Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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K t e

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^iese Stadt, deren Name im Lateinischen 8lvrn heißt,liegt in dem österreichischen Lande ob der Ens, als Hauptort desTraunkreises, unter 48« 2' 21" nördl. Breite und 32« 4' 51"östlicher Länge; (nach ältern Messungen wurde 48« 4' 45" Br.und 31« 39" 59"" L> angegeben) ist Distrikts-Commissariatsherr-schaft und Kreisstadt, am Einfluß der Steycr in die Ens, in ei-nem sehr angenehmen und überaus gesunden Thalc, das theilsvon Hügeln, theils von Bergen gebildet wird. Sie hat ringsumeine befestigte, alterthümliche Mauer und das Schloß der Stadt,aus einem steilen und schroffen Felsen gelegen, beherrscht sowohldie Stadt als auch beide Thäler. Wo die Steyer in die Ensmündet, an der Ecke der Stadt, stand, nach Raffelsperger, der7 Stock hohe Wassctiverkthurm, mit einer Ilhr verschen. Nahedabei das viereckige EnSthor, welches zur untern Ensbrückc führte.Von hier aus zog sich die Mauer nach der OberenSbrücke undihrem Thor; dazwischen waren mehrere Wasscrthore für die Schif-fer. Dann folgte das Treitthor mit zwei runden Thürmen undhierauf das St. Acgidicnthor, von einem Graben umschlossen.Von hier zog Mauer und Graben bis zu dem Schlosse hin. Die-ses fürstliche Schloß, die zweite Herrschaft des Fürsten von Lam-berg Karl Eugen, besinnet sich unter einem Pfleger; im 19. Jahr-hundert war es die Residenz der steyerischen Markgrafen, undmacht noch, ohne das gothische Aussehen alter Nitterschlösser zubesitzen, wie sie in verschiedenen Gegenden Deutschlands auf Ber-gen und Hügeln prangen, einen ganz vortheilhastcn Eindruck aufden Beschauer. Es war großentheils von Quadersteinen aufge-führt, die Gärten und Höfe desselben umschloß eine an die Stadt-mauer stoßende besondere Mauer. Es hatte Thore und Vor-sprünge gegen die Start und außer mehren andern Thürmen undBefestigungen besonders im Innern einen großen, viereckigenWartthurm, der sehr fest war. Neben der Burg führte dasSteverlbor zur Brücke über die Stever. Die Stadt zählt in mehrals 899 Häusern jetzt über 19,999 Einwohner katholischer Reli-gion; noch vor etwa 59 Jahren, im I. 1893, hatte es nur un-gefähr 6499 und selbst 1823 waren nur 7999 anzutreffen; eshat sich demnach in Vergleich mit andern gcwerbfieißigcn Städtennicht zu bedeutend vermehrt. Steycr hat, eine naturliche Folgeder immer mehr steigenden Industrie, ein heiteres und freundlichesAnsehen, obgleich die Gassen meist eng und krumm sind, und dieHäuser wegen der vielen an ihnen angebrachten Eisengittcr, ble-chernen Thüren und Fensterbalken nicht gerade freundlich aus-schauen. Die eigentliche Stadt hat zwei Vorstädte, Ensdorf undSteyerdorf, von welchen sie durch die gleichnamigen Flüsse ge-trennt, mit denen sie aber doch durch Brücken verbunden ist. Naheam Vereinigungspunkt beider Flüsse hat man von der letztenVorstadt aus eine besonders reizende Aussicht, die der Reisendeja nicht zu beschauen versäumen möge. Auf einer Anhöhe aufder Stadtseite liegt die ausgedehnte Burg Steyer, auf einer ähn-lichen Anhöhe bei Steyerdorf das ehemalige Jesuitencollegium,dessen Räume jetzt eine Fabrik umschließen. Will man den schön-sten Neberblick über die Stadt und ihre nächste Umgebung haben,so muß man den Taborbcrg in Steyerdorf besteigen. In neuererZeit sind viele Häuser der Stadt im italienischen Geschmack, mitflachen Dächern, Galerien und Statuen gebaut, besonders andem Platz, der groß und freundlich und mit 2 Springbrunnengeziert ist. Außer diesem sind noch 2 öffentliche Plätze in derStadt. Unter den merkwürdigen und beschauenswerthen Gebäu-den steht voran die alte Stadtpfarrkirche, die mit einem hohen,sechseckigen Thurm, aus Quadern gebaut, sich zwischen dem Treit-und dem St. Aegidienthore erhebt. Dieser Thurm wird seit äl-

