Druckschrift 
9 (1851)
Entstehung
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entsprechend der Flor des Gasteinerthalcs, in welchem über dieSaumwege mit dem ncchcn Italien zugleich ein lebhafter Han-del getrieben wurde. Allein wiederholte Elcmcntar-Unfälle, vorAllem aber, wie bereits erwähnt, die unseligen Rcligionsstreitig-keitcn und die dadurch herbeigeführte Auswanderung brachten,in Verbindung mit der Entdeckung Amerikas und den dadurchveränderten Handelswcg, den Flor dieser blühenden Gegendimmer mehr herab, wozu sich noch die Verminderung der Gold,ausbeute gesellte. Eines blieb jedoch unangetastet von den »ach-thciligen Einwirkungen der Zeit und bewahrte wenigstens einenBezirk dieser sonst so reichen Gegend vor dem Verfalle und dießsind die warmen Quellen von Gastcin. Sie entspringen amFuße des Graukogcls unter der Alpe Ncichcben, haben einenatürliche Wärme von 4V Grad Ncaumur und besitzen keinebesonderen mineralischen Bestandtheile. Das Wasser ist äußersthell, hat einen sehr schwachen hepatischcn Geruch und Nachge-schmack, ein sehr starkes Vermögen zur Brechung des Lichtesund der Eleciricität und liefert bei der galvanischen Zersetzungdrei Theile Wasserstoff und einen Theil Sauerstoff mit einergeringen Quantität sehr stark gebundenen geschwefelten Wasser-stossgases somit, nach Oken's Meinung, ein Hpdrogcnorpdmit unbedeutendem Orygen. Die Entdeckung dieser Quellendurch einen Jäger, welcher in der Verfolgung eines von ihm an-geschossene» Hirsches dahin geleitet worden sein soll, wird in dassiebente Jahrhundert (680) gesetzt, wo sich am Fuße des Grau-kogels zwei fromme Klausner, Primus und Felician aufhielten,die noch jetzt als Schutzheilige der Gegend verehrt werden.Von dieser Zeit an wurden die Quellen, besonders von denBewohnern der Umgegend bei Wunden und Lähmungen häufiggebraucht und dadurch der Ruf ihrer Heilkräfte so vermehrt,daß schon 1436 Kaiser Friedrich III. zur Heilung einer amSchenkel erhaltenen Wunde sich dahin begab. Von dem berühm-ten Salzburger Arzte Theophrastus ParacclsuS bis auf die neuesteZeit erregten diese Quellen, ihrer heilsamen Wirkungen wegendie allgemeine Aufmerksamkeit des heilenden und heilbedürfiigcnPublikums und nahmen in der Reihe der europäischen Bäder baldeine der ersten Stellen ein. Der Besuch derselben wurde trotzder Schwierigkeiten, welche das Terrain entgegensetzte, äußerstzahlreich, verminderte sich jedoch in neuester Zeit seit Errichtungder Eschler Svolcnbäder wieder in etwas. Das Gasteincr Mi-neralwasser wirkt gelind reizend, belebend und stärkend, dabeibesänftigend, beruhigend und auflösend. Daher wendet man siebesonders an bei chronischen Nervenkrankheiten und Leiden derGeschlechtsorgane, die in Schwäche von verschiedener Art be-stehen, bei veralteten gichtischen und rheumatischen Beschwer-den, manchen üblen Folgen von Verwundungen, Leiden derSchleimhäute und chronischen Hautkrankheiten. Bei Congestionendes Bluts nach dem Kopfe und der Brust und sogenanntenUnterleibsplethora ist ihr Gebrauch zu widerrathen. Benutztwird das Wasser theils als Getränk, theils als Bad in jederArt. Auch der Badeschlamm hat seine Anwendung gefunden.

Die ursprüngliche Badeanstalt befindet sich in dem wildromanti-schen Badgastein, das eine Masse von schauerlich-schönen Na-tursccnen in sich schließt. Es liegt 2930 Fuß über dem Meerein einem von der Ache, die unmittelbar am Bade einen pracht-vollen Wasserfall bildet, eingeschlossenen Hochthale der norischenAlpen, welches ein vollständiges Bild der großartigsten Alpcn-natur gibt. Die örtlichen Verhältnisse sind jedoch keineswegsfür die Curgäste günstig zu nennen. Das Clima ist wegen derhohen Berge kalt und rauh; selbst im hohen Sommer, wo derSonnenschein kaum acht Stunden in das Thal fällt, sind dieMorgen und Abende empfindlich kalt und noch am Mittage, beider drückendsten Hitze ist die Luft feucht. Außerdem sind wegender Enge und Abhängigkeit des Thales die Wohnungen nichtzahlreich und die Badccinrichtungcn noch in mancher Hinsichtmangelhaft. Die gewöhnlichen Anstalten zur Zerstreuung derBadegäste fehlen ganz und diese sind allein an die Natur undan Ercursioncn zu Fuß und zu Pferd gewiesen. Medicinischwerden sechs Quellen benutzt, unter denen die Fürstenquclle, dieDoctors-, die Kaiser Franzens- und die untere oder Haupt-quelle die vorzüglichsten sind. Sie sind sämmtlich in ihren Mi-schungsverhältnissen gleich. Qbschon die ungünstige Lage dcSWildbades längst eine andere Einrichtung als wünschenswcrtherscheinen ließ, so wurde diese doch erst 1830 mittelst einer Was-serleitung herbeigeführt, die aus 2235 hölzernen Röhren be-steht, in welchen das Qucllwasser des Wildbadcs nach dem vieltiefer, an der breitesten Stelle des Thales liegenden Hofgasteingeführt wird, wo es indessen noch immer in einer solchen Tem-peratur anlangt, daß es gewöhnlich vor dem Gebrauche nochabgekühlt werden muß. Noch ist zu erwähnen, daß das hiesigeMineralwasser nach Verlauf von 24 Stunden in den Vertiefun-gen einen schöngrüncn, dünnen und von verschiedenen Jnfusions-thierchen belebten Ueberzug, das sogenannte Bademoos, absetzt,welches auch außerhalb der Badezeit bei Wunden und Geschwü-ren gebraucht wird. Wenn aber gleich, wie erwähnt, dieUnterhaltungen in dem Badeorte selbst nur spärlich sind, so bie-tet Gastein für den Naturfreund doch eine Fülle der interessan-testen Ausflüge, von welchen die vorzüglichsten folgende sind:In der nächsten Umgebung des Wildbadcs die sogenannte Wie-vielte und die Schreckbrücke. Ersteres wurde vom Erzbischof vonErlau, Ladislaus Pyrkr, errichtet und gewährt eine entzückendeAussicht auf das Gasteinerthal, während die Schrcckbrücke ineiner Höhe von 2929 Fuß einen schauerlichen Anblick des vonder Gasteinerache gebildeten Wassersalles bietet. Die Höhe desletzter« beträgt fast 650 Fuß und es gehört dieser Wasserfall zuden imposantesten in Europa. Böckstein, ein Dorf am Fußedes Nathhausberges, ist insbesondere dem Montanistiker wegenden daselbst befindlichen k. k. Gewerbsgebäuden, in welchen dasGold und Silber aus den Stufen des Nathhausberges gewon-nen wird, sehenswürdig. Das Maßfeld, zwei Stunden vonBöckstein entfernt, liegt 5000 Fuß über der Meeresfläche, istdas letzte Hochplateau des Gasteinerthales und von der hohen