gen in den Salzbcrg hinein gemacht, Werksätze genannt. Indieselben leitet man durch angebrachte Röhren reines Wasser undläßt es so lange darin stehen, bis es mit Salz ganz gesättigtund sudwürdig befunden worden ist. Hierauf wird dieses ge-sättigte Wasser, Salzsoolc oder Sur genannt, in hölzernen Röh-ren in die Salzpfannen nach Hall geleitet. Man hat berechnet,daß in Hall täglich 1000 Centncr Salz erzeugt wurden undda der Eimer Soole 33 Pfund Salz liefert, so müssen täglich33,000 Eimer Soole aus dem Salzberge nach Hall geleitetwerden. Dieses Salzcrzeugniß hat jedoch in neuerer Zeit durchdie verminderte Salzausfuhr nach der Schweiz eine Verminde-rung erlitten. Statt der früheren neun Pfannen sind jetzt sechs,vier größere und zwei kleinere, in Thätigkeit und liefern somitungefähr ein Drittheil Salz minder, als früher. Der Wan-derer, welcher in die unterirdische Welt des Salzberges einfah-ren will, muß dazu die Erlaubniß des BerghüterS im Verwal-
tungsgebäude einholen und wird von diesem mit dem Bergmanns-kittel und Schutzhute versehen. Es gibt sechs Hauptstollen, inder Regel fährt man durch den Marimiliaiisstollen in den Kö-nigsberg ein. Anfangs ist der Eingang etwas beschwerlich,liefer hinein werden die Gänge gemächlicher, riesenhafte Gewölbethun sich auf mit dem zauberhaften Schimmer ibrer Krystallisation,die Gänge senken sich so tief hinunter, daß kein Licht mehr bren-nen will und die dumpfe Grubenluft schwer auf der Brust liegt.Ein ganz eigenes Gefühl regen die Bergläufcr auf, welche gei-sterhaft mit schwerer Fracht durch das Dunkel rasseln. Einesolche Einfahrt, mit einiger Umsicht unternommen, erfordertzwei bis drei Stunden, ist aber jedenfalls sehr lohnend. Dieweitere Umgegend von Hall ist höchst reizend und abwechselndund von der Stadt aus lassen sich die herrlichsten Ausflüge indas Jnnthal und in die Region der Jsar machen.
Ratte nberg in Tyrol.
Am südöstlichen Jnnufer, dem Einflüsse der sogenanntenBrandenburger Ache gegenüber, liegt die Stadt Rattenberg, vonSchwatz 4'/- Stunde entfernt. Auf einem hinter der Stadtstolz emporragenden Felsen erhob sich frühzeitig eine feste Burg,der Stadt zum Schutze und zur Vertheidigung, die Straße be-herrschend und sperrend. Darum wurde die Stadt von jeher alseine Festung angesehen und behandelt bis zum Jahre 1782, wounter der Regierung des Kaisers Joseph II. die Festungen desLandes außer Stand gesetzt wurden. Ihre früheren Schicksaletheilte sie mit den übrigen Städten Tyrols, ihre höchste Blüthehatte sie im 14. Jahrhundert erreicht, indem zu dieser Zeit sil-berrciche Bergwerke entdeckt und bearbeitet wurden. Im 17. Jahr-hunderle wüthete auch hier die Pest und raffte viele Menschenhin. Zur Abwendung dieses Unheils wurde der sogenannte Pest-umgang eingeführt, eine feierliche Prozession, bis in die neuestenZeiten unter dem Namen Kerzenfahrt bekannt, weil lusschuldigeKnaben brennende Kerzen dabei trugen. Im spanischen Erb-folgekriege hatte Rattenburg viel bei dem Einfalle der Bayernzu leiden. Auch in den Franzosenkriegcn behauptete die Stadtnoch ihre strategische Wichtigkeit und die Bayern suchten sie durchaufgeworfene Schanzen auf dem Schloßberge zu vertheidigen.Unter den Gebäuden verdienen die Pfarrkirche, die Serviten-kirche, beide mit schätzbaren Altargemälden und anderen Merk-würdigkeiten, die Spitalkirchc mit dem angebauten Kranken- undPfründnerhause, das Nathhaus und das Landgerichtsgebäudeals sehenswürdig angeführt zu werden. Auf beiläufig 200 Häu-
ser hat Nattenbcrg eine Einwohnerzahl von etwas über 1000.Für die Armen sorgt eine eigene Anstalt, mit welcher das ehe-malige Haus der Aussätzigen vereinigt ist. Das hier bestehendeLand- und Criminal-Untersuchungs-Gericht dient für den eigenenUmfang und die Landgerichte Kuffstein, Fügen und Zell. Vongrößeren Gewerben findet man hier nur eine Oelbrennerei vonnicht eben bedeutendem Gewichte. Eine Viertelstunde außerhalbder Stadt liegt das Dörfchen Natfeld mit der Kirche des heil.BricciuS, bereits im Jahre 788 der kirchliche Vercinigungspunctin der Ebene, der ursprüngliche Sitz der Pfarrer von Reich,mit einem eigenen Gottesacker und einer Ortsschule. Durch dasAufblühen der Stadt Raltenberg sank der Ort zu einem unan-sehnlichen, der Stadtgemcinde einverleibten Dörflein herab, dasnur bisweilen eigenen Gottesdienst hat, abgehalten von einemHilfsgeistlichen der Stadtpfarrei, der als Seelsorger zum heil.BricciuS bestellt ist. Eine Stiftung seltsamer Art verewigt zwi-schen Ratfeld und St. Leonhard, eine halbe Stunde von Rat-tenberg entfernt, den frommen und milden Sinn der Altweltauf eine rührende Weise. Da es leicht geschehen konnte, daß einWanderer durch diese Thalstrecke vom Durste befallen würde undweit und breit sich kein Trinkwasser befand, so vereinigten sich1424 mehre Bürger von Rattenberg und Natfeld und errichtetendurch eigene Gutsanweisung für ewige Zeiten das sogenannteAuflängerbrünndl, welches in angemessener Leitung der Straßezugeführt und dessen Benutzung Jedermann frei gegeben wird.
Die Schlöffer Landegq und Schroffenstein in Tyrol.
Im ober Jnnthale, oberhalb Starkenbach erreicht man über n hier auf einmal die Richtung des Jnnthals aus der westlichenZams auf angenehmen Feldwegen Landegg, so genannt, weil I! in die südöstliche umschlägt und einen stumpfen Winkel bildet,