jährlich 12,000 Ctr. Stahl, 250 Ctr. Mittelzeug und 11,000 Ctr.Eisen zu den angeführten Arbeiten oder zu Bajonetten, Säbeln,Scheeren, Bohrern, Maultrommeln, Haus- und Landwirthschafts-geräthen, oder zu Instrumenten für Künstler und Handwerker ver-brauchten, werden in dieser Stadt Manchester, Wollenzeuge, Kat-tune, baumwollene Strümpfe und Mützen gefertigt und nach al-len Gegenden des In- und Auslandes hin versandt. Auch derGetraidehandel ist für die vielen Fabriken und Eisengewerke imGebirg wichtig und darf daher hier nicht übergangen werden. Infast keiner Stadt der Monarchie findet man so wenig Adel, wiein Steyer. Die Sitten der Bewohner sind einfach; die Schwer-fälligkeit des Geistes, welche man ihnen sonst und vielleicht nichtganz mit Unrecht vorwarf, ist im Laufe der letzten Jahrzehnteganz verschwunden oder fällt wenigstens dem Reisenden nicht be-sonders mehr auf. Die Industrie und der aus und mit ihr
Nach Vertreibung der räuberischen und frechen Hunnen hatteder deutsche Kaiser Otto der Große den ersten Markgrafen ^Otto-kar I. in dem Traungau eingesetzt, welcher das Schloß zu Steyerum das Jahr 980 gegen die wiederholten Einfälle dieses wildenVolksstammes erbaute. Vielleicht rührt auch von die; ein Zweckeder Name her. Allgemach entstanden an dem Schloßberg einigeHäuser, an der Ens Fischerhütten und an der Steyer wurdenMühlen, Eisenhämmer und Bohrwerke angelegt. Ungewiß ist esallerdings, wann diese Bauten und Hütten sich zu Einer Stadtvereinigten, doch mag es schon frühe geschehen sein, als eine wildeund das Eigenthum" und die sichere Thätigkeit des Einzeln ge-fährdende Zeit zum engeren Anschluß trieb: denn schon im 12.Jahrhundert, nachdem Ottokar IV. und sein Sohn Leopold derStarke einen großen Theil des Hcrzogthums Steycrmark gewon-nen hatten, wurde der Sitz der Markgrafen nach Grätz verlegt.Es ist mehr als nur wahrscheinlich, daß der Ort unter den Au-gen der Landesfürstcn schnell emporgewachsen war und durchHandel und den steigenden Gewerbfleiß der Bürgerschaft seineschönste Blüthe erreicht hatte. JmZlK. Jahrhundert, nachdemdie Stadt schon lange vom Lande Steycrmark getrennt und zuOesterreich gekommen war, wurde sie durch Geld und Credit >oreich, daß sie alle andern Städte Oesterreichs, im Lande ob undunter der Ens, Wien allein ausgenommen, übertraf und mit einemganz erstaunlichen Vortheil sehr große Handels- und Wcchielge-schäfte nach Ungarn, Venedig und in das römische Reich betrieb.Wichtigster Gegenstand ihres Handels war ohne Zweifel sthondamals, wie auch noch jetzt, das steyerischc Eisen. Die Stadthatte Antheil an der Eisenerzer -Hauptwerkschaft und bezog daherdas meiste Material zur Verarbeitung. Der Hof löste ihr abernachher ihre Aktien ab und sie bekam dafür Schuldverschreibun-gen. Im Bauernkrieg waren einige Steyerer als Hanptanführeran der Spitze der empörten Haufen; der Stadtrichter Maoeflederlieferte die berühmte Kette zur Sperre der Donau. Im Jahr1727 wurde die Stadt durch einen heftigen Brand heimgesuchtund sehr verwüstet, hob sich aber nachher durch eigene Kraft schö-ner noch, als sie vorher gewesen war. Am 24. December 1800wurde hier ein Waffenstillstand zwischen den Oestreichern unterErzherzog Karl und den Franzosen unter Moreau geschlossen,nach welchem den Franzosen Würzburg , Kufstein, Braunau undTyrol eingeräumt wurde, der aber vorläufig nur für Deutschland,nicht für Italien gelten sollte und dem der Friede von Lünevillefolgte.
