Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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Tauernkette umschlossen. In ihm entspringt die Gasteincrache,herrliche Wasserfälle brausen rings in diesem schönen Thale,welches eine Stunde lang, eine halbe Stunde breit ist und zweiSeitenthäler hat, deren östliches das Weißenbachthal, das west-liche aber das Sticglitzthal heißt. Eine interessante Schwindel-probe gewährt die Fahrt mittelst des Auszuges nach dem Nath-hausbergc. Vom Aufzuge führt der Weg um das Holzeck zudem majestätischen Kesselfall, von diesem zum herrlichen Schleier-fall, von wo man über die Steinkanzel zum großartigen Bären-falle gelangt. Eine Viertelstunde fortschreitend, steht man nacheiner plötzlichen Wendung um eine Felsenccke ain Engthore, demEingange zum Naßfcld,' mit seinen malerisch gelegenen 18 Al-pcnhütten. Von diesem berührt man rechts die Moseralpe unddann die höher gelegene Straubinger Sennhütte.

Unbeschreiblich erhaben ist der Anblick der ungeheuern Fel-senkette, welche unter dem Namen derTauern" dieses mulden-förmige Hochplateau umschließen und welche schon von den Ur-einwohnern dieser Gegend, den norischen Tauriskern, woher ihrName, bergmännisch bebaut wurden. Das Schroeck, der Her-zog Ernst, der Neuncrkogl, der Pockhart, der Höllkarkopf, derNaßfeldcr- und der Mallnitzertaucrn mit dem Gamskarkogl undder Nannigspiyc erheben ihre schneeigen Gipfel himmelan undsenden ihre Gletscher zum Theil bis in das Naßfeld herab. Höchstlohnend ist der Besuch des im Stieglitzthale gelegenen Höllkers,wo der gleichnamige Gebirgsbach einen prachtvollen, über 100 Fußhohen Wasserfall bildet.

Der Ralhhausbcrg gewährt dem Geographen und Minera-logen wegen des hier auf Gold und Silber getriebenen Berg-baues, dem Botaniker wegen der hier vorkommenden, in derdeutschen Flora so seltenen Icknnaea boroslls, so wie dein Na-turfreunde überhaupt einen höchst interessanten Ausflug. Dieserwird von Böckstein aus unternommen und der Weg führt überdie Bruchleituug am herrlichen Korbachfallc vorüber zum Kreuz-weg, oberhalb welchem links die vorgedachte seltene Pflanze vor-kommt, am AbHange der Schußernste mit dem schönen Grub-bachtfalle zum langen Schneekragen, einer zum Schutze der Stol-len-Mundlöcher gegen Lawinen gemachten Vorrichtung. Vonhier gelangt man zu dem bereits erwähnten Aufzuge, nach des-sen Besichtigung zum Knappenhause, von wo aus man denChristophstollen besucht. Das Gold und Silber kommt hier inGries vor und seine Gänge streichen von Osten gegen Westen.Nachdem man auf der Naßfeldcrseite am Breitriedl wieder zuTage gelangt ist, geschieht der Rückweg über das Naßfeld. In-teressant ist auch der Ausflug auf den Kreuzkogl, die zweiteSpitze des RalhhausbcrgeS, von wo man die Woigstenschartebesucht, welche eine herrliche Aussicht gewährt.

Wer mit geringem Mühe Aufwand einen Gletscher besuchenwill, dem ist ein Ausflug in das Anlaufthal zu empfehlen.Man geht von Böckstein über die Passauerbrücke am reißendenAnlaufbache vorüber, betritt dann sogleich das Anlaufthal undkommt über die gleichnamige ebene Alpe zur großen Kohlstätteund zu den drei Voralpeuhütten. Von hier besucht man denHöllkerwasserfall und geht über die Anlaufbrücke zum großartigenTauernfall. Von hier führt der Korntaucrn- oder alte Heiden-weg zum Korntaucrn hinauf. Vom Tauernfalle, in dessen Näheman zuerst das riesige Haupt des Ankogels erblickt, gelangtman über die Mitteralpe zu den drei Sennhütten, welche schonin dem für den Mineralogen und Botaniker sehr interessantenUndeckkessel liegen. Dieser wird von dem Höllthore, Plattenkogl,der Lugaucrscharte, dem Viehzeigkopf, Scheinbartkopf, Tischlknound dem Ankogl umschlossen, welcher letztere den Namen: DerBergkönig führt und bis zum Fuße mit Gletschereis bedeckt ist.

