Als die Ruhe und der alte Glaube dadurch wieder hergestelltwaren, gründete Magdalena, Tochter Kaisers Ferdinand I. 1568hier das Damcnstift, 1610 entstand das Jesuitencollegium, 1648das Franziskanerkloster, dazu kam später das in der Nähe vonHall gestiftete Kloster der Clarisserinncn. 1611 wüthete die Pestin der Stadt und raffte in Zeit von 4 Monaten 175 Personenhin, kehrte jedoch nie mehr dahin zurück. 1670 folgte diesemUnheil ein gewaltiges Erdbeben, wodurch viele Häuser einstürz-ten und die stärksten Gebäude beschädigt wurde». Im spanischenErbfolgekrieg hatte Hall abermals viel zu leiden und wurde,nachdem es von den Bayern besetzt worden war, durch die Jnn-thalcr Bauern wieder erstürmt. 1740 brannte ein großer Theilder Stadt ab, 1772 richtete eine große Ueberschwemmung desJnns furchtbare Verheerungen an. 1773 wurde das Jesuiten-collegium, 178Z das Damenstift und das Kloster der heil. Claraaufgehoben. Die Franzosenkriege brachten der Stadt das näm-liche Loos, wie den übrigen Städten des Jnnthals. Am merk-würdigsten war das Jahr 1809, da die Haller Jnnbrücke, einvielbestrittener strategischer Punkt, mehr als einmal entscheidendin die Ereignisse eingriff. Hier sielen den 11. April, den 29. Maiund den 13. August Gefechte und Stürme vor. Am letztge-nannten Tage erstürmte der rühmlich bekannte VaterlandsheldSpeckbachcr Hall und verfolgte die Feinde bis Rattenbcrg undKuffstein. Erst nachdem Tyrol 1814 wieder unter den öster-reichischen Scepter zurückgekehrt war, konnte sich Hall vollständigvon den erlittenen Unfällen erholen, der Handel lebte wiederauf und der unversiegbare Salzstock gibt vielen Menschen Nah-rung und Unterhalt, so daß sich Hall jetzt ziemlichen Wohlstan-des erfreut. — In topographischer Hinsicht erhebt sich Hall vomJnn terrassenartig, aber enge zusammengedrängt mit 381 Häu-sern, durch 20 unebene, meistens enge Gassen mit einander ver-bunden, rings mit Gräben und FestungSmauern eingefaßt, diejedoch jetzt größtcntheils nach und nach verschwinden und hüb-schen Anlagen Platz machen. Sie zerfällt in die untere undobere Stadt. Die erstere steht in der Ebene am Jnn, südwärtsdurchschnitten vom Straßenzuge über die Jnnbrücke und aus einereinzigen Gasse bestehend. Die eigentliche oder obere Stadt breitetsich nördlich von der untern über einen Hügel auS, sie gewährtvon Ferne eine schöne Ansicht, ist aber in der Nähe weniger gefälligund auch regellos erbaut. Vier Thore, das Absamer-, das heil.Kreuz-, das Milser- und das Unterstadtthor öffnen den Auswegnach allen Weltgegenden. Das merkwürdigste Gebäude der Stadtist die Pfarrkirche, schon um 1271 erbaut und in der Folge durchfromme Spende» ansehlilich erweitert und verschönert. Ganz be-sonders berühmt ist die zur linken Seite des Chores angebauteWaldauf'sche Eapelle, von Florian von Waldauf, der sich, vongeringem Stamme entsprossen, durch seine Tapferkeit den Adelerrang, 1493— 1495 erbaut. Sie enthält einen reichen Reli-quienschatz. Das Hochaltarblatt ist von Quillin, einem SchülerRubens. Eine Holztafel unweit des Hochaltars enthält einevortreffliche Vorstellung von Christus, mit der Weltkugel in der
Hand von Albrecht Dürer. Unter den Grabmalen rings umdie Kirche zeichnet sich besonders jenes Speckbachers (geb. 1768,gest. 1820 als k. k. Oberwachtmeister) mit der Inschrift aus:„Im Kampfe wild, doch menschlich,
Im Frieden still und den Gesetzen treu,
War er als Krieger, Unterthan und MenschDer Ehre wie der Liebe werth."
Die übrigen bemerkcnswerthen Kirchen in Hall sind: VorAllen die heil. Geistkirche. Sie wurde schon 1342 gegründet,1610 neu erbaut und den Jesuiten überlassen, die daselbst auchein Gymnasium stifteten, das nach ihrer Aufhebung, den Be-nediktinern des Stiftes Viecht übergeben wurde und das gegen-wärtig die Franziskaner besorgen. Außer den Ringmauern derStadt gegen Absam zu, steht in lieblicher Landschaft das Fran-ziskanerkloster, das seit 1644 besteht, 1760 abbrannte, aberdurch die Gnade der Kaiserin Maria Theresia wieder schönerhergestellt wurde. Unter den, weltlichen Zwecken gewidmetenGebäuden zeichnen sich aus: Das alte Pathhaus, früher Für-stenhaus genannt; das k. k. Berg- und Salinenamt und dasHaupt-Normalschul-Gebäude. Zu deu vorzüglichsten Erzichungs-und Heilanstalten gehören das 1830 durch einen unbekanntenWohlthäter gegründete Taubstummen-Institut, das Militär-Er-ziehungshaus und die vortrefflich eingerichtete Irrenanstalt. Eineandere, jetzt leider eingegangene, für Hall von großem Vor-theil gewesene Anstalt war die Münze, im Jahre 1450 vonHerzog Sigmund gegründet, welche jene in Meran ganz inVerfall brachte. Die jetzt sehr selten gewordenen Zwanziger,welche 1809 der Sandwirth Hofer schlagen ließ, waren ihrletztes merkwürdiges Gepräge, im Jahre 1814 ging sie ein.Für den Verkehr findet außer dem Salzverschleiße ein lebhafterHandel zu Wasser mit dem Jnnviertcl und selbst mit WienStatt. Alle Samstage fährt ein Schiff nach Wien ab, dasWaaren aller Art und Reisende aufnimmt. Ferner blühen inHall eine Salmiakfabrik, die jährlich 200 bis 300 CcntnerSalmiak liefert, zwei Ziegel- und Kalk-Brennereien und vielestädtische Gewerbe, durch die Gunst der beiden Jahrmärkte imFrühling und Herbste gehoben und vortheilhaft unterhalten. AlsBehörden wirken das k. k. Landgericht erster Classe, das k. k.Berggericht und der ökonomische Magistrat der Stadt; für dielandesfürstlichcn Gefälle die k. k. Berg- und Salinen-Direction,das Salinen-Verschleißamt, das Hauptlegstattamt und das Ge-fällen-Wachkommando; für den Volksunterricht die Normalhaupt-schule. Auch treiben die Einwohner von Hall, die sich durchBiederkeit und Treuherzigkeit auszeichnen, nebst den Stadtge-werben auch Landbau und zwar auf einem Gebiete von 200 JochAckerfeld und 570 Morgen Wiesen. Der vorzüglichste Gegen-stand ihres Getreidebaues ist Mais und Roggen, wovon dieärmere Classe der Einwohner vorzüglich lebt. Der Salzbergist etwa dreiviertel Stunden, über Absam, eins der ältestenPfarrdörfer des Jnnthals, von Hall entfernt. Er hat eine Höhevon beiläufig 4428 Pariser Fuß über die Meeresfläche. Umdas Salz aus den Bergen zu gewinnen, werdön große Weitun-