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terer Zeit wegen seiner weit ausgedehnten Aussicht oft bestiegen.Die Kirche wurde nach dem Modell des StephanSdoms zu Wien1443 von H. Buchsbaum erbaut. Dann ist merkwürdig die Kircheund das Kloster der Dominikaner; letzteres dient jetzt als Man-chestcrfabrik, sodann die schöngebaute Michaelerkirche, (einst Je-suitenkirche, nahe an der Stevcrbrücke) das alte Rathhaus, woeinige Alterthümer und Kuriositäten gezeigt werde», das SchloßSteyer, das Jesuitenkolleg,'Kaserne, Theater u. s. w. Steycr istder Sitz eines Kreisamtes für den Traunkreis, eines Obcrge-richts, einer Zoll-Legstätte und einer Hauptbergwerksoberfaktorei.Für Erziehung und Unterricht ist durch eine katholische Haupt-schule, (andere sind in Kremsmüuster, Wels, Ried und Freistadt)! Mädchenschule und einige Privatanstaltcn gut gesorgt, und wennauch in dieser Gegend die Volkscrziehung, "besonders im Gebirgenoch Vieles zu wünschen übrig läßt, so sind doch die Anstalten inder Stadt hinter den Forderungen der Zeit, die den Verbesserun-gen des Unterrichts sich so geneigt erweist, nicht eben zurückgeblieben.

Steyer hat eine ungemein lebhafte Eisenindustrie und manhat daher mit Recht gesagt, es seiim verjüngten Maßstabe dasösterreichische Birmingham,"" wenn gleich die Waare seines Mark-tes an Feinheit und Schönheit nicht mit der jener Fabrikstadtwetteifern kann. Die Haupterzeugnissc sind Sensen, Blechwaarcn,Draht, Pfannen und Küchengeschirr. Man findet hier allein über59 Messerschmiede, 11 Rasirmesscrschmicde uns 7 Schecrenschmiedc;die sämmtlichen Feucrarbeiter der Stadt verbrauchen in einemJahre über 4999 Muth Kohlen. Ueberaus geschätzte Produkteder Fabriken und Werkstätten hiesigen Ortes sind: Feilen, Nasir-mcfser, Fischangcln (die jedoch in neuester Zeit Nürnberg wohl-feiler liefert); die Feilen dagegen, davon der Traunkrcis wohl diemeisten in dem ganzen Kaiserreich liefert, werden hier sehr feinund nach englischer Art gehauen, während man anderwärts, z. B.zu Werfen sehr brauchbare Feilen, aber mehr nach deutscher Arthaut. Eiscngußwaarcn werden weniger geliefert, auch die Erzeu-gung der Bleche und Drähte ist nicht auf gleiche Weise durch denganzen Kreis ausgebreitet. Der Hantel mit Eiscnwaarcn, wenner auch in den letzten Jahrzehnten Einiges von seiner früherenBlüthe verloren haben sollte, was man jedoch noch nicht mit Be-stimmtheit behaupten kann, ist noch immer von großem Belang.Er geht weit in das Ausland und ist durch das" gcsammte Kai-serreich so verbreitet, daß man mit Zuverlässigkeit versichern darf,es giebt in der Monarchie kaum Eine Stadt, wo nicht Waarenaus Steycr sehr zahlreich im Handel vorkommen, namentlichStcyerer Sensen. Theils machen Reisende großer HandelshäuserBestellungen in das übrige Deutschland und nach den französischenHandelsplätzen bei den hiesigen Meistern selbst, theils besorgenmehrere Kaufleute aus Wien und den galizischen Städten denVertrieb nach Rußland und in die andern slawischen Länver. DieFeilen aus dieser Stadt, wenn gleich theuerer als anderwärts ge-hauene, gehen fortwährend in die deutschen Länder, in die Schweiz,die Levante und nach Italien; die Rasirmcsser, sehr wohlfeil, fin-den ihren Absatz in der Levante und gehen zu diesem Ende nachKonstantinopel, Aleppo, Smyrna, Kairo, doch neuerdings wenigerdirekt als durch Versendung griechischer Handelshäuser" in Wien,Trieft, Livorno und Venedig. Zum Wasserhaneel kann zwar nurbei der Stadt selbst die Steyer mit Flößen befahren werden, dochist die Ens seit 1577 durch den Tyrolcr Zimmcrmann HansGasteiger von der Hifelau bis gegen Steyer und von da bis indie Donau auch für Schiffe fahrbar gemacht worden. Außer dengenannten Eisenfabriken, in welchen noch nach den letzten, vor ei-nigen Jahren gemachten Angaben, an 189 Meister insgesammt