in welchem das Dorf und Schloß Landegg liegen. Der BezirkLandegg besteht aus zwei durch den Jnn geschiedene Gemeinden,Angedair am rechten und Perfur am linken Jnnufer. Die Be-völkerung beider Gemeinden beträgt in 162 Häusern 1470 Ein-wohner. Die Pfarrkirche liegt auf einem Hügel unter demSchlosse Landegg im gothischen Style meisterhaft gebaut. Ur-sprünglich besaß sie schöne Fresken, die leider durch späterenWandalismus überweißt wurden. Die Schule für LandeggsDoppelgemcinde besteht zu Landegg. Für die Armen des Ortesbesteht ein Armenhaus. Die Landesverwaltung besorgt ein Land-gericht erster Classe, ein Absahpostamt, eine Salzfactorei undeine Brücken- und Wegmauth. Die ungemcin günstige Lagedes Ortes im Scheitel von drei Winkeln gewährt durch denlebhaften Straßenzug vielen Verkehr. Eine schöne Brücke, aufeinem Bogen ruhend, verbindet die beiden Gemeinden; hübscheHäuser, darunter zwei Edclsitze, erheben sich terrassenartigzu beiden Seiten an den Hügeln, im Osten vom SchlosseLandegg, im Norden von Schroffenstein malerisch überragt. DasSchloß Landegg, einst mit der Pfandschaft des Gerichtes ver-einigt, wurde 1810 Eigenthum der Gerichtsgemeinde und dientjetzt zur Caserne. Von ihm aus genießt man eine herrliche Aus-sicht in das Stamserthal. Die Feste Schroffenstein, bereits aufdem Gebiete der Gemeinde Stams, ist von drei Seiten unzu-gänglich, nur auf der Westseite auf schmalem Fußpfade zu er-reichen und gehörte einst den Herren von Schroffenstein alsStammsitz ihres Geschlechtes. Nach dem Aussterben derselben1546 kam das Schloß an die Herren von Trautson, dann an
die Fürsten von Aueröperg. 1810 wurde es von einem begü-terten Bauer angekauft. Die Burg ist bereits sehr baufälliggeworden, die Aussicht aus ihren Fenstern aber in das vonGebirgen umgürtete Thal mit den malerischen Krümmungen desJnns wahrhaft entzückend. Landegg ist dadurch für immer hi-storisch berühmt, daß Herzog Friedrich, genannt mit der leerenTasche, vom Concilium zu Costnitz geächtet, sich als Minne-sänger verkleidet, dorthin begab und bei den treuen EinwohnernSchutz und Hilfe fand. Auch im spanischen Erbfolgckriege zeich-neten sich die Landegger so rühmlich gegen die eindringendenFeinde aus, daß ihnen Kaiser Leopold I. einen goldenen Bechermit der Aufschrift: Gericht Landegg, und um den Tyroler Ad-ler: I^eopolckus Lsessr äono äst, zum Geschenke machte, welcherjetzt im Landgcrichtsarchive aufbewahrt und zu Toasten an fürst-lichen Geburtstagen verwendet wird. Außerdem verlieh er ihnenzu den zwei älteren Marktrechten zwei neue. Zum Andenkenan die Vertreibung der Feinde in diesem bayerischen Uebcrfallefeiert man in Landcgg noch alljährlich den 1. Juli mit einerfeierlichen Procession, wo ein altes, auf die Begebenheit Bezughabendes Gemälde auf dem Altar aufgestellt wird. In denFranzosenkriegen der letztem Zeit bildeten die Landegger mit denNiedern und Naudcrcrn stetS einen heldenmüthigen Phalanr zurVertheidigung des Vaterlandes. Deswegen bewahren sie auchnoch eine Ehrenfahne, gestickt von der Erzherzogin Elisabeth,Schwester Kaiser Josephs II., überreicht von Erzherzog Johann1805. Sie wird abwechselnd von drei zu drei Jahren bei denbetheiligten Landgerichten aufbewahrt.
Das Thal und die Heilbäder von Gastein.
Die herrliche romantische Gegend von Gastcin theilt sich ei-gentlich in drei Punkte: Das Gastcinerthal, das Wildbad Gasteinund den Markt Hofgestein. Sie liegen sämmtlich im Salzach-kreise Oberösterreichs oder dem Herzogthume Salzburg. Vondem früher beschriebenen Felsenpaß Klamm gelangt man nachkurzer Wanderung in das herrliche Gasteinerthal. Nachdem manin demselben die Dörfer Unterbcrg und Mayrhofcn berührt hat,erreicht man Dorfgastcin, ein kleines Dorf mit etwa 220 Ein-wohnern und einem kleinen Gasthausc. — Eine Viertelstundedavon entfernt befindet sich eine interessante Tropfsteinhöhle.Höchst sehenswürdig aber ist daS sogenannte Haseck, ein nörd-lich von Dorfgastcin gelegener Berg, welcher eigentlich die öst-liche Wand der wilden Klamm bildet. Man gelangt in vierStunden auf den Gipfel, indem man vom Gasthause an denMühlen vorüber über die Maycrhoferalpe und den Kranzlbach-fall zu den acht Sennhütten und endlich zur Scharte empor-klimmt, wo sich zwei Seen befinden. Bei dein oberen Seewendet sich der Weg links auf die Haseckkuppe, wo sich einherrliches Panorama des Pfinzgaues und Salzachthales eröffnet,welches seine Gränze erst in den Tyroler und Berchtesgadner
Gebirgen findet. — Ueber die Dörfer Luggau, Harbach undLadcrding gelangt man in den freundlichen Markt Hofgastein,welcher von dem Klammpasse drei Stunden, von dem WildbadeGastcin aber zwei Stunden entfernt ist. Das Gasteinerthal istdas mittlere der drei Gebirgsthäler in dem südlichsten Theiledes Herzogthums Salzburg, an der Gränze von Kärnthen.Im zehnten Jahrhundertc gehörte dieses Thal dem bayerischenGeschlechte der Herren von Pcilstein, welches jedoch 1219 er-losch, wodurch das Lehen an Bayern zurückfiel. Herzog Ottovon Bayern verpfändete 1241 die Lehcnshcrrlichkcit über diesesThal für 184 Mark Silber an den Erzbischof Eberhard II. vonSalzburg, dessen siebenter Nachfolger Erzbischof Conrad IV. vonBraitenfurt es endlich 1297 als ?rov>noig Ossteun durch Kaufund zwar um 600 Mark Silber und 600 Mark NegensburgerPfennige an sich brachte; ein Preis, der mit der Wichtigkeit,welche die Gold- und Silbermincn am Nathhausbcrge durchihre reiche Ausbeute, vorzüglich vom 13. bis 15. Jahrhunderteerhielten, in gar keinem Verhältnisse stand. Denn zu jenerZeit, bis zur Entdeckung von Amerika, waren die SalzburgcrGoldminen das Potosi uud Eldorado Europa's, und ihnen