach dem Gegenstande, demsich diese geistige Ergänzung zunächst anschließt, wird dieselbe ihr Co-lorit, wie auch ihren inneren Gehalt besonders zu wählen haben. Hierwerden wir vorzugsweise zu historischen, dort zu statistischen Mitthei-lungen Anlaß finden; einige Blätter werden uns zu der Schilderungdes gewerblichen und industriellen Verkehrs, andere zu der des geselligenveranlassen. Wieder andere werden das wissenschaftliche oder künstlerischeElement hervortreten lassen müssen, oder uns auffordern, das Lebenselbst in seinen thatsächlichen Erscheinungen, in seinem nationale» Co-stüm wiederzuspiegeln.
Wenn wir auch, so vielen einzelnen Anknüpfungspunkten folgend,nickt ein großes Gesammtbild von Berlin aufstellen können, welchesalle die angedeuteten Richtungen erschöpfend umfaßte, und sie in ei-nen großen Rahmen einschlösse: so dürfen wir doch hoffen in der Weiseder Auffassung, die wir gewählt haben, eine Reihe von Gemählden andem Leser und Beschauer der bildlichen Darstellungen vorüber zu führen,die ihm so lebendige Eindrücke hinterlassen, daß sich ihm daraus gcwisser-
i t u n g.
maßen von selbst ein innerliches klares Gemählde des so unendlich rei-chen Lebcnsschauplatzes gestaltet, der eine Residenz von solchem Um-fange, von so tausendfachen Richtungen geistiger Bestrebung und äußer-licher Erscheinungen darbietet.
Wie ein Netz von wenigen, aber festen Linien hinreicht, einer ge-nauen geographischen Aufnahme weiter Länderstreckcn zur Basis zu die-nen; wie ein in leichten Conturen hingeworfenes Blatt, uns für diereichste und verwickeltste Compofition eines Bildes, zum sichern Leitfa-den dient: so wollen wir auch unsern Lesern durch eine solche in leich-ten aber getreuen Umrissen entworfene Zeichnung eine allgemeineUebersicht des aus tausendfältiger Mosaik zusammengesetzten Gegen-standes unserer Arbeit geben. Ein Gemählde, welches bei der Reichhal-tigkeit des Stoffes, bei aller Zusammendrängung doch immerhin einigerAusführlickkeit bedürfen wird. Der Zeichner gibt uns übrigens selbstdie natürlichste Aufforderung dazu an die Hand, indem er den gleichenWeg einschlug, und an die Spitze seiner ausgeführten Ansichten einzel-ner Gebäude, Straßen, Häuscrgruppen der Stadt, eine leichte Skizzederselben stellte, die uns einen Blick über das Ganze ihrer architekto-nischen Verhältnisse gewährt. Es ist dieß das erste Blatt: Berlinvom Kreuzberge aus gesehen." An dieses mögen wir denn auchunsern ersten Aufsatz knüpfen und er mag davon auch die Ucberschriftentlehnen, wenngleich er auch einige tiefere Blicke in das Innere die-ses Gewebes von Straßen, Thürmen und Palästen thun muß, als vondem hier gewählten Standpunkte dargeboten worden. Wir wollen trach-ten in demselben ein getreues, wenn auch nur in allgemeinen Zügengehaltenes Spiegelbild der äußern und innern Gestalt — ein körperli-ches und geistiges — der Preußischen Hauptstadt zu geben.
Derlin vom
Auf diesem kleinen Blättchen, welches die Reihe der Ansichtenvon Berlin eröffnet, sehen wir die Stadt in ihrer Gesammtheit voruns ausgebreitet. Sie streckt sich in einer, kaum durch leichte Hügel-Erhebungen unterbrochenen Fläche hin, und auch die Gegend ringsumist so eben, daß sich nur wenige, leickt erhöhte Punkte auffinden lassen,von denen eine Uebersicht der weit ausgedehnten Stadt zu gewinnen ist.Bon den meisten Thoren aus, oder vielmehr von den Landstraßen, dieauf diese zuführen, gewinnt man kein andres Bild der Stadt, als daßman aus der Ferne einen Theil ihrer Thürme bläulich über demHorizont empor ragen sieht; selten einmal ist in der Nähe ein Stand-punkt zu finden, wo diese für sich bedeutungsvoll und stattlich erschei-nen; denn cinesthcils sind sie dem Herannahenden durch nähere empor-ragende Gegenstände, die das Gebiet der Stadt rings um dieselbe ein-nehmen, (Dörfer, einzelne Gehöfte, Gärten, Bäume) verdeckt, andern-
Berlin.
Kreuzberge.
theils ist der Flächenraum, auf dem sich die Stadt ausbreitet, so groß,und die größeren Thürme und Kirchen befinden sich meist so in den in-neren Stadttheilen, daß die meisten selbst an den Thoren uns noch inzu ansehnlicher Entfernung vom Auge liegen, um einen, in der weitenFerne der Landschaft hervortretenden Eindruck zu machen. — Unterden wenigen Punkten außerhalb der Stadt, und doch derselben so nahe,daß sie eine Uebersicht darbieten, ist der Kreuzberg, der hier zumStandpunkt angenommen ist, der bedeutendste; die andern würden aufden von der entgegengesetzten Seite der Stadt befindlichen Anhöhen,insgemein die Mühlenberge genannt, zu suchen sein, von denen eben-falls ein ziemlich umfassender Blick über das Chaos der Straßen, Häu-ser und Thürme gewonnen wird, der, da der Standpunkt näher ist, nochein größeres Detail gewährt, als der hier angenommene. Eine dritteArt der Geiammtanficht von Berlin ließe sich als eine von der Was-