In der Geschichte der deutschen Literatur ist Steyer bekanntals Geburtsort des Dichters Aloys Blumauer, als Pseudonym
gehende Handel zieht überall hier einen gewissen Wohlstand undselbst Lurus mit sich, welcher letztere daher selbst bei der niedrig-sten Klasse der Bevölkerung gestiegen ist, mehr jedoch im Essenund Trinken, als in Kleidern und Hausgeräthen; in letztern stehenübrigens die Kaufleute und Fabrikherrn ihren Standesgenossen inandern Industriestädten keineswegs nach. Spaziergänge machtman, wenn es darauf ankommt, zugleich vie Bürger kennen zulernen, nach den Wirthschaftsgärten der beiden Vorstädte; suchtman Bewohner der höheren Stände, so ist das Casino und dasSchloß des Fürsten Lamberg zur feinern Unterhaltung vorzüglichgeeignet. Die Gegend „unter dem Himmel," wo Rohrhämmer,Bohr- oder Schleifmühlen sind, wird wohl von Einheimischen wievon Fremden am meisten besucht unv ist auch wirklich sehrbelohnend.
Obermayer. Er war am 21. December 1755 hier geboren, er-hielt seine erste wissenschaftliche Bildung bei den Jesuiten, wo erwahrscheinlich auch für die Aufnahme ich diesen Orden vorbereitetwurde, doch trat er erst in seinem 17. Jahre, 1772 in Wien beiSt. Anna wirklich in den Orden ein, und nachdem dieser balddurch Pabst Clemens XIV. aufgehoben worden, privatisirte Blu-mauer in der Kaiserstadt, wo er sich in verschiedenen Häusern durchUnterricht seinen Lebensunterhalt verdiente, da er ohne Vermögenwar. In einigen Jahren wurde er Büchercensor, welches Ämter aber schon 1793 wieder aufgab, weil er sich nicht mit denAnforderungen desselben zu befreunden wußte. Er übernahm nundie Rud. Grässerische Buchhandlung und starb am 16. März1798. Dadurch, daß er den österreichischen Witz copirte und inseinen Satyren gegen Clerus und Kirche den Reformen Josephs II.begegnete, wurde er der populärste Dichter seiner Zeit in Oester-reich. Als Lyriker ist er oft platt und derb spaßhaft, als Epikerburlesk. Sein Streben für Aufklärung war übrigens in Oester-reich längst anerkannt, bis er als Dichter im übrigen Deutschlanderst bekannt wurde, doch erfreute er sich hier im Grunde nie glei-chen Beifalls, weil er als Komiker mitunter zu cynisch und nichtfrei von Unanständigkeiten und Gemeinheiten blieb. Sein Hauptwerk:Abenteuer des frommen Helden Aeneas, zuerst 1784—1788, spä-ter in verschiedenen Auflagen, ist ein Versuch, die Aeneide desRömers Virgil zu travestiren. Er brachte es hierin bis zum 9.Gesang, noch vor seinem Tode setzte Schaber Blumauers Ar-beit fort und gab 1794 die 3 letzten Gesänge dazu, die aber ver-fehlter sind als die Tavestie seines Vorgängers. Ueber Blumauerkann man im Allgemeinen das Urtheil eines bekannten Literar-historikers (Schäfer) unterschrieben: „Er bleibt uns merkwürdigals Zeugniß von der in Josephs II. Zeit angeregten Oppositiongegen kirchliches Ceremoniell und Geistlichkeit, ais Repräsentant,des damaligen poetischen Geschmacks der Wiener; übrigens kannseine travestirte Aeneis nur da gefallen, wo über einen derbenSpaß lachen für poetischen Genuß gilt."
Unter den Ausflügen, wozu Steyer mit seiner reizenden Um-gegend besonders auffordert, bemerken wir nur Einen nach „demStift Garsten." Es liegt eine halbe Stunde von Steyer amEnsfluß, ist Kommissariatsherrschaft, aufgehobenes Stift (seit 1785),das unser Stahlstich von seiner schönsten Seite darstellt, dazu einDorf mit 66 Häusern und 700 Einwohnern; Schloß und Pfarrei.Die Unterthanen der Herrschaft Garsten sind in umliegenden 75Pfarreien zerstreut. Die Gegend hier ist meistens bergig.