Das Kötschachthal bietet ebenfalls die Gelegenheit dar, biszu den Füßen zweier Gletscher, doch nicht ohne ziemlicher Be-schwerde vorzudringen. Man gelangt dahin von Wildbadgasteinüber den Badbcrg am Nciterbaucr- und Spitallehen vorüber,wo man die rauschende Kötschach trifft und dann auf einem sehrromantischen Wege bis zum Röhrenmagazin, wo das Thal be-ginnt. Durch den Weiler, Dörfl gelangt man zur Himmels-wand, einem senkrecht abstürzenden Felsen, wo der bisher sehrangenehme Weg beschwerlicher zu werden beginnt. An demFuße des Flugkopfes, Stubecks und Nabcrkogels hiuschreitend,nimmt den Wanderer ein düsterer Nadelwald auf, an dessenEnde eine alte Brücke den Weg durch einen Forst an den Ncdsceund über die Nedalpe auf den Rauchzoglkopf zeigt. Nun ver-folgt man den links sich zeigenden Alpensteig und gelangt end-lich auf ziemlich beschwerlichem Weg durch einen alten Fichten-wald in den Kessel, als dem Ziele der Reise. An der linkenSeite des Kessels liegt die schneebedeckte Kesselalpe mit demgleichnamigen Wasserfall, während rechts aus dem höher gele-genen Ncdsec der Nauchzoglfall über den Rauchzoglkopf wildherabstürzt. Nach Umgehung des riesigen Backsteines erscheintder gletscherumgürtete Kessel noch romantischer. Für den kühnenund vollkommen geübten Bergsteiger eröffnet sich ein sehr schöner,aber auch gefährlicher Ausflug in das Kcsselkar und über dengleichnamige Gletscher zu den Elendscharten und zur Zwölfer-scharte.

Der Gemskarkogl bietet an Fernsicht das Höchste, was einFlachländer nur wünschen kann und seine Ersteigung ist daherin dieser, wie in vieler anderer Hinsicht höchst interessant. Mangeht von Badgastein über die St. Annakapclle auf der Haus-stadt durch die beiden Alpenthore zum Roßthörl und an denSennhütten im Lackenthale vorüber auf dem neuen Alpenwegein die Karböden. Hier wird das Steigen sehr beschwerlich, manvergißt jedoch beim Anblicke des majestätischen Wiesbachhornsjede Beschwerde und steigt rüstig zum Gipfel hinan, wo sichdas unbeschreiblich schöne Panorama eröffnet, von welchem mangegen Südost die nahen Gletscher des Aukogls., der Elentscharteund des Tischlkars, südwestlich den Herzog Ernst, westlich aberden hohen Narr, den Sonnenblick und den gigantesken, bei12900 Fuß hohen Großglockner, hier die Kaiscrglöckcln ge-nannt, erblickt und welches überhaupt die ganze österreichische,steyermärkische, salzburgische und kärnthnerische Alpcnkette miteinem großen Theile der Tprolcr Berge umfaßt und überdießauch eine herrliche Einsicht in mehre Gebirgsthäler des Pfinz-gaues gewährt. Dieser Ausflug erfordert einen ganzen Tagund wird ain zweckmäßigsten dergestalt unternommen, daß manNachmittags von Gastein aufbricht, den Abend und die ersteHälfte der Nacht in der Planitzcr Sennhütte zubringt und inder ersten Stunde nach Mitternacht den Weg auf den Gipfelfortsetzt, um dort das überaus herrliche Schauspiel des Sonnen-aufganges zu bewundern. Außer diesen bereits erwähnten undausführlicher beschriebenen Ausflügen, bildet die Gegend umGastein noch mehre herrliche Parthicn, deren Besuch höchst loh-nend ist, so z. B. des PockhartS mit den Poppelbrunnen undGiftbrunncn (Todtenwassern) und den Pockhartseen, dann desAngerthaleS. Ucberhaupt bietet der untere Pfinzgau eine solcheMenge von reizenden Parthien, daß der Reisende, welcher nichtBadegast ist, durch deren Auswahl in Verlegenheit gesetzt wird.Ueberdicß bieten sie fast alle die reichste Ausbeute für Botanikerund Mineralogen und nicht minder interessant sind die geogra-phischen Verhältnisse dieser Gegend, welche überhaupt jedemReisenden, insbesondere aber dem Naturforscher iu jedem Zweigeder Wissenschaft, dem Maler :c. das höchste Interesse jgewähren